


LIV Golf hat in den Monaten vor seinem Insolvenzantrag rund 15,6 Millionen US-Dollar an Halteprämien für sieben Führungskräfte ausgezahlt. Das geht aus Gerichtsunterlagen hervor, die am späten Donnerstagabend, dem 22. Oktober 2026, beim US-Insolvenzgericht in New Jersey eingereicht wurden, wie die Nachrichtenagentur AP am Samstag berichtete. Die Zahlungen fielen in die Zeit zwischen der Ankündigung des saudischen Staatsfonds PIF, die Finanzierung der Liga einzustellen, und dem Antrag auf Gläubigerschutz nach Chapter 11 am 8. September. Den größten Einzelbetrag erhielt CEO Scott O'Neil: 6,375 Millionen US-Dollar, überwiesen am 24. Juni. Die Unterlagen listen Zahlungen auf, die LIV Golf vor dem Insolvenzantrag geleistet hat. Eine Entscheidung des Gerichts dazu, ob die Halteprämien zulässig waren, ist nicht bekannt. Eine Stellungnahme von LIV oder den Managern zu den Zahlungen lag zunächst nicht vor.
Neben O'Neil bekamen am 24. Juni auch Finanzchef David Phillipps und Chefjurist John Ruzich Halteprämien: Phillipps erhielt 3,37 Millionen, Ruzich 2,6 Millionen US-Dollar. Zusammen mit O'Neils Zahlung entfallen damit gut 12,3 Millionen der 15,6 Millionen US-Dollar auf diese drei Manager. O'Neil hatte zudem bereits am 13. Februar einen Bonus von 2,7 Millionen US-Dollar erhalten.
Die Unterlagen listen außerdem 129 Zahlungen an Gläubiger in den 90 Tagen vor dem Insolvenzantrag auf. Daneben weisen sie Zahlungen an die Topspieler der Liga aus, die über einen längeren Zeitraum flossen: Jon Rahm erhielt im Jahr vor dem Antrag 26 Millionen US-Dollar. Auch Bryson DeChambeau mit rund 13,9 Millionen und Dustin Johnson mit 10,7 Millionen US-Dollar sind aufgeführt. Cameron Smith und Bubba Watson kamen auf jeweils rund 2,5 Millionen US-Dollar. Knapp ein Jahr vor dem Antrag, am 26. September 2025, erhielt Greg Norman, der den CEO-Posten im Januar 2025 abgegeben hatte, eine Vergleichszahlung von 5,8 Millionen sowie einen Bonus von 3,6 Millionen US-Dollar.
Auf der anderen Seite stehen Dienstleister, deren Rechnungen laut den Unterlagen offen sind. Mobbi Systems Group, verantwortlich für das Feature „Any Shot, Any Time", wartet auf mehr als eine Million US-Dollar. Fresh Tape Media, das die Medientage vor der Saison im Januar organisierte, fordert 1,2 Millionen US-Dollar und hat LIV inklusive Zinsen auf 1,23 Millionen verklagt. Die Verwertungsgesellschaft ASCAP steht mit 178.087,50 US-Dollar in den Büchern, TV-Kommentator Jerry Foltz mit 35.416,66 US-Dollar. Foltz' offene Forderung entspricht damit weniger als einem Prozent der 6,375 Millionen US-Dollar, die O'Neil am 24. Juni erhielt, am selben Tag wie Phillipps und Ruzich.
O'Neil war bei der Pressekonferenz vor dem Saisonfinale in Indianapolis am 19. August gefragt worden, ob LIV die offenen Rechnungen begleichen werde. „Ich hoffe es", antwortete er. Mit Blick auf die betroffenen Firmen sagte er laut AP beim Finale im August: „Wir tun alles, was wir können, um ihnen gegenüber das Richtige zu tun." Zugleich ließ O'Neil damals offen, wie es mit der Liga weitergeht: „Ich glaube nicht, dass wir irgendeine Option ausschließen würden", sagte er auf die Frage nach einer Insolvenz. Die Gespräche mit dem Investor BC Partners beschrieb er als „auf gutem Weg zu einer Transaktion". Über die Zukunft der Liga meinte er laut AP: „Für die nächste Generation wird es ganz sicher ein anderes Geschäft mit einem anderen Ablauf sein."
Auch die eigene Belegschaft ist betroffen: Anfang September entließ LIV 289 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, rund 90 Prozent des Personals.
Im April 2026 hatte der PIF erklärt, LIV Golf nach der Saison 2026 nicht mehr zu finanzieren. Seit dem Start der Liga 2022 hatte der Staatsfonds mehr als fünf Milliarden US-Dollar investiert, im Juni kam noch ein besichertes Darlehen über 495 Millionen US-Dollar hinzu. Am 8. September folgte der Antrag auf Gläubigerschutz in New Jersey; das Verfahren leitet Richter Michael B. Kaplan, die Schulden liegen bei mehr als 500 Millionen US-Dollar. Bereits damals standen Rahm, DeChambeau, Johnson und Smith ganz oben auf der Gläubigerliste, wie greenfeed.news zum Insolvenzantrag berichtete.
Retten soll die Liga eine Finanzierung von BC Partners über insgesamt 300 Millionen US-Dollar, die das Insolvenzgericht noch genehmigen muss. Die Spieler sollen 52,5 Prozent an der Liga halten und zusammen rund 30 Prozent an ihren Teams, BC Partners erhält das Recht auf ein eigenes Expansionsteam. „Unser Ziel ist es, LIV Golf auf einer soliden finanziellen Grundlage aus dem Restrukturierungsprozess herauszuführen", sagte Ted Goldthorpe, Credit Partner und Head of Credit bei BC Partners, wie Golfmagic berichtet. „Wir wollen, dass die Spieler, die diese Liga ausmachen, an dem teilhaben, was sie mit aufbauen."
Die Bedingung dafür: Mindestens die Hälfte der Spieler mit finanziellen Forderungen gegen LIV muss bei der neuen Liga mitmachen, und diese Spieler müssen zusammen mindestens zwei Drittel des Gesamtwerts aller Spielerforderungen halten. Die am 5. Oktober eingereichte Restrukturierungsvereinbarung verlangt zudem neue Spielerverträge im Sinne des Geschäftsplans für LIV 2.0, die jene Spieler umfassen, die BC Partners verlangt. Einzelheiten zum Deal lesen Sie in unserem Bericht über die 300-Millionen-Finanzierung.
Die neue Liga wäre deutlich kleiner. Geplant sind mindestens zehn Turniere, fünf im Team- und fünf im Einzelformat, mit Preisgeldern von rund neun Millionen US-Dollar statt bisher 20 Millionen bei den Einzelwertungen. Mehrere Spieler kehren LIV bereits den Rücken, darunter Rahm, der seine Trennung von LIV am 16. Oktober vereinbart hat, Sergio Garcia, Louis Oosthuizen, Adrian Meronk und David Puig. Auch Thomas Pieters und Charles Howell III wollen 2027 auf die DP World Tour. Die DP World Tour wird Spielern, die für LIV 2.0 unterschreiben, für 2027 keine bedingte Mitgliedschaft gewähren.
Die Frist, bis zu der genügend Spieler ihre Teilnahme zusagen müssen, lief an diesem Sonntag, dem 25. Oktober, ab. Sie war zuvor bereits vom 13. auf den 25. Oktober verschoben worden und wurde nun erneut verlängert; darüber entschied BC Partners. Nun soll bis Ende Oktober feststehen, wie viele Spieler sich für die Fortsetzung der Tour verpflichtet haben. Am 5. November ist die nächste Anhörung vor dem Insolvenzgericht angesetzt. Für Spieler, die zurück auf die DP World Tour wollen, endet die Bewerbungsfrist für die Mitgliedschaft am 16. November.
26 Oct 2026
Scot O'Neil, CEO von LIV Golf, hat kurz vor dem Insolvenzantrag einen Millionen-Bonus kassiert, während seine Lieferanten auf Geld warten. (Foto: Imago / Icon Sportswire)