


Der Finanzinvestor BC Partners hat Berichten zufolge seine Zusage über bis zu 300 Millionen US-Dollar für LIV 2.0 zurückgezogen, weil zu wenige Profis unterschrieben haben, und damit droht der Liga die Abwicklung.
BC Partners Credit hat seine Pläne aufgegeben, einen Neustart von LIV Golf mit bis zu 300 Millionen US-Dollar zu finanzieren. Das berichteten am 4. November die Financial Times und Bloomberg, danach CNBC und die Nachrichtenagentur AP. Der Grund ist laut den Berichten, dass sich zu wenige Spieler auf die neue Liga festgelegt haben. Öffentlich bekannt sind laut CNBC nur vier: Richard Bland, Cameron Tringale, Brendan Steele und Ben Campbell. Für den heutigen Donnerstag, 5. November, ist LIV vor dem US-Insolvenzgericht geladen. Die Anhörung soll sich nun auf die Verwertung des Vermögens der Liga konzentrieren. Weder LIV noch BC Partners hatten sich zum Zeitpunkt der Berichte geäußert.
Laut The Athletic kam BC Partners zu dem Schluss, dass LIV nicht genug Spieler für eine tragfähige Liga hat. Entscheidend war dabei weniger die reine Zahl als die fehlende Starpower. Zu den Zahlen gibt es in den Berichten zwei Lesarten: Die Financial Times nennt rund 15 vorläufige Zusagen bei angestrebten 30 bis 40. ESPN und die BBC berichten dagegen, LIV habe bereits rund 30 Zusagen gehabt, dazu etwa 10 weitere unentschlossene Spieler – doch die großen Namen fehlten, und die Verhandlungen zogen sich zu lange hin. Laut BBC scheiterte der Deal letztlich an den Fristen: Die nötigen Vereinbarungen seien nicht rechtzeitig zustande gekommen. Erwartet wird, dass ein Anwalt von LIV am Donnerstag erklärt, der Vorschlag für LIV 2.0 sei nicht tragfähig.
Ein Sprecher von BC Partners stellte gegenüber Front Office Sports allerdings klar, die Firma sei „nicht vollständig raus". Das Bild bleibt also uneindeutig.
Das Paket von BC Partners war groß angelegt. Es bestand aus einem Darlehen über 127,5 Millionen US-Dollar, 147,5 Millionen US-Dollar in vorrangigem Vorzugskapital und 25 Millionen US-Dollar in nachrangigem, wandelbarem Vorzugskapital, jeweils vorbehaltlich Anpassungen. Die Spieler sollten 52,5 Prozent der neuen Liga besitzen, BC Partners und weitere Minderheitsinvestoren 45 Prozent, das Management 2,5 Prozent. Hinzu kamen Antrittsprämien und Vermarktungsrechte an Name, Bild und Person (NIL). Im Gegenzug hätten die Spieler auf einen Teil ihrer Vorabzahlungen verzichtet. Die Finanzierung stand unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Insolvenzgerichts. Zur Struktur des Deals lesen Sie auch unseren Bericht „LIV Golf: 300-Millionen-Deal mit BC Partners soll 2027 retten".
Bland, Tringale, Steele und Campbell haben ihre Saison 2027 auf eine Liga gesetzt, deren Start nun an der fehlenden Finanzierung hängt. Die Folgen reichen über LIV hinaus: Die DP World Tour hat erklärt, dass Spieler, die bei LIV 2.0 unterschreiben, 2027 keine Mitgliedschaft erhalten und nicht für den Ryder Cup infrage kommen. Ehemalige LIV-Profis mit Status auf der DP World Tour sollen dort 2027 antreten. „Die Spieler müssen eine Entscheidung treffen", erklärte DP-World-Tour-Chef Guy Kinnings am 12. Oktober in einer Stellungnahme. „Spieler, die nicht bereit sind, unsere Regeln und Vorschriften einzuhalten, sollten nicht versuchen, unserer Tour beizutreten." Die Hintergründe zur Sperre lesen Sie in „DP World Tour zwingt LIV-Spieler zur Entscheidung – Ryder Cup 2027 in Gefahr".
Viele Stars haben die Liga bereits verlassen: Jon Rahm, Tyrrell Hatton, Sergio Garcia, Brooks Koepka, Patrick Reed und Eugenio Chacarra, außerdem Louis Oosthuizen, Ian Poulter und Graeme McDowell. Koepka kehrte 2026 über das Rückkehrprogramm für ehemalige Mitglieder auf die PGA Tour zurück. Garcia erhielt im Oktober die Freigabe aus seinem LIV-Vertrag und plant die Rückkehr auf die DP World Tour, womöglich auch auf die PGA Tour. Am 19. Oktober folgten Thomas Pieters und Charles Howell III. Bryson DeChambeau gilt laut Financial Times als einziger verbliebener großer Name, er entschied sich zu bleiben.
Rahm hatte seinen Abschied von LIV 2.0 am 7. Oktober vor Gericht über seinen Anwalt John Beck verkünden lassen. Rahm habe entschieden, „dass diese Bedingungen für ihn inakzeptabel sind", sagte Beck in der Anhörung. „Er wird künftig nicht an LIV 2.0 teilnehmen." Am Dienstag, 3. November, vor der Abu Dhabi Championship begründete der Spanier den Schritt gegenüber Reportern: „Es gab damals zu viele Unbekannte, und es gibt immer noch einige."
Selbst Spieler, die der Liga nahestehen, zeigten sich zuletzt skeptisch. Lee Westwood, einer der ersten prominenten LIV-Wechsler von 2022, sagte diese Woche, der geplante Neustart habe zwar noch Potenzial, fügte aber hinzu: „Mir ist nichts vorgelegt worden, das für LIV 2.0 akzeptabel ist." DeChambeau äußerte dagegen die Hoffnung, die Liga möge „für immer bestehen".
Für viele Profis geht es nun um offene Gagen. Die Spieler sind laut The National die größten ungesicherten Gläubiger von LIV. In den Insolvenzunterlagen stehen unter anderem Rahm mit 7,5 Millionen US-Dollar, DeChambeau mit 5,7 Millionen, Dustin Johnson mit 5,5 Millionen und Cameron Smith mit 4,8 Millionen US-Dollar an überfälligen Zahlungen. Rahm verzichtete allerdings in seiner Einigung über die Freigabe auf sämtliche Forderungen gegen die Insolvenzmasse. LIV gab im Gegenzug nahezu alle Rechte an seiner Vermarktung ab, die Rechte an Marke und Namen seines Teams Legion XIII behielt Rahm.
Johnson und andere verhandeln weiterhin mit dem saudi-arabischen Staatsfonds PIF über nicht bezahlte Verträge. Mehr als zehn Golfer, darunter Johnson, Bubba Watson und Thomas Detry, forderten Berichten zufolge über 100 Millionen US-Dollar vom PIF, gestützt auf ihre ursprünglichen Verträge und Abfindungen.
Die Größenordnung der Insolvenz ist beträchtlich: Laut Gerichtsunterlagen schuldet LIV zwischen 500 Millionen und einer Milliarde US-Dollar an geschätzten Verbindlichkeiten, und zwar mindestens 1.000 Gläubigern, darunter die Spieler.
LIV startete 2022 und warb Phil Mickelson, Dustin Johnson und DeChambeau an. Die PGA Tour sperrte die LIV-Spieler, die folgenden Rechtsstreitigkeiten endeten im Juni 2023 mit einer Rahmenvereinbarung zwischen PGA Tour, DP World Tour und PIF, die jedoch nie umgesetzt wurde. Der PIF investierte seit 2022 mehr als fünf Milliarden US-Dollar in die Liga, kündigte 2026 aber an, LIV nach der Saison 2026 nicht weiter zu finanzieren.
Am 8. September beantragte LIV Golf Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Insolvenzrechts. „Dieses Verfahren gibt uns die Struktur und die Zeit, eine wegweisende Transaktion anzustreben und das nächste Kapitel von LIV Golf aufzuschlagen", sagte CEO Scott O'Neil damals in einer Stellungnahme. Mehr dazu in unserem Bericht „‚Chapter 11'-Insolvenz für LIV Golf: Millionen-Schulden bei Stars und offene Fragen".
Der Mechanismus dahinter: Im Chapter-11-Verfahren kann LIV bestehende Spielerverträge zurückweisen, damit die Spieler neue Vereinbarungen für LIV 2.0 unterschreiben können. Eine Zurückweisung hindert die Spieler nicht daran, bei LIV 2.0 einzusteigen. Am 14. Oktober genehmigte der US-Insolvenzrichter Michael B. Kaplan die Zurückweisung der laufenden Verträge von 19 Golfern, darunter DeChambeau, Johnson, Watson und Lee Westwood. In derselben Anhörung sagte LIV-Anwalt Robert Fitzgerald: „Gerade der Zeitpunkt erscheint uns als klarer Versuch, in unser Verfahren einzugreifen." Für die Zusagen der Spieler hatte BC Partners eine Frist bis zum 25. Oktober gesetzt. Richter Kaplan hatte erklärt, das Verfahren könne entweder über einen Weiterbetrieb oder über eine Abwicklung laufen.
Am Donnerstag, 5. November, verhandelt das US-Insolvenzgericht erneut über LIV. Im Mittelpunkt soll nach den Berichten die Verwertung des Vermögens stehen. Ein LIV-Anwalt hatte zuvor angekündigt, die Entscheidung zwischen Abwicklung und LIV 2.0 solle bis Ende Oktober fallen. Für Spieler, die bei LIV 2.0 unterschreiben, gilt die Sperre der DP World Tour für die Mitgliedschaft 2027 weiter.
Konkrete Folgen zeichnen sich bereits ab. LIV hatte für 2027 einen Spielplan angekündigt, darunter ein Turnier in Adelaide vom 18. bis 21. März im Kooyonga Golf Club. Der Premierminister von South Australia, Peter Malinauskas, erklärte jedoch, er rechne nicht mehr mit der Austragung. „Es fühlt sich an wie Spiel, Satz und Sieg, soweit ich das beurteilen kann", sagte er dem Sender ABC Adelaide. Ohne Spieler finde das Event nicht statt.
Auch über LIV hinaus wird das mögliche Aus eingeordnet. Rory McIlroy, seit Langem ein scharfer Kritiker der Liga, sagte in Abu Dhabi, der Profigolf stehe vor einer Art Neustart. LIV habe „eine Scheinökonomie" im Männergolf geschaffen; langfristig sei der Sport nun besser aufgestellt.
05 Nov 2026
LI Golf steht nach dem Rückzug eines potenziellen Investors vor dem Aus. (Foto: Imago / Icon Sportswire)