


Der Golfsport erlebt eine historische Zäsur. Brooks Koepka kehrt nach seinem Gastspiel bei der konkurrierenden LIV-Serie zurück zur PGA Tour. Doch die Wiederaufnahme ist kein diplomatischer Gnadenakt, sondern ein wirtschaftliches Exempel. Für das Privileg, wieder auf heimischem Rasen abzuschlagen, zahlt der fünffache Major-Champion einen Preis, der selbst in der Welt der Multi-Millionäre für Staunen sorgt.
Die Spekulationen haben ein Ende: Brooks Koepka ist der erste prominente Rückkehrer im Rahmen des neu installierten „Returning Member Program“. Die Tour-Leitung unter dem strategisch agierenden CEO Brian Rolapp signalisiert damit zwar Gesprächsbereitschaft, zieht aber gleichzeitig eine finanzielle Schmerzgrenze, die als Warnschuss für alle verbliebenen Abwanderer verstanden werden kann.
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Lange müssen die Fans nicht warten. Koepka wird bereits bei der Farmers Insurance Open (29. Januar bis 1. Februar) in Torrey Pines seinen ersten offiziellen Auftritt haben. Nur eine Woche später folgt der Start bei der WM Phoenix Open. Damit kehrt er an Orte zurück, an denen er in der Vergangenheit bereits triumphieren konnte – diesmal jedoch unter völlig veränderten Vorzeichen und unter den kritischen Augen seiner Kollegen.
In einer Stellungnahme betonte Koepka die Bedeutung seiner Wurzeln: „Als Kind habe ich immer davon geträumt, auf der PGA Tour zu spielen. Ich bin heute genauso begeistert wie damals. Dass ich nun näher an meiner Familie sein kann, macht diese Chance besonders bedeutsam für mich.“
Das neue Programm der Tour ist ein Präzisionswerkzeug. Es richtet sich ausschließlich an eine Elite-Gruppe, die seit 2022 ein Major oder die Players Championship gewonnen hat. Damit bleibt die Tür für die breite Masse der LIV-Golf-Spieler verschlossen. Neben Koepka qualifizieren sich derzeit nur Jon Rahm, Bryson DeChambeau und Cameron Smith für diesen speziellen Pfad. Wer zögert, riskiert alles: Das Fenster schließt bereits am 2. Februar 2026.
Brian Rolapp ließ in einem offiziellen Schreiben der PGA Tour keinen Zweifel an der Einmaligkeit dieser Chance: „Dies ist ein einmaliges, definiertes Fenster und stellt keinen Präzedenzfall für die Zukunft dar. Sobald sich die Tür schließt, gibt es keine Zusage, dass dieser Weg erneut zur Verfügung stehen wird.“
Die finanziellen Auflagen sind drakonisch und sollen die Gerechtigkeit gegenüber den loyalen Tour-Mitgliedern wahren. Der „Preis der Heimkehr“ setzt sich aus mehreren Säulen zusammen:
Experten schätzen, dass sich der Gesamtwert der entgangenen Einnahmen auf 55 bis 90 Millionen Dollar belaufen könnte – zusammen mit der Spende und den Boni eine Summe jenseits der 100-Millionen-Marke. Koepka selbst bezeichnete die Strafe gegenüber der Nachrichtenagentur AP als „hart“, räumte aber ein, dass sie genau so gewollt sei: „Es soll wehtun – und es tut weh.“
Während die PGA Tour die Bedingungen für die Rückkehrer diktiert, reagierte die LIV-Führung mit einer Mischung aus demonstrativer Gelassenheit und rhetorischen Spitzen. In einer offiziellen Stellungnahme präsentierte sich die saudi-arabische Liga als liberaler Gegenentwurf zum „geschlossenen System“ der US-Tour. Man habe von Beginn an ein „offenes Ökosystem und die Freiheit für alle“ favorisiert – und nicht nur für einen „limitierten Kreis“. Diese Wortwahl ist ein direkter Seitenhieb auf die strengen Elite-Kriterien des neuen PGA-Tour-Programms, das nur wenigen Stars die Tür öffnet. Trotz des schmerzhaften Verlusts ihres langjährigen Aushängeschilds gab sich LIV kämpferisch: Die eigene Vision eines globalen Golfmarktes bleibe unerschüttert, und man werde weiterhin das lukrativste Umfeld für Profis bieten, die nach „Größe im globalen Maßstab“ streben.
Hinter den Kulissen beginnt nun für Koepka die vielleicht schwierigste Phase: die Reintegration in eine Spielerschaft, die er vor Jahren unter lautem Getöse verlassen hatte. Der Gang ins Clubhaus von Torrey Pines wird für den Kraftprotz aus Florida auch ein mentaler Härtetest. Koepka macht sich gegenüber AP keine Illusionen darüber, dass er nicht überall mit offenen Armen empfangen wird. „Ich habe eine Menge Arbeit vor mir, was das Verhältnis zu einigen Spielern angeht. Es gibt definitiv Jungs, die sich freuen, und solche, die wütend sein werden. (...) Wenn jemand verärgert ist, muss ich diese Beziehungen wieder aufbauen.“
Während Stars wie Rory McIlroy den Schritt als notwendig für die Qualität des Sports bezeichnen und Jordan Spieth lediglich erwartet, dass Koepka „einfach wieder gutes Golf spielt“, herrscht an der Basis der Tour teilweise Unmut. Loyale Spieler, die lukrative Angebote ausschlugen, kritisieren das „Zwei-Klassen-System“, das für Superstars Ausnahmen schafft. Koepka selbst gibt zu, dass er vor der ersten Woche nervös sei, sich aber den „harten Gesprächen“ stellen wolle. Es ist die Rückkehr eines Champions, der weiß, dass er nicht nur Schläge auf dem Golfplatz, sondern auch Vertrauen im Locker Room zurückgewinnen muss.
13 Jan 2026
Books Koepka, der kürzlich LIV Golf verließ, darf sofort auf die PGA Tour zurückkehren. (Foto: Imago / Golffile)