


Die Golfwelt erlebt ein politisches Beben: Mit Patrick Reed kehrt einer der markantesten Charaktere der letzten Jahre LIV Golf den Rücken. Nachdem bereits Brooks Koepka seinen Wechsel zurück zur PGA Tour vollzogen hat, verliert die saudi-arabische Turnierserie innerhalb weniger Wochen einen weiteren Hochkaräter. Reeds Strategie ist dabei ebenso komplex wie kalkuliert.
Der Abschied von Patrick Reed kommt für LIV Golf zur Unzeit. Unmittelbar vor dem Saisonauftakt 2026 in Riad verliert das Team „4Aces“ seine tragende Säule. Laut Insiderberichten von Telegraph Sport konnten sich beide Parteien trotz monatelanger Verhandlungen nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen. Obwohl LIV offenbar bereit war, Reeds Bedingungen für ein siebenstelliges Honorar zu akzeptieren, entschied sich der Texaner gegen den Verbleib.
In einer Stellungnahme via Social Media betonte Reed vor allem seine tiefe Verbundenheit zu den Wurzeln des Spiels: „Ich bin im Herzen ein Traditionalist und wurde geboren, um auf der PGA Tour zu spielen. Dort begann meine Geschichte mit meiner Frau Justine.“
Im Gegensatz zu Brooks Koepka, der von einer neu geschaffenen Ausnahmeregelung für aktuelle Major-Sieger profitierte, muss Patrick Reed eine längere Wartezeit überbrücken. Da sein Masters-Sieg von 2018 außerhalb des definierten Zeitfensters liegt, nutzt er ein geschicktes Schlupfloch:
Der Weggang von Patrick Reed schwächt die Strahlkraft von LIV Golf massiv. Experten wie Dan Roan (BBC) werten dies als deutliches Zeichen dafür, dass das finanzielle Argument allein nicht ausreicht, um die besten Spieler langfristig zu binden. Während die PGA Tour unter CEO Brian Rolapp durch die Rückkehr prominenter Gesichter an Stabilität gewinnt, blickt die Golfwelt nun gespannt auf Akteure wie Bryson DeChambeau, dessen Vertragssituation ebenfalls für Spekulationen sorgt.
Die Wiedereingliederung von Patrick Reed löst jedoch nicht nur Begeisterung aus. In der Spielerschaft formiert sich Kritik an einer vermeintlichen „Zweiklassengesellschaft“. Besonders der Fall von Wesley Bryan dient hier als Streitpunkt: Während Reed trotz seiner langjährigen LIV-Zugehörigkeit einen klaren Weg zurück findet, bleiben Spieler wie Bryan wegen vergleichsweise geringfügiger Verstöße (Teilnahme an YouTube-Events) weiterhin sanktioniert. Diese Diskrepanz sorgt für Unruhe hinter den Kulissen der Tour. Auch bei Koepkas Rückkehr waren viele nicht glücklich mit dem Umstand, dass dem fünffachen Major-Sieger keine Sperre auferlegt wurde. Unter den Kritikern befand sich unter anderem der japanische Masters-Sieger Hideki Matsuyama.
Mit Patrick Reed bekommt die PGA Tour einen Spieler zurück, der die Massen polarisiert, aber sportlich über jeden Zweifel erhaben ist. Als aktuelle Nummer 29 der Welt wird er 2026 bei allen Major-Turnieren vertreten sein. Für die Fans bedeutet dies vor allem eines: Mehr Wettbewerb und die Rückkehr eines echten „Beißers“ auf die traditionelle Bühne des Golfsports.
29 Jan 2026
US-Golfer Patrick Reed verlässt LIV Golf und will im Laufe des Jahres auf die PGA Tour zurückkehren. (Foto: Imago / Anadolu Agency)