


Nach dem Aus von LIV Golf ordnen sich die Stars für 2027 neu: Jon Rahm verzichtet auf Millionen und plant mit der DP World Tour, Bryson DeChambeau, Cameron Smith und Dustin Johnson haben noch kein Ziel.
LIV Golf wird abgewickelt. Am Donnerstag, dem 5. November 2026, erklärte LIV-Anwalt Matthew Williams von der Kanzlei Gibson Dunn vor dem Insolvenzgericht in New Jersey, die Schuldner verfolgten den Plan für „LIV 2.0" derzeit nicht weiter. Statt einer Reorganisation steuert das Unternehmen nun auf die Abwicklung zu. Eine Reorganisation hätte die Liga als „LIV 2.0" mit frischem Geld weitergeführt; bei der Abwicklung wird der Geschäftsbetrieb eingestellt. Für die Profis der LIV Golf League stellt sich damit die Frage, wo sie 2027 spielen – und die erste harte Frist läuft bereits: Bis zum 16. November 2026 nimmt die DP World Tour Mitgliedsanträge für die kommende Saison an.
Ein Teil der LIV-Profis hat sich bereits festgelegt, andere warten ab. Der Stand am 6. November 2026:
Den größten Schritt machte Jon Rahm. Der Spanier, der im Dezember 2023 zu LIV gewechselt war, schloss eine Trennungsvereinbarung mit der Liga, die LIV aus allen finanziellen und wirtschaftlichen Ansprüchen entlässt; ob das Gericht sie endgültig genehmigt hat, ist nicht bestätigt. Berichten zufolge ging es um mehr als 100 Millionen US-Dollar an garantierten künftigen Zahlungen sowie 7,47 Millionen US-Dollar an offenen Beträgen – Rahm war damit der größte ungesicherte Gläubiger. 2027 spielt er auf der DP World Tour. „Ich war von den Änderungen, die sie für 2.0 vorgenommen haben, nicht begeistert, und ich war einfach nicht bereit, diesen Weg mitzugehen", sagte Rahm am 3. November bei einer Pressekonferenz in Abu Dhabi. Auf seine drei LIV-Jahre blicke er dennoch ausschließlich positiv zurück. Immerhin hat er in dieser Zeit auch so viel Preisgeld verdient, wie kein anderer Spieler.
Sergio Garcia kündigte am 29. Oktober seinen Abschied von LIV an. Der 46-Jährige, einst Nummer zwei der Welt und Masters-Sieger von 2017, hatte seine Mitgliedschaft auf der DP World Tour im Mai 2023 niedergelegt und kehrt nun dorthin zurück. Er hält sich die PGA Tour offen und will einen Platz im europäischen Ryder-Cup-Team in Adare Manor. „Diese Tour war von Anfang an ein großer Teil meiner Karriere, und ich bin stolz, sie wieder mein Zuhause nennen zu dürfen", erklärte Garcia in seinem Statement.
Tyrrell Hatton teilte am 23. Oktober auf Instagram mit, dass er nicht Teil von LIV 2.0 sein werde. „Ich freue mich auf das, was das nächste Kapitel meiner Karriere bereithält", schrieb der 35-jährige Engländer. Erwartet wird er beim Turnier der DP World Tour in Abu Dhabi vom 5. bis 8. November, einen offiziellen Spielplan für 2027 hat er aber noch nicht vorgelegt. Bereits in Richtung Europa orientiert haben sich dagegen Louis Oosthuizen, der Spanier David Puig und der Nordire Tom McKibbin, der innerhalb der Top 100 des Race to Dubai steht und den Ryder Cup in Irland als Grund nannte. Auch Thomas Pieters und Charles Howell III wollen auf die DP World Tour; Pieters und Josele Ballester kämpfen dafür bei der Final Stage der Qualifying School in Tarragona.

Brooks Koepka kehrte bereits am 12. Januar 2026 auf die PGA Tour zurück – über das Returning Member Program, das Tour-Chef Brian Rolapp per Memo aufgelegt hatte. Offen stand es nur LIV-Profis, die zwischen 2022 und 2025 ein Major oder The Players gewonnen hatten. Die Bedingungen: 5 Millionen US-Dollar Spende an einen wohltätigen Zweck, fünf Jahre keine Beteiligung am Tour-Kapital, kein FedExCup-Bonusgeld 2026 und keine Sponsoreneinladungen zu den mit 20 Millionen US-Dollar dotierten Signature Events. Die Tour bezifferte Koepkas Verlust auf 50 bis 85 Millionen US-Dollar. „Finanziell ist das eine harte Strafe", sagte Koepka im Januar 2026 bei der Bekanntgabe seiner Rückkehr. Rolapp stellte in seinem Memo klar: „Dies ist ein einmaliges, klar begrenztes Zeitfenster und kein Präzedenzfall für künftige Fälle."
Das Programm schloss am 2. Februar, eine Neuauflage plant Rolapp nicht. Rahm und DeChambeau kommen deshalb derzeit nicht dafür infrage. Rahm sagte in Abu Dhabi, er habe mit der PGA Tour nicht gesprochen und würde Koepkas Bedingungen wohl akzeptieren – glaubt aber nicht an ein solches Angebot: „Ich bezweifle ernsthaft, dass mir derselbe Deal angeboten wird wie Brooks." Rahm plant bis zur Klärung fest mit Europa. Rolapp formulierte die Haltung der Tour laut CBS Sports so: „Wir sind daran interessiert, die besten Spieler zu haben, die unserer Tour helfen können. Das kann nicht jeder Spieler."
Für alle anderen gilt der Standardweg: Die PGA Tour sperrt Rückkehrer derzeit für ein Jahr ab ihrem letzten LIV-Auftritt. Patrick Reed, der LIV am 28. Januar 2026 ohne Vertragsverlängerung verließ, hatte seinen letzten LIV-Start am 24. August 2025, spielte 2026 auf der DP World Tour und war ab dem 25. August 2026 als Nichtmitglied startberechtigt. Laut PGA Tour strebt er die Wiederaufnahme für die Saison 2027 in der Kategorie der früheren Turniersieger an. Pat Perez und Hudson Swafford sind ab dem 1. Januar 2027 wieder spielberechtigt, Kevin Na ist wieder aufgenommen, ein Rückkehrdatum steht aber noch nicht fest. Ein zweiter Weg auf die PGA Tour führt über Europa: Die besten Zehn des Race to Dubai, die nicht Mitglied der PGA Tour sind, erhalten eine Spielberechtigung.
Bryson DeChambeau unterschrieb nicht für LIV 2.0. Im Insolvenzverfahren wurde sein Vertrag abgelehnt, ebenso die Verträge von 18 weiteren Spielern. DeChambeau steht laut USA Today als ungesicherter Gläubiger mit 5,77 Millionen US-Dollar in den Büchern. Fest gemeldet ist er bislang für die Nedbank Golf Challenge der DP World Tour in Südafrika im Dezember. Zu einer Rückkehr auf die PGA Tour hatte er im Frühjahr im Format „Skratch" gesagt: „Es hängt wirklich davon ab, ob die Spieler mich zurückhaben wollen."
Dustin Johnson, Cameron Smith und Joaquin Niemann hatten nach Angaben des Sports Business Journal ebenfalls nicht für LIV 2.0 zugesagt. Wo sie 2027 spielen, ist nicht bekannt. Härter trifft das Ende jüngere Profis: Michael La Sasso, Sieger des letzten LIV-Turniers überhaupt im August in Indianapolis, scheiterte an der zweiten Stufe der europäischen Qualifying School.
Die DP World Tour hatte am 12. Oktober die Linie vorgegeben: Wer für LIV 2.0 unterschreibt, erhält ab 2027 keine Mitgliedschaft. „Die Spieler müssen sich entscheiden", sagte CEO Guy Kinnings der BBC. „Wer nicht bereit ist, sich an unsere Regeln und Vorschriften zu halten, sollte sich nicht um eine Aufnahme auf unserer Tour bemühen." Frühere Einigungen galten nur für 2026: Hatton beglich im Februar seine Strafen und zog seine Einsprüche zurück, Rahm zahlte im Mai und sagte fünf Turniere zu. Mit dem Aus von LIV Golf ist der Weg für qualifizierte Spieler auf den europäischen Circuit nun wieder frei.
Rückendeckung bekam Kinnings in Abu Dhabi von Rory McIlroy, der den Vorwurf des Tour-Chefs bekräftigte, LIV habe die DP World Tour zerstören wollen.
Der Hebel war der Ryder Cup: Für das europäische Team ist die Mitgliedschaft auf der DP World Tour Voraussetzung. Vor Gericht sorgte das Ultimatum für Streit. Richter Michael B. Kaplan sagte bei der Anhörung am 14. Oktober, Kinnings' Äußerungen gäben Anlass zur Sorge; LIV-Anwalt Rob Fitzgerald sprach von einem klaren Versuch, in das Verfahren mit den Spielern einzugreifen.

LIV startete 2022 mit dem Geld des saudi-arabischen Staatsfonds PIF, der seither mehr als 5 Milliarden US-Dollar investierte. Im April 2026 kündigte der PIF an, die Finanzierung nach der Saison 2026 einzustellen. Am 8. September meldete LIV in New Jersey Insolvenz nach Chapter 11 an. Der Investor BC Partners Credit sagte bis zu 300 Millionen US-Dollar für LIV 2.0 zu, gebunden an ausreichende Unterstützung durch die Spieler – und zog die Zusage zurück.
Bis zum 16. November 2026 müssen die Mitgliedsanträge bei der DP World Tour vorliegen. Vom 3. bis 6. Dezember steht DeChambeau bei der Nedbank Golf Challenge in Südafrika im Feld. Am 1. Januar 2027 werden Perez und Swafford auf der PGA Tour wieder spielberechtigt, für die Saison 2027 strebt Reed die Wiederaufnahme seiner Mitgliedschaft an. Ob das Gericht die Abwicklung genehmigt hat und wie das Verfahren zeitlich abläuft, ist noch nicht bekannt. Ein Angebot der PGA Tour an Rahm gibt es nach seinen Worten bislang nicht.
06 Nov 2026
Wo Dustin Johnson zukünftig spielen wird, ist nach dem Aus von LIV Golf noch offen. (Foto: Imago / NurPoto)