


Die R&A hat die Qualifikationswege für die 155. Open Championship in St. Andrews bekannt gegeben – und dabei einen Zugang offengelassen, der bislang fest zum System gehörte: Die Ausnahmeregel, über die der Führende der LIV-Golf-Order-of-Merit einen Startplatz erhielt, bleibt vorerst ausgesetzt. Sie steht so lange unter Vorbehalt, bis LIV Golf seinen Turnierkalender für 2027 bestätigt.
Betroffen ist genau jener Mechanismus, über den sich Joaquin Niemann 2026 seinen Platz in Royal Birkdale sicherte. Als bestplatzierter LIV-Spieler, der noch nicht anderweitig qualifiziert war, rückte er über diese eigenständige, vom R&A verhandelte Kategorie ins Feld – unabhängig von regulärer Qualifikation oder Weltrangliste.
Solange LIV Golf weder einen bestätigten Kalender noch eine geklärte Eigentümerstruktur vorweisen kann, fehlt dem R&A die Grundlage, gegen die es eine solche Ausnahme überhaupt vergeben könnte. Für LIV-Profis fällt damit einer der klarsten Wege zu einem garantierten Startplatz vorerst weg.
In ihrer Mitteilung vom 22. September 2026 verweist die R&A darauf, dass die Zugangskategorien jährlich überprüft werden. Zur strittigen Regel heißt es wörtlich: „Die Ausnahmeregelung für die LIV-Golf-Order-of-Merit bleibt unter Vorbehalt, bis der LIV-Golf-Kalender für 2027 bestätigt ist."
Ein Datum, bis zu dem eine endgültige Entscheidung fallen soll, nennt der Verband nicht. Die Formulierung lässt beide Richtungen offen: Die Kategorie kann reaktiviert werden, sobald Klarheit über den LIV-Kalender herrscht – oder dauerhaft entfallen, falls diese Klarheit ausbleibt.
Die LIV-Kategorie war zuletzt nur einer von mehreren Zugängen für LIV-Profis: Major-Sieger-Exemptions, die Order of Merit der Race to Dubai, die Open Qualifying Series, das Final Qualifying, direkte Weltranglistenpunkte aus LIV-Turnieren – und eben jene gesonderte Punktestand-Kategorie, die Niemann im Juli 2026 nutzte.
Die Überprüfung fällt in eine für LIV Golf höchst unsichere Phase. Nachdem der saudische Public Investment Fund angekündigt hatte, seine Finanzierung nach der Saison 2026 einzustellen, beantragte die Liga am 8. September 2026 Gläubigerschutz nach Chapter 11. Weder Kalender noch Eigentümerstruktur noch der Fortbestand der Liga in ihrer heutigen Form sind derzeit geklärt. Die 155. Open Championship findet vom 11. bis 18. Juli 2027 auf dem Old Course in St. Andrews statt.
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Für alle anderen Spieler bleiben die Türen nach St Andrews weit offen. Die Open Qualifying Series umfasst 19 Turniere in 15 Ländern und erstreckt sich über acht Touren – von der PGA Tour und der DP World Tour über die Asian Tour und die Japan Golf Tour bis zur Sunshine Tour. Den Auftakt macht in dieser Woche die FedEx Open de France in Le Golf National, gefolgt unter anderem von der Open de España, der Japan Open und der Hong Kong Open im Oktober.
Dazu kommt das Final Qualifying am 29. Juni in Burnham & Berrow, Glasgow Gailes, Prince's und West Lancashire. Den Schlusspunkt setzt der Last-Chance-Qualifier am Montag, den 12. Juli, in St Andrews, über den der letzte freie Startplatz vergeben wird.
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Golf Monthly griff die Aussetzung zuerst prominent auf, bestätigt durch Yahoo Sports, Golf Channel und EssentiallySports. Über Field Level Media verbreitete sich die Meldung als Agenturtext an zahlreiche weitere Portale.
Golf Monthly nennt neben Niemann auch Sergio Garcia als Betroffenen des Wegfalls einer „garantierten" Route. Belegt ist Garcias Bezug zu LIV-nahen Zugängen aus 2025: In Royal Portrush profitierte er von einer vergleichbaren Regel und rückte über ein Top-35-Ergebnis ins Feld. Seine Lage ist 2026 jedoch anders – er verpasste die reguläre Open-Qualifikation in West Lancashire, seine Major-Sieger-Exemption aus dem Masters-Sieg 2017 ist ausgelaufen, und seine Weltranglistenposition trägt keinen OWGR-Zugang mehr. Keiner dieser Wege führt über die nun ausgesetzte Punktestand-Kategorie.
LIV-Profis, die bislang auf diese Kategorie bauten – allen voran Niemann –, haben derzeit keinen garantierten Weg mehr zur Open 2027. Sie müssten sich anderweitig qualifizieren: über die Weltrangliste, das Final Qualifying oder ein Ergebnis bei einem gemeinsam sanktionierten Turnier, sollte die Kategorie nicht reaktiviert werden.
Die Überprüfung fügt sich in ein größeres Muster. Auch die DP World Tour hat signalisiert, dass ihr Korridor bedingter Startrechte für LIV-Profis 2027 „höchst unwahrscheinlich" in der Form von 2026 fortbestehen werde. Gleich mehrere Zugänge zu Majors und Turnierstatus verengen sich damit im selben Zeitfenster. Für LIV-Profis wächst so der Anreiz, individuelle Rückkehr-Vereinbarungen mit der PGA Tour oder der DP World Tour auszuhandeln – ein Muster, wie es Jon Rahms individuelle DP-World-Tour-Regelung 2026 bereits gezeigt hat.
23 Sep 2026
LIV-Golfer werden sich vorerst nicht mehr über die Rangliste ihrer Tour für die Open Championship qualifizieren können. (Foto: Imago / Photosport NZ)