


Rory McIlroy hat die Vorwürfe gegen LIV Golf bekräftigt: Vertreter der Liga hätten beim Masters in Augusta erklärt, sie wollten die European Tour zerstören. Das sagte der Nordire am 4. November bei einer Pressekonferenz vor der Abu Dhabi Aldar Championship. Er unterstützte damit DP-World-Tour-Chef Guy Kinnings, der sich zuvor in einem Interview mit der schottischen Zeitung The Scotsman ähnlich geäußert hatte.
„Sie haben Spieler abgeworben, Sponsoren abgeworben und den Profisport Golf in ein Wettrüsten verwandelt“, sagte McIlroy. Über die angeblichen Aussagen in Augusta erklärte er: „Sie gingen dort herum und sagten, sie wollten die European Tour zerstören.“
Kinnings hatte dem The Scotsman gesagt, ihm sei von langjährigen Kontakten berichtet worden, eines der Ziele von LIV sei gewesen, die DP World Tour zu zerstören. Konkrete Personen, die diese Absicht in Augusta geäußert haben sollen, werden in den vorliegenden Berichten nicht genannt. Auch unabhängige Belege für den Vorwurf führen sie nicht an. McIlroy machte in Abu Dhabi ebenfalls nicht deutlich, von wem genau er die Aussagen gehört hatte.
Der Streit fällt in eine Phase, in der die DP World Tour ihre Regeln für LIV-Spieler 2027 verschärfen will. Spieler, die bei einem möglichen LIV-Neustart unterschreiben, sollen im kommenden Jahr keine Mitgliedschaft auf der europäischen Tour erhalten. Ehemalige LIV-Spieler prüfen dagegen eine Rückkehr. Zu ihnen zählen Jon Rahm, Tyrrell Hatton und Sergio García.
Kinnings muss dabei laut The Scotsman sowohl die Interessen der bisherigen Tour-Mitglieder als auch die Rückkehr ehemaliger LIV-Spieler berücksichtigen. Eine perfekte Lösung gebe es wohl nicht, sagte er. Zugleich müssten die Spieler ihre Leistung im System nachweisen. Die Rückkehrer-Debatte ist auch mit der finanziellen Lage der Tour und dem Widerstand einiger Mitglieder verknüpft. Mehr dazu: DP World Tour im Minus: LIV-Stars als Chance – Mitglieder wehren sich.
McIlroy stellte sich hinter Kinnings’ Kurs. Er bezeichnete es als ironisch, dass LIV nun von einer Ergänzung statt von Konkurrenz zu anderen Touren spreche. Das unterscheide sich von dem, was Vertreter der Liga zu Jahresbeginn gesagt hätten.
Der Vorwurf gegen LIV kommt, während die Zukunft der Liga ungewiss ist. Der saudische Staatsfonds PIF hat seit 2022 mehr als fünf Milliarden US-Dollar in LIV investiert und will die Liga nach der Saison 2026 nicht weiterfinanzieren. Ein von BC Partners geplanter Deal über bis zu 300 Millionen US-Dollar für LIV 2.0 kam Berichten der Financial Times, von Bloomberg und weiteren Medien zufolge nicht zustande. Als Grund wurde unter anderem eine zu geringe Zahl an Spielerzusagen genannt. Mehr dazu im Hintergrundbericht: LIV Golf vor dem Aus: BC Partners zieht 300-Millionen-Rettung zurück.
Wie viele Spieler sich intern tatsächlich festgelegt hatten, wird in den Berichten unterschiedlich dargestellt. Öffentlich bekannt waren nach den vorliegenden Informationen vier Namen. Ein Sprecher von BC Partners sagte gegenüber Front Office Sports, das Unternehmen sei „nicht vollständig ausgestiegen“. LIV hatte zudem Gläubigerschutz nach Chapter 11 beantragt. Für den 5. November war eine weitere Anhörung vor dem US-Insolvenzgericht angesetzt; laut den Berichten sollte es dabei um die Verwertung von Vermögenswerten gehen.
McIlroy beschreibt die LIV-Ära als eine ungewöhnliche Phase, in der Spieler mehr Einfluss auf die Touren gewonnen hätten. Das sei nicht automatisch gut für die langfristige Gesundheit des Sports. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Konkurrenz den Spielern finanziell genutzt habe: „Es gab nie eine bessere Zeit, Profigolfer zu sein. […]Wir verdienen alle mehr Geld, weil es LIV gab.“
Dennoch sei eine Neujustierung nötig. LIV habe im Männergolf eine „Scheinökonomie“ geschaffen, sagte McIlroy. Wenn die Touren auch in 50 Jahren noch bestehen sollten, brauche es tragfähige Geschäftsmodelle. Die höheren Ausgaben und Preisgelder könnten aus seiner Sicht nicht dauerhaft allein durch den Wettbewerb um Spieler gerechtfertigt werden.
Als Beispiel nannte McIlroy die International Series auf der Asian Tour. Das Geld sei dort zunächst sinnvoll eingesetzt worden, sagte er. Danach sei die Asian Tour jedoch ohne ausreichende Unterstützung zurückgeblieben und habe sich wieder stärker an PGA Tour und DP World Tour angenähert. Die Touren hatten 2026 eine Partnerschaft bis mindestens 2029 vereinbart.
Auch die Zukunft der DP World Tour bleibt mit der Frage verbunden, wie sie ihre Partnerschaft mit der PGA Tour nach 2027 gestaltet. McIlroy zufolge sind die Gespräche darüber im Gang. Er sieht die europäische Tour trotz der Konflikte und Unsicherheiten gut aufgestellt – und hält sie für so stark wie seit langer Zeit nicht mehr.
05 Nov 2026
Rory McIlroy hat LIV Golf beschuldigt, die DP World Tour zerstören zu wollen. (Foto: Imago / Action Plus)