


Shane Lowry steckt in der wohl schwierigsten Phase seiner jüngeren Karriere. Nach einem verpassten Cut bei der US Open 2026 in Shinnecock Hills hat der irische Open-Champion die Reißleine gezogen: Caddie Darren Reynolds muss die Bag abgeben. Für die Travelers Championship in Cromwell, Connecticut, kehrt Lowry zu einem alten Weggefährten zurück – Dermot Byrne, der bereits die ersten zehn Jahre seiner Profikarriere an seiner Seite stand.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In 14 Starts auf der PGA Tour 2026 hat Lowry gerade einmal zwei Top-10-Platzierungen vorzuweisen, dazu fünf Ergebnisse unter den besten 25 – und bereits vier verpasste Cuts. Zum Vergleich: In der gesamten Saison 2020/21 hatte er nicht mehr Cuts verpasst. Seine Position in der Weltrangliste spiegelt den Abschwung wider: von Rang 26 zu Beginn des Jahres ist er auf Rang 45 abgerutscht.
Besonders schmerzhaft war das Frühjahr. Bei der Cognizant Classic hatte Lowry mit vier zu spielenden Löchern noch die Führung inne – und verlor das Turnier schließlich noch aus der Hand. Beim anschließenden US Open in Shinnecock Hills folgte der nächste Rückschlag. „Der Golf läuft gerade einfach nicht für mich. Ich genieße es nicht. Ich hatte diese Woche keinen Spaß", sagte Lowry nach dem frühen Ausscheiden. Worte, die die Tiefe seiner Frustration erahnen lassen.
Wer ist Dermot Byrne, und warum fiel die Wahl ausgerechnet auf ihn? Die Antwort liegt in der gemeinsamen Geschichte: Byrne stand von Lowrys Profi-Debüt bis 2018 auf der Bag – rund ein Jahrzehnt, in dem der Ire seinen Weg in die Weltspitze fand. Ihr gemeinsamer Höhepunkt war der Sieg beim WGC Invitational in Firestone 2015. Zuletzt hatte Byrne die Bag von Leona Maguire betreut, bis das Arbeitsverhältnis 2024 endete.
Dass Byrne jetzt wieder für Lowry einspringt, hat auch pragmatische Gründe: Nach dem US Open blieb wenig Zeit, einen neuen Caddie zu verpflichten. Byrne war verfügbar, Byrne kannte seinen Mann – und Byrne war bereit. Für die Travelers Championship ist die Zusammenarbeit zunächst bestätigt. Wie es danach weitergeht, ist offen. „Mal sehen, wie es weitergeht. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung", sagte Lowry auf Nachfrage.
Um zu verstehen, was dieser Wechsel bedeutet, lohnt ein Blick auf Lowrys Caddie-Geschichte – denn sie erzählt viel über den Charakter des 39-Jährigen.
Nach der Trennung von Byrne 2018 – ein Schritt, den Lowry später öffentlich als Fehler bezeichnete – holte er Brian „Bo" Martin auf die Bag. Mit Martin erlebte er seinen bislang größten Karrieremoment: den Sieg bei der Open Championship 2019 in Royal Portrush. Doch auch diese Zusammenarbeit hatte ein Ende; 2023 trennten sich die Wege, nicht ohne Bitterkeit, wie Lowry später andeutete.
Sein Nachfolger Reynolds war ursprünglich eine Notlösung. Während der COVID-19-Pandemie, als Martin nicht verfügbar war, sprang Reynolds kurzfristig ein. Dass Lowry überhaupt auf ihn zukam, war ihm selbst nicht leichtgefallen: „Ich kenne Darren seit Jahren. Er hatte gerade erst bei Alex Levy auf der European Tour angefangen. Das war eigentlich der Grund, warum ich ihn fast nicht fragen wollte – ich wusste, dass er gerade einen neuen Job hatte und wollte ihn nicht weglocken, nur damit es dann bei uns nicht funktioniert. Aber ehrlich gesagt hatte ich nur wenige Optionen", erklärte Lowry gegenüber Golf.com. Reynolds startete auf Probe – und blieb.
Was folgte, waren einige der besten Jahre in Lowrys jüngerer Karriere. Gemeinsam gewannen er und Reynolds 2024 die Zurich Classic – an der Seite von Rory McIlroy, dem wohl populärsten Iren im Weltgolf. Reynolds kommentierte den Triumph auf Instagram mit den Worten: „Manche Sonntage sind einfach besser. Was für eine Woche – ich liebe dieses Team." Ein Satz, der die Energie dieser Zusammenarbeit auf den Punkt brachte.
Doch der emotionale Höhepunkt war ein anderer. Beim Ryder Cup 2025, dem erneuten Triumph von Team Europa, lieferte Lowry einen der prägendsten Momente der Woche – und Reynolds war dabei. „Ich habe zu Darren auf dem Weg zur 18 gesagt: ‚Ich habe hier gerade die Chance, das Coolste zu tun, was ich je in meinem Leben getan habe'", erinnerte sich Lowry später.
Mit diesen Momenten im Gepäck ist das Ende der Zusammenarbeit umso bemerkenswerter. Doch die Ergebnisse 2026 haben ihren Tribut gefordert: Vier verpasste Cuts, kein Sieg, kein Schwung. Reynolds ist damit Geschichte – als dritter und bislang letzter fester Caddie in Lowrys Profikarriere.
Ob die Rückkehr zu Byrne mehr ist als ein Notanker, bleibt abzuwarten. Lowry selbst lässt die Zukunft bewusst offen. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Caddie-Wechsel einen Wendepunkt markiert – in beide Richtungen. 2018 brachte die Trennung von Byrne kurzfristig Unruhe, langfristig aber auch den Open-Triumph. Ob sich die Geschichte wiederholt, wird die zweite Saisonhälfte zeigen.
Fest steht: Lowry braucht Antworten – auf dem Platz. Und vielleicht findet er sie, wenn neben ihm wieder jemand steht, der ihn schon kennt, bevor die Fragen überhaupt gestellt werden.
25 Jun 2026
Shane Lory (links) und sein Caddie Darren Reynolds gehen ab sofort getrennte Wege. (Foto: Imago / UPI Photo)