


Bernhard Langer ist 68 Jahre alt, schlägt den Ball im Schnitt 270 Yards weit – und glaubt noch immer daran, Turniere zu gewinnen. Im Gespräch mit Greenfeed gibt Deutschlands erfolgreichster Golfprofi eine ehrliche Zwischenbilanz seiner Saison auf der PGA Tour Champions, erklärt, warum der Skechers World Champions Cup das Potenzial hat, ein Jahrhundert-Turnier zu werden, und spricht offen über die strukturellen Veränderungen, die den Profigolf gerade in Bewegung setzen. Dazu verrät er, was einen Golfschuh nach zwölf Stunden auf dem Platz noch tragen lässt – und warum Jack Nicklaus damit schon vor Jahrzehnten recht hatte.
Greenfeed: Herr Langer, Sie befinden sich mitten in der Major-Saison – sind Sie bereits vor Ort für die Senior Open?
Bernhard Langer: Nein, ich werde diese Woche nicht spielen. Ich habe bereits vor sechs oder sieben Wochen abgesagt. Es ist schlicht nicht mein Lieblingsplatz – das ist der Hauptgrund. Ich habe dort vor drei Jahren die Senior Open gespielt und habe mich dann entschlossen, diese Woche zu pausieren und dann nächste Woche in Portugal zu spielen.
Greenfeed: Darf ich Sie um eine Zwischenbilanz zur bisherigen Saison bitten?
Bernhard Langer: Es war eine gute, solide Saison bisher. Ich habe einige relativ gute Ergebnisse erzielt. Es waren auch zwei oder drei dabei, die hätten besser sein können. Natürlich tue ich mich inzwischen etwas schwerer, weil ich mit meiner Weite nicht mehr mit Stewart Cink und 30, 40 anderen mithalten kann. Ich glaube, meine Durchschnittslänge ist so um die 270 Yards – und viele von meinen 50-jährigen Kollegen schlagen doch um die 300 Yards. Das ist schon ein bisschen schwieriger, da mitzuhalten. Aber ich habe immer noch das Gefühl, dass ich Turniere gewinnen kann, dass ich ganz vorne dabei sein kann. Ich muss nur schauen, dass mein kurzes Spiel optimal ist.
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Greenfeed: Haben Sie noch Prioritäten für die zweite Saisonhälfte? Gibt es Events, auf die Sie besonderes Augenmerk legen?
Bernhard Langer: Ja, es sind natürlich Turniere, die mehr Spaß machen. Ich freue mich jetzt auf Portugal – das ist ein neues Turnier in Vilamoura an der Algarve, da habe ich früher immer sehr gerne gespielt. Ein Turnier, auf das ich mich auf jeden Fall freue, ist im Dezember der Skechers World Champions Cup – das ist ein Mannschaftswettspiel, eher ähnlich wie der Ryder Cup. Das macht Riesenspaß. Und natürlich haben wir dann noch den Schwab Cup am Ende des Jahres, wo die besten 36 mitspielen. Es kommen noch einige schöne Turniere auf mich zu in den nächsten Monaten.
Greenfeed: Dann möchte ich direkt beim Skechers World Champions Cup anschließen – einem globalen Team-Event, das gerne mit dem Ryder Cup verglichen wird. Dort werden Sie quasi Deutschland vertreten. Inwiefern bedeutet Ihnen das, für Ihr Land anzutreten? Und was wünschen Sie sich für so eine Veranstaltung auch für die nächste Generation von deutschen Golferinnen und Golfern?
Bernhard Langer: Ja, es bedeutet mir sehr viel, Deutschland zu vertreten – oder in einer Mannschaft zu sein, natürlich mit anderen großartigen Golfern, den sechs Besten von Europa in unserer Altersklasse. Es macht immer Spaß, in einer Mannschaft zu spielen, wo wir uns dann vorher und nachher im Locker Room besprechen, gemeinsam zu Abend essen, Geschichten erzählen und vieles mehr. Und ich denke, dass dieses Turnier kein normales Turnier, sondern ein sogenanntes Jahrhundert-Turnier sein kann – ähnlich wie der Ryder Cup, den es auch seit etwa 100 Jahren gibt. Ich kann mir vorstellen, dass der Skechers World Champions Cup noch in vielen, vielen Jahren existieren wird und immer populärer wird, weil es einfach ein sehr interessantes Turnier ist: mit sechs der besten Amerikaner, sechs der besten Europäer und sechs vom Rest der Welt – wie Ernie Els, Vijay Singh oder K.J. Choi und solche Spieler. Es macht für die Spieler Riesenspaß und, was wir gehört haben, auch den Zuschauern. Und das ist glaube ich bedeutsam, dass Skechers den Weitblick hat, dort involviert zu sein und dieses tolle Turnier und diese schöne Sportart weltweit zu verbreiten.

Greenfeed: Themenwechsel zur PGA Tour – die unterläuft ja gerade ziemlich große Änderungen. Inwiefern sind Sie über die bevorstehenden Änderungen zur nächsten Saison informiert – und wie beurteilen Sie diese?
Bernhard Langer: Ja, natürlich beschäftige ich mich damit, denn die Champions Tour gehört ja zur PGA Tour, heißt ja auch PGA Tour Champions. Wir sind damit ein Teil der PGA Tour – das ist für uns natürlich entscheidend. Ich war überrascht, muss ich ehrlich sagen. Ich habe das nicht erwartet und bin auch nicht überzeugt davon, ob das gut ist. In den nächsten Monaten und Jahren wird einiges geschehen. Ich hoffe, dass es der richtige Weg ist und dass sie erfolgreich sein werden. Auf der anderen Seite kann es für die Champions Tour zum Teil auch Vorteile haben. Früher war die Sony Open auf Hawaii immer das erste Turnier der PGA Tour. Der Sponsor kommt jetzt auf die Champions Tour, weil sie sagen: „Wir wollen nicht 20 oder 40 Millionen Dollar ausgeben, was so ein Turnier auf der PGA Tour kostet." Auf der Champions Tour können sie es wesentlich günstiger haben. Sie haben zwei Pro-Ams, wo sie Hunderte von Gästen einladen können, die dann mit uns Pro-Am spielen. Und ich denke, dass wir davon profitieren können – dass wir vielleicht noch den einen oder anderen Sponsor in der Zukunft auch von der PGA Tour abwerben können.
Greenfeed: Erwarten Sie – neben diesem Trickle-Down-Effekt – auch strukturelle Änderungen für die PGA Tour Champions?
Bernhard Langer: Wir wurden animiert von der PGA Tour, dass wir finanziell selbstständig werden, mehr oder weniger. Bisher wurde uns ein bisschen geholfen, finanziell von der PGA Tour. Da wurden einige Dinge geändert – mit Brian Rolapp und auch mit den Investoren vor einigen Jahren, die ja 1,5 Milliarden investiert haben. Die wollen natürlich da ein bisschen was zurückbekommen. Und ja, da ist einiges im Gange, es wird sich einiges ändern. Ich hoffe nur, dass alles in die richtige Richtung geht.
Greenfeed: Gibt es Änderungen, die Sie sich wünschen würden für Ihren Touralltag auf der Champions Tour?
Bernhard Langer: Wir hatten bisher ein Programm für Pensionsfonds. Der wurde von der PGA Tour finanziert – und gestrichen. Das finde ich nicht so gut, jetzt nicht unbedingt für mich – aber ich bin ja im PAC, also im Player Advisory Council, und wir besprechen natürlich die Themen, die die Champions Tour betreffen. Ich bin nicht angewiesen auf dieses Geld, aber andere Spieler fanden es schon sehr extrem. Und so werden wir natürlich versuchen, dass wir finanziell besser dastehen in der Zukunft. Und da gibt es Wege und Möglichkeiten, die wir jetzt genau begutachten und dann hoffentlich auch umsetzen können in den nächsten Wochen und Monaten.
Greenfeed: Nochmal Themensprung: Haben Sie eine grobe Vorstellung, wie viele Kilometer Sie in Ihrem Leben auf Golfplätzen gelaufen sind – oder wie viele Runden das gewesen sein könnten?
Bernhard Langer: Überhaupt keine Ahnung – aber es gibt wohl nicht viele, die mehr gelaufen sind auf dem Golfplatz als ich, kann ich mir vorstellen.
Greenfeed: Das glaube ich Ihnen. Die meiste Zeit auf dem Platz verbringen Sie schließlich in Golfschuhen. Wenn man so viele Runden, so viele Kilometer abreißt über so viele Jahrzehnte – was macht für Sie einen guten Golfschuh aus? Was muss er können, damit Sie sich wohlfühlen und das leisten können auf dem Golfplatz, wozu Sie imstande sind?
Bernhard Langer: Ja, sehr gute Frage. Ich bin natürlich am Tag acht bis zwölf Stunden in diesen Golfschuhen unterwegs – zum Teil bei Regen oder nassem Wetter, bei Kälte, bei Hitze. Und das ist sehr wichtig, dass man gutes Schuhwerk hat. Sehr entscheidend ist, dass der Schuh bequem ist, denn man will ja keine Blasen oder Schmerzen oder sonst was haben am Ende des Tages oder mitten in der Runde. Also: der Schuh muss passen, er muss gut aussehen, er muss auch stabil sein – denn wir schwingen ja, und da entstehen Wahnsinnskräfte, wenn wir uns drehen und vom Boden abheben. Wie Jack Nicklaus vor vielen Jahren schon sagte: „We play the game from the ground up" – also vom Boden hoch. Was er meinte, ist die Verbindung von den Füßen, von den Golfschuhen, mit dem Boden. Da entstehen wahnsinnige Kräfte und da muss der Schuh mithelfen – und das ist sehr, sehr entscheidend. Und genau das habe ich beim Skechers Golfschuh gefunden. Er war bequem, er war leicht. Wenn ich da am späten Nachmittag oder abends aus dem Schuh raussteige, geht es meinem Fuß immer noch gut. Es hat nicht wehgetan. Und ich habe die Stabilität, die ich brauche, damit ich nicht rutsche – damit der Fuß sich nicht bewegt während dem Golfschwung – und ich dann einen schlechten Golfschlag mache.
Greenfeed: Wir haben leider nicht so viel Zeit, deswegen springe ich etwas durch die Themen. Vorgestern ist die Fußball-Weltmeisterschaft zu Ende gegangen und Sie sind schon jahrzehntelang in den USA zu Hause. Haben Sie Spiele besuchen können?
Bernhard Langer: Ich wollte zu dem Spiel nach New Jersey, wo Deutschland gespielt hat – das war in der Gruppenphase das dritte Spiel gegen Ecuador. Mein Sohn lebt auch in New York, nur eine Stunde weg vom Stadion. Und ich war da gerade beim Turnier in Endicott, New York – das ist so drei Stunden weg vom Stadion. Aber es ging mir nicht gut. Ich hatte eine Erkältung und etwas Fieber und habe mich kurzfristig entschlossen, nicht hinzugehen. Ich habe das Spiel letztlich im Fernsehen verfolgt – es war ein wunderschönes Stadion, dort fand wenig später auch das Finale statt. Schade, dass es nicht geklappt hat.
Greenfeed: Fußball ist ja nicht eine der klassischen amerikanischen Sportarten. Wie haben Sie das sonst so in den USA erlebt – die Stimmung, den Zugang zum Fußball?
Bernhard Langer: Ich glaube, dass diese Weltmeisterschaft sehr geholfen hat, Fußball in Amerika zu verbreiten, der Öffentlichkeit näherzubringen. Es kam eine tolle Stimmung auf in vielen dieser Städte, wo Tausende von Zuschauern angereist sind – ob es jetzt die Schotten waren oder die Japaner. Die Japaner kamen dann öfter – ich weiß nicht, ob das in Europa auch berichtet worden ist – die kamen mit Abfalleimern oder mit Tüten und haben dann das Stadion saubergemacht nach dem Spiel. Die haben den ganzen Abfall aufgehoben – was sicherlich zum ersten Mal passiert ist in dieser Sportart. Und die Schotten haben, glaube ich, Geld ausgegeben – die haben erst mal die ganzen Bars leer getrunken, bis es kein Bier mehr gab, und haben dann Geld an gute Zwecke gespendet. Die Atmosphäre war wirklich beeindruckend. Und ich hoffe, es war eine Werbung für Fußball in Amerika – oder weltweit.
Greenfeed: „Tolle Stimmung" möchte ich als Stichwort für meine letzte Frage mitnehmen. Ihr Abschied in Eichenried ist jetzt zwei Jahre her – auch damals herrschte eine großartige Stimmung, ich war selbst dabei. Vermissen Sie das Turnier schon? Es ist ja auch gerade erst vor drei, vier Wochen gespielt worden.
Bernhard Langer: Ja, es war schon eine sehr emotionale Woche für mich. Die Veranstalter haben sich wirklich Mühe gegeben, diesen Abschied für mich zu gestalten. Und ja, die Zuschauer waren einzigartig. Es war schon ein Traum – und natürlich vermisse ich solche Momente. Aber das Leben geht weiter und ich fokussiere mich jetzt auf die Champions Tour und hauptsächlich Amerika in den nächsten Jahren – und dann werden wir sehen, wie es weitergeht.
Greenfeed: Herzlichen Dank, Herr Langer. Ich wünsche Ihnen weiterhin alles Gute und viel Erfolg.
Bernhard Langer: Danke auch Ihnen, Herr Hennig. Alles Gute. Bis zum nächsten Mal.
(Das Interview führte Tobias Hennig)
28 Jul 2026
Bernhard Langer spricht im Interview mit Greenfeed über seine bisherige Saison und blickt zuversichtlich in die Zukunft. (Foto: Skechers)