


Die PGA Tour, die DP World Tour und die Asian Tour haben am Dienstag eine gemeinsame strategische Allianz bekanntgegeben, die sofort in Kraft tritt und mindestens bis 2029 gilt. Die Einigung wurde während der Open Championship im englischen Royal Birkdale erzielt und sieht unter anderem gemeinsam ausgetragene Turniere sowie neue Spielerwege zwischen den Touren vor.
Ab der Saison 2027 werden die DP World Tour und die Asian Tour mindestens zwei Turniere pro Jahr gemeinsam co-sanktionieren. Führende Spieler der Asian Tour erhalten zudem Zugang zur DP World Tour oder zur HotelPlanner Tour – dem europäischen Pendant zur Korn Ferry Tour. Von der DP World Tour wiederum führt ein direkter Weg zur PGA Tour: Die zehn besten Spieler der Race to Dubai erhalten jährlich eine PGA Tour Card.
Damit knüpfen die European Tour und die Asian Tour an eine langjährige gemeinsame Geschichte an. Bereits 1999 wurde mit der Malaysian Open das erste gemeinsam co-sanktionierte Turnier ausgetragen. Von 2016 bis 2021 bestand eine formelle strategische Allianz, in der insgesamt 108 Turniere gemeinsam veranstaltet wurden – bevor die Asian Tour 2022 eine Partnerschaft mit LIV Golf einging.
Cho Minn Thant, Commissioner und CEO der Asian Tour, erklärte zur Neuausrichtung: „Die drei Touren unter einer Partnerschaft zusammenzubringen, wird die Reichweite des professionellen Golfs in Asien erhöhen. Co-sanktionierte Events werden unsere Mitglieder regelmäßig auf der globalen Bühne zeigen, und wir freuen uns darauf, Spieler der anderen Touren bei unseren Hauptturnieren willkommen zu heißen."
Verfolgen Sie hier hier die LIVE-Leaderboards von PGA Tour, DP World Tour und LIV Golf.
Der Schritt kommt nicht überraschend – zumindest im Rückblick. Die Asian Tour hatte sich 2022 eng an LIV Golf gebunden, als die von Saudi-Arabien finanzierte Liga 300 Millionen US-Dollar in die Entwicklung der sogenannten „International Series" investierte: eine Turnierserie mit Preisgeldern von bis zu zwei Millionen US-Dollar pro Event. Seitdem hat sich das Umfeld grundlegend verändert.
Gegenüber Golf Digest ließ Thant keinen Zweifel an den Beweggründen: „Vor sechs Jahren war eine Partnerschaft mit LIV Golf die richtige Entscheidung. Angesichts der aktuellen Umstände mussten wir uns nach anderen Optionen umsehen. Wege zu verschiedenen Touren sind für unsere Mitglieder sehr wichtig."
Open-Champion Ryan Fox, der auf allen drei Touren aktiv war, begrüßte die Entwicklung auf dem Sender „The Pat McAfee Show": „Das ist riesig für den Golfsport. Es gibt viele gute Spieler auf der ganzen Welt, und dieser Weg von der Asian Tour ist fantastisch. Ich denke, es wird großartig für Golf sein, dass die Touren so zusammenarbeiten."
Für LIV Golf kommt die Ankündigung zur denkbar ungünstigsten Zeit. Wie Golf Digest berichtete, wurde CEO Scott O'Neil von dem Deal völlig überrascht – er erfuhr von der Einigung erst am Montag, einen Tag vor der öffentlichen Bekanntgabe. Der Vertrag war offenbar während der Open Championship zwischen den drei Touren ausgehandelt worden, ohne dass LIV Golf in irgendeiner Form eingebunden war.
Die Folgen für die Liga sind weitreichend. Die Asian Tour war nicht nur ein strategischer Partner, sondern auch ein zentrales Element von LIVs Auf- und Abstiegssystem, das dem Wettbewerb erst die für World-Ranking-Punkte notwendige Glaubwürdigkeit verlieh. Zudem hatte O'Neil im Rahmen seines „LIV 2.0"-Konzepts gegenüber potenziellen Investoren mit acht bis zehn asiatischen Nationalturnieren auf dem Spielplan geworben. Diese Perspektive ist nun hinfällig.
Die finanzielle Lage der Liga bleibt angespannt. Der saudi-arabische Staatsfonds PIF, der LIV Golf seit 2022 mit umgerechnet mehr als fünf Milliarden US-Dollar finanziert hat, stellt seine Einlagen nach der laufenden Saison ein und gewährt der Liga derzeit lediglich Überbrückungsdarlehen. O'Neil sucht nach Angaben mehrerer Medien zwischen 250 und 350 Millionen US-Dollar an Fremdkapital, um den Betrieb 2027 aufrechterhalten zu können. Parallel dazu hat LIV Restrukturierungsexperten engagiert und Mitarbeiter über mögliche Stellenabbaumaßnahmen informiert.
Zusätzlichen Druck erzeugt eine Klage des kanadischen Technologieunternehmens Mobii Systems, das LIV Golf vor dem US-Bezirksgericht in Miami auf rund 1,13 Millionen US-Dollar verklagt. Das Unternehmen lieferte die „Any Shot, Any Time"-Technologie für LIVs TV-Übertragungen und gibt an, seit Monaten keine Zahlungen mehr erhalten zu haben. LIV Golf hat auf eine Anfrage zur Stellungnahme bislang nicht reagiert.
Die führenden Vertreter der drei Touren betonten die historische Bedeutung der Partnerschaft. PGA Tour-Vizepräsident Christian Hardy erklärte in der offiziellen Pressemitteilung: „Diese Vereinbarung ist ein weiteres Beispiel dafür, was möglich ist, wenn Organisationen mit einer gemeinsamen Vision für die Zukunft des professionellen Golfs zusammenkommen. Gemeinsam schaffen wir neue Möglichkeiten für Spieler, stärken wichtige Nationalturniere weltweit und entwickeln kontinuierlich Wege, um die nächste Generation von Elite-Talenten zu fördern."
Ben Cowen, Chief Tournament and Operations Officer der DP World Tour, ergänzte: „Wir freuen uns, unsere historische Beziehung zur Asian Tour wiederzubeleben und sie durch die Hinzunahme der PGA Tour in unserer neuen Partnerschaft zu stärken. Unsere Vereinbarung stellt nicht nur einen äußerst positiven Schritt für den Golf in Asien dar, sondern auch ein aufregendes neues Zeitalter der globalen Zusammenarbeit."
Rory McIlroy, sechsfacher Major-Champion und einer der profiliertesten Fürsprecher eines geeinten Profi-Golfs, kommentierte die Nachricht auf Social Media knapp, aber unmissverständlich: „Positive Neuigkeiten, und schön zu sehen, dass die jeweiligen Touren zum Wohl des internationalen Golfs zusammenarbeiten."
Konkrete Details zu den co-sanktionierten Turnieren sollen im Herbst 2026 zusammen mit dem DP World Tour-Spielplan für die Saison 2027 bekanntgegeben werden. Auch die genauen Qualifikationskriterien für die Spieler-Pathways stehen noch aus.
Die neue Dreiеralianz fügt sich in ein größeres Bild: Zuletzt hatten PGA Tour und DP World Tour bereits die Australian Open gemeinsam co-sanktioniert. Das Augusta National wiederum öffnete seine Einladungsliste für die Sieger von sechs Nationalturnieren. Der globale Profigolf bewegt sich damit erkennbar in Richtung eines stärker vernetzten, hierarchisch geordneten Turniersystems – mit der Asian Tour nun wieder fest im Verbund der etablierten Touren.
Für LIV Golf dagegen bleiben nach dem aktuellen Rückschlag vier verbleibende Events in der Saison 2026, um Investoren von der Zukunftsfähigkeit der Liga zu überzeugen. Wie diese Zukunft aussehen könnte, ist derzeit offen.
22 Jul 2026
LIV Golf hat das Nachsehen: PGA Tour, European Tour und Asian Tour sind eine strategische Allianz eingegangen. (Foto: Imago / NurPhoto)