


Der Zeitpunkt hätte kaum dramatischer sein können: Während in England das LIV Golf UK-Turnier im JCB Golf & Country Club seine Pforten öffnet, überschatten massive Fragezeichen den weiteren Verlauf der Saison. Martin Kaymer, ehemaliger Weltranglistenerster und Kapitän des Teams Cleeks GC, hat am Mittwoch gegenüber Today's Golfer unmissverständlich Klarheit geschaffen: Die für Ende August geplante Team Championship am Kurs The Cardinal in Michigan werde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht stattfinden.
„Michigan, highly unlikely. So basically, what we already knew" – zu Deutsch: „Michigan, höchst unwahrscheinlich. Das wussten wir im Grunde schon", sagte Kaymer dem britischen Magazin. Die Chance auf das Turnier bezifferte der 41-jährige Deutsche auf gerade einmal fünf Prozent. Als Grund nannte er unter anderem, dass die Infrastruktur auf dem Austragungsgelände noch nicht aufgebaut sei.
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LIV Golf ist eine 2022 gegründete, von Saudi-Arabien finanzierte Profi-Golftour, die mit üppigen Preisgeldern und einem neuen Teamformat viele namhafte Spieler von der etablierten PGA Tour und der DP World Tour abgeworben hat. Motor hinter dem Projekt war von Beginn an der Public Investment Fund (PIF), der staatliche Investitionsfonds Saudi-Arabiens.
Doch am 30. April 2026 kam der Paukenschlag: Der PIF kündigte an, seine finanzielle Unterstützung nach dem Ende der laufenden Saison einzustellen. Seit Gründung der Tour hatte der Fonds nach Medienberichten knapp sechs Milliarden US-Dollar in das Projekt gesteckt. Für eine Liga, die nie auf eigenen Beinen stand, ist das eine existenzielle Zäsur.
Was Kaymer besonders bitter aufstößt: Im Februar 2026 hatten Funktionäre den Spielern noch versichert, die Tour sei bis 2031 vollständig finanziert. „Uns wurde im Februar gesagt, wir seien bis 2031 vollständig finanziert, und zwei Monate später bricht alles zusammen. Das wäre einfach eine Schande", so Kaymer.
Ursprünglich waren für den Abschluss der Spielzeit 2026 vier Turniere vorgesehen. Doch die Probleme häufen sich: Bereits das für Juni angesetzte Event in New Orleans wurde kurzfristig abgesagt – offiziell wegen extremer Hitze und schlechter Platzbedingungen. Nun droht mit der Team Championship in Michigan auch das Saisonfinale zu fallen. Das 40 Millionen US-Dollar schwere Turnier gilt als sportliches Herzstück des LIV-Formats.
Der aktuelle Stand der verbleibenden Termine:
Kaymer berichtete außerdem von Überlegungen, das Teamformat ersatzweise nach Indianapolis zu verlegen. Eine Idee, die er selbst mit gemischten Gefühlen betrachtet: „Wie soll ein Team die ganze Saison gewinnen, wenn es kein Team-Event gibt? Die ganze Saison war irgendwie… da ist so viel passiert. New Orleans abgesagt. Höchstwahrscheinlich auch noch das letzte Event. Es ist wichtig, die Saison zu beenden – und hoffentlich haben wir einen Plan für 2027."
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Kaymer hatte am Dienstag an einem Kapitänsmeeting teilgenommen, bei dem LIV-CEO Scott O'Neil die Lage erläuterte. Das Ergebnis: viele Worte, wenig Verbindlichkeit. „Wir haben uns mehr Informationen erhofft. Wir haben zwar Informationen bekommen, aber wir haben eigentlich auf Entscheidungen gewartet. Und leider kann selbst Scott uns das nicht sagen, weil er es selbst nicht weiß", berichtete der zweifache Major-Champion.
O'Neil versucht derzeit, rund 350 Millionen US-Dollar von neuen Investoren einzusammeln, um den Spielbetrieb 2027 sicherzustellen. Bis September 2026 soll eine Finanzierungszusage vorliegen. Grundsätzlich gibt Kaymer die Stimmung verhalten optimistisch wieder: „Sie arbeiten mit vollem Einsatz daran, einen Deal zu bekommen. Aber wenn die Unterschrift nicht da ist, bedeutet das alles nichts."
Eine Entscheidung über das Michigan-Event soll demnächst fallen – spätestens beim vorletzten Saisonstop in Bedminster in zwei Wochen.
Die drohende Absage des Saisonfinales ist nicht der einzige Gegenwind für die Tour. Erst am Dienstag gab die Asian Tour bekannt, ihre Partnerschaft mit LIV Golf zu beenden und stattdessen eine strategische Allianz mit der PGA Tour und der DP World Tour zu schließen – ein schwerer Schlag für LIV, das die asiatische Tour als zentrales Element seines Auf- und Abstiegssystems sowie als Quelle für Weltranglistenpunkte genutzt hatte. Wie das diese Entwicklung einzuordnen ist und welche Folgen sie für den globalen Profigolf hat, haben wir in unserem gestrigen Artikel zur Drei-Touren-Allianz ausführlich beleuchtet.
Zudem häufen sich juristische Probleme: Ein kanadisches Technologieunternehmen verklagt die Tour auf über eine Million US-Dollar wegen unbezahlter Rechnungen. Branchenbeobachter berichten, dass LIV bereits Restrukturierungsexperten und auf Insolvenzverfahren spezialisierte Berater engagiert hat.
Auch der Blick auf andere LIV-Stars trübt das Bild. Topstar Jon Rahm, der beim British Open in Royal Birkdale als Geteilter 46. enttäuschte, hielt sich auf Fragen zu seiner LIV-Zukunft bedeckt: Er sei zwar informiert, könne aber nichts Öffentliches dazu sagen. Rahm hat sich offenbar bereits mit einer Vereinbarung mit der DP World Tour abgesichert.
Trotz allem hat Kaymer den Glauben an die Tour noch nicht aufgegeben. Er hofft auf einen Neustart 2027 – mit einem schlankeren Modell, mehr Unabhängigkeit und einem klaren Reset. „Es ist ein bisschen traurig. Wir haben alle in dieses Jahr investiert – nicht finanziell, sondern mit Zeit, Emotionen, Hoffnungen und unserer Vision", sagte er. Und dann, mit einem Blick nach vorn: „Wir müssen auf den Reset-Knopf drücken und versuchen, im nächsten Jahr unabhängiger zu sein."
Ob es ein nächstes Jahr für LIV Golf gibt, entscheidet sich in den kommenden Wochen. Die Uhr tickt.
23 Jul 2026
Martin Kaymer, Kapitän und Spieler des LIV Golf Teams "Cleeks", hält die Austragung der Team Championship der Turnierserie für "unwahrscheinlich". (Foto: Imago / Andre Engelmann)