


LIV Golf hat in der ersten Septemberwoche den Großteil seiner Belegschaft entlassen – nur wenige Tage nach dem Saisonfinale 2026. Die Liga steckt mitten in einer Restrukturierung, für die noch keine gesicherte Finanzierung über die gerade beendete Saison hinaus feststeht. Und während die Liga Fixkosten abbaut, bleibt zugleich offen, was mit den garantierten Verträgen ihrer Spielerinnen und Spieler passiert – allen voran mit den angeblich 150 Millionen US-Dollar, die Jon Rahm noch zustehen sollen.
Der Zeitpunkt ist der bislang deutlichste operative Hinweis darauf, dass der Übergang von der PIF-Finanzierung zu externem Kapital nicht wie geplant abgeschlossen wurde. LIV baut genau in dem Moment Personal ab, in dem ein neuer Geldgeber unterschreiben müsste – was sich sowohl als vorausschauendes Sparen vor einem nahezu sicheren Abschluss lesen lässt als auch als Vorbereitung der Liga auf ein Scheitern des Deals.
Der saudische Staatsfonds PIF hatte bereits im Laufe des Jahres 2026 bestätigt, dass seine Finanzierung nicht über die soeben beendete Saison hinausreicht – nach rund fünf Milliarden US-Dollar, die er über fünf Jahre in die Liga gesteckt hatte. Seither fährt LIV zwei Spuren parallel: die Suche nach 250 bis 350 Millionen US-Dollar externem Kapital über ein unterzeichnetes, aber nicht bindendes Term Sheet mit dem Kreditarm der Private-Equity-Firma BC Partners, sowie erste Vorbereitungen für eine mögliche Insolvenzanmeldung in den USA als Rückfalloption. Die Entlassungen fallen genau in diese Lücke – bevor eine der beiden Spuren öffentlich abgeschlossen ist.
Ein Sprecher von LIV Golf erklärte, die Personalkürzungen seien eine direkte Folge des auslaufenden PIF-Engagements: „Die von PIF früher in diesem Jahr angekündigte Finanzierungszusage läuft aus. Infolgedessen bauen wir den Betrieb zurück, während wir uns auf das nächste Kapitel von LIV Golf vorbereiten und daran arbeiten, LIV 2.0 Wirklichkeit werden zu lassen."
Weiter hieß es: „Wir sind unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dankbar für ihre harte Arbeit und ihren Einsatz beim Aufbau von LIV Golf, und wir bleiben dem Ziel verpflichtet, die Betroffenen durch diesen Übergang zu unterstützen."
Den betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern wurde mitgeteilt, dass ihr Arbeitsverhältnis unter der aktuellen, intern als „LIV 1.0" bezeichneten Version der Liga in der ersten Septemberwoche endet.
Die Liga verfolgt zwei mögliche Wege aus der Finanzierungslücke. Der bevorzugte: ein Abschluss über das unterzeichnete, aber nicht bindende Term Sheet, das laut Berichten mit dem Kreditarm von BC Partners verhandelt wird und 250 bis 350 Millionen US-Dollar frisches Kapital bringen soll. LIV hat BC Partners bislang nicht offiziell benannt.
Der Rückfallweg: eine Insolvenzanmeldung in den USA. LIV hat dafür erste Vorarbeiten unternommen, sollte die Kapitalsuche nicht rechtzeitig zum Abschluss kommen. Genau die Art des Verfahrens würde bestimmen, was mit den noch ausstehenden Zahlungen aus garantierten Spielerverträgen geschieht – und damit rückt ein Detail in den Fokus, das lange kaum beachtet wurde.
Rund 150 Millionen US-Dollar aus Jon Rahms nach hinten gestaffeltem LIV-Vertrag sollen noch offen sein. Mehrere Medien, die sich auf den Newsletter „Monday Q Info" berufen und von Golf Monthly weitergegeben wurden, berichten diese Summe – eine Primärquelle oder namentliche Bestätigung von LIV oder aus Rahms Umfeld gibt es dafür bislang nicht.
LIV hatte Rahm nach Medienberichten mit einem Gesamtvertrag zwischen 300 und 550 Millionen US-Dollar ausgestattet, von dem rund ein Drittel als Antrittsprämie ausgezahlt wurde, als er im Dezember 2023 von der PGA Tour wechselte. Damit gilt er als der deutlichste Testfall des Golfsports – sowohl wegen der berichteten Größenordnung seines offenen Betrags als auch, weil er selbst öffentlich erklärt hatte, „nicht viele Auswege" aus seinem Vertrag zu sehen.
Ein von Golf Digest zitierter Insolvenzanwalt ordnete ein, wie sehr der Ausgang von der Verfahrensart abhängt: Bei einer Liquidation nach Chapter 7 würde Rahms Anspruch mit denen aller anderen ungesicherten Gläubiger vermischt – von Mitspielern bis zu Zulieferern des Turnierbetriebs –, ohne Garantie, die 150 Millionen US-Dollar tatsächlich zurückzuerhalten. Bei einer Restrukturierung nach Chapter 11 könnte sein Anspruch stattdessen in Beteiligungen an einer der LIV-Teamfranchisen umgewandelt werden. In der Berichterstattung wird Rahm zudem als voraussichtlich größter einzelner Gläubiger im Falle einer LIV-Insolvenz beschrieben, wobei LIV-Spielerinnen und -Spieler insgesamt mehr als 250 Millionen US-Dollar an offenen Vertragszahlungen zustehen sollen.
LIV Golf hat weder eine konkrete Zahl der entlassenen Mitarbeitenden noch die am stärksten betroffenen Abteilungen genannt, ebenso wenig eine formale Abfindungs- oder Wiedereinstellungsregelung. Einzelne Berichte deuten informell an, entlassenes Personal könne zurückkehren, sollte der Deal mit BC Partners abgeschlossen und „LIV 2.0" gestartet werden – eine verbindliche Zusage dazu existiert bislang jedoch nicht.
Die Entlassungen fallen zudem mit ungelösten Rechtsstreitigkeiten mit Zulieferern zusammen, darunter die Klage von Fresh Tape Media wegen unbezahlter Produktionsrechnungen – ein weiterer Posten auf der Liste finanzieller Verpflichtungen, die die Liga während des Übergangs verwaltet.
Auch für Rahm bleibt eine zweite Frage offen: PGA-Tour-Commissioner Brian Rolapp hat erklärt, die Tour habe derzeit keinen Plan, ihn zurückzuholen, und jede Freigabe hinge ohnehin von Rahms eigenem LIV-Vertrag ab – einem Vertrag, dessen verbleibender Wert nun selbst infrage steht.
Die Entlassungen entlasten die Bilanz von LIV Golf auf dem Weg zum möglichen Abschluss mit BC Partners und verkleinern die Lücke zwischen dem, was die Liga aus eigener Kraft finanzieren kann, und dem, was ein neuer Investor tragen müsste. Zugleich nehmen sie der Liga genau die institutionelle Kapazität, die für einen etwaigen Neustart als „LIV 2.0" nötig wäre.
Wie auch immer LIVs Kapitalsuche oder ein möglicher Insolvenzweg ausgeht, wird zugleich die Antwort darauf sein, wie viel von seinem Vertrag ein Spieler wie Rahm am Ende tatsächlich erhält. Der Druck wächst damit auf die Führung, das Term Sheet zum Abschluss zu bringen oder eine konkrete Alternative zu benennen, bevor Vertrauen bei Spielerinnen, Spielern und Sponsoren weiter erodiert.
03 Sep 2026
Jon Rahm ist der größte Einzelgläubiger von LIV Golf und bangt um 150 Millionen Dollar. (Foto: Imago / Icon Sportswire)