


Bryson DeChambeau kam nach Southport, um endlich bei einem Major zu glänzen. Er ging als T14 – und als Hauptfigur einer Kontroverse, die das Turnier überschattete wie kaum ein Regelstreit zuvor. Eine Zweischlagstrafe für das Niedertreten von Gras im Rough des 5. Lochs in der zweiten Runde, eine nächtliche Machtprobe mit den Turnierverantwortlichen und ein tagelang anhaltender Schweigestreik gegenüber den Medien: Die Open Cahmpionship 2026 wird nicht nur wegen Ryan Fox' Triumph in Erinnerung bleiben.
Lesen Sie hier, wie viel Preisgeld die Spieler bei der Open Championship 2026 verdienten.
Es war ein unscheinbarer Moment, der eine Lawine ins Rollen brachte. Beim zweiten Schlag auf dem 5. Loch – DeChambeau lag im tiefen Rough – stellte er sich an seinen Ball, trat dann noch einmal hinter diesen zurück, um die Linie zu prüfen, und trat dabei hohes Gras in seiner Schwungbahn platt. Ein Schritt, wie ihn viele Spieler unbewusst machen. Doch die Regelverantwortlichen hatten genau hingeschaut – und griffen von sich aus ein.
Regel 8.1 der Golfregeln ist eindeutig: „Spielen Sie den Platz, wie Sie ihn vorfinden." Wer den Bereich des beabsichtigten Schwungs verbessert – auch unabsichtlich – wird mit der Grundstrafe belegt: zwei Schläge im Zählspiel. Grant Moir, Executive Director der R&A, stellte klar: „Diese Regel gilt auch dann, wenn keine Absicht vorlag – wie es bei Bryson der Fall war."
DeChambeau, der vermeintlich eine bärenstarke 66 gespielt hatte, erfuhr davon erst nach dem Einlochen seines letzten Balls – und noch vor der Kartenabgabe. Was folgte, war beispiellos. Der zweifache US-Open-Sieger bestand darauf, zum Tatort zurückzukehren – Schläger in der Hand –, um seine Unschuld zu beweisen. Als deutlich wurde, dass die Strafe Bestand haben würde, soll er gedroht haben, das Turnier zu verlassen. R&A-CEO Mark Darbon eilte persönlich herbei. Erst kurz nach Mitternacht war die Situation offiziell bereinigt.
DeChambeau verschwand nicht ins Hotel. Stattdessen ging er auf die Driving Range – und schlug noch bis 22:30 Uhr Bälle in die Dunkelheit. Den wartenden Journalisten bot er Snacks an und fragte, was sie von seinem Schwung hielten. Ein Kommentar zur Strafe kam nicht.
Kurz nach Mitternacht meldete er sich auf X: „Offensichtlich enttäuscht von der Entscheidung. Ich bin nicht einverstanden damit, aber es ist, wie es ist. Das befeuert mich. Auf ins Wochenende. Los geht's." Dazu postete er auf Instagram mehrere Bilder, die die Situation ironisch kommentierten.
Die sportlichen Folgen waren erheblich: Sein Score wurde von 66 auf 68 korrigiert, sein Stand von -7 auf -5 reduziert. Statt in der abschließenden Gruppe an den Start zu gehen, startete er drei Schläge hinter dem Führenden ins Wochenende. Am Ende bedeutete die Strafe etwa 280.000 US-Dollar weniger Preisgeld – und ein Finish auf T14 statt T6.
Hier finden Sie das finale Leaderboard der Open Championship 2026.
Während DeChambeau auf der Range stand, saß Rory McIlroy im Players' Lounge – und schaute zu. Der viermalige Majors-Sieger ließ am Samstag kein gutes Haar an der Situation.
„Ich werde nicht so tun, als würde ich hier Bryson verteidigen. Ich mag ihn nicht besonders. Ich glaube, vieles davon ist Performanz. Ich glaube, vieles davon ist auf Aufmerksamkeit ausgelegt", sagte McIlroy. Die Konsequenz für das gesamte Feld – Spieler, Volunteers, Betreuer – machte ihn besonders fassungslos: „Das Turnier auf diese Weise als Geisel zu halten und uns alle bis tief in die Nacht warten zu lassen – das war kein guter Auftritt."
Zur Strafe selbst hatte McIlroy eine klare Meinung: „Ich glaube, es gibt keinen Zweifel daran, dass er die Linie seines Rückschwungs verbessert hat. Ob es Nachlässigkeit oder Absicht war – ich glaube nicht, dass es darauf ankommt. Die Zweischlagstrafe war eindeutig gerechtfertigt."
Doch der Nordire hatte am Sonntag eine überraschende Wendung parat. Auf die Frage, ob er es begrüßen würde, DeChambeau beim Irish Open in Doonbeg im September zu sehen, antwortete McIlroy: „Ich glaube, das wäre großartig für das Turnier. Absolut. Jemanden wie Bryson beim Irish Open zu haben – ja, das wäre toll für das Turnier." Eine Einladung, die angesichts der Ereignisse der Vortage niemand erwartet hatte.
Lesen Sie hier alles zum Sieg von Ryan Fox bei der Open Championship 2026.
Während McIlroy die schärfste öffentliche Stimme war, meldeten sich andere Spieler mit deutlich mehr Verständnis für DeChambeau zu Wort.
Am lautesten sprach Scottie Scheffler – und das mit einer gewissen Autorität, denn er hatte in der zweiten Runde in DeChambeau's Gruppe gespielt. Noch am Samstag wollte er sich nicht äußern. Am Sonntag, nach Abschluss seiner eigenen Runde, ließ er keine Zweifel offen: „Alles, was ich sagen kann: Bryson kenne ich seit langer Zeit, und er ist viele Dinge – aber er ist definitiv kein Betrüger. Ich habe ihn noch nie beim Schummeln erwischt. Nicht bei Putting-Contests, nicht beim Chippen, nicht im Amateurbereich. Nichts Verdächtiges. Nie."
Scheffler räumte ein, dass DeChambeau möglicherweise unachtsam gewesen sei – betonte aber den entscheidenden Unterschied: „Wenn man ihn von dieser Kameraperspektive aus beobachtet, war er vielleicht etwas nachlässig rund um seinen Ball. Aber ich glaube nicht, dass er absichtlich gehandelt hat."
Zugleich nutzte Scheffler die Gelegenheit für eine grundsätzlichere Aussage: „Ich glaube, wir müssen etwas strenger werden, was die Überwachung der Spieler angeht. Aber es ist eine schwierige Balance – Spieler wie Bryson werden bei jedem Schlag gefilmt. Da kann eine weit entfernte Kameraposition Dinge anders aussehen lassen, als sie tatsächlich sind."
Sam Burns, der DeChambeau in der dritten Runde begleitete, äußerte nicht nur Verständnis, sondern auch Zweifel an der Beweislage: „Ich fühle ehrlich gesagt mit Bryson in dieser Situation. Aus meiner Perspektive hatte ich nicht das Gefühl, dass genug Beweise vorlagen, um eine Strafe zu rechtfertigen." Burns kritisierte zudem den Zeitpunkt der Entscheidung: „Es ist unglücklich, wenn jemand eine so starke Runde spielt und dann nach dem Einlochen hört, dass er zwei Schläge abgezogen bekommt."
Max Homa zeigte Verständnis für DeChambeau's emotionale Reaktion: „Ich verstehe, dass er frustriert war – vor allem, weil ich davon ausgehe, dass es nicht seine Absicht war. Die Regeln sind kompliziert. Es ist verrückt."
Die nächtliche Hängepartie hatte handfeste Konsequenzen für das gesamte Feld. Die Startzeiten für die dritte Runde wurden erst kurz vor Mitternacht veröffentlicht. Marco Penge, der englische Profi, brachte seinen Frust auf den Punkt: „Das war ein bisschen ein Witz. Ich wohne eine Stunde entfernt – und nicht vor 23 Uhr eine Startzeit zu bekommen ist einfach nicht gut." Xander Schauffele sagte trocken: „Ich habe kein Social Media. Ich habe mich nur gefragt, warum unsere Startzeiten gegen 22:50 Uhr noch immer nicht draußen waren."
DeChambeau selbst blieb durch das gesamte Wochenende stumm. Er sprach nicht mit den Medien, gab keine TV-Interviews – und ließ seinen Auftritt auf dem Platz sprechen. Sportlich gelang ihm eine anständige dritte Runde mit 69, ehe er am Sonntag mit einem Triple-Bogey auf Loch 11 endgültig aus dem Rennen fiel.
Als er Royal Birkdale verließ, warteten zahlreiche Journalisten auf ein Statement. DeChambeau ließ sich zu sieben Worten hinreißen: „Have a good night, everyone. Thank you."
Die Open Championship 2026 lieferte mit Ryan Fox einen verdienten Champion. Den größten Gesprächsstoff aber lieferte ein einziger Schritt hinter einem Ball. DeChambeau, der LIV-Superstar, polarisierte einmal mehr: als Rebell, als Opfer eines unglücklichen Regelverstoßes, als Provokateur – und als Schweiger, der lieber Bälle in die Nacht schlug, als Fragen zu beantworten.
Was bleibt, ist eine Debatte, die weit über Birkdale hinausweist: Wie geht der Golfsport mit einer Welt um, in der jede Bewegung eines Topspielers von Dutzenden Kameras festgehalten wird? Scheffler hat die Frage gestellt. Eine Antwort steht aus.
Und zwischen McIlroy und DeChambeau? Vielleicht hat die Einladung nach Doonbeg schon den ersten Schritt in Richtung Entspannung gemacht. Ob DeChambeau sie annimmt, bleibt offen.
20 Jul 2026
Bryson DeChambeau erhielt nach der 2. Runde der Open Championship 2026 eine Strafe von 2 Schlägen. Die Reaktion darauf fallen unterschiedlich aus. (Foto: Imago / EPA)