


LIV Golf steht vor einer Zäsur. Mehrere Medienberichte gehen davon aus, dass der Public Investment Fund (PIF), der saudische Staatsfonds und Hauptfinanzier der Liga, seine Unterstützung nach der Saison 2026 einstellen wird. Demnach sollen Spieler sowie Mitarbeitende kurzfristig – teils ist von einem Briefing „bis Donnerstag“ die Rede – über den bevorstehenden Kurswechsel informiert werden. Für die erst 2022 gestartete Tour, die den Profisport Golf mit hohen Garantiesummen, einem Teamformat und riesigen Preisgeldern neu ordnen wollte, würde ein Rückzug des zentralen Geldgebers eine Existenzfrage auslösen.
Ausgangspunkt der aktuellen Dynamik ist ein Bericht des Wall Street Journal, auf den sich mehrere Redaktionen beziehen. Danach plant LIV Golf, das Tourpersonal und die Spielerseite zeitnah darüber zu unterrichten, dass der PIF die Finanzierung nach der laufenden Saison 2026 beendet. Golfweek schreibt, eine „offizielle Ankündigung“ gegenüber Mitarbeitenden und Spielern werde für Mittwochabend oder Donnerstag erwartet; das solle dem LIV‑CEO Scott O’Neil formal den Weg freimachen, nach alternativen Finanzierungsquellen zu suchen.
Auch The Guardian berichtet, LIV‑Verantwortliche stünden kurz davor, den Athleten zu bestätigen, dass die saudische Finanzierung am Ende von 2026 ausläuft. Ohne einen Ersatz – den das Blatt als „unwahrscheinlich“ beschreibt – stehe LIV in seiner bisherigen Form vor dem Aus.
LIV selbst äußerte sich in mehreren Berichten zunächst nicht oder nur indirekt; verschiedene Medien berichten, dass sie um Stellungnahmen gebeten hätten. In der Gesamtschau ist die Faktenlage daher zweigeteilt: Der erwartete PIF‑Rückzug wird von mehreren Quellen übereinstimmend beschrieben, eine umfassende öffentliche Erklärung der Tour liegt in den zitierten Texten jedoch (noch) nicht vor.
LIV Golf wurde 2022 als Gegenentwurf zur PGA Tour aufgebaut: kleinere Teilnehmerfelder, kein Cut, Shotgun-Starts und ein Teamformat sollten ein neues Produkt schaffen – getragen von einem Finanzmodell, das in den ersten Jahren vor allem eines war: hoch subventioniert. Mit großen Garantiesummen und signifikantem Preisgeld lockte LIV prominente Namen an, darunter Major-Sieger und Publikumsmagneten wie Bryson DeChambeau, Jon Rahm, Phil Mickelson oder Dustin Johnson.
Sollte der PIF tatsächlich aussteigen, wäre genau dieses Modell infrage gestellt. Ohne saudisches Geld ist es nahezu unmöglich, die Lücke über klassische Erlösquellen wie Sponsoring und Ticketing kurzfristig zu schließen; realistische Optionen reichen von einem Schrumpfen der Tour bis hin zu einer Fusion oder dem Ende des Betriebs in der bisherigen Form.
Parallel zu den Finanzierungsberichten gibt es ein weiteres Signal, das viele Beobachter als Hinweis auf eine Neuausrichtung werten dürften: Yasir Al‑Rumayyan, Gouverneur des PIF und Schlüsselfigur bei der Entstehung von LIV, soll seine Rolle als Chairman des LIV‑Boards abgeben. Sports Business Journal habe dies unter Berufung auf mehrere informierte Personen berichtet, schreibt die Associated Press; LIV plane demnach, am Donnerstag eine Strategie für die Zeit nach dem Hauptfinanzier zu präsentieren – einschließlich einer neuen Board-Struktur und der Suche nach externen Partnern.
In der AP‑Darstellung wird zudem deutlich: Entscheidungen über Al‑Rumayyans Rolle seien letztlich eng mit dem PIF verknüpft, den er seit 2015 führt. Gerade deshalb gilt sein möglicher Rückzug vielen als Indiz dafür, dass die saudische Seite die Prioritäten neu setzt.

Wie groß der finanzielle Hebel des PIF ist, zeigen die Zahlen, die in den Berichten kursieren. LIV hat seit dem Debüt 2022 mehr als 5 Milliarden Dollar verloren und es nicht geschafft, insbesondere in den USA ein nennenswertes TV‑Publikum zu gewinnen. Bis Jahresende könne das Investment auf 6 Milliarden steigen.
Die Konsequenz ist klar: Ein Investor, der nach 2026 einsteigt, würde ein Produkt übernehmen, das bisher vor allem durch die Finanzkraft eines Staatsfonds stabilisiert wurde. Genau deshalb ist auch in der AP‑Darstellung von einem möglichen „Repositioning“ die Rede – womöglich mit weniger Turnieren als bislang und stärkerem Fokus auf die Team-Franchises, also das Element, das LIV von Beginn an als Alleinstellungsmerkmal ins Zentrum stellte.
LIV‑CEO Scott O’Neil ist die zentrale öffentliche Stimme der Tour. In einem (zwischenzeitlich gelöschten und dann neu geschnittenem) Interview mit TNT räumte O’Neil kürzlich ein, dass die Tour „durch die Saison finanziert“ sei und man dann „wie verrückt arbeiten“ müsse, um einen Businessplan für die Zukunft zu bauen. Wörtlich sagte er: „Die Realität ist: Du bist durch die Saison finanziert, und dann arbeitest du wie verrückt daran, einen Geschäftsplan zu entwickeln, um uns am Laufen zu halten“, sagte O’Neil.
Gleichzeitig setzt O’Neil öffentlich auf Zuversicht. Im selben Kontext fiel ein Satz, der den Spagat zwischen PR und Unsicherheit prägnant macht: „LIV Golf ist in der besten Verfassung, die es in seiner Geschichte je hatte – Punkt, Ende des Satzes“, sagte O’Neil.
Zusätzliche Unruhe entstand Anfang der Woche, als das LIV Golf Event in Louisiana verschoben wurde. LIV will sein für Juni geplantes Event in Louisiana wegen der Hitze im Sommer auf den Herbst verlegt haben; das nächste Turnier ist Anfang Mai in Virginia angesetzt. USA TODAY verweist auf die Verlegung als Teil wachsender operativer Probleme.
Die Verschiebung ist nicht zwangsläufig ein Beweis für eine Finanzkrise – kann in einer Tourplanung viele Gründe haben. In der aktuellen Gemengelage verstärkte sie aber die Spekulationen über die Stabilität des Projekts, weil sie zeitlich mit den Berichten über das Ende der PIF‑Finanzierung zusammenfiel.
Mit dem möglichen Finanzierungsende stellt sich für viele LIV‑Profis eine unmittelbare Frage: Wo spielen sie ab 2027 – und unter welchen Bedingungen? Golf Digest berichtet, dass Vertreter mehrerer LIV‑Spieler bereits Kontakt zur PGA Tour aufgenommen haben, um über eine mögliche Rückkehr zu sprechen. Demnach sei ein Weg zurück grundsätzlich denkbar, aber „deutlich restriktiver“ als jener, den Brooks Koepka erhalten habe.
Koepka war im Januar über ein von der PGA Tour geschaffenes Programm zurückgekehrt, das an sportliche Kriterien gekoppelt war und nur wenige LIV‑Spieler überhaupt erfüllen konnten. Für das sogenannte "Returning Member Programm" qualifizierten sich neben Koepka lediglich Cameron Smith, Jon Rahm und Bryson DeChambeau – alle drei hatten das Angebot jedoch nicht angenommen.
Entscheidend ist ein Satz, den Golf Digest einer Quelle der PGA Tour zuschreibt: Das Programm werde „voraussichtlich nicht erneuert“, weil „die Situation jetzt anders ist“. Damit wird die Logik der Tour sichtbar: Eine Rückkehr in dem Moment zu erleichtern, in dem LIV ohnehin zu schrumpfen droht, hätte eine andere Signalwirkung, als Spielern einen definierten Pfad anzubieten, solange LIV noch als Alternative existiert.
PGA‑Tour‑CEO Brian Rolapp beschreibt in mehreren Quellen eine harte Haltung. AFP zitiert ihn mit den Worten: „Es gab Regeln, und sie wurden gebrochen. Mit Regeln kommt Verantwortung.“ Und Golf Digest greift zusätzlich ein Motiv auf, das in der Debatte seit dem LIV‑Start immer wieder auftauchte: die Nachwirkungen der juristischen Auseinandersetzungen. Rolapp wird dort so zitiert: „Ich habe nicht unbedingt Narben, aber es gibt viele Menschen auf unserer Tour, die welche haben. Das muss in irgendeiner Form berücksichtigt werden.“
Für Spieler bedeutet das: Selbst wenn LIV nach 2026 nur noch eingeschränkt existiert oder ganz verschwindet, ist die Rückkehr zur PGA Tour nicht automatisch ein Selbstläufer. Der politische und regulatorische Preis – Sperren, Bedingungen, Kategorien von Mitgliedschaften – dürfte von Fall zu Fall verhandelt werden.
In den kommenden Tagen könnte sich entscheiden, ob aus Berichten eine offizielle Linie wird. Mehrere Quellen erwarten zeitnahe Gespräche oder Briefings der LIV‑Führung mit Spielern und Mitarbeitenden. Gleichzeitig deuten mehrere Berichte an, dass LIV eine neue Board‑Struktur und einen Plan für die Zeit nach dem Hauptfinanzier präsentieren könnte – inklusive Investorensuche und möglicher Anpassungen am Turnierkalender.
Der sportliche Kalender läuft zunächst weiter: Als nächstes Event steht das Turnier Anfang Mai in Virginia an. Was darüber hinaus passiert, hängt jedoch wesentlich von einer Frage ab: Findet LIV rechtzeitig einen Geldgeber, der bereit ist, entweder das bestehende Modell zu tragen – oder die Tour so umzubauen, dass sie ohne den milliardenschweren Rückhalt des PIF lebensfähig wird?
30 Apr 2026
LIV-Golf-CEO Scott O'Neil hätte derzeit einiges zu erklären, schweigt bislang aber zu den Gerüchten, die Finanzierung seiner Tour stehe vor dem Aus. (Foto: Imago / AAP)