


Die DP World Tour hängt finanziell an der PGA Tour, nun drängen LIV-Stars wie Rahm, Hatton und Garcia zurück – und langjährige Mitglieder wehren sich gegen eine Sonderbehandlung.
Die DP World Tour steht vor der Saison 2027 vor einer doppelten Belastungsprobe. Nach Zahlen von Josh Carpenter vom Sports Business Journal, die GolfMagic wiedergibt, erzielte die Tour 2025 zwar einen Gewinn vor Steuern von gut 4 Millionen US-Dollar. Die PGA Tour steuerte dabei rund 77 Millionen US-Dollar an finanzieller Unterstützung bei. Der zugrunde liegende operative Verlust betrug rund 85 Millionen US-Dollar. Gleichzeitig wollen nach der Insolvenz von LIV Golf zahlreiche Spieler zurück nach Europa, darunter Jon Rahm, Tyrrell Hatton und Sergio Garcia. Mitglieder wie Joost Luiten, Ewen Ferguson, Richard Mansell und Marc Warren wehren sich laut GolfMagic gegen eine Vorzugsbehandlung der Rückkehrer.
Carpenters Zahlen zeigen eine Tour, die 2025 stark von der PGA Tour unterstützt wurde: Rund 77 Millionen US-Dollar an finanzieller Hilfe stehen einem zugrunde liegenden operativen Verlust von rund 85 Millionen US-Dollar gegenüber. Beide Touren verbindet eine strategische Allianz, die sie 2020 geschlossen und 2022 ausgebaut haben. Die PGA Tour hält zudem einen Anteil an European Tour Productions.
Die Zahlen stammen aus zweiter Hand: Die Originalquelle des Sports Business Journal liegt uns nicht vor, die DP World Tour hat sich dazu nicht geäußert. Die Vereinbarung über die Anteile an European Tour Productions läuft Ende 2027 aus.
Genau in diese Lage fällt die Rückkehrwelle. Carpenter zufolge könnten heimkehrende Stars der Tour zusätzlichen kommerziellen Wert bringen, auch ein profitables Jahr 2027 sei möglich. Wie viele Ausnahmeregelungen die Tour den früheren LIV-Spielern gewährt, ist allerdings offen.
Am deutlichsten wurde Marc Warren. Der 45-jährige Schotte hat vier Turniere auf der Tour gewonnen und mehr als 500 Starts absolviert, seine Karte hat er dennoch verloren. Zuletzt spielte er auf der HotelPlanner Tour beim Grand Final auf Mallorca, fünf Schläge hinter der Spitze, um seinen Platz in der ersten Liga zurückzuerobern. „Wir schulden ihnen nichts“, sagte Warren laut GolfMagic der Zeitung The Scotsman. Mit Blick auf die Liste der Abtrünnigen fragte er: „Wer von denen kommt da nach Hause? Für mich keiner.“ Diese Spieler hätten die European Tour nicht als ihr Zuhause gewollt, sagte Warren.
Joost Luiten, 40 Jahre alt, sechsfacher Turniersieger und derzeit auf Rang 168 der Weltrangliste, argumentierte ähnlich. „Ja, sie werden wahrscheinlich zurückkommen, aber ich denke, es wäre eine schwache Entscheidung unserer Tour“, sagte er im Exklusivgespräch mit GolfMagic. „Spieler, die freiwillig ihre Mitgliedschaft aufgegeben haben, sollten nicht so einfach zurückkommen können.“ Ausnahmeregelungen seien für Mitglieder der Tour gedacht. Gegenüber Today's Golfer wurde er noch schärfer: „Sie haben sich entschieden, dem Geld hinterherzulaufen, und jetzt ist das Geld plötzlich weg.“
Gemäßigter äußerte sich David Horsey. Der 41-Jährige, ebenfalls viermaliger Sieger, wird von GolfMagic mit den Worten zitiert, als Mitglied wolle man, „dass sie sich ihren Platz verdienen“. Gegenstimmen gibt es auch: Lee Westwood, 25-facher Sieger auf der European Tour, erklärte zuletzt, wie GolfMagic berichtete: „Wer eine Ausnahmeberechtigung hat, sollte frei zurückkommen dürfen.“
Die Tour selbst hat ihre Regeln bereits am 12. Oktober verschärft. Wie CEO Guy Kinnings BBC Sport sagte, erhalten Spieler, die 2027 bei LIV Golf antreten, keine bedingten Freigaben mehr. Sie müssen offenlegen, auf welcher Tour sie spielen wollen. Wer bei der DP World Tour unterschreibt und danach doch für LIV abschlägt, riskiert die Kündigung seiner Mitgliedschaft. „Die Spieler müssen eine Entscheidung treffen“, sagte Kinnings. „Wir haben Regeln und Vorschriften, die unsere Tour schützen sollen und an die sich alle unsere Mitglieder halten müssen.“ Und weiter: „Spieler, die nicht bereit sind, sich an unsere Regeln und Vorschriften zu halten, sollten nicht versuchen, unserer Tour beizutreten.“
Bislang hatten LIV-Spieler ihre Mitgliedschaft über bedingte Freigaben und Vergleiche gehalten. Für Rahm und Hatton galten diese Vereinbarungen nur für 2026. Besonders heikel ist die Frage für Europas Ryder-Cup-Kandidaten, denn wer ins Team will, muss Mitglied der DP World Tour sein. Die Qualifikation für den Ryder Cup 2027 in Adare Manor läuft seit August 2026 und endet am 22. August 2027.
Kritik an der Regelung kam von Eddie Pepperell. „Was mich sofort überrascht, ist, dass das irgendwie wettbewerbswidrig klingt“, sagte Pepperell im Podcast „Chipping Forecast“. Seiner Ansicht nach könne die Tour einen Spieler nur sanktionieren, „wenn er ein LIV-Turnier spielt, das zeitgleich mit einem Event der DP World Tour stattfindet“.
Ausgelöst hat die Entwicklung der Zusammenbruch von LIV Golf. Nachdem der saudische Staatsfonds PIF seine Finanzierung zurückgezogen hatte, beantragte die Liga am 8. September 2026 in New Jersey Gläubigerschutz nach Chapter 11. Für einen Neustart als LIV 2.0 stellt BC Partners Credit bis zu 300 Millionen US-Dollar in Aussicht, verlangt aber eine „kritische Masse“ an Spielern. Die Liga peilt mehr als 75 an.
Viele Stars haben sich dagegen entschieden. Jon Rahm verließ LIV Mitte Oktober, Thomas Pieters, Charles Howell III und Louis Oosthuizen folgten in den Tagen danach, wie greenfeed.news über Pieters und Howell III und über Oosthuizen berichtete. Sergio Garcia, der seinen LIV-Vertrag beenden durfte, plant 2027 auf der DP World Tour. Auch Hatton, Abraham Ancer, David Puig und Tom McKibbin sind nicht Teil von LIV 2.0, Adrian Meronk will 2027 mit Blick auf den Ryder Cup zurückkehren. Ian Poulter steigt ebenfalls aus und setzt künftig auf die Seniorentouren. Er nannte die Entscheidung laut GolfMagic „unglaublich schwierig“.
Die Spannung mit den Mitgliedern hat Geschichte. 2022 verhängte die Tour Geldstrafen gegen LIV-Spieler, darunter 100.000 Pfund pro gespieltem LIV-Turnier gegen Garcia. Im Mai 2023 trat Garcia aus der Tour aus, seine Strafe blieb zunächst unbezahlt. Mittlerweile hat der Spanier sie beglichen.
Für Spieler ohne Status, etwa Joaquín Niemann, bleiben die Qualifying School oder eine Vereinbarung über eine festgelegte Zahl von Sponsoreneinladungen. Diese steht nur Spielern offen, die nicht bei LIV 2.0 antreten. Über Einladungen für einzelne Rückkehrer wie Pieters, Oosthuizen, Howell III oder Poulter hat die Tour nach unserem Stand noch keine Entscheidung veröffentlicht.
Vom 6. bis 11. November 2026 steht die Final Stage der Qualifying School an, durch die unter anderem Pablo Larrazábal nach 19 Jahren wieder gehen muss. Die Frist für Anträge auf Mitgliedschaft bei der DP World Tour endet am 16. November 2026. Ob LIV 2.0 überhaupt startet, sollte laut den Anwälten der Liga bis Ende Oktober feststehen. Ein Ergebnis lag Anfang November noch nicht vor (zur Zusagefrist für LIV 2.0). Die Vereinbarung der DP World Tour bzw. der Muttergesellschaft European Tour mit der PGA Tour über die Produktionsanteile läuft Ende 2027 aus, der Ryder Cup in Adare Manor findet vom 17. bis 19. September 2027 statt.
03 Nov 2026
Die Rückkehr auf die DP World Tour von Spielern, die zuletzt bei LIV Golf spielten (wie Sergio Garcia), erhitzt die Gemüter. (Foto: Imago / Zuma Press Wire)