


Phil Mickelson, sechsfacher Major-Champion und einer der bekanntesten Golfer der Geschichte, steht erneut im Mittelpunkt einer außersportlichen Kontroverse. Der 55-jährige Amerikaner wurde nach Informationen des Fachmagazins Golf Digest als Mitglied des The Farms Golf Club im kalifornischen Rancho Santa Fe ausgeschlossen – nachdem eine Clubangestellte ihm nicht einvernehmlichen und unangemessenen körperlichen Kontakt vorgeworfen hatte. Ein erster Entwurf – noch unvollendete Geschichte.
Der Vorfall soll sich im Frühjahr 2026 zugetragen haben, bevor Mickelson eine Golfrunde auf der Anlage bestritt. Laut mehreren Quellen, auf die sich Golf Digest stützt, näherte sich Mickelson einer Mitarbeiterin im Clubhaus und soll dort körperlichen Kontakt ohne deren Einwilligung hergestellt haben. Die Angestellte wies ihn zurück und meldete den Vorfall unmittelbar ihren Vorgesetzten.
Das Clubmanagement reagierte zügig: Eine unabhängige Untersuchung wurde eingeleitet, noch während Mickelson seine Runde spielte. Wenig später wurde er auf dem Platz mit den Vorwürfen konfrontiert und aufgefordert, das Gelände zu verlassen – was er tat, ohne seine Runde zu beenden. Ein Ehrentableau mit seinen sportlichen Erfolgen, das bis dahin im Clubhaus hing, wurde seither entfernt.
The Farms bestätigte den Vorgang in einer offiziellen Stellungnahme gegenüber Golf Digest, ohne Mickelson namentlich zu nennen:
„The Farms Golf Club ist bestrebt, eine Golfclub-Umgebung zu erhalten, die sicher und respektvoll ist und höchste Verhaltensstandards widerspiegelt. [...] Nach der Meldung eines Mitarbeiters über Fehlverhalten eines Mitglieds hat der Club dem Mitarbeiter sofortige und fortlaufende Unterstützung gewährt, eine gründliche unabhängige Untersuchung des Vorfalls durchgeführt und entschlossene Maßnahmen ergriffen. Diese Person ist kein Mitglied des Farms Golf Club mehr."
Mehrere clubinterne Quellen bestätigten Golf Digest gegenüber, dass es sich bei der betroffenen Person um Mickelson handelt. Im Nachgang der Veröffentlichung bestätigte ein Sprecher des Golfers, dass Mickelson seinen Rücktritt aus dem Club erklärt habe.
Mickelson selbst äußerte sich nicht direkt zu den Vorwürfen. Sein Sprecher ließ lediglich verlauten:
„Jedes Missverständnis ist ausgeräumt. Phil kümmert sich weiterhin um eine private familiäre Gesundheitsangelegenheit und ist ungewiss, wann er in der Lage sein wird, zum professionellen Golf zurückzukehren."(Sprecher Phil Mickelsons, Statement an Golf Digest)
Schärfere Töne schlug Mickelsons Anwalt Tom Clare an. Er bezeichnete die im Umlauf gebrachten Informationen als Fehlinformation und drohte rechtliche Konsequenzen an:
„Es kursieren sehr viele Falschinformationen, und während Phils volle Aufmerksamkeit einer privaten familiären Gesundheitsangelegenheit gewidmet ist, hat er einen Anwalt für Verleumdungsfälle beauftragt und ist entschlossen, jede Publikation oder Person zur Rechenschaft zu ziehen, die mit Spekulationen oder falschen Gerüchten handelt."(Anwalt Tom Clare, Statement an Golf Digest)
Clare behauptete zudem, der Vorfall sei durch objektives Videomaterial eindeutig widerlegt. Das entsprechende Video wurde jedoch weder Golf Digest noch anderen Medien vorgelegt. Der Club wiederum stellte klar, dass keinerlei Videoaufnahmen des Vorfalls existieren – eine direkte Widerlegung der Aussage des Anwalts.
Das San Diego County Sheriff's Office teilte mit, den Vorfall bereits untersucht zu haben, jedoch keine Beweise für eine strafrechtlich relevante Handlung gefunden zu haben. Gleichzeitig erklärten die Behörden, bei neuen Hinweisen weitere Ermittlungen aufnehmen zu wollen.
Die Clubaffäre trifft Mickelson in einer Phase, in der er sportlich kaum präsent ist. Bereits im Februar hatte er bekanntgegeben, sich aufgrund einer nicht näher benannten familiären Gesundheitsangelegenheit aus dem Turnierbetrieb zurückzuziehen. Sein bislang einziger Auftritt in der laufenden Saison war beim LIV Golf-Event in Südafrika im März, wo er den 48. Platz belegte.
Sowohl das Masters in Augusta als auch die PGA Championship ließ er aus. Für die in der kommenden Woche beginnende US Open in Shinnecock Hills ist er nicht qualifiziert – seine fünfjährige Ausnahme als Sieger der PGA Championship 2021 ist abgelaufen. Als ehemaliger Champion steht er noch auf der Startliste für The Open Championship in Royal Birkdale im Juli, doch auch dort ist sein Antritt fraglich.
Hinzu kommt die ungewisse Zukunft von LIV Golf selbst: Der staatliche Investitionsfonds Saudi-Arabiens, der das Turnier bislang finanzierte, wird seine Unterstützung noch in diesem Jahr einstellen – womit auch Mickelsons sportliches Zuhause der vergangenen Jahre auf wackligen Beinen steht.
Um den Kontext dieser Meldung zu verstehen, muss man einen Blick auf das Gesamtbild werfen – und das ist widersprüchlicher, als es bei einem der größten Golfer aller Zeiten zu erwarten wäre.
Phil Mickelson wuchs in San Diego auf und wurde dort zur lokalen Legende, bevor er die gesamte Golfwelt in seinen Bann zog. Drei Masters-Titel, ein Triumph bei The Open Championship und zwei PGA-Championship-Siege zählen zu einer Karriere, die ihn fraglos in die Riege der Besten aller Zeiten stellt. Sein Sieg bei der PGA Championship 2021 in Kiawah Island – mit damals 50 Jahren – machte ihn zum ältesten Major-Champion der Golfgeschichte und galt als eines der emotionalsten Ereignisse des Sports in jüngerer Zeit.
Doch neben diesen unbestreitbaren sportlichen Verdiensten begleiten Mickelson seit Jahren Schlagzeilen, die mit Golf wenig zu tun haben.
2016 wurde er als sogenannter „relief defendant" in einen Insiderhandel-Fall verwickelt. Obwohl er strafrechtlich nicht angeklagt wurde, einigte er sich darauf, knapp eine Million US-Dollar zurückzuzahlen. Der Hauptangeklagte in dem Fall, Profi-Glücksspieler Billy Walters, wurde zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. In seiner 2023 erschienenen Autobiografie behauptete Walters, Mickelson habe über 30 Jahre insgesamt mehr als eine Milliarde US-Dollar verwettet.
Den vielleicht folgenreichsten Reputationsschaden zog Mickelson sich jedoch 2022 zu, als er in einem Interview die saudischen Geldgeber hinter LIV Golf als „beängstigende Mistkerle" bezeichnete – und gleichzeitig einräumte, den Wechsel zur Konkurrenzliga primär als Druckmittel gegen die PGA Tour zu nutzen. Die Aussagen kosteten ihn nahezu alle Hauptsponsoren und entzweiten ihn mit einem großen Teil seiner langjährigen Fangemeinde.
Vorwürfe dieser Art gegen eine öffentliche Person verlangen journalistische Sorgfalt. Die Faktenlage ist klar: Ein Club hat nach eigenen Angaben eine unabhängige Untersuchung durchgeführt und daraufhin gehandelt. Die betroffene Mitarbeiterin hat laut Golf Digest ihre Identität bestätigt, wollte aber nicht öffentlich auftreten. Die rechtliche Gegendarstellung von Mickelsons Anwalt enthält eine Behauptung – das Videomaterial –, die vom Club explizit widerlegt wurde.
Was bleibt, sind offene Fragen: Wird Mickelson rechtlich gegen Medienberichte vorgehen? Wann – und ob – er zum Profigolf zurückkehren wird. Und wie künftige Generationen die Gesamtheit seiner Geschichte bewerten werden.
12 Jun 2026
Phil Mickelson wurde nach unangemessenem Verhalten gegenüber einer Mitarbeiterin aus einem Golfclub ausgeschlossen. (Foto: Imago / Shutterstock)