


Vor drei Jahrzehnten brachte eine schwedische Marke frischen Wind in die bis dahin wenig experimentierfreudige Welt der Golfbekleidung. Heute zählt J.Lindeberg zu den bekanntesten Sportlifestyle-Marken der Welt. Ein Rückblick auf eine Erfolgsgeschichte – und ein Ausblick auf das, was noch kommen soll.
Es war keine offensichtliche Karriereentscheidung: Johan Lindeberg, der als Marketing-Direktor bei Diesel maßgeblich zum Aufbau der Jeans-Marke in den USA beigetragen hatte, wandte sich 1996 dem Golfsport zu – nicht als Spieler, sondern als Designer mit einer klaren Botschaft. Golfbekleidung, so sein Befund, hatte den Anschluss an zeitgenössische Modeströmungen längst verloren. In Stockholm gründete er eine Marke, die das ändern sollte.
J.Lindeberg war von Anfang an als Gegenentwurf konzipiert: modisch, selbstbewusst, skandinavisch – und dennoch funktional auf dem Golfplatz. Die Reaktionen auf den Stilbruch, den die Marke wagte, ließen nicht lange auf sich warten. Als der schwedische Profigolfer Jesper Parnevik 1998 bei der The Open Championship in auffälligen rosa J.Lindeberg-Hosen auflief, war das mehr als ein Modestatement – es war ein Kulturmoment, der die Marke in die Geschichte des Golfsports einschrieb.
Die Geschichte von J.Lindeberg ist keine gradlinige Erfolgsgeschichte, sondern eine voller Wendungen. Johan Lindeberg verließ sein Unternehmen 2007. In den folgenden Jahren durchlebte die Marke eine Phase der Neuorientierung, bevor sie 2012 unter das Dach der Bestseller Group kam – einem dänischen Familienunternehmen, das von Anders Holch Povlsen, Dan Friis und Allan Warburg geführt wird. Eine separate Sparte für den chinesischen Markt operiert seither unter Lizenz.
Profitabel war die Marke in den ersten 23 Jahren ihres Bestehens nur in zwei Geschäftsjahren – ein ungewöhnlicher Befund für ein Unternehmen, das dennoch stets präsent und einflussreich blieb. Seit etwa sechs Jahren leitet Hans-Christian Meyer als CEO die Geschicke der Marke. Der gebürtige Däne kennt das Premium-Segment aus dem Effeff: Zuvor war er in leitender Position im europäischen Retail-Geschäft von Ralph Lauren tätig.
Mit Meyer begann eine Phase der strategischen Konzentration. Das Sortiment wurde systematisch auf den Prüfstand gestellt – und dabei von allem befreit, was zwar modisch spektakulär, aber markenfern war: handbemalte weiße Stiefel, Lederjacken, Red-Carpet-Smokings. Das klang nach Verzicht, war aber in Wirklichkeit eine Schärfung. „Der größte Anteil unseres Geschäfts ist nach wie vor Golf – das ist die DNA der Marke. Wir wurden vor 30 Jahren als Modemarke auf dem Golfplatz geboren, und so hat sich die Marke auch entwickelt. Aber die Menschen sind heute viel aktiver, weshalb diese aktiven Elemente nun in allen unseren Konzepten zu finden sind", erklärt Meyer dem Magazin Women's Wear Daily (WWD) im April.
Seit 2020 verantwortet Neil Lewty als Creative Director die gestalterische Handschrift der Marke. Der britische Designer, der seine Karriere bei Hugo Boss und Tommy Hilfiger begann, arbeitet eng mit Meyer daran, Stilbewusstsein und sportliche Funktion zu einer kohärenten Markensprache zu verbinden.

Golf bleibt das Fundament. Rund 60 Prozent des Umsatzes – zuletzt 130 Millionen US-Dollar im Jahr 2022, die letzte vom Unternehmen veröffentlichte Zahl – entfallen auf Sportprodukte, der Großteil davon auf den Golfbereich. Doch J.Lindeberg versteht sich längst nicht mehr als reine Golfmarke. Ski, Racket Sports und Ready-to-Wear ergänzen das Angebot und spiegeln den modernen, aktiven Lebensstil wider, den die Marke verkörpern möchte.
Besonders auffällig ist das Wachstum im Damenbereich. Lange Zeit war Golf eine männlich dominierte Welt – auch auf dem Modesektor. Das ändert sich, wie Meyer beobachtet: „In den letzten drei bis vier Jahren haben wir ein Wachstum in unserem Damen-Sportbereich gesehen. Im Golfsport passiert gerade etwas. Weibliche Spielerinnen legen zunehmend Wert darauf, auf dem Golfplatz modisch aufzutreten", sagte er gegenüber WWD. Dieses Momentum hat J.Lindeberg genutzt, um nicht nur das sportliche Damenangebot auszubauen, sondern auch eine Damen-Ready-to-Wear-Linie zu etablieren, die online und in europäischen Stores erhältlich ist.
Global ist die Marke heute in über 35 Ländern vertreten. 157 eigene Stores – darunter Standorte in Kopenhagen, Hongkong und Shanghai – sowie rund 2.000 Wholesale-Partner weltweit zeugen von einer Reichweite, die weit über den Golfplatz hinausreicht. In Skandinavien betreibt das Unternehmen 14 eigene Filialen. Im April 2025 eröffnete ein Flagship-Store in Seoul, der bewusst als „Clubhouse" konzipiert wurde – ein Konzept, das Sport, Lifestyle und Community zusammendenken soll.
Zum 30-jährigen Jubiläum blickt J.Lindeberg zurück auf jenen Moment, der die Marke einmal definiert hat: Jesper Parneviks Auftritt im Rampenlicht des Profigolfs, gekleidet in Hosen in leuchtendem Pink. Die Jubiläumskollektion greift diesen Moment auf – nicht als nostalgische Kopie, sondern als zeitgemäße Neuinterpretation.
Die Farbpalette der Kapsel – Pink, Schwarz und Weiß – ist ein direktes Echo der Ursprünge. Die Silhouetten hingegen sind zeitgemäß: Polos, Streifenpullover, Plisseeröcke, maßgeschneiderte Shorts und leichte Layering-Stücke, die den Übergang vom Fairway in den Alltag nahtlos ermöglichen. Für Damen und Herren gleichermaßen konzipiert, trägt jedes Stück das exklusive 30-Jahre-Branding der Marke.
„Für heute neu interpretiert – in Herren- und Damenmode gleichermaßen – verbindet die Kollektion Golf und Ready-to-Wear durch eine moderne, selbstbewusste Linsenführung. Mit dem unverwechselbaren Cap und dem exklusiven 30-Jahre-Jubiläumsbranding ehrt jedes Stück unser Erbe und treibt das Vermächtnis gleichzeitig nach vorne", sagt Neil Lewty, Creative Director bei J.Lindeberg in einem Presse-Statement der Marke.
Ein prominentes Gesicht begleitet die Kollektion auf die große Bühne: Markenbotschafter Viktor Hovland wird sie bei der 126. U.S. Open Championship tragen, die vom 18. bis 21. Juni 2026 im Shinnecock Hills Golf Club in Southampton, New York, ausgetragen wird. Es ist ein bewusst gesetztes Zeichen – die Vergangenheit zu Ehren, die Gegenwart im Blick.
Hier finden Sie Tee Times und Leaderboard der US Open 2026.
Dreißig Jahre sind für eine Modemarke kein Selbstläufer. J.Lindeberg ist heute profitabel – ein Umstand, den Meyer nicht als Endpunkt, sondern als Ausgangsbasis begreift. „Unser 30-jähriges Jubiläum ist nicht nur ein Meilenstein – es ist eine Startrampe für die Zukunft. Wir teilen eine mutige Vision, die Performance und Stil für eine globale Gemeinschaft stärkt, die für Sport, Mode und Innovation brennt", so Meyer in einer Unternehmensmitteilung.
Die strategische Leitlinie für die kommenden Jahre lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Klarheit. Das Sortiment konzentriert sich auf fünf Kernkategorien – Outerwear, Knitwear, Hosen, Hybride und Jerseys –, die konsequent für Damen und Herren entwickelt werden. Schwarz und Weiß bleiben die prägenden Farben, ergänzt durch saisonale Akzente. Meyer nennt gegenüber WWD Marken wie Ralph Lauren, Apple und Coca-Cola als Orientierungspunkte: „Je klarer eine Marke positioniert ist, desto leichter ist sie zu verstehen – und desto grenzenloser werden die Möglichkeiten."
Die Eigentümer der Bestseller Group stehen hinter dieser langfristigen Ausrichtung und signalisieren Investitionsbereitschaft. Neue Store-Konzepte – wie der Anfang 2026 eröffnete Stockholmer Flagship – werden sukzessive auf das gesamte Filialnetz ausgerollt.
Mit der Herbst/Winter-2026-Kollektion setzt J.Lindeberg diesen Kurs fort: Die neue Linie verbindet avancierte Silhouetten und technisch hochwertige Materialien mit einem modisch geprägten Verständnis von sportlicher Leistungsfähigkeit – und bleibt dabei dem Geist treu, der die Marke von Beginn an ausgezeichnet hat. Die Botschaft zum Jubiläum ist dabei so simpel wie programmatisch: „30 years of making a dent."
J.Lindeberg hat dem Golfsport etwas gegeben, das dieser damals dringend brauchte: Stil, Haltung und den Mut zur Andersartigkeit. Drei Jahrzehnte nach der Gründung in Stockholm ist die Marke erwachsener, fokussierter und – nicht zuletzt – erfolgreicher. Das Jubiläum markiert keinen Abschluss, sondern eine Zäsur, von der aus der nächste Schlag vorbereitet wird. Wer J.Lindeberg kennt, weiß: Die nächsten 30 Jahre werden mindestens genauso spannend.
29 May 2026
J.Lindeberg präsentiert zu seinem 30-jährigen Jubiläum eine neue Kollektion. (Foto: J.Lindeberg)