


Der Engländer Aaron Rai hat am Sonntag die 108. PGA Championship am Aronimink Golf Club in Newtown Square, Pennsylvania, gewonnen. Der 31-Jährige, in der Weltrangliste auf Platz 44 geführt, schloss das Turnier mit einer Finalrunde von 65 Schlägen (fünf unter Par) und einem Gesamtergebnis von 271 Schlägen (neun unter Par) ab. Damit ließ er den Spanier Jon Rahm und den Amerikaner Alex Smalley um drei Schläge hinter sich. Rai ist der erste Engländer seit Jim Barnes im Jahr 1919, der die Wanamaker Trophy in Empfang nehmen durfte – und der erste Spieler indischer Abstammung, dem der Gewinn eines Herren-Majors gelang.
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Rais Triumph ist gleich in mehrfacher Hinsicht historisch. 107 Jahre wartete England auf diesen Moment. Zehn amerikanische Sieger in Serie hatte die PGA Championship zuletzt aufzuweisen – diese Abfolge ist nun beendet. Rai ist zudem der erste internationale Sieger seit Jason Day 2015.
Die Bedingungen, unter denen der Sieg errungen wurde, unterstreichen seine Außergewöhnlichkeit. 22 Spieler gingen innerhalb von vier Schlägen des Führenden in die Finalrunde – ein neuer Rekord in der Geschichte der PGA Championship, der die alte Bestmarke von 18 aus dem Jahr 1993 überbot. Unter den Verfolgern befanden sich acht ehemalige Major-Sieger, darunter Rory McIlroy, Jon Rahm, Xander Schauffele und Scottie Scheffler. Ebenfalls bemerkenswert: Nachdem McIlroy im April das Masters gewonnen hatte, sind britische Golfer damit zum ersten Mal seit Einführung des modernen Major-Kalenders im Jahr 1934 die Sieger der ersten beiden Majors einer Saison.
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Es war Loch 17, ein Par 3, als Aaron Rai den letzten Zweifel am Ausgang des Turniers beseitigte. Mit zwei Schlägen Vorsprung stand er vor einem Birdie-Putt aus knapp 21 Metern – dem zweitlängsten Putt, der in der gesamten Turnierwoche versenkt wurde. Die Linie war anspruchsvoll, die Distanz schier unberechenbar. Der Ball rollte, nahm die Kurve, fiel. Die Zuschauer um das 17. Grün brachen in Jubel aus. Rais Führung wuchs auf vier Schläge, der Sieg war besiegelt.
„Ich habe definitiv nicht versucht, diesen Putt zu lochen", sagte Rai anschließend. „Der Schatten der Fahne gab mir eine sehr gute Linie für die letzten zehn Fuß. Das hat mit dem Abstand sehr geholfen. Er lief auf der zweiten Hälfte einfach außergewöhnlich gut – es war unglaublich, ihn fallen zu sehen."
Der Weg zu diesem Moment war alles andere als geradlinig. Rai begann die Finalrunde mit Birdies auf den Löchern eins und vier, kassierte jedoch auf den Löchern drei, sechs und acht je einen Bogey. Nach acht gespielten Löchern lag er drei Schläge zurück.
Am Abschlag des neunten Lochs tauschte sich Rai mit seinem Caddie Jason Timmis aus. Timmis riet ihm, bei Ballflug und Kurve präziser zu werden – dieselbe Art von Detailarbeit, die Rais Vater ihm in der Kindheit eingeimpft hatte. Was folgte, war die Wende des Tages: Mit einem Fünfer-Holz erreichte Rai das Grün des Par-5-Lochs und versenkte den anschließenden 40-Fuß-Eagle-Putt. Es war der Beginn einer Serie von sieben aufeinanderfolgenden One-Putts.
Auf der Back Nine übernahm Rai das Heft. Auf Loch 11 spielte er einen präzisen Wedge-Schlag auf vier Fuß und verwandelte das Birdie – erstmals an diesem Tag war er in Führung. Auf dem drivebaren Par-4-Loch 13 spielte er einen Bunker-Schlag auf sechs Fuß und erzielte das nächste Birdie. Mit sieben unter Par hatte er damit als erster Spieler der gesamten Woche diesen Score erreicht. Auf dem Par-5-Loch 16 folgte das nächste Birdie per Zwei-Putt, bevor auf Loch 17 der Putt des Turniers fiel. Nach einem abschließenden Par auf Loch 18 war es amtlich: Rai hatte die Finalrunde in 31 Schlägen auf den letzten neun Löchern gespielt – sechs unter Par auf den abschließenden zehn Löchern.
Dass Rais Leistung so eindrucksvoll wirkte, lag nicht zuletzt daran, dass das hochkarätige Feld an Aroniminks anspruchsvollen Grüns und dem dichten Rough zerbrach.
54-Loch-Leader Alex Smalley verlor seine Führung mit einem Doppelbogey auf dem sechsten Loch und fand den Anschluss nicht mehr wieder. Er schloss mit einer 70 ab und teilte sich den zweiten Platz. Matti Schmid, der zeitweilig die Führung übernommen hatte, kassierte ein entscheidendes Bogey auf Loch zehn und beendete das Turnier auf dem geteilten vierten Platz.
Jon Rahm startete vielversprechend mit Birdies auf den ersten beiden Löchern und teilte kurzzeitig die Führung, doch Bogeys auf den Löchern drei und sieben stoppten seinen Lauf. Am Ende stand eine 68 und der geteilte zweite Platz – sein bestes Major-Ergebnis seit seinem Wechsel zu LIV Golf Ende 2023.
Rory McIlroy, der im April das Masters gewonnen hatte und als einer der Favoriten gehandelt worden war, scheiterte vor allem an den Par-5-Löchern. Auf allen acht Par-5-Chancen der Woche blieb er ohne Schlaggewinn. Dazu kam ein Bogey auf dem drivebaren Par-4-Loch 13. Seine Finalrunde von 69 Schlägen reichte nur für den geteilten siebten Platz. „Ich bin stolz, dass ich mir eine Chance erarbeitet habe", sagte McIlroy hinterher. „Aber es gibt drei Löcher, die mich verfolgen werden – die beiden Par 5s, auf denen ich kein Birdie gemacht habe, und das Bogey auf dem drivebaren Par 4. Diese drei Löcher haben meine Siegchance gekostet."
Justin Thomas spielte eine starke Finalrunde von 65 Schlägen und führte das Clubhouse-Leaderboard stundenlang an – zu weit hinten gestartet, um am Ende mithalten zu können. Titelverteidiger Scottie Scheffler kämpfte die gesamte Woche mit seinem Putter: 13 verpasste Putts unter zehn Fuß kumulierten sich zu einem enttäuschenden 14. Platz.
Wer Aaron Rai ist, lässt sich nicht in einem Turnierergebnis erklären. Sein Weg zur Wanamaker Trophy begann weit entfernt von den gepflegten Fairways des Aronimink Golf Club.
Rai stammte aus der englischen Industriestadt Wolverhampton. Seinen ersten professionellen Schritt wagte er 2014 auf der PGA EuroPro Tour – mit 886 Pfund Preisgeld im ersten Jahr. 2016 qualifizierte er sich als Fünfter der Order of Merit für die HotelPlanner Tour, der DP World Tour-Feeder. Auf der DP World Tour gewann er drei Turniere, darunter die Abu Dhabi HSBC Championship im November 2025. Im Jahr 2024 gelang ihm beim Wyndham Championship sein erster PGA-Tour-Sieg. In zwölf Major-Starts vor Aronimink hatte er noch kein Top-10-Ergebnis vorweisen können. Im 13. Anlauf holte er den Titel.
„Es ist ein wirklich langer Weg, auch nur bei einem Major wie der PGA Championship mitspielen zu dürfen", sagte Rai. „Dass ich nun hier stehe – das ist noch nicht wirklich angekommen."
Wer Rai beim Spielen beobachtet, fällt zunächst eine Eigenheit auf: Er trägt Handschuhe auf beiden Händen – in einer Sportart, in der selbst ein einziger Handschuh für manche Profis Gewohnheitssache, für andere Luxus ist. Die Angewohnheit reicht bis ins Alter von acht Jahren zurück. Ein Glovemaker hatte der Familie damals ein Paar geschickt, Rai spielte fortan mit beiden. Als sein Vater die Handschuhe eines Tages vergaß, spielte Rai mit nur einem – und fand es unerträglich. „Ich konnte nicht spielen, ich konnte den Griff nicht spüren, also bin ich seitdem bei den zwei Handschuhen geblieben", sagte er. Er trägt die Marke MacWet, Modell Climatec Wet Weather, konzipiert für feuchte Bedingungen.
Nicht weniger auffällig: die Schutzhüllen auf jedem einzelnen Eisen in Rais Bag. Auch diese Eigenart hat ihren Ursprung in der Familie. Rais Vater Amrik, der aus Indien nach England eingewandert war, kaufte seinem Sohn als Kind einen Satz Titleist-Irons – eine erhebliche Investition für die Familie. Nach jeder Übungseinheit reinigte er die Rillen der Schläger mit einer Stecknadel und Babyöl, bevor er die Eisen in Covers verstaute. „Um mich daran zu erinnern, wo ich herkomme, und um das wertzuschätzen, was ich habe", erklärte Rai. Diese Haltung trägt er bis heute in seinen Bag.
Rais Eltern sind beide als Einwanderer nach England gekommen – seine Mutter Dalvir aus Kenia, sein Vater Amrik aus Indien. Der Golf-Einstieg ihrer Familie war ein Zufall: Rai verletzte sich als Kleinkind beim Spielen mit einem Hockeyschläger, woraufhin seine Mutter sicherere Alternativen kaufen sollte – und mit Plastik-Golfschlägern nach Hause zurückkam. Amrik, eigentlich begeisterter Tennisspieler, erkannte bald, dass der Vorhand-Schwung seines Sohnes wenig mit Tennis, dafür umso mehr mit Golf gemein hatte. Er übernahm das Coaching – ohne selbst je Golf gespielt zu haben – und schuf gemeinsam mit den späteren Me and My Golf-Gründern Andrew Proudman und Piers Ward ein ungewöhnliches Trainungsumfeld: Bis zum Alter von zwölf Jahren spielte Rai fast ausschließlich auf angepassten Kursdistanzen, abseits regulärer Juniorenturniere.
Unter den Kollegen löste Rais Sieg einhellige Anerkennung aus. Rory McIlroy brachte es auf den Punkt: „Es gibt auf diesem Gelände keine einzige Person, die sich nicht für ihn freut." Xander Schauffele ergänzte schlicht: „Absoluter Weltklasse-Gentleman, keine Frage."
Jon Rahm, selbst geschlagen, fand lobende Worte für Rais Eigenarten: „Wer Eisencovers benutzt, weil er seine Eisen als Kind so sehr gehütet hat und sie respektieren wollte – und das bis heute so hält? Das sagt viel über einen Menschen. Was er heute getan hat, ist schlicht außergewöhnlich."
Rai selbst fasste seine Haltung gegenüber dem Sport zusammen, der ihm all das ermöglicht hat: „Golf ist ein großartiges Spiel. Es lehrt einen so viele Dinge – Demut, Disziplin und echte harte Arbeit. Denn in diesem Sport wird einem nichts geschenkt."
Mit dem Sieg bei der PGA Championship sicherte sich Rai eine fünfjährige Startberechtigung auf der PGA Tour sowie Einladungen zu Masters, US Open und British Open für denselben Zeitraum. Bei der PGA Championship ist er künftig auf Lebenszeit startberechtigt. Das nächste Major, die US Open in Shinnecock Hills, wartet bereits.
Nachdem McIlroy im April das Masters und Rai nun die PGA Championship gewann, stellt sich unweigerlich die Frage, ob die britischen Inseln die Golfsaison 2026 dominieren werden. Die Antwort liegt noch vor uns – für Rai und die Wanamaker Trophy ist sie bereits gefallen.
18 May 2026
Aaron Rai aus England gewinnt mit der PGA Championship 2026 seinen ersten Major-Titel. (Foto: Imago / EPA)