


Bei der Golf-Medienmarke Good Good haben CEO Matt Kendrick und President Joe Flannery das Unternehmen verlassen. Auslöser der Führungskrise ist ein Werbespot für einen gemeinsam mit Callaway vermarkteten Driver, der eine breite Empörungswelle ausgelöst hatte. Die Mitgründerin und Investorin Nahid Giga übernimmt laut einem internen Memo die Rolle der Interims-Chefin.
Damit erreicht ein Skandal, der Ende August mit einem 60-sekündigen Werbevideo begann, die oberste Führungsebene. Innerhalb weniger Wochen hat Good Good seinen wichtigsten Ausrüstungspartner verloren, ist aus dem Handel großer Ketten geflogen, hat eine TV-Serie und ein Turnier-Sponsoring eingebüßt – und steht nun ohne CEO und President da.
Kendrick und Flannery hätten das Unternehmen in dieser Woche verlassen, berichten mehrere Medien übereinstimmend. Ein internes Memo, über das zuerst Business Insider und später Front Office Sports berichteten, nennt Nahid Giga als künftige Interims-CEO. Giga gehört zu den frühen Investoren und Mitgründern der Marke. Nach den Angaben aus dem Memo verließen beide Manager die Firma aus eigenem Antrieb.
Kendrick hatte Good Good seit der Gründung 2020 geführt. Flannery war erst wenige Tage im Amt; zuvor hatte er unter anderem TravisMathew geleitet und Stationen bei The North Face und Score Sports. In einem Schreiben an die Belegschaft würdigte Alex Puchala, Leiter Finanzen und Betrieb bei Good Good, den scheidenden CEO: Kendrick habe „etwas Außergewöhnliches aufgebaut, das alle Erwartungen übertroffen hat und weiterhin unzählige neue Fans zum Sport bringt".
Der personelle Umbruch reicht über die beiden Spitzenkräfte hinaus. Jeffrey Lefkovits, Vice President für Marke und Marketing, wurde in derselben Woche entlassen. Auch auf Seiten von Callaway gibt es Konsequenzen: Content- und Produktionsdirektor Alex Upegui verlässt das Unternehmen. Mitgründer Garrett Clark – der Mann, der im Spot die Frau zu Boden stößt – bleibt dagegen an Bord und will weiter Inhalte produzieren.
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Am Anfang der Krise steht ein rund 60 Sekunden langer Clip, den Good Good und Callaway am 20. August für ihren gemeinsamen neuen Driver veröffentlichten. Die Szene: Good-Good-Golferin Alexis Miestowski greift nach einem Schläger, als Mitgründer Garrett Clark heranstürmt und sie zu Boden reißt. Er baut sich über ihr auf und sagt: „Berühre nicht meinen neuen Driver."
Die Reaktion kam binnen Stunden. In sozialen Netzwerken warfen Nutzer beiden Marken vor, Gewalt gegen Frauen zu verharmlosen. Good Good löschte den Beitrag noch am selben Tag, doch Kopien des Videos kursierten weiter – die ersten Entschuldigungen verpufften weitgehend.
Good Good erklärte, der Spot sei als Parodie auf den Horrorfilm „Obsession" gedacht gewesen. Diese Deutung stoppte die Kritik nicht. Clark meldete sich später in einem achtminütigen Reaktionsvideo zu Wort und nannte den Spot „die schlimmste Werbung, die der Menschheit bekannt ist". Der Inhalt sei „nicht das, wofür wir stehen". Er stellte klar: „Ich unterstütze keine häusliche Gewalt oder Missbrauch, in keiner Form."
Auf die Empörung folgten harte wirtschaftliche Konsequenzen. Callaway beendete die auf drei Jahre angelegte Zusammenarbeit mit Good Good mit sofortiger Wirkung und kündigte an, eine Million US-Dollar an Organisationen zu spenden, die gegen Gewalt an Frauen arbeiten. CEO Chip Brewer räumte ein, dass Callaway den von Good Good produzierten Spot vor der Veröffentlichung formell geprüft und freigegeben hatte. Diese Freigabe hätte nie erfolgen dürfen, so Brewer, der eine interne Untersuchung des Vorgangs ankündigte.
In einer öffentlichen Stellungnahme distanzierte sich der Hersteller deutlich vom eigenen Verhalten: „Diese Maßnahmen machen den angerichteten Schaden nicht ungeschehen und entschuldigen unsere Rolle darin nicht", erklärte Callaway. „Wir entschuldigen uns aufrichtig bei allen, die durch diesen Vorfall verletzt, enttäuscht oder beleidigt wurden." Später teilte das Unternehmen mit, „angemessene interne Korrekturmaßnahmen" ergriffen und strengere Freigabeprozesse eingeführt zu haben.
Auch der Handel reagierte schnell. Die Kette Dick's Sporting Goods und ihre Tochter Golf Galaxy nahmen die Bekleidung und Produkte von Good Good aus den Regalen und aus dem Onlineshop. Parallel geriet das Fernsehgeschäft ins Wanken: Der Golf Channel verschob zunächst die neue Staffel seiner Realityshow „Big Break x Good Good" und sagte sie schließlich ganz ab. Den Ausschlag gab, dass ein wichtiger Sponsor – Berichten zufolge Golf Galaxy – aus der Übertragung gestrichen werden wollte.
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Weil der Sieger der Serie einen Startplatz bei einem neuen PGA-Tour-Turnier in diesem Herbst hätte erhalten sollen, ließ sich der Wettbewerb in der geplanten Form nicht mehr durchführen. „Angesichts der jüngsten Entwicklungen rund um Good Good und der Tatsache, dass das vorgesehene Ergebnis der Serie nicht mehr erreicht werden kann, wird der Golf Channel diese Staffel von Big Break nicht wie geplant fertigstellen können", teilte der Sender mit. Das Format solle im kommenden Jahr zurückkehren.
Schließlich gab Good Good auch das Titelsponsoring für das PGA-Tour-Turnier in Austin, Texas, ab, das vom 12. bis 15. November stattfinden soll. Auf der Website der Tour firmiert die Veranstaltung inzwischen als „Austin Championship"; gespielt wird sie weiterhin. „Nach sorgfältigen Gesprächen mit der PGA Tour und reiflicher Überlegung haben wir entschieden, uns als Sponsor des Tour-Turniers in Austin in diesem Herbst zurückzuziehen", teilte Good Good mit. „Wir wissen, dass wir als Organisation Arbeit vor uns haben, und unser Fokus liegt gerade auf unserem Team, unserer Kultur und darauf, aus dieser Situation zu lernen."
PGA-Tour-Chef Brian Rolapp hatte den Spot deutlich kritisiert. „Wir waren enttäuscht von dem, was wir gesehen haben", sagte er mit Blick auf die erste Reaktion auf das Video. „Die PGA Tour glaubt an die Fähigkeit des Golfsports, Menschen zusammenzubringen und ein einladendes Umfeld für alle zu schaffen." Zum Rückzug aus Austin ergänzte die Tour: „Wir stimmen ihrer Entscheidung zu, diese Zeit zu nutzen, um sich auf ihre Organisation und die anstehende Arbeit zu konzentrieren."
Zwischen der Trennung von Callaway und seinem eigenen Rückzug schaltete Kendrick in den Gegenangriff. Kurz nachdem Callaway die Partnerschaft beendet hatte, meldete er sich frühmorgens über sein zuvor ruhendes X-Konto zu Wort und griff den Ausrüster scharf an: „Interessant, dass @CallawayGolf uns bittet, eine Werbung zu machen, sie dann genehmigt, uns dann bittet, dafür geradezustehen, und uns anschließend in einer koordinierten Medienkampagne fallen lässt und das Ganze vertuscht, indem eine Million Dollar verschenkt wird, in dem Glauben, damit sei für alle alles in Ordnung. 30 for 39 wird legendär."
Der Beitrag ging sofort viral und erreichte nach Angaben eines Berichts rund 8,8 Millionen Aufrufe. Kurz darauf sagte Kendrick gegenüber Front Office Sports, er habe den „reaktionären" Post mit Blick auf das gemacht, „was auf [seine] Familie zukam". Zugleich erklärte er, den Callaway-Spot vor der Veröffentlichung selbst weder gesehen noch freigegeben zu haben. Fünf Tage später war er nicht mehr CEO von Good Good.
Good Good startete 2020 als YouTube-Kanal und wuchs rasch zu einem der größten digitalen Content-Anbieter des Sports. Acht Männer und vier Frauen treten in Matches und Skill-Challenges gegeneinander an; das Geschäft weitete sich früh auf Fernsehformate, Merchandising und eigene Bekleidung aus. Im Vorjahr sammelte die Plattform 45 Millionen US-Dollar an Investorengeldern ein – die meisten Einnahmen stammen längst nicht mehr aus Werbung, sondern aus Kooperationen und Produkten. Die Zusammenarbeit mit Callaway lief seit 2023.
Der Absturz binnen weniger Wochen zeigt, wie schnell sich das enge Verhältnis zwischen digitalen Creatorn und den traditionellen Institutionen des Golfsports lösen kann. Die PGA Tour hatte Online-Persönlichkeiten in den vergangenen Jahren zunehmend eingebunden, etwa in Schaukämpfe rund um Großereignisse wie The Players Championship und die Tour Championship. Der Fall Good Good führt vor Augen, welches Reputationsrisiko in solchen Partnerschaften steckt – und wie unmittelbar Freigabeprozesse zur Belastung werden können.
Trotz allem gibt sich das Unternehmen kämpferisch. „Trotz der jüngsten Kontroverse verzeichnet das Unternehmen Wachstum im Online-Handel, weiterhin Unterstützung durch Investoren und sieht eine Chance, ehemalige Handelspartner künftig wieder zu gewinnen", sagte ein Good-Good-Sprecher Front Office Sports. Offen bleibt, ob diese Zuversicht trägt, während der Werbespot weiter im Netz kursiert und die Marke zugleich ihre Führung neu aufstellt.
04 Sep 2026
Die Creator von Good Good Golf haben nach einem Werbevideo viele Partner und die eigene Führungsriege verloren. (Foto: Pressemitteilung Good Good Golf)