


Jon Rahm wäre bereit, für eine Rückkehr auf die PGA Tour dieselben Millionen-Strafen zu tragen wie Brooks Koepka – nur rechnet der Spanier nicht damit, dass man ihm diesen Weg anbietet.
Der zweimalige Major-Sieger Jon Rahm hat bei der Abu Dhabi Championship auf Yas Links erklärt, dass er die Bedingungen akzeptieren würde, zu denen Brooks Koepka im Januar 2026 auf die PGA Tour zurückkehrte. Koepka musste fünf Millionen US-Dollar an wohltätige Zwecke spenden und auf Zahlungen verzichten, deren Wert die PGA Tour auf 50 bis 85 Millionen US-Dollar schätzt. Gesprochen hat Rahm mit der PGA Tour nach eigenen Angaben noch nicht. Bis es Klarheit gibt, plant er für 2027 mit der DP World Tour. In Abu Dhabi, wo das Turnier vom 5. bis 8. November ausgetragen wird, bestreitet er seinen ersten Start seit dem Abschied von LIV Golf.
Auf die Frage, ob er einen Deal wie Koepka annehmen würde, antwortete Rahm knapp: „Absolut.“ Später schränkte er ein: „Höchstwahrscheinlich, ja. Warum nicht? Aber es ist ein großes Wenn. Ich bezweifle ernsthaft, dass mir dasselbe Angebot gemacht wird wie Brooks.“
Wie seine Saison aussieht, kann der Spanier derzeit nicht sagen. „Ich weiß wirklich nicht, wie 2027 für mich aussehen wird“, sagte Rahm in Abu Dhabi. Auch eine Sperre schreckt ihn nicht ab: „Wenn ich eine einjährige Sperre absitzen muss, ist das, glaube ich, eine ziemlich gute Ausgangslage.“ Selbst wenn er wieder Turniere der PGA Tour spielen sollte, will er nach eigener Aussage weiter auf der European Tour antreten.
Auf seine Zeit bei LIV blickt Rahm ohne Groll zurück. „Ich kann diese drei Jahre nur als positiv betrachten“, sagte er. „Es war eine wunderbare Erfahrung. Ich habe viel guten Golf gespielt. Sowohl einzeln als auch im Team haben wir Großartiges geleistet.“ Dem Kurs von LIV 2.0 wollte er dennoch nicht folgen: „So sehr mir das Projekt und die Idee von LIV 1.0 gefallen haben, von den Änderungen bei 2.0 war ich nicht begeistert, und ich war einfach nicht bereit, diesen Weg mitzugehen.“ Das neue Modell habe nichts Besonderes mehr geboten: „Es gab zu viele offene Fragen damals, und es sind immer noch einige. Es schien sich vom Team-Golf wegzubewegen und von den Dingen, die LIV zu LIV gemacht haben. Es wurde einfach eher zu einer gewöhnlichen Tour.“ Eine ernsthafte Option sei LIV 2.0 für ihn deshalb nie gewesen.
Rahm war Ende 2023 als größter Neuzugang zu LIV gewechselt – Berichten zufolge für rund 300 Millionen US-Dollar. In drei Jahren bestritt er 38 Turniere als Kapitän seines Teams Legion XIII, gewann viermal und landete 33-mal unter den besten zehn; allein an Preisgeldern soll er mehr als 100 Millionen US-Dollar verdient haben. Mit seiner Absage an LIV 2.0 verzichtete er zugleich auf kolportierte 100 Millionen US-Dollar, die ihm die Liga noch geschuldet haben soll. Reue empfindet er darüber nicht. Beim Trennungsvergleich vom 15. Oktober sicherte sich Rahm die Rechte an seinem Namen, seinem Bild und seiner Persönlichkeit (NIL) und ließ dafür seine restlichen Geldforderungen gegen die Liga fallen.
Brooks Koepka, fünfmaliger Major-Sieger und damals 35 Jahre alt, kehrte am 12. Januar 2026 über das sogenannte Returning Member Program auf die PGA Tour zurück – nach Angaben der Nachrichtenagentur AP rund fünf Wochen nach seinem Abschied von LIV. Die Bedingungen waren hart: eine verpflichtende Spende von fünf Millionen US-Dollar, keine Zuteilungen aus dem Player Equity Program für die Jahre 2026 bis 2030, kein Anteil am Bonuspool des FedEx Cup 2026 und keine Sponsoreneinladungen zu den mit 20 Millionen US-Dollar dotierten Signature Events. Die Schätzung von 50 bis 85 Millionen US-Dollar entgangenem Wert beruht laut AP auf der Annahme, dass Koepka über fünf Jahre im Schnitt unter den besten 30 landet und seine Anteile bis zum Alter von 50 Jahren hält.
Koepka selbst nahm die Strafe offen an. „Ich bin dankbar, dass es so gekommen ist“, sagte er in einem Telefoninterview am Tag seiner Rückkehr. „Es ist eine harte Strafe, finanziell.“ Sie sei dazu gedacht, wehzutun – und sie habe „vielen Leuten wehgetan“. Spielberechtigt ist Koepka dank seines Siegs bei der PGA Championship 2023 bis einschließlich 2028; er wurde den Feldern hinzugefügt, ohne anderen Spielern einen Platz wegzunehmen.
Das Programm galt nur für Spieler, die zwischen 2022 und 2025 ein Major oder The Players gewonnen hatten. Neben Koepka erfüllten das unter den LIV-Profis nur Bryson DeChambeau, Cameron Smith und Rahm. Der Weg stand Rahm damals über seinen Masters-Sieg 2023 also ebenfalls offen, doch er lehnte ab. Am Ende kehrte nur Koepka zurück, weil er als Einziger der vier aus seinem LIV-Vertrag herauskam. Abgesegnet hatte das Modell ein Gremium mit Spielermehrheit unter der Führung von Tiger Woods.
Ein Beispiel für den Weg, der Rahm nun wahrscheinlich bevorsteht, liefert Patrick Reed. Der Masters-Sieger von 2018 saß eine einjährige PGA-Tour-Sperre ab, die im August 2026 endete, spielte in der Zwischenzeit auf der DP World Tour und kehrt 2027 auf die PGA Tour zurück. Sollte Rahm 2027 nur in Europa antreten, wäre eine Rückkehr auf die PGA Tour frühestens 2028 möglich. Dank seines Masters-Siegs 2023 wäre er dann für die neue „Championship Series“ der Tour spielberechtigt, mit der 2028 ein zweistufiges Wettbewerbsformat starten soll.
Brian Rolapp, CEO der PGA Tour Enterprises, hatte schon im Januar klargemacht, dass es sich um eine Ausnahme handelt. „Dies ist ein einmaliges, klar begrenztes Zeitfenster und kein Präzedenzfall für künftige Situationen“, schrieb er in einem Memo an die Spieler. „Sobald sich die Tür schließt, gibt es keine Zusage, dass dieser Weg wieder offensteht.“ Am 15. September 2026 bekräftigte Rolapp, dass das Returning Member Program nicht wieder geöffnet werde und es keine Gespräche mit LIV-Spielern gebe, die unter LIV-Vertrag stehen.
Für Rahm ist die Lage seither eine andere. Im April 2026 bestätigte Berichten zufolge der saudische Staatsfonds PIF, dass er die Finanzierung von LIV einstellt. Im August beendete die Liga ihre Saison vorzeitig und sagte die Team Championship in Michigan ab. „Indem wir die Saison jetzt abschließen, können wir unsere ganzen Ressourcen auf das richten, was als Nächstes kommt“, sagte LIV-CEO Scott O'Neil im August 2026. Am 7. Oktober teilte Rahms Anwalt John Beck dem US-Insolvenzgericht mit, dass Rahm 2027 nicht für LIV spielen werde, die Bedingungen seien „inakzeptabel“. Einen ähnlichen Schritt hatte zuvor Sergio Garcia vor Gericht beantragt; auch Thomas Pieters und Charles Howell III verlassen LIV und wollen 2027 auf die DP World Tour.
Würde eine zwölfmonatige Sperre ab Rahms letztem LIV-Turnier gerechnet, liefe sie Berichten zufolge bis Ende August 2027 – das schlösse die FedEx-Cup-Saison 2027 für ihn aus.
Die DP World Tour ist für Rahm der naheliegende Weg – und sie ist an klare Regeln geknüpft. Wie greenfeed.news berichtete, erteilt die Tour ab 2027 LIV-Spielern keine bedingten Freigaben mehr. Mitglieder müssen offenlegen, auf welchen Touren sie spielen; wer davon abweicht, riskiert seine Mitgliedschaft. Die Frist für die Zusage an LIV 2.0 lief am 25. Oktober ab. Rahm, Hatton und Tom McKibbin besitzen Spielrecht auf der DP World Tour, Niemann nicht.
DP-World-Tour-CEO Guy Kinnings formulierte die Linie gegenüber BBC Sport deutlich: „Die Spieler müssen eine Entscheidung treffen.“ Und weiter: „Wir haben Regeln und Vorschriften, die unsere Tour schützen und an die sich alle unsere Mitglieder halten müssen. Spieler, die nicht bereit sind, sich an unsere Regeln und Vorschriften zu halten, sollten nicht versuchen, unserer Tour beizutreten.“
Für Rahm hängt daran auch der Ryder Cup 2027 in Adare Manor, denn die Mitgliedschaft auf der DP World Tour ist Voraussetzung für einen Platz im europäischen Team.
Am 5. November beginnt die Abu Dhabi Championship auf Yas Links, bei der es um ein Preisgeld von neun Millionen US-Dollar geht. Für Rahm steht dabei mehr auf dem Spiel als nur der Turniersieg: In der Race-to-Dubai-Wertung liegt er derzeit auf Platz 51 und muss unter die besten 50 vorrücken, um sich für die DP World Tour Championship in Dubai zu qualifizieren, das den Top 50 vorbehaltene Saisonfinale. Am selben Tag ist vor dem US-Insolvenzgericht eine weitere Anhörung zur einvernehmlichen Trennung von Rahm und LIV angesetzt. Bis zum 16. November läuft die Frist für Mitgliedsanträge bei der DP World Tour. Der Ryder Cup in Adare Manor folgt vom 17. bis 19. September 2027.
05 Nov 2026
Jon Rahm würde hohe Strafen akzeptieren, wenn er wieder auf die PGA Tour zurückkehren dürfte. (Foto: Imago / Action Plus)