


Rory McIlroy gewann das Masters. Aaron Rai holte sich die PGA Championship. Wyndham Clark siegte bei der US Open. Und nun, beim letzten und ältesten Major der Saison, wartet Royal Birkdale auf seinen Champion Golfer of the Year. Die Open Championship 2026 ist das einzige der vier großen Turniere, das bislang ohne klaren Dominator auskommt. Die Saison gehörte vielen – und genau das macht die British Open so schwer zu lesen.
Als Generalprobe diente die Genesis Scottish Open in North Berwick, die am vergangenen Wochenende mit einem Paukenschlag endete: Tom Kim ließ das Feld mit einer abschließenden 64er-Runde stehen und gewann mit –17. Aber was hat die Scottish Open über die eigentlichen Open-Favoriten verraten? Einiges – und nicht alles davon ist beruhigend.
In diesem Favoriten-Check durchleuchten wir die fünf heißesten Anwärter auf die Claret Jug – und werfen einen Blick auf drei weitere Spieler, die man keinesfalls unterschätzen sollte.
Hier finden Sie das Open Championship 2026 Live-Leaderboard.
Seit seinem Triumph beim Masters 2025 hat Rory McIlroy den Career Grand Slam komplettiert. Man könnte meinen, das nehme den Druck. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein. Der 37-jährige Nordire wirkt fokussierter denn je – so als hätte die Erfüllung des großen Traums nicht zur Entspannung, sondern zur Konzentration auf das nächste Kapitel geführt.
Die Open Championship ist McIlroys Turnier. Drei Top-10-Platzierungen in den letzten vier Austragungen, ein Sieg 2014 in Hoylake – dem Platz, der nur wenige Kilometer von Royal Birkdale entfernt liegt. Die Bedingungen, die Winds, das Linksformat: all das liegt dem Nordiren in den Genen. Als einziger Spieler im Feld hat er sowohl die Silver Medal – als bester Amateur 2005 in St. Andrews – als auch die Claret Jug in seiner Vitrine stehen.
Die Scottish Open hat zuletzt bestätigt, was viele vermutet hatten: McIlroys Form steigt zur richtigen Zeit. Nach einem schwachen dritten Umlauf (73) kämpfte er sich mit einer starken Schlussrunde (64) noch auf geteilten siebten Platz. Besorgniserregend war weniger das Ergebnis als eine technische Schwäche, die er selbst offen ansprach: Bei Linkswinden neige sein Eisenspiel dazu, die Schläger nach links zu ziehen – eine Eigenheit, die er in den Tagen vor der Open Championship gezielt bearbeiten will.
Wenn McIlroy das in den Griff bekommt, ist er der gefährlichste Spieler im Feld.
Hier finden Sie die aktuelle Turniervorschau zur Open Championship 2026.

Es gibt Geschichten im Sport, die sich der Dramatik geradezu aufdrängen. Tommy Fleetwood und Royal Birkdale ist eine davon. Der Engländer ist in Southport aufgewachsen – buchstäblich in Sichtweite des Platzes, auf dem am Donnerstag das wichtigste Turnier seines Lebens beginnt. Kein anderer Spieler im Feld trägt die Last und das Privileg dieser Verbindung mit sich.
2017, beim letzten Open in Birkdale, begann Fleetwood mit einer 76 – der Druck des Heimspiels war spürbar. Er fand sich, erholte sich mit einer starken dritten Runde (66), aber der Zug war bereits abgefahren. Neun Jahre später ist er ein anderer Spieler. Reifer, erfahrener, mit einer Konstanz ausgestattet, die ihn zu einem der verlässlichsten Scorer auf der PGA Tour macht. Fünf Top-20-Platzierungen in seinen letzten sechs Starts sprechen für sich.
Bei der Scottish Open lieferte er ein solides, wenn auch nicht herausragendes Ergebnis ab: geteilter 13. Platz mit –9. Kein Feuerwerk – aber ein ruhiger, kontrollierter Auftritt eines Spielers, der weiß, dass die eigentliche Prüfung erst kommt.
Das Publikum in Southport wird ihn tragen. Ob das Fluch oder Segen ist, wird sich auf den Fairways zwischen den Dünen zeigen.

Xander Schauffele hat in den letzten zwei Jahren bewiesen, dass er kein Spieler ist, den man auf Formtiefs reduzieren sollte. Der Amerikaner gewann die Open Championship 2024 in Royal Troon und verteidigte seinen Titel im vergangenen Jahr in Royal Portrush mit einem geteilten siebten Platz. Wer die British Open zweimal in Folge in die Top 10 spielt, versteht Linksgolf.
Die Zahlen der laufenden Saison sind beeindruckend: Top-10 bei den Masters (T9), Top-10 bei der PGA Championship (T7) – nur bei der US Open enttäuschte er mit einem geteilten elften Platz. In der Scottish Open verpasste er den Cut (69-74), was auf den ersten Blick besorgniserregend wirkt. Doch wer Schauffeles Karriere kennt, weiß: Der Mann aus San Diego hat eine ausgeprägte Fähigkeit, sich zu steigern, wenn es zählt.
Kein Spieler im Feld hat in diesem Jahr eine konstantere Major-Bilanz vorzuweisen. Und niemand hat in den letzten zwei Jahren die Claret Jug besser kennengelernt als er.
Es ist das Gespräch der Woche: Scottie Scheffler, Weltranglistenerster, Titelverteidiger, der verlässlichste Spieler seiner Generation – hat in der Scottish Open den Cut verpasst. Runden von 68 und 72 reichten nicht aus. Es war das erste verpasste Wochenende nach 78 überstandenen Cuts in Folge – der letzte Cut-Miss liegt im August 2022.
Das ist eine bemerkenswerte Zahl, und sie macht den Ausrutscher in North Berwick zu mehr als einer statistischen Fußnote. Scheffler wirkte in den zwei Runden nicht wie ein Spieler in Höchstform. Die Frage ist berechtigt: Ist das eine vorübergehende Schwäche oder ein Signal?
Die Antwort der Geschichte lautet: Scheffler kommt zurück. Sein Sieg 2025 in Royal Portrush war ein Meisterwerk – vier Runden unter 70, –17 insgesamt, vier Schläge Vorsprung. Er hat bewiesen, dass er Linksgolf beherrscht, dass er Druck standhält und dass er in Royal Birkdale einen Kurs vorfindet, der seinen Stärken entgegenkommt. Gleichzeitig wäre er der erste Spieler seit Pádraig Harrington 2007/2008, der die Open Championship erfolgreich verteidigt.
Der Cut-Miss in der Generalprobe ist ein Warnsignal. Abschreiben sollte man den Weltranglistenersten dennoch nicht.
Wer Viktor Hovlands Saison in einer Zahl zusammenfassen will, der wählt die 21. So hoch lautete sein Score im Travelers Championship – –21, Sieg, fertig. Es war eine der dominantesten Vorstellungen des Jahres auf der PGA Tour. Dazu: Platz drei beim RBC Canadian Open (–14) nur zwei Wochen zuvor. Der Norweger ist, wenn er auf seiner Welle reitet, einer der besten Balltreffer der Welt.
Das Problem: Die Welle war in dieser Saison unberechenbar. Missed Cuts beim Valspar Championship, bei der PGA Championship und bei der US Open zeigen, dass Hovlands Formkurve steilere Ausschläge nach unten hat als die der Konkurrenz. Und seine Links-Bilanz ist überschaubar: Sein bestes Open-Ergebnis ist ein geteilter vierter Platz in St. Andrews 2022.
Doch die Scottish Open stimmt optimistisch. Trotz eines mittelmäßigen dritten Umlaufs (69) schloss Hovland die Generalprobe mit einer starken 64er Schlussrunde ab und belegte geteilten 13. Platz. Wer in North Berwick in der Schlussrunde eine 64 schreibt, ist nicht in schlechter Verfassung für Linksgolf.
Wenn der Norweger seinen Travelers-Schwung konserviert hat, ist ein erster Major-Titel in Royal Birkdale keine Utopie.
Wenn es einen Spieler gibt, dessen Schicksal mit Royal Birkdale verknüpft zu sein scheint, dann ist es Justin Rose. 1998, als blutjunger Amateur, chippte er beim 72. Loch ein und belegte den geteilten vierten Platz – eine Szene, die in die Folklore des britischen Golfsports eingegangen ist. Die Silver Medal war sein erster großer Moment auf der Weltbühne.
Seitdem ist Rose zweimal Zweiter bei der Open geworden (2018, 2024) – die Claret Jug hat er noch nie gehalten. Mit 45 Jahren könnte Royal Birkdale seine letzte realistische Chance auf diesen Titel sein. Und wer seinen Auftritt beim Masters 2026 gesehen hat, weiß: Rose hat noch lange nicht aufgehört, bei Majors vorn mitzuspielen.
Wyndham Clark hat in diesem Jahr die US Open in Shinnecock Hills wire-to-wire gewonnen – von der ersten bis zur letzten Runde in Führung. Das ist eine der schwierigsten Arten, ein Major zu gewinnen, und es spricht für mentale Stärke. Dazu kommt ein geteilter vierter Platz beim letzten Open in Royal Portrush.
Bei der Scottish Open belegte er geteilten 13. Platz (–9) – solide, aber nicht dominant. Die große historische Hürde: Back-to-Back-Majors sind extrem selten. Zuletzt schaffte es Jordan Spieth 2015 mit Masters und US Open. Das spricht statistisch gegen Clark, seine Form aber für ihn.
Cameron Smith ist der amtierende Open-Champion von 2022 – sein Sieg in St. Andrews mit –20 gehört zu den besten Performances der jüngeren Turniergeschichte. Seitdem war es still um den Australier, geprägt von seiner Entscheidung für LIV Golf und einer Phase ohne größere Erfolgserlebnisse.
Doch die Zeichen einer Rückkehr verdichten sich. Ein geteilter siebter Platz bei der PGA Championship 2026 war sein bestes Major-Ergebnis seit seinem Triumph. Smith ist ein natürlicher Links-Spieler. Wenn sein Putter läuft – und er kann zu den besten Puttern der Welt gehören – ist er für jeden gefährlich.
Royal Birkdale verlangt Kreativität, Windgefühl und Nervenstärke. Es ist kein Platz für Perfektionisten, sondern für Spieler, die mit Unvollkommenheit umgehen können.
Unser Tipp: Rory McIlroy. Die Form stimmt, die Links-Eignung ist unbestritten, und die mentale Verfassung eines Spielers, der seinen größten Traum bereits erfüllt hat und nun mit Leichtigkeit spielen kann, ist nicht zu unterschätzen. Birkdale liegt ihm – und wenn er seine Windproblematik in den Griff bekommt, ist er der kompletteste Spieler für diesen Kurs.
Als Geheimtipp für ein gutes Preisgeld-Ergebnis: Viktor Hovland. Wer eine Schlussrunde von 64 in der Generalprobe spielt, reist nicht ohne Selbstvertrauen nach Southport.
Die vollständigen Turnierinfos, das Teilnehmerfeld, Preisgeld und Sendezeiten zur British Open Championship 2026 finden Sie in unserer Turniervorschau zur Open Championship 2026.
13 Jul 2026
Scottie Scheffler tritt bei der Open Championship 2026 als Titelverteidiger an. (Foto Imago / Shutterstock)