


Nach jahrelangem Tauziehen erreicht die LIV Golf League ein wichtiges Etappenziel: Ab der Saison 2026 werden offizielle Weltranglistenpunkte vergeben. Doch die Freude über die Anerkennung durch das Official World Golf Ranking (OWGR) hält sich in Grenzen. Strenge Auflagen, eine limitierte Punktevergabe und die kühle Reaktion der PGA Tour sorgen für hitzige Diskussionen in der Golfwelt.
Der Saisonauftakt von LIV Golf in Riad markiert eine historische Zäsur. Erstmals seit dem Start der umstrittenen Turnierserie im Jahr 2022 fließen Ergebnisse in das offizielle Weltranglistensystem (OWGR) ein. Was auf den ersten Blick wie ein Sieg für die finanzstarke Tour aus Saudi-Arabien aussieht, entpuppt sich bei genauerer Analyse jedoch als ein mühsam ausgehandelter Kompromiss, der die sportliche Hierarchie im Profigolf weiterhin zementiert.
Verfolgen Sie hier den Saisonauftakt von LIV Golf in Riad im LIVE-Leaderboard.
Die Entscheidung des OWGR-Boards ist an eine Bedingung geknüpft, die es so auf keiner anderen Profitour gibt: Nur die besten zehn Spieler eines Turniers erhalten Punkte für das World Ranking. Während bei der PGA Tour oder der DP World Tour in der Regel alle Profis, die den Cut überstehen, belohnt werden, gehen bei den 57-köpfigen Feldern von LIV Golf ab Platz 11 alle Akteure leer aus.
Ein Blick auf die Zahlen verdeutlicht die Kluft im Vergleich zu den etablierten Touren:
Der Vergleich zeigt: Ein Sieg bei LIV Golf wird punktetechnisch schwächer eingestuft als ein durchschnittliches Event der DP World Tour (ehemals European Tour) und erreicht lediglich das Niveau von „Alternate-Field“-Events der PGA Tour. Damit bleibt der Weg zurück an die Weltspitze für die LIV-Profis ein mathematischer Kraftakt.
Trevor Immelman, Vorsitzender des OWGR, verteidigte die Entscheidung als „äquivalenten Weg“, um die besten Spieler der Welt abzubilden, ohne das globale System zu untergraben. Die Begründung für die restriktive Punktevergabe liegt in den strukturellen Defiziten, die das Board bei LIV Golf weiterhin sieht.
Trotz der Umstellung auf 72 Löcher bleibt die Tour ein weitgehend geschlossenes System. Mit einer durchschnittlichen Feldgröße von nur 57 Spielern liegt die Liga deutlich unter dem OWGR-Standard von 75 Teilnehmern. Zudem wird die mangelnde Durchlässigkeit moniert: Nur rund neun Prozent der Startplätze werden über offene Qualifikationswege vergeben, während auf der PGA Tour dieser Anteil bei über 22 Prozent liegt. Besonders kritisch bewertete das Board die Team-Zusammenstellungen, die teilweise auf Nationalitäten statt auf rein sportlicher Leistung basieren.
Die Führung von LIV Golf reagierte empört. In einem offiziellen Statement bezeichnete die Liga die Regelung als „unverhältnismäßig“. Man argumentiert, dass Spieler, die konstant auf hohem Niveau knapp außerhalb der Top 10 landen, systematisch benachteiligt würden. „Keine andere konkurrierende Tour in der Geschichte des OWGR wurde einer solchen Beschränkung unterworfen“, ließen die Verantwortlichen verlauten.
Auch unter den Top-Stars der Liga regt sich Skepsis. Bryson DeChambeau, eines der Aushängeschilder von LIV Golf, äußerte sich kritisch über die erzwungene Umstellung auf 72 Löcher. Die Sorge ist groß, dass die geringe Punkteausbeute – die kaum auf dem Niveau der DP World Tour liegt – nicht ausreicht, um den freien Fall prominenter Namen in der Weltrangliste zu stoppen.
Die Reaktion der konkurrierenden PGA Tour fiel gewohnt unterkühlt und professionell aus. In einem knappen Statement hieß es lediglich: „Wir respektieren die heutige Entscheidung des OWGR-Boards und die beträchtliche Zeit, die das Board und Chairman Immelman in diesen Prozess investiert haben.“
Hinter dieser diplomatischen Fassade verbirgt sich eine strategische Gelassenheit. Da die Punkte für LIV Golf so niedrig angesetzt sind, bleibt der Status der PGA Tour als sportlich attraktivstes Ziel für die Weltrangliste unangetastet. Dass Stars wie Brooks Koepka und Patrick Reed der Saudi-Tour bereits den Rücken gekehrt haben, um auf die PGA Tour zurückzukehren, unterstreicht, dass die reine Punkte-Anerkennung allein den massiven Prestigeverlust nicht ausgleichen kann.
Lesen Sie hier mehr über die überraschende LIV-Golf-Abkehr von Patrick Reed.
Für Stars wie Jon Rahm, Cameron Smith oder Dustin Johnson ist die Weltrangliste der Schlüssel zur Teilnahme an den vier Major-Turnieren. Da viele dieser Spieler keine lebenslangen Startrechte besitzen, droht ihnen ohne Spitzenplatzierungen bei LIV Golf das Aus auf der größten Bühne des Golfsports. Aktuell befinden sich nur noch zwei LIV-Akteure unter den Top 50 der Welt – ein deutliches Zeichen für den Relevanzverlust der vergangenen Jahre.
Ob die jetzige Regelung den Konflikt im Weltgolf befriedet, bleibt abzuwarten. Das OWGR hat angekündigt, das Modell für die Saison 2027 erneut zu bewerten. Bis dahin bleibt LIV Golf zwar Teil des offiziellen Systems, muss aber mit einer „gläsernen Decke“ kämpfen, die den Aufstieg zur absoluten Weltspitze zu einem sportlichen Marathon macht.
04 Feb 2026
LIV-Golf-CEO Scott O'Neil ist von der Entscheidung des OWGR nicht begeistert, nur den Top 10 der LIV-Golf-Turniere Weltranglistenpunkte zu verleihen.