


Die DP World Tour lässt ab 2027 keine Spieler mehr als Mitglieder zu, die sich der neuen Liga LIV Golf 2.0 anschließen. CEO Guy Kinnings bestätigte diese Linie am Montag, dem 12. Oktober, gegenüber BBC Sport. Mehrere Agenturen und Medien, darunter Associated Press und ESPN, griffen die Aussage noch am selben Tag auf.
Für die betroffenen Spieler steht viel auf dem Spiel: Nur wer Mitglied der DP World Tour ist, darf im europäischen Team beim Ryder Cup antreten. Dieser findet 2027 vom 17. bis 19. September in Adare Manor in Irland statt.
In den vergangenen Saisons hatte die Tour einen Mittelweg erlaubt. Rund neun Spielern wurden 2026 bedingte Freigaben gewährt, damit sie auf beiden Touren starten konnten – meist gegen Zahlung offener Strafen für ihre LIV-Auftritte. Diese Regelung läuft aus.
Künftig gilt ein klares Entweder-oder. Die Tour fordert von jedem Spieler, offenzulegen, wo er 2027 spielen will. Diese Angabe fließt in die Entscheidung über die Mitgliedschaft ein. Wer falsche Angaben macht und doch bei LIV antritt, riskiert den sofortigen Entzug der Mitgliedschaft. „Die Spieler müssen eine Entscheidung treffen", so Guy Kinnings, CEO der DP World Tour, gegenüber BBC Sport.
„Wir haben Regeln und Vorschriften, die unsere Tour schützen sollen und an die sich alle unsere Mitglieder halten müssen. Spieler, die nicht bereit sind, unsere Regeln und Vorschriften zu befolgen, sollten gar nicht erst versuchen, unserer Tour beizutreten", sagte Guy Kinnings weiter gegenüber BBC Sport.
Nach Informationen des britischen Mediums geht die Kehrtwende vor allem auf das neue Geschäftsmodell von LIV zurück: Die Liga bietet ihren Spielern künftig Anteile am Unternehmen an. Dieses Equity-Modell gilt bei der DP World Tour als unvereinbar mit ihrem Charakter als Mitgliederorganisation. Zugleich verhandelt die europäische Tour gerade ihre strategische Allianz mit der PGA Tour neu – die harte Haltung dürfte auch dazu dienen, in diesen Gesprächen die eigene Position zu stärken.
Die Spieler stehen unter doppeltem Zeitdruck. Für LIV 2.0 müssen sie sich bis zum 25. Oktober entscheiden. Für die Mitgliedschaft bei der DP World Tour läuft die Frist bis zum 16. November.
Betroffen sind rund 15 LIV-Spieler, die derzeit über eine der Mitgliedschaftskategorien einen Status bei der DP World Tour halten. Dazu zählen Jon Rahm, Tyrrell Hatton, Victor Perez und Tom McKibbin. Spieler ohne diesen Status, etwa Joaquin Niemann oder Thomas Pieters, hätten es deutlich schwerer: Sie müssten die Qualifikationsturniere durchlaufen oder eine Vereinbarung über Einladungen zu einzelnen Turnieren treffen – und auch das nur, wenn sie nicht bei LIV spielen.
Die ersten Namen sind bereits gefallen. Rahm hat über seinen Anwalt in einer Insolvenzanhörung erklärt, dass er bei LIV 2.0 nicht mitmacht; die neuen Konditionen bezeichnete die Spielerseite als „unacceptable" (nicht akzeptabel). Der zweifache Major-Sieger ist damit der prominenteste Abgang. Auch Sergio Garcia, dessen Vertrag aufgelöst wurde, sowie David Puig und Adrian Meronk haben dem Neustart abgesagt. Hatton hat sich öffentlich noch nicht festgelegt.
Auf der Gegenseite ist die Liste kurz: Richard Bland und Cameron Tringale sind bislang die einzigen Spieler, die sich öffentlich zu LIV 2.0 bekannt haben. Andere, darunter Bryson DeChambeau und Cameron Smith, ließen über Anwälte gerichtlich klären, ob eine Vertragsauflösung einer „Beendigung" gleichkommt – um sich die Tür zu Gesprächen mit Dritten offenzuhalten.
Für den Ryder Cup ist die Rechnung einfach: Rahm und Hatton waren 2025 in Bethpage unter Kapitän Luke Donald die einzigen beiden LIV-Europäer im Siegerteam. Wer sich jetzt für LIV entscheidet, verliert den DP-World-Tour-Status – und damit den Weg nach Adare Manor.
Die Entscheidung trifft LIV in einer heiklen Phase. Nachdem sich Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF nach der Saison 2026 als Geldgeber zurückgezogen hatte, stellte die Liga am 8. September in den USA einen Insolvenzantrag nach Chapter 11. Seit dem Start 2022 hat LIV nach Angaben aus dem Umfeld mehr als fünf Milliarden US-Dollar ausgegeben.
Als neuer Partner ist die Private-Equity-Firma BC Partners eingestiegen. Sie stellt eine Finanzierung von insgesamt bis zu 300 Millionen US-Dollar in Aussicht – fest zugesagt sind davon bislang allerdings nur vier Millionen, und das Geld ist an Bedingungen geknüpft, vor allem an die Verpflichtung einer ausreichenden Zahl von Spielern. LIV 2.0 soll deutlich schlanker ausfallen: zehn Turniere, kleinere Preisgelder, ein Fokus auf den Teamwettbewerb und eine Beteiligung der Spieler von 52,5 Prozent am Unternehmen.
BC-Partners-Manager Ted Goldthorpe gab sich zuletzt zuversichtlich, bis zur Frist am 25. Oktober eine „kritische Masse" an Spielern zusammenzubekommen. LIV-CEO Scott O'Neil wirbt mit dem Leitspruch „Complete, not compete" (ergänzen, nicht konkurrieren) für ein Modell, das andere Touren nicht ersetzen, sondern ergänzen soll. Die nächste Anhörung im Insolvenzverfahren war für Mittwoch, den 14. Oktober, angesetzt.
Mit dem Schritt nimmt die DP World Tour den LIV-Spielern eine ihrer wenigen verbliebenen sportlichen Bühnen außerhalb der eigenen Liga. Gerade bei nur zehn geplanten LIV-Turnieren kann der Zugang zur europäischen Tour über Weltranglistenpunkte und Major-Chancen entscheiden. Als realistischer Rückweg Richtung PGA Tour gilt das Beispiel von Patrick Reed: Er saß seine Sperre ab und arbeitet sich seither über die DP World Tour zurück nach oben, wo er die Punkteliste anführt. Die PGA Tour selbst hat bislang kein neues Rückkehrprogramm für LIV-Spieler angekündigt.
13 Oct 2026
Tyrrell Hatton und viele weitere LIV-Golf-Spieler müssen sich für oder gegen die DP World Tour entscheiden. (Foto: Imago / Action Plus)