


Der dritte Tag der Open Championship 2026 im Royal Birkdale Golf Club in Southport hat seinem Ruf als „Moving Day" alle Ehre gemacht. Sam Burns schoss eine bärenstarke 65 und geht mit zehn Schlägen unter Par und zwei Schlägen Vorsprung in den abschließenden Finaltag. Ryan Fox vollendete am Morgen eine Rekord-Runde von 62 Schlägen und katapultierte sich von Rang 52 auf den zweiten Platz. Das Feld ist eng – und der Sonntag verspricht Spannung bis zum letzten Loch.
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Eigentlich hätte Sam Burns in dieser Woche gar nicht in Southport sein sollen. Der 29-jährige Amerikaner aus Shreveport, Louisiana, hatte den Flug nach England längst abgeschrieben – sein Terminkalender war reserviert für etwas Wichtigeres: die Geburt seiner zweiten Tochter. Doch Belle Burns entschied sich für einen früheren Auftritt, kam einige Tage vor dem errechneten Termin zur Welt, und seine Frau Caroline ließ keine Zweifel aufkommen.
„Sie hat mir gesagt: Ich hab das hier im Griff. Flieg rüber und gib dein Bestes. Und hier sind wir nun", berichtete Burns nach der Runde in der Pressekonferenz.
Nach einem holprigen Auftakt mit einer 73 in Runde eins hat sich Burns in dieses Turnier regelrecht hineingespielt. Seiner rekordgleichen 62 vom Freitag folgte am Samstag eine souveräne 65 – vier Birdies auf den ersten acht Löchern, darunter ein starker 4-Eisen auf Loch 4, der ihm einen 4,5-Meter-Putt ermöglichte. Lediglich Bogey auf der neun bremste ihn kurz, ehe Birdies auf 14 (9-Meter-Putt) und 17 die Führung zumentierten.
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Was die Zahlen hinter den Zahlen zeigen, ist mindestens genauso beeindruckend: Burns benötigte in Runde zwei und drei zusammen lediglich 127 Schläge – der niedrigste kombinierte Wert über zwei aufeinanderfolgende Runden in der gesamten Geschichte der Open Championship, drei Schläge besser als Fuzzy Zoeller (1994) und Shane Lowry (2019).
Burns sucht bei der Open Championship 2026 seinen ersten Major-Titel. Beim US Open im Juni war er Zweiter hinter Wyndham Clark, beim Masters hatte er kurzzeitig die Führung inne. Diesmal liegt er vorne – und der Verfolger hat er einen komfortablen, aber keineswegs sicheren Puffer.
„Ich kann nur kontrollieren, was ich selbst tue. Jemand wird morgen eine großartige Runde spielen – das passiert jede Woche. Ich muss dasselbe tun", sagte Burns nüchtern.
Wenn man beim Aufwärmen nicht sein bestes Gefühl hat und trotzdem eine der bemerkenswertesten Runden in der Geschichte der Majors spielt – dann war es wohl ein guter Tag. Ryan Fox, der 39-jährige Neuseeländer, startete im frühen Tee-Time-Block gemeinsam mit Xander Schauffele in eine nahezu windstille Birkdale-Morgenrunde und ließ den Platz keine Verschnaufpause.
Fünf Birdies auf den ersten neun Löchern brachten ihn mit 29 Schlägen zum Turn – haarscharf am Front-Nine-Rekord der Open Championship vorbei. Nach seinem einzigen Bogey auf Loch 13 machte Fox genau das, was starke Spieler in solchen Momenten tun: Er antwortete sofort. Birdie auf 14, weitere auf 16 und 17 – und plötzlich stand die Frage im Raum, ob an diesem Samstag in Southport erstmals in der Geschichte der Majors eine 61 gespielt werden würde.
„Als ich auf dem 18. Abschlag stand, habe ich gedacht: Wenn ich den Fairway treffe, kann ich einen Wedge oder 9-Eisen reinschlagen und habe einen Putt auf die 61", schilderte Fox in der Mixed Zone.
Es kam anders. Fox landete im Fairway-Bunker, spielte von dort einen starken 8-Eisen auf das Grün – knapp über die Vorderkante –, ließ seinen ersten Putt aus rund 12 Metern etwas kurz und lochte den zweiten zum Par. Runde 62. Rekord egalisiert.
Damit ist Fox der dritte Spieler innerhalb von weniger als 24 Stunden, dem dieses Kunststück gelang: Am Freitag hatten zunächst Lucas Herbert und 22 Minuten später Sam Burns dieselbe Marke gesetzt. Als allererster Spieler hatte Brandon Grace 2017 – ebenfalls in Royal Birkdale – eine 62 in einem Major gespielt. Fox ist nun der achte Spieler der Geschichte.
„Ich fühle mich wirklich gut. Wenn ich pingelig sein will: Ich hätte vielleicht zwei Abschläge zurückgewollt. Aber abgesehen davon habe ich das Gefühl, kaum einen Schlag wirklich verpasst zu haben", sagte Fox nach seiner Runde.
Schauffele, der selbst zwei der insgesamt acht Major-62er auf seinem Konto hat und am Samstag eine 66 spielte, zollte dem Kiwi höchsten Respekt: „Er kam heiß raus. Er hat gespielt, als könnte ich nur versuchen, auf seiner Welle mitzureiten."
Hinter Burns und Fox präsentiert sich die Open Championship 2026 mit einem ungewöhnlich offenen Verfolgerfeld – eines, das nicht von den erwarteten Großen des Golfsports angeführt wird.
Si Woo Kim startete als einer der Überraschungsgäste des Turniers in den Samstag und beendete ihn als Mitführender nach der zweiten Runde. Heute spielte er eine 67 und liegt bei acht unter Par – zwei hinter Burns. Bemerkenswert: Der Südkoreaner kämpfte laut eigener Aussage mit Achilles-Beschwerden an beiden Fußgelenken und schluckte vor der Runde Schmerzmittel. Kim wäre der erste südkoreanische Sieger in der Geschichte der Open Championship.
Lucas Herbert, der am Freitag noch die Führung mit einer 62 übernommen hatte, erlebte einen schwierigen Samstag. Lediglich fünf von 14 Fairways getroffen, drei Bogeys – am Ende stand eine 71 auf der Scorecard. Gleich zweimal auf den letzten beiden Löchern rettete Herbert mit kreativen Scrambling-Schlägen das Par und hält sich bei sieben unter Par drei Schläge hinter Burns.
„Ich wäre nicht begeistert davon, ihm drei Schläge Vorsprung zu geben – aber das ist nun mal die Situation", kommentierte Herbert mit entwaffnender Ehrlichkeit.
Ludvig Åberg spielte eine gute 67 und liegt bei sechs unter Par, gemeinsam mit Bryson DeChambeau und dem Außenseiter Jackson Suber. Tommy Fleetwood bleibt der große Hoffnungsträger des britischen Heimfeldes – doch sein Samstag endete mit einem bitteren Nachgeschmack. Nachdem er auf Loch 11 noch bei sieben unter Par und nur einen Schlag hinter der Führung lag, kosteten ihm Bogeys auf 15 und 18 wertvolle Schläge. Er geht fünf Schläge zurück in den Finaltag.
„Wie viele Menschen in der Golfwelt bekommen die Chance, das mit einer Menschenmenge zu erleben, die so sehr auf deiner Seite ist? Es war eine sehr besondere Woche für mich – egal, was morgen passiert", sagte Fleetwood, der nur wenige Kilometer von Royal Birkdale entfernt aufgewachsen ist.
Der Weltranglistenerste Scottie Scheffler und Jon Rahm blieben auf Level Par stecken und starten den Finaltag bei vier unter Par auf dem geteilten elften Platz – sechs Schläge hinter Burns. Rory McIlroy liegt bei zwei unter Par und benötigt wohl eine Runde in Rekordnähe, um noch einzugreifen.
Kein Bericht über den dritten Tag der Open Championship 2026 wäre vollständig ohne das Thema, das die gesamte Golffachwelt am Freitagabend und Samstagvormittag beschäftigte: die Zwei-Schläge-Strafe gegen Bryson DeChambeau.
Der zweifache US-Open-Champion hatte während seiner zweiten Runde auf Loch 5 nach einem Schlag in tiefes Rough laut Regelauslegung des R&A seine Schwunglinie verbessert – ein Verstoß gegen Rule 8.1. Die Strafe wurde erst nach Abschluss seiner Runde verhängt. DeChambeau kehrte daraufhin an das betroffene Loch zurück, um seinen Fall zu demonstrieren, verbrachte anschließend Stunden auf der Übungsanlage bis tief in die Nacht, sprach nicht mit der Presse und ließ zunächst offen, ob er das Turnier fortsetzen würde. Die Konsequenz: Die Startzeiten sämtlicher Spieler für den Samstag verschoben sich, weil das Theater so viel Personal band, dass die Bekanntgabe der Startzeiten warten musste.
Die Reaktionen im Spielerfeld fielen unterschiedlich aus. Rory McIlroy scheute keine klaren Worte: „Ich saß oben in der Spielerlounge und habe es live verfolgt. Als er den Schritt Richtung Ball machte, haben wir uns alle angeschaut und gedacht: Das wirkte nicht richtig. Ich denke, es besteht kein Zweifel, dass er die Schwinglinie verbessert hat – ob es nachlässig oder absichtlich war, spielt dabei keine Rolle. Die Zwei-Schläge-Strafe war gerechtfertigt."
Zur Verzögerung der Startzeiten sagte McIlroy deutlich: „Das Turnier so in Geiselhaft zu nehmen und alle – Spieler, Volunteers, alle – warten zu lassen, fand ich kein gutes Bild."
Burns zeigte mehr Verständnis: „Aus meiner Sicht hatte ich das Gefühl, dass die Beweislage für eine Strafe vielleicht nicht ausreichend war. Ich bedaure die Situation für ihn."
Scheffler hielt sich bedeckt, ließ aber durchblicken, dass er durchaus eine klare Meinung habe – diese jedoch nicht mitten im Turnier äußern wolle.
DeChambeau selbst zeigte auf dem Platz Reaktion: Er spielte eine 69, hält sich bei sechs unter Par und bleibt vier Schläge hinter Burns – theoretisch noch im Rennen.
Ein Muster zieht sich durch die erste Open Championship 2026 in Royal Birkdale seit 2017: Wer früh spielt, profitiert. Die morgendliche Windstille verwandelt den traditionsreichen Linkskurs in eine vergleichsweise zahme Aufgabe – die Grüns sind weicher, der Ball hält besser, und Birdies werden zu planbaren Ereignissen. Nachmittags dreht der Wind auf, der Platz trocknet aus und schlagartig wird Birkdale wieder zu dem gefürchteten Prüfstein, der es seit 137 Jahren ist.
Das erklärt, weshalb alle drei 62er dieser Woche in der Morgenrunde gespielt wurden – und weshalb Spieler wie Fleetwood, Scheffler und Rahm in den nachmittäglichen Runden mehr kämpften.
Der Finaltag der Open Championship 2026 verspricht einen offenen Kampf. Sam Burns geht mit zwei Schlägen Vorsprung als Favorit in die Schlussrunde – jedoch ist das Feld mit zehn Spielern innerhalb von fünf Schlägen so eng, dass jedes Szenario möglich ist. Das Preisgeld für den Sieger beträgt 3,2 Millionen US-Dollar aus einem Gesamtpreisgeldtopf von 17,75 Millionen – dem größten in der Geschichte der Open Championship.
Fox und Kim dürften die unmittelbarsten Herausforderer sein. Herbert hat bewiesen, dass er in Birkdale außergewöhnliche Runden spielen kann. Und falls die Morgenrunde erneut windstill bleibt, ist auch ein weiterer Ausrufezeichenscore nicht ausgeschlossen.
Burns gibt sich gelassen, aber fokussiert: „Ich werde nach Hause fahren und meine Familie sehen. Ich hoffe, ich nehme etwas Hartware mit – aber falls nicht, ist das auch in Ordnung."
Der Claret Jug wartet. Der Sonntag entscheidet.
18 Jul 2026
Sam Burns geht als Führender in den Finaltag der Open Championship 2026. (Foto: Imago / Shutterstck)