


Was als komfortabler Vorsprung begann, wurde am Sonntag auf dem TPC Louisiana zu einem nervenaufreibenden Drama: Matt und Alex Fitzpatrick haben die Zurich Classic of New Orleans gewonnen und sich damit einen historischen Platz auf der PGA Tour gesichert. Mit einem Gesamtergebnis von 31 unter Par stellten die englischen Brüder einen neuen Turnierrekord auf – und lieferten dabei eine der emotionalsten Geschichten der laufenden PGA-Tour-Saison.
Bereits am Samstag hatten die Fitzpatricks mit einer 57 im Four-Ball-Format einen Turnierrekord aufgestellt und sich einen scheinbar beruhigenden Vorsprung von vier Schlägen erarbeitet. Doch die Schlussrunde am Sonntag entwickelte sich völlig anders als erwartet.
Elf Löcher lang kontrollierten Matt und Alex das Geschehen souverän. Dann begann der Einbruch: Ein schwacher Abschlag am zwölften Loch mündete in ein Doppel-Bogey, gefolgt von weiteren Fehlschlägen an den Löchern 13 und 14. Plötzlich war der komfortable Vorsprung dahin. Die Konkurrenz witterte ihre Chance.
Das norwegische Duo Kristoffer Reitan und Kris Ventura hatte im Clubhaus bei 30 unter Par vorgelegt. Auch Alex Smalley und Hayden Springer sowie Davis Thompson und Austin Eckroat rückten gefährlich nahe heran. Zeitweise lagen die Fitzpatricks nur noch gleichauf an der geteilten Spitze – der PGA-Tour-Titel drohte ihnen zu entgleiten.
In der entscheidenden Phase bewies ausgerechnet der jüngere Bruder Alex seine Klasse. Am 14. Loch rettete er mit einem präzisen Flop-Shot das Par und hielt das Team im Rennen. „Ich konnte meine Hände nicht mehr spüren, meine Beine nicht mehr fühlen", beschrieb Alex später den Zustand auf den letzten Bahnen.
Die Entscheidung fiel am 18. Loch. Matt Fitzpatrick fand sich in einem Bunker wieder – doch die Lage erwies sich als spielbar. Aus rund 35 Metern schlug der ehemalige US-Open-Champion den Ball zur Fahne und legte ihn zentimeternah ans Loch. „Die Lage war unglaublich gut. Ich habe den Schlag perfekt gespielt. Was soll ich noch sagen?", kommentierte Matt seinen entscheidenden Beitrag. Alex musste den Ball nur noch aus kürzester Distanz einlochen – und tat es, trotz zitternder Hände. Die Schlussrunde von 1 unter Par (71) reichte, um den Turnierrekord zu verteidigen.
Für Matt Fitzpatrick, den etablierten PGA-Tour-Star, war es ein weiterer Titel auf einer bereits beeindruckenden Liste. Für seinen jüngeren Bruder Alex bedeutet der Sieg jedoch ungleich mehr: Er sichert sich damit seine erste PGA-Tour-Karte inklusive einer zweijährigen Sieger-Exemption. Darüber hinaus qualifiziert sich Alex für die PGA Championship im kommenden Monat, die Players Championship im nächsten Jahr sowie die verbleibenden vier Signature Events der laufenden Saison.
Die Dimension dieses Erfolgs wird erst im Kontext von Alex' jüngster Vergangenheit deutlich. In der vorangegangenen Saison auf der DP World Tour verpasste er in neun Starts sechsmal den Cut und rutschte in der Weltrangliste hinter Platz 280 ab. Der Verlust seiner europäischen Spielberechtigung drohte. Ein Trainerwechsel – weg von Mark Blackburn, hin zu Mike Walker, dem langjährigen Schwungcoach seines Bruders Matt – brachte die Wende. Schließlich gewann Alex im März bei der Indian Open seinen ersten großen Titel.
Matt Fitzpatrick sprach nach dem Sieg offen über die Belastung, die sein eigener Erfolg für die Beziehung zu seinem Bruder mit sich gebracht hatte. „Ich hatte nie wirklich verstanden, welche Last das für ihn ist", sagte Matt. „Jedes Mal, wenn wir im Golfclub waren, wurde nur gefragt: ‚Was macht Matt gerade?' – nie nach Alex."
Alex selbst zeigte sich überwältigt und dankbar: „Ich bin ihm unglaublich dankbar, für alles, was er für mich tut. Ich habe Glück, ihn als Bruder zu haben." Wann die Tragweite des Sieges bei ihm ankommen werde, wisse er noch nicht: „Irgendwann wird es sich setzen."
Die Zurich Classic – das einzige Teamformat im regulären PGA-Tour-Kalender – hat schon viele besondere Geschichten hervorgebracht. Doch der Triumph der Fitzpatrick-Brüder 2026 dürfte als eine der denkwürdigsten in die Annalen eingehen: ein Turnierrekord, ein dramatischer Beinahe-Kollaps auf der Schlussrunde, ein rettender Bunkerschlag auf dem letzten Loch – und ein jüngerer Bruder, der sich aus dem Schatten des älteren befreit.
Für Alex Fitzpatrick beginnt mit diesem Sieg auf der PGA Tour ein neues Kapitel. Für Matt ist es die Bestätigung, dass manche Siege größer sind als jede Trophäe.
27 Apr 2026
Matt und Alex Fitzpatrick gewinnen die Zurich Classic der PGA Tour, das einzige reguläre Team-Event des Jahres. (Foto: x.com/pgatour)