


Es war der Putt, der alles entschied. Ryan Fox stand auf dem 18. Grün von Royal Birkdale, zwölf Fuß vom Loch entfernt, das Herz eines ganzen Landes in der Brust – und versenkte den Ball mit ruhiger Hand. Birdie. Claret Jug. Champion Golfer of the Year.
Mit einer Schlussrunde von 68 (-2) und einem Gesamtergebnis von 270 Schlägen (-10) gewann der 39-jährige Neuseeländer die Open Championship 2026 und krönte damit eine der überraschendsten Karriereleistungen, die der Golfsport in jüngerer Vergangenheit gesehen hat. Fox siegte mit einem Schlag Vorsprung vor dem Amerikaner Cameron Young und schrieb dabei Geschichte: Als erster Neuseeländer seit Bob Charles 1963 holte er den ältesten Majorpokal der Welt.
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Wer Ryan Fox kennt, weiß: Er ist ein Spieler, der auf der ganzen Welt gewonnen hat – auf der DP World Tour, zuletzt auf der PGA TOUR mit Siegen in Myrtle Beach und bei der RBC Canadian Open 2025. Doch in 28 Major-Starts hatte er nie eine Top-10 verbucht. Weltranglistenplatz 56 – kein Name, den man in der Paarungsliste eines Major-Finaltags zuerst sucht.
Das änderte sich am Samstag schlagartig. Mit einer makellosen 62 (-8) – der niedrigsten 18-Loch-Runde in der Geschichte eines Majors, gleichauf mit dem Rekord – katapultierte sich Fox in die Schlussrunde und in die letzte Paarung neben dem 54-Loch-Führenden Sam Burns.

Sein Rezept am Finaltag: kühler Kopf, präzise Eisen, und vier Birdies auf den letzten sechs Löchern. „Ich habe meinem Caddie Dean schon nach den ersten acht Löchern gesagt: Ich fühle mich viel besser als erwartet", sagte Fox nach dem Sieg. Die Nervenstärke des Veteranen zahlte sich aus. Auf dem legendär schwierigen Abschlussloch – Par 4, 508 Yards, das härteste Loch der Woche – fand sein Teeshot die Fairway-Mitte, sein 8-Eisen das Grün, sein Putt das Loch.
„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie ich diesen Putt gespielt habe. Meine Hände zitterten. Ich habe einfach tief durchgeatmet und versucht, eine Linie zu spielen", gestand Fox. Dass der Ball trotzdem fiel, sei „surreal". Nun steht sein Name neben denen von Nicklaus, Palmer, Watson und Tiger auf der Claret Jug – ein Gedanke, der ihn sichtlich überwältigte: „Meinen Namen in der Geschichte des Golfsports verewigt zu sehen, bedeutet mir alles."
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Wenn die Open Championship 2026 einen zweiten Protagonisten hat, dann Cameron Young. Der 31-jährige Amerikaner, Gewinner der Players Championship 2026, startete mit sieben Schlägen Rückstand auf Burns in den Sonntag – praktisch abgeschrieben. Was folgte, war eine Front Nine für die Annalen: Fünf aufeinanderfolgende Dreien, vier Birdies, eine 29 auf den vorderen Neun. Young kletterte unaufhaltsam das Leaderboard hinauf, schlug sein siebtes Birdie des Tages auf der 17 und ging bei -10 in das Schlussloch – gleichauf mit Fox, der da noch auf dem Platz war.
Doch Loch 18 zeigte keine Gnade. Youngs Drive fand den Fairway-Bunker, sein anschließender 6-Eisen-Versuch prallte von der Bunkerkante ab und blieb im Fescue liegen. Bogey. Clubhouse-Lead bei -9.
„Ich habe versucht, den Ball wirklich aufs Grün zu spielen. Ich glaubte, dass ich es schaffen könnte. Ich habe wirklich geglaubt, dass -10 eine realistische Chance hat, das Turnier zu gewinnen", sagte Young. Er wartete danach mehr als zwei Stunden auf dem Übungsgrün – auf ein Wunder, das nicht kam. Dennoch blickte Young trotz allem bemerkenswert gefasst zurück. Als mentale Stütze für den Finaltag hatte er sich einer ungewöhnlichen Methode bedient: „Ich habe heute Atemzüge gezählt. Ich musste einfach etwas haben, woran ich mich festhalten konnte."
Sam Burns war derjenige, der hätte gewinnen sollen. Mit zehn unter Par und zwei Schlägen Vorsprung auf das Feld startete der Amerikaner in die Finalrunde – doch auf den Löchern 4 bis 6 brach sein Spiel zusammen. Drei Bogeys in Folge, darunter ein unspielbarer Ball nach einem Drive in den Graben auf der 6, raubten ihm den Rhythmus. Ein weiteres Birdie gelang ihm nicht mehr. Platz drei (-8) war am Ende das ernüchternde Fazit.
Tommy Fleetwood lieferte derweil die emotionalste Geschichte des Tages. Der Engländer ist in Southport geboren und aufgewachsen – Royal Birkdale ist quasi sein Hinterhof. Mit einem starken Start brachte er sich in Position, doch Bogeys auf den Löchern 9, 10 und 11 kosteten ihn den Anschluss. Am Ende: Platz vier (-7), aber ein Empfang auf Loch 18, der ihn sichtlich bewegte.
„Der Walk auf der 18 war sehr emotional. Das hat meine Vorstellungskraft übertroffen", sagte Fleetwood. „Mein Traum, die Open zu gewinnen, geht weiter. Aber was diese Woche war – das werde ich nie vergessen."
Scottie Scheffler, die Nummer eins der Welt, spielte technisch stark, kämpfte aber gegen einen kalten Putter. Mit Birdies auf 16 und 17 brachte er sich noch einmal in Schlagdistanz, doch auf der 18 rollte sein Chip am Loch vorbei. Bogey, Platz vier. „Es war einfach nicht meine Woche. Aber ich habe gut gekämpft und bin stolz auf meine mentale Stärke", resümierte Scheffler.
Die Open Championship 2026 bot nicht nur sportliche Dramatik. Drei Spieler schossen in dieser Woche eine 62 – Burns und Lucas Herbert am Freitag, Fox am Samstag – und stellten damit den Major-Rekord für die niedrigste 18-Loch-Runde ein.
Für Gesprächsstoff sorgte auch Bryson DeChambeau, der am Freitag eine Zwei-Schlag-Strafe erhielt, weil er unbeabsichtigt den Schwungbereich im Rough auf Loch 5 verbessert hatte. Er verweigerte vier Tage lang jedes Medieninterview und schloss auf dem geteilten 14. Rang ab. Das Turnier ließ er damit hinter sich – zumindest auf der Anzeigetafel.
Das Gesamtpreisgeld von 17,75 Millionen Dollar war das höchste in der Geschichte der Championship. Fox sicherte sich davon 3,2 Millionen.
Die nächste Open Championship führt 2027 nach St. Andrews – auf den heiligsten Boden des Golfsports. Ryan Fox wird dann als amtierender Champion antreten. Für viele andere, allen voran Young und Fleetwood, ist die Jagd nach dem Claret Jug noch lange nicht vorbei.
19 Jul 2026
Ran Fox aus Neuseeland gewinnt die Open Championship, auch British Open, 2026 in Royal Birkdale. (Foto: Imago / Shutterstock)