


Millionenschecks prägen das Bild vom Profigolf. Doch wer auf Tour spielt, muss Reisen, Caddie und Training finanzieren. Ein Blick auf vier große Turnierserien zeigt, wie unterschiedlich sich dieses Geschäft rechnet.
Hannah Gregg hatte den Cut geschafft. Bei der Women’s New South Wales Open 2024 belegte die Amerikanerin Rang 54 und erhielt 1.244 Dollar Preisgeld. Trotzdem endete die Woche für sie finanziell im Minus: Ihren Einnahmen standen 3.672 Dollar Ausgaben gegenüber, wie Golf Digest am 26. April 2024 berichtete. Unterkunft und Caddie-Honorar kosteten sie dabei nichts. Den größten Posten bildete der Flug von Phoenix nach Australien.
Rund 2.400 Dollar Verlust trotz eines geschafften Cuts: Greggs Beispiel zeigt, was auf dem Leaderboard unsichtbar bleibt. Die dort ausgewiesene Summe ist eine Einnahme, kein Gewinn.
Golfprofis müssen wesentliche Teile ihrer sportlichen Arbeit selbst organisieren und bezahlen. Flüge und Hotels werden gebucht, bevor feststeht, ob die Turnierwoche überhaupt Preisgeld einbringt. Der Caddie erhält üblicherweise eine Grundvergütung und zusätzlich einen vereinbarten Erfolgsanteil. Coaches, Fitness-Trainer und Physiotherapie verursachen weitere Kosten.
„Wir müssen für jedes Turnier alles selbst und im Voraus bezahlen“, beschreibt Alexandra Försterling ihre Erfahrung im Interview mit Golf Post. Wie hoch die Rechnung ausfällt, hängt vor allem vom Reiseplan und vom Betreuungsteam ab. Auch Versicherungen, Buchhaltung, Management und Trainingsmöglichkeiten gehören zum beruflichen Aufwand. Schläger und Bekleidung werden dagegen häufig von Ausrüstern gestellt. Einzelne Turniere unterstützen die Teilnehmenden außerdem mit Unterkunft, Fahrzeugen oder Zuschüssen.
Zum Vergleich: Die folgenden Preisgelder beziehen sich auf 2025. Die Kosten stammen aus unterschiedlich alten Erfahrungsberichten oder ausdrücklich gekennzeichneten Modellrechnungen. Sponsoring, persönliche Steuern und private Lebenshaltung sind keine einheitlich erfassten Bestandteile. Die Gegenüberstellung liefert deshalb Größenordnungen, keine geprüften durchschnittlichen Nettogewinne.
Für 2025 nennt Golf Monthly durchschnittlich rund 2,3 Millionen Dollar Preisgeld bei 236 Spielern auf der offiziellen Geldliste der PGA Tour. Allerdings lagen 161 von ihnen unter diesem Mittelwert. Die Spitzenverdiener ziehen den Durchschnitt deutlich nach oben. Im September 2026 brach Scottie Scheffler den Rekord von Tiger Woods, indem er sein Karriere-Preisgeld auf über 130 Millionen Dollar schraubte.
Wie umfangreich die Ausgaben eines etablierten Spielers sein können, dokumentierte GOLF.com bereits 2018. Ein erfahrener Agent kalkulierte damals rund 554.000 Dollar jährlich: 192.000 für den Caddie einschließlich Erfolgsbeteiligung, 130.000 für Reisen, Unterkunft und Essen sowie zusammen 80.000 für Coach und Fitness-Trainer. Weitere große Posten waren Management und Buchhaltung.
Das historische Modell umfasste zwei Millionen Dollar Preisgeld und 700.000 Dollar sonstige Einnahmen. Nach den beruflichen Ausgaben blieben darin rund 2,15 Millionen Dollar vor Steuern. Es beschreibt keinen aktuellen Tourdurchschnitt, zeigt aber: Hohe Kosten bedeuten nicht zwangsläufig wirtschaftliche Unsicherheit.
Erfolg verteuert den Betrieb sogar. Ben Griffin bezifferte seine durchschnittlichen Wochenausgaben in einem 2026 veröffentlichten Interview auf etwa 50.000 Dollar. Als Grund nannte er auch die leistungsabhängige Vergütung seines Teams. Die Zahl ist deshalb kein gewöhnliches Reisebudget.

Eine detaillierte Rechnung für die damalige European Tour, heute DP World Tour, veröffentlichte Golf Post 2021 mit Florian Fritsch. Bei 25 Turnieren ergeben die beruflichen Einzelposten rund 180.000 bis 190.000 Euro.
Davon entfielen 62.500 Euro auf den Caddie, jeweils 25.000 Euro auf Unterkunft und Verpflegung sowie Logistik. Hinzu kamen Trainer, Versicherungen, Verwaltung, Management und Technik. Die Rechnung enthält auch Materialanschaffungen, die nicht zwingend jedes Jahr wiederkehren. Private Lebenshaltung kommt zusätzlich dazu.
„Von Caddie bis Versicherungen muss man erstmal in Vorkasse gehen. Und man weiß erst am Ende, ob es sich rechnet“, sagte Fritsch. Auf der Einnahmenseite brachte 2025 den 115 Spielern, die ihr Spielrecht über die Saisonrangliste behielten, durchschnittlich rund 1,04 Millionen Euro. Das ergibt eine eigene Auswertung der von Golf Digest Middle East veröffentlichten Beträge. Der Median lag bei rund 723.000 Euro: Die Hälfte dieser Gruppe erhielt mehr, die andere weniger.
Gegenüber dem historischen Budget besteht damit ein beträchtliches Polster. Allerdings erfasst die Gruppe gerade nicht jene Spieler, die ihre Karte verloren. Sie ist kein Durchschnitt aller Tourstarter.
Für die LPGA-Saison 2025 liegen die veröffentlichten Durchschnittswerte von GolfRaw und Golf Monthly zwischen rund 600.000 und 700.000 Dollar. Ihre Berechnungen weichen voneinander ab. Beim Median liegen sie näher beieinander: ungefähr 270.000 bis 290.000 Dollar.
Dieser Unterschied ist entscheidend. Ein hoher Mittelwert sagt wenig darüber aus, wie komfortabel die Spielerin in der Mitte des Feldes wirtschaftet.
Der Boston Globe nennt 2026 Caddie-Grundhonorare von 1.700 bis 2.500 Dollar pro Woche zuzüglich Erfolgsbeteiligung. Hinzu kommen gewöhnlich etwa 200 Dollar Startgebühr je Turnier.
Eine eigene Beispielrechnung für 24 Starts setzt 48.000 Dollar Caddie-Basis, rund 55.000 für Flüge und Unterkunft sowie 13.000 für Essen und Transport an. Startgebühren und angenommene weitere Jahreskosten für Training, Versicherungen und Verwaltung erhöhen den Grundaufwand auf rund 141.000 Dollar. Ein zusätzlich angenommener Caddie-Anteil von acht Prozent ergibt:
Das sind Szenarien, keine Spielerinnenabrechnungen. Sie verdeutlichen jedoch, wie unterschiedlich dieselbe Tour finanziell aussehen kann – und warum höhere Einnahmen auch höhere Teamkosten bedeuten.

Auf der Ladies European Tour schätzt Försterling eine Saison mit eigenem bezahltem Caddie auf 80.000 bis 100.000 Euro. „Mit Caddie kommt man sicher auf 80.000 bis 100.000 Euro im Jahr, je nachdem, wie sparsam man ist“, sagte sie Golf Post im September 2026. Sie plante etwa 23 Turniere und betonte, dass sie keine genaue Jahresabrechnung erstellt habe.
Eine eigene Auswertung der LET Money List 2025 ergibt für die 204 gelisteten Spielerinnen durchschnittlich rund 98.000 Euro Preisgeld. Der Median beträgt nur etwa 40.000 Euro. Allerdings umfasst die Liste auch zahlreiche Spielerinnen mit wenigen LET-Starts.
Für einen Vergleich mit einer umfangreichen Saison lohnt deshalb eine zusätzliche Betrachtung: Die 89 Spielerinnen mit mindestens 15 Starts kamen im Schnitt auf 20 Turniere, rund 132.000 Euro Preisgeld und einen Median von etwa 75.000 Euro. Diese Startschwelle ist eine redaktionelle Auswahl, keine offizielle Tourkategorie.
Legt man Försterlings Budget daneben, bleiben beim Gruppendurchschnitt rechnerisch 32.000 bis 52.000 Euro vor Steuern und Privatkosten. Beim Median fehlen dagegen 5.000 bis 25.000 Euro zur Deckung dieses Budgets.
Daraus folgt nicht, dass die Hälfte tatsächlich Verlust machte: Weniger Starts können günstiger sein, Sponsoren helfen und manche Spielerinnen verdienen zusätzlich auf anderen Touren. Deutlich wird aber, wie begrenzt der finanzielle Spielraum sein kann.
Die Gruppen und Kostenmodelle sind unterschiedlich abgegrenzt. Die Tabelle ist eine Orientierung, keine einheitliche Tourstatistik.
Logo-Verträge sind nicht nur ein Zusatzgeschäft für Stars. Sie können laufende Ausgaben finanzieren, bevor Preisgeld eingeht. Auch Sachleistungen helfen: Das FM Championship bietet laut Boston Globe unter anderem kostenlose Hotelzimmer, Flugvouchers und Fahrzeuge sowie 1.000 Dollar für Spielerinnen, die den Cut verpassen.
Selbst ein beruflicher Überschuss ist noch kein frei verfügbares Einkommen. Steuern, Wohnung, Familie und Vorsorge müssen ebenfalls bezahlt werden.
Greggs Australienwoche macht diese Rechnung greifbar: Gut genug für das Wochenende zu spielen, genügt nicht immer, um Geld zu verdienen. Eine Profikarriere braucht deshalb mehr als gute Schläge. Sie braucht die finanziellen Mittel, um auf den nächsten Erfolg warten zu können.
09 Oct 2026
Die Siegerschecks für Profigolferinnen und -golfer sind gigantisch. Doch was bleibt dem Durchschnitt? (Foto: Imago / Zuma Press Wire)