


Kurz vor dem Auftakt der neuen Spielzeit in Riad steht LIV Golf unter massivem Druck. Während die Liga mit einer historischen Formatänderung auf 72 Löcher um Anerkennung kämpft, sorgt eine deutliche Absage von PGA-Talent Akshay Bhatia für Schlagzeilen. Ist der Reiz des großen Geldes für die jungen Stars der Golfwelt bereits verflogen?
Die Personalplanung von LIV Golf hat einen empfindlichen Dämpfer erhalten. Wie unter anderem der Golf Channel berichtet, hat der 23-jährige US-Amerikaner Akshay Bhatia ein hoch dotiertes Angebot der saudisch finanzierten Liga abgelehnt. Bhatia, der bereits zwei Siege auf der PGA Tour vorweisen kann und als einer der aufstrebenden Köpfe der Branche gilt, entschied sich bewusst gegen den Wechsel.
Diese Absage ist für LIV-Golf-CEO Scott O’Neil besonders schmerzhaft. Sie zeigt, dass die Strategie, junge Top-Athleten mit rekordverdächtigen Summen zu locken, nicht mehr bedingungslos funktioniert. Für Spieler wie Bhatia scheint die sportliche Tradition und die langfristige Perspektive auf der PGA Tour derzeit schwerer zu wiegen als der sofortige Reichtum bei LIV Golf.

Um den Kader dennoch zu verstärken, hat die Liga auf dem "Transfermarkt" nachgelegt. Der Belgier Thomas Detry, der 2025 die WM Phoenix Open für sich entschied, gilt als wichtigster Neuzugang der aktuellen Wechselperiode. Er wird voraussichtlich das Team „4Aces“ um Kapitän Dustin Johnson verstärken. Zudem stieß der junge Australier Elvis Smylie zum Kader, der künftig für den „Ripper GC“ von Cameron Smith, der nur aus Landsleuten besteht, abschlagen soll.
Obwohl diese Namen sportliche Qualität garantieren, fehlt ihnen die globale Strahlkraft, um das Zuschauerinteresse massiv zu steigern. Neben Detry und Smylie kehrt auch Laurie Canter zurück, der dafür sogar seine hart erkämpfte Spielberechtigung auf der PGA Tour aufgab. Vom 8.-11. Januar kämpfen rund 80 weitere Spieler beim Qualifikations-Turnier um drei Tourkarten für die Saison 2026. Die Gewinner werden als Solokämpfer an den Start gehen und zunächst keinem Team angehören.
Die größte Baustelle für LIV Golf bleibt jedoch der Verlust von Brooks Koepka. Dass einer der profiliertesten Major-Champions der Liga den Rücken kehrt, hat die Statik des gesamten Projekts verändert. Selbst Bryson DeChambeau, dessen eigener Vertrag Ende 2026 ausläuft, zeigt sich angesichts dieser Entwicklung nachdenklich.
In einem Gespräch mit Flushing It betonte DeChambeau, dass die Liga in eine neue Phase eintreten muss: „Mit dem Weggang von Brooks ergeben sich ganz eigene Herausforderungen. [...] Ich möchte das Team-Golf weltweit fördern, aber die Rahmenbedingungen müssen stimmen. Es gibt eine Menge zu tun, damit es passt. Dinge müssen sich ändern und verbessern.“
Um die Kritik an den bisherigen 54-Loch-Turnieren zu entkräften und endlich die begehrten Weltranglistenpunkte (OWGR) zu sichern, stellt LIV Golf ab 2026 das Format um. Alle Turniere werden künftig über vier Tage und 72 Löcher ausgetragen. Damit nähert sich die Liga dem klassischen Standard der PGA Tour und DP World Tour an.
Doch Kritiker bleiben skeptisch, ob diese Maßnahme ausreicht, um den schwindenden Hype aufzufangen. In einer aktuellen Analyse heißt es dazu beim amerikansichen Magazin Scratch Golf treffend: „LIVs Ära, in der man die besten Spieler der Welt einfach abwerben konnte, ist vorbei. [...] Da das Mysterium verflogen und der Glanz abgenutzt ist, wird immer klarer, wo das qualitativ hochwertigste Golf gespielt wird.“
Die kommenden Monate werden für die Zukunft von LIV Golf entscheidend sein. Die Absage von Talenten wie Bhatia und das offene Zögern von Aushängeschildern wie DeChambeau deuten darauf hin, dass die Liga ihren Status als unaufhaltsamer „Disruptor“ verloren hat. Die Fans dürfen gespannt sein, ob die Umstellung auf 72 Löcher und der Saisonstart in Saudi-Arabien am 4. Februar die Wende bringen können.
08 Jan 2026
Der belgische Golfprofi Thomas Detry steht Medienberichten zufolge vor einem Wechsel zu LIV Golf. (Foto: Imago / Golffile)