


Als LIV Golf 2022 an den Start ging, lockte die neue Tour mit hohen Preisgeldern und außergewöhnlichen finanziellen Möglichkeiten. Fünf Saisons später steht die Liga vor der Abwicklung: Nachdem der saudische Public Investment Fund seine Finanzierung beendete und ein möglicher Neustart scheiterte, wird LIV 2.0 nicht weiterverfolgt. Eine Rangliste der über die Jahre ausgewiesenen Gewinne zeigt, welche Spieler auf dem Platz besonders viel Geld einspielten.
An der Spitze steht Jon Rahm. Der Spanier wechselte erst vor der Saison 2024 zu LIV, führt die vorliegende Rangliste aber mit deutlichem Abstand an. Hinter ihm folgen Joaquin Niemann und Talor Gooch.
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Hinweis zur Datenlage: LIV Golf selbst hat keine konsolidierte Statistik zu den Karriere-Gewinnen aller Spieler veröffentlicht. Die Beträge beruhen daher auf Berechnungen aus öffentlichen Quellen und können sich je nach Stichtag und Methode unterscheiden.
Rahms Spitzenposition ist besonders bemerkenswert, weil er nicht zur ersten Gruppe der LIV-Wechsel gehörte. Der frühere Weltranglistenerste kam Ende 2023 zur Tour und spielte ab 2024 für Legion XIII. In der Tabelle liegt er dennoch mehr als 23 Millionen US-Dollar vor Niemann. Auch sein Jahresverdienst und seine kumulierten LIV-Gewinne sind dabei auseinanderzuhalten: Jahreslisten können neben Turnierpreisgeld auch Saisonboni berücksichtigen. Nicht enthalten
Die finanzielle Unsicherheit rund um LIV war schon vor dem angekündigten Ende Thema. Als Rahm im Mai nach seinem Vertrag gefragt wurde, sagte er laut Forbes: „Ich sehe nicht viele Auswege.“ Die Aussage bezog sich auf seine damalige Einschätzung seiner vertraglichen Situation – nicht auf eine endgültige Entscheidung über seine weitere Karriere. Nach dem Insolvenzantrag der Tour ließ er seinen Ausstieg bei LIV Golf gerichtlich bestätigen und sagte für das Projekt LIV 2.0 ab. Seine nahe Zukunft liegt wohl auf der DP World Tour.
Niemann liegt mit ca. 82,6 Millionen US-Dollar auf Rang zwei. Der Chilene war auf LIV sportlich sehr erfolgreich. Mit neun Siegen auf der Tour hat er so oft gewonnen wie kein anderer Spieler. Talor Gooch folgt auf Platz drei. Er steht in der Rangliste vor zwei der bekanntesten Namen aus der Anfangszeit von LIV: Dustin Johnson und Bryson DeChambeau.
Zwischen Johnson auf Rang vier und DeChambeau auf Rang fünf liegt nur ein vergleichsweise kleiner Abstand von rund 398.000 US-Dollar. Beide überschreiten in dieser Rangliste die Marke von 64 Millionen US-Dollar. Dahinter folgt Cameron Smith mit ca. 54,8 Millionen US-Dollar.
Die Plätze sieben und acht belegen Sergio Garcia und Brooks Koepka, der bereits vor rund einem Jahr ausgestiegen war. Tyrrell Hatton und Branden Grace komplettieren die Top 10. Gerade bei diesen hinteren Rängen unterscheiden sich die veröffentlichten Ranglisten: Andere Auswertungen führen Hatton und Grace in umgekehrter Reihenfolge oder nennen für einzelne Spieler andere Summen.
Der PIF kündigte im April 2026 an, LIV nach der Saison nicht weiter zu finanzieren. Anschließend suchte die Liga nach einem neuen Modell. BC Partners Credit stellte eine Finanzierung von bis zu 300 Millionen US-Dollar für LIV 2.0 in Aussicht, zog sich aber zurück, als keine Einigung über die Bedingungen und die nötige Unterstützung zustande kam.
Am 5. November erklärten LIV-Anwälte vor einem Insolvenzgericht in New Jersey, dass der Neustart nicht weiterverfolgt werde und die Abwicklung beginnen solle. LIV-Anwalt Matthew Williams sagte laut dem von dir angeführten ESPN-Bericht: „Die Schuldner verfolgen den Plan LIV 2.0 derzeit nicht weiter. Stattdessen wechseln sie zu einer Abwicklung, die den Wert ihres Geschäfts maximieren soll.“ Damit ist das Chapter-11-Verfahren jedoch nicht abgeschlossen; die Abwicklung und die Regelung der Forderungen laufen weiter.
Auch BC Partners erklärte, man bedauere, „dass sich die Beteiligten nicht auf für alle akzeptable Bedingungen einigen konnten“. Die beiden Aussagen zeigen unterschiedliche Seiten desselben Scheiterns: Es fehlte nicht nur an einer Finanzierung, sondern auch an einer tragfähigen Einigung über die Fortsetzung.
Der finanzielle Einfluss von LIV reicht über die eigene Rangliste hinaus. Rory McIlroy sagte auf einer Pressekonferenz der DP World Tour am 4. November: „Es gab nie eine bessere Zeit, um Berufsgolfer zu sein. […] Wir verdienen alle mehr Geld, weil es LIV gab.“ McIlroy kritisierte zugleich die Entwicklung der Preisgelder und sprach von einer „Scheinökonomie“ im Männergolf. Beides gehört zur Bilanz der Tour: LIV konnte die etablierten Wettbewerber unter wirtschaftlichen Druck setzen und die Verdienstmöglichkeiten vieler Spieler verändern, fand aber nach dem Rückzug seines wichtigsten Geldgebers keine tragfähige Grundlage für eine eigenständige Fortsetzung.
Die Rangliste zeigt, wer bei LIV die höchsten Gewinne verbuchte – nicht, wer über die gesamte Karriere am meisten verdiente oder welche Summe tatsächlich aus Verträgen und Sponsoring auf den Konten der Spieler landete. Rahm steht in dieser Auswertung klar an der Spitze. Die finanzielle Bilanz der Liga bleibt aber, wie ihr juristisches Ende, von unterschiedlichen Berechnungen und noch offenen Fragen geprägt.
06 Nov 2026
Jon Rahm hat so viel Preisgeld bei LIV Golf verdient wie kein anderer Spieler. (Foto: Imago / AAP)