


Die PGA Tour hat ihre weitreichendste Strukturreform seit der Gründung angekündigt. Ab 2028 teilt sich die Tour in Championship Series und Challenger Series auf, mit Auf- und Abstieg, Match Play in der Postseason und dem Ende der Sponsor Exemptions. (Alle Details zur Reform finden Sie hier in unserem ausführlichen Artikel) Die Reaktionen aus der Spielerwelt sind schnell und eindeutig – überwiegend positiv, teils erleichtert, aber nicht ohne substanzielle Vorbehalte. Ein Thema zieht sich dabei wie ein roter Faden durch fast alle Wortmeldungen: die Challenger Series.
Wer in den Tagen rund um das Travelers Championship mit PGA-Tour-pielern spricht, hört vor allem eines: Erleichterung. Collin Morikawa bringt es auf den Punkt. Der zweifache Major-Champion gab in einem Auftritt bei der Rich Eisen Show an, dass es unter den Spielern hinter den Kulissen erstaunlich wenig Diskussionsbedarf gab – und er das als gutes Zeichen wertet.
„Nein, nein, nein – und ich denke, es gab unter uns Spielern nicht so viel Gesprächsbedarf, wie man vielleicht denken würde. Und ich glaube, das ist ein gutes Zeichen. Das zeigt, dass diese Veränderungen zum Besseren sind", sagte Morikawa.
Xander Schauffele, zehnfacher Tour-Sieger, beschreibt auf Sirius XM vor allem das Ende einer Phase der Ungewissheit: „Die letzten drei oder vier Jahre waren ein bisschen hektisch. Man wusste zwar, wofür man spielt, aber gleichzeitig wusste man nie, was als nächstes passiert. Man hat sich fast schon einen Witz daraus gemacht: ‚Na ja, wenn es nicht gut ist, ändert es sich nächstes Jahr sowieso wieder.' Es ist schön, an einem Punkt zu sein, an dem versucht wird, einen endgültigen Rahmen zu schaffen – für die Zukunft und für kommende Generationen."
Ben Griffin, einer der auffälligsten Spieler der vergangenen Saison mit drei Siegen, argumentiert vor allem aus der Perspektive der Fans. Er schildert, dass Freunde das bisherige System schlicht nicht verstanden hätten – und gibt zu, dass er selbst als Spieler gelegentlich den Überblick verlor, wofür er in einer bestimmten Woche eigentlich spielte. „Ich denke, es wird unglaublich wettbewerbsintensiv sein. Es wird ein unglaubliches Produkt werden. Es wird für Fans leichter zu verfolgen sein, und ich denke, das ist gut. Aber ja, es gibt noch viele Unbekannte, und ich denke, wir werden es einfach abwarten müssen. Ich bin überzeugt, dass es am Ende unglaublich wird."

Neben der grundsätzlichen Zustimmung zur neuen Struktur stechen einige Punkte hervor, die von mehreren Seiten ausdrücklich gelobt werden.
Die Rückkehr des Cuts ist für Shane Lowry eine der wichtigsten Entscheidungen überhaupt. Der Open-Champion aus dem Jahr 2019 äußerte sich im Fried Egg Golf Podcast und erinnert an einen konkreten Moment, der für ihn die Bedeutung des Cuts exemplarisch verdeutlicht: „Ich denke, es sollte immer einen Cut geben. Wenn du an einem Freitagabend auf der Cut-Linie auf der letzten Runde spielst, ist das etwas ganz anderes als wenn es keinen Cut gibt. Denk nur an das Memorial vor ein paar Wochen zurück – Rory, der JT auf dem 18. Grün umarmt, als er den Putt versenkt hat, um den Cut zu schaffen. Das ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Sports. Ich bin froh, ihn zurück zu sehen."
Das Ende der Sponsor Exemptions wird von Rich Beem, dem ehemaligen PGA Champion und heutigen Sky Sports Kommentator, besonders hervorgehoben. Für ihn ist das allein schon ein Paradigmenwechsel: „Entweder du bist dabei oder nicht. Und ich denke, allein das ist Gold wert."
Mehr direkte Duelle zwischen den weltbesten Spielern war eines der meistgenannten Ziele der Reform – und es ist das Argument, das Morikawa am stärksten betont. Größere Felder, Cuts, die besten Spieler Woche für Woche gegeneinander – „Dinge, die dem Golfsport naturgemäß entsprechen", wie er es formuliert.
So einhellig die Zustimmung zur Championship Series ausfällt, so deutlich sind die Fragezeichen, die hinter der Challenger Series stehen. Lowry bringt das Dilemma direkt auf den Punkt: „Ich mache mir Sorgen um die kleineren Events und die Tier-2-Events – wie sie tatsächlich aussehen werden, wer in diesen Feldern spielen wird, was das für ein Erlebnis sein wird. Wenn du in den großen Events dabei bist und in diesem Teil der Tour bist, ist es großartig. Wenn nicht, wird es ziemlich hart sein."
Lowry ist damit nicht allein. Rory McIlroy, der amtierende Masters-Champion, hatte in der Woche der US Open noch unverblümt von „glorifizierten Korn-Ferry-Events" gesprochen – eine Formulierung, die in Cromwell für Wirbel sorgte und CEO Brian Rolapp zu einer ausführlichen Gegenrede veranlasste. McIlroy ruderte nach der offiziellen Ankündigung zwar zurück und bezeichnete sie als „positiven Schritt für den professionellen Golfsport" – seine ursprüngliche Skepsis dürfte aber stellvertretend für viele Spieler stehen, die noch abwarten wollen, welche konkreten Turniere in welcher Serie landen.
Eine besonders präzise Warnung kommt von Rich Beem, der bei Sky Sports die Travelers Championship kommentiert. Er richtet sich direkt an die Tour-Führung und nennt ein konkretes Beispiel: Die Canadian Open dürfe unter keinen Umständen in der Challenger Series landen. „Ich wäre überrascht, wenn sie es nicht täten – denn es sind zu viele Kanadier, die innerhalb der Top 120 sein werden. Ihnen keine Möglichkeit zu geben, bei ihrer nationalen Meisterschaft zu spielen – ich denke, das wäre schändlich. Wirklich. Das wäre ein sehr schlechter Schritt für die Tour." Beems Argument ist exemplarisch für eine breitere Debatte: Welche Turniere mit Geschichte, nationaler Bedeutung und treuer Fangemeinde werden es in die Championship Series schaffen – und welche nicht?
Während die strukturellen Fragen die meiste Aufmerksamkeit auf sich ziehen, wirft Tommy Fleetwood einen anderen, nicht minder wichtigen Aspekt auf: die physische und mentale Belastung eines komprimierten Kalenders.
Der Engländer, der in der Regel 27 bis 28 Turniere pro Saison bestreitet, äußert sich vor dem Travelers Championship nachdenklich. Er begrüßt zwar, dass die besten Spieler künftig öfter aufeinandertreffen werden – aber er macht keinen Hehl daraus, dass der verdichtete Rhythmus seinen Preis hat. „Ich denke, in den letzten Jahren wurde der Kalender immer komprimierter. Zu dieser Jahreszeit sieht man es deutlich: Es ist leicht, sich müde zu fühlen. Kleine Wehwehchen tauchen auf, und auch mental kann es seine Spuren hinterlassen. Aber wir haben die Möglichkeit, daraus zu lernen und das in die folgende Saison mitzunehmen."
Fleetwood betont, dass die Spieler lernen müssen, ihren Körper und ihr Pensum unter den neuen Bedingungen noch bewusster zu steuern. Als europäischer Spieler schätzt er dabei besonders, dass der internationale Kalender im Herbst weiterhin Raum für Events in Europa lässt – ein Detail, das für eine ganze Reihe von Spielern jenseits des Atlantiks von Bedeutung sein dürfte.
Die Reaktionen auf die PGA Tour Reform 2028 spiegeln das wider, was das neue Modell selbst verkörpern will: Klarheit. Die Zustimmung ist breit, die Erleichterung spürbar – und die Kritik dort konzentriert, wo tatsächlich noch Unklarheit herrscht. Niemand zweifelt grundsätzlich an der Richtung. Die Fragen drehen sich um die Umsetzung.
Wie gut die Challenger Series wird, hängt davon ab, welche Turniere dort landen und wie die Tour es schafft, das zweite Gleis für Fans und Sponsoren attraktiv zu machen. Welche nationalen Opens und Traditionsevents in die Championship Series aufgenommen werden, ist eine Entscheidung mit sportlicher, kultureller und wirtschaftlicher Tragweite. Und ob der komprimierte Kalender die Spieler auf Dauer fordert oder überfordert, wird sich erst auf dem Platz zeigen.
2028 liegt noch vor uns. Die Urteile werden nicht in Pressekonfernzen gefällt – sondern in den Feldern, die noch zusammengestellt werden müssen.
26 Jun 2026
Tommy Fleetwood ist mit den Reformen der PGA Tour weitgehend einverstanden -so wie die meisten Spieler. (Foto Imago / Zuma Press Wire)