


LIV Golf verabschiedet sich von seinen Grundfesten: Ab der Saison 2026 spielt die Liga nicht nur über 72 Löcher, sondern erweitert auch ihr Teilnehmerfeld. Zeitgleich signalisiert das Official World Golf Ranking (OWGR) durch neue Punkt-Regelungen und positive Signale ein Ende der Eiszeit. Wir analysieren, was hinter der Transformation der „Rebellen-Tour“ steckt.
LIV Golf – der Name war bisher Programm. Das römische Kürzel für 54 stand für die Anzahl der zu spielenden Löcher und die Größe des Teilnehmerfeldes. Doch mit dem Start der Saison 2026 am 4. Februar in Riad gehört diese Identität der Geschichte an. Die Liga, die einst angetreten war, um das Golfspiel radikal zu modernisieren, nähert sich in einem bemerkenswerten Tempo den traditionellen Standards an.
Die wichtigste Neuerung betrifft die Feldgröße: Statt der bisherigen 54 Akteure werden künftig 57 Spieler pro Turnier abschlagen. Die drei zusätzlichen Startplätze werden über ein hartes Qualifikationsturnier, das „LIV Golf Promotions“-Event in Florida, vergeben.
Das Besondere dabei: Diese drei Qualifikanten treten als „Wildcard“-Spieler an. Sie gehören keinem der festen Teams an, sondern spielen ausschließlich für ihre eigene Einzelwertung. Damit reagiert LIV-Chef Greg Norman direkt auf die Kritik des Weltranglisten-Komitees, das in der Vergangenheit die mangelnden sportlichen Qualifikationswege und den geschlossenen Charakter der Liga bemängelt hatte.
Fast zeitgleich mit den Ankündigungen aus Saudi-Arabien veröffentlichte das OWGR-Board neue Richtlinien, die auf den ersten Blick technisch wirken, aber eine enorme politische Sprengkraft besitzen. Ab sofort erhalten Turniere, die planmäßig über 54 Löcher ausgetragen werden, nur noch 75 Prozent der regulären Weltranglistenpunkte.
Diese Neuerung schützt das Ranking vor Verzerrungen, wie sie zuletzt beim Sieg von Wyndham Clark in Pebble Beach auftraten, als dieser nach einer wetterbedingten Kürzung auf 54 Löcher die volle Punktzahl kassierte. Doch im Kontext von LIV Golf ist diese Regelung ein klares Signal: Die OWGR schafft die strukturellen Voraussetzungen, um auch Formate jenseits der klassischen 72 Löcher fair bewerten zu können – auch wenn LIV diesen Schritt durch die eigene Umstellung auf 72 Löcher nun gar nicht mehr zwingend benötigen würde.
Die Wortwahl des OWGR-Vorsitzenden Trevor Immelman lässt darauf schließen, dass hinter den Kulissen intensiv an einer Integration der LIV-Tour gearbeitet wird. Immelman betonte, dass man die „Meritokratie“ – also das Leistungsprinzip – des professionellen Golfsports wahren müsse, stellte aber auch fest: „Um es klar zu sagen: Es wurden Fortschritte erzielt, aber es gibt zum jetzigen Zeitpunkt keine Entscheidung mitzuteilen. Wir werden weiterhin eng mit LIV Golf zusammenarbeiten, während sie sich weiterentwickelt.“
Für LIV Golf ist die Anerkennung durch die Weltrangliste überlebenswichtig. Ohne Punkte stürzen die Stars der Liga im globalen Ranking immer weiter ab, was die Qualifikation für die vier Major-Turniere massiv erschwert. Der jüngste Abgang von Top-Star Brooks Koepka und Gerüchte um weitere Abwanderungen zeigen, dass das Prestige allein nicht ausreicht, um die Weltelite dauerhaft zu binden.
Fazit: LIV Golf opfert seine ursprüngliche Einzigartigkeit auf dem Altar der Anerkennung. Die Umstellung auf 72 Löcher und 57 Spieler ist ein deutliches Friedensangebot an das Establishment. Ob dies ausreicht, um pünktlich zum Saisonstart 2026 die ersten Punkte vergeben zu können, bleibt abzuwarten – die Tür steht jedoch so weit offen wie nie zuvor.
05 Jan 2026
LIV Golf ändert abermals sein Spielformat, um endlich Weltranglistenpunkte zu bekommen. (Foto: Imago / Imagn Images)