


Einen Tag vor dem Beginn des Cadillac Championship in Miami war es Dunlop Sports Americas, der Mutterkonzern von Srixon und Cleveland Golf, der am 30. April 2026 mit einer kurzen, professionellen Pressemitteilung eine Ära beendete: Brooks Koepka ist nicht länger Markenbotschafter der japanischen Ausrüstungsmarken. Die Zusammenarbeit, die im Herbst 2021 begann, wurde nach eigenen Angaben beider Seiten im gegenseitigen Einvernehmen aufgelöst – wirksam mit sofortiger Wirkung.
„Brooks hat als außergewöhnlicher Markenbotschafter für Srixon und Cleveland Golf gedient", heißt es in der offiziellen Erklärung von Dunlop Sports Americas. „Sein Engagement, auf höchstem Niveau zu spielen – einschließlich eines Major-Sieges mit Srixon- und Cleveland-Equipment – verkörperte den Leistungsstandard, für den beide Marken stehen. Dunlop Sports Americas ist stolz auf das gemeinsam Erreichte und dankbar für die Professionalität und den Einsatz, den Brooks in die Partnerschaft eingebracht hat."
Als Koepka im November 2021 seinen Vertrag mit Srixon und Cleveland Golf unterzeichnete, sorgte das in der Golf-Szene für Aufsehen. Seit dem Rückzug von Nike aus dem Schlägersegment im Jahr 2016 war der Amerikaner als Equipment-Free-Agent unterwegs – und hatte in dieser Zeit vier seiner fünf Major-Titel gewonnen. Die Bindung an einen Hersteller war für viele Beobachter keine Selbstverständlichkeit.
Dabei hatte Koepka noch vor Vertragsunterzeichnung freiwillig zu Srixon-Eisen gegriffen: Mit einem Satz ZX7-Eisen ohne jegliche Vertragsverpflichtung gewann er Anfang 2021 das Phoenix Open. Srixon hatte damit bereits einen Fuß in der Tür – und nutzte die Gelegenheit, ihn als Gesicht der Marke zu gewinnen.
Die Zusammenarbeit startete medienwirksam: Koepkas erstes öffentliches Auftreten als Srixon-Botschafter war ein eigens inszenierter TV-Showdown gegen Bryson DeChambeau in Las Vegas. Im Hintergrund liefen parallel die Entwicklungsarbeiten an einem Ball, der exklusiv auf Koepkas Spielweise zugeschnitten war – das Ergebnis: der Srixon Z-Star Diamond.
Das sportliche Highlight der Partnerschaft ließ nicht lange auf sich warten. Bei der PGA Championship 2023 in Oak Hill gewann Koepka seinen fünften Major-Titel – mit einem vollständigen Srixon-/Cleveland-Setup: Srixon-Ball, Srixon-Driver, Srixon ZX7 Mk II Eisen und Cleveland-Wedges. Es war der Beweis, dass die Kombination auf allerhöchstem Niveau funktionierte, und zugleich – wie sich später zeigen sollte – der Höhepunkt, von dem es für die Partnerschaft nur noch bergab gehen sollte.
Nur sieben Monate nach Vertragsunterzeichnung wechselte Koepka im Sommer 2022 zu LIV Golf – einer der ersten namhaften PGA-Tour-Profis, der diesen Schritt wagte. Was das für Srixon und Cleveland Golf bedeutete, liegt auf der Hand: Mit dem Abgang von der PGA Tour versiegte die Publicity für die Marken nahezu vollständig. Tour-Validierung, Kamera-Präsenz, Produktplatzierung auf dem größten Golfzirkus der Welt – all das entfiel.
Koepka selbst machte in einem Podcast keinen Hehl daraus, was ihn zu dem Schritt bewogen hatte. „Ich bin ehrlich: Ich habe wegen des Geldes unterschrieben", sagte er in der Sendung BS w/ Jake Paul. „Wenn ich morgen einen Autounfall habe und nie wieder Golf spielen kann, ist meine Familie versorgt."
Für Srixon und Cleveland Golf war damit klar: Die erhoffte Werberendite eines globalen Aushängeschilds blieb aus. Koepka stieg zudem nicht auf die 2025 erschienenen Nachfolgemodelle ZXi Driver und ZXi Eisen um – ein weiteres Signal, das in der Equipment-Szene nicht unbemerkt blieb.
Den deutlichsten Hinweis auf eine bevorstehende Trennung lieferte jedoch Koepkas Bag selbst: Beim Cognizant Classic Anfang 2026 wechselte er vom Srixon Z-Star Diamond – einem Ball, an dessen Entwicklung er maßgeblich beteiligt gewesen war – zurück zur Titleist Pro V1x. Es war bereits das zweite Mal, dass er diesen Schritt tat; beim US Open 2022 hatte Srixon ihm die Erlaubnis erteilt, weil der Z-Star Diamond damals noch nicht fertig entwickelt war. Diesmal war der Wechsel eine andere Aussage.
Wer Koepkas Bag beim Masters 2026 unter die Lupe nahm, fand dort ohnehin ein ungewöhnliches Bild: einen Titleist GT3 Driver, ein TaylorMade M2 Fairwayholz aus dem Jahr 2016, ein Nike 3-Eisen – und nur noch Srixon-Eisen sowie Cleveland-Wedges als Überbleibsel der formellen Partnerschaft. Die Zeichen standen längst auf Trennung.

Der Kontext macht die Meldung noch bedeutsamer. Koepka war erst zu Beginn der Saison 2026 auf die PGA Tour zurückgekehrt, nachdem er vier Jahre lang bei LIV Golf gespielt hatte. Die Rückkehr erfolgte über das neu eingeführte Returning Member Program – verbunden mit spürbaren Auflagen: keine Wildcard-Einladungen zu Signature Events, keine Teilnahme am FedEx-Cup-Bonussystem in dieser Saison sowie eine verpflichtende Spende von fünf Millionen US-Dollar an gemeinnützige Zwecke.
Sportlich verlief der Saisonstart solide, aber unspektakulär. In acht Starts schaffte Koepka fünfmal den Cut; sein bestes Ergebnis war ein geteilter neunter Platz beim Cognizant Classic. Beim Masters kam er auf den geteilten zwölften Platz. Beim Zurich Classic – einem Teamformat, das er gemeinsam mit Shane Lowry bestritt – verpasste er den Cut.
Koepka ist nun, zum zweiten Mal in seiner Karriere, ohne Ausrüstungsvertrag – und das kurz vor einem der Majors, bei dem er historisch besonders erfolgreich war: In zwei Wochen beginnt die PGA Championship 2026 im Aronimink Golf Club bei Philadelphia. Dass die Trennung ausgerechnet jetzt bekannt wurde, dürfte kaum ein Zufall sein.
Die Frage, wie es für ihn weitergeht, lässt die Branche aufhorchen. Als fünffacher Major-Sieger mit wiedergewonnenem PGA-Tour-Status gilt Koepka als einer der begehrtesten freien Spieler auf dem Ausrüstungsmarkt. Kein Hersteller wird es sich leisten wollen, diesen Namen an die Konkurrenz zu verlieren, ohne zumindest das Gespräch gesucht zu haben.
Gleichzeitig spricht die Statistik für ein Leben ohne Vertrag: Vier der fünf Major-Titel gewann Koepka als Free Agent. Es ist nicht ausgeschlossen, dass er diesen Weg zunächst weitergehen wird – und seinen Bag schlicht nach persönlichen Präferenzen zusammenstellt, ohne Verpflichtungen.
Dunlop Sports Americas muss sich derweil keine existenziellen Sorgen machen. Mit Hideki Matsuyama, J.J. Spaun und Keegan Bradley verfügt das Unternehmen über ein solides Spielerportfolio, das die Markenpräsenz auf der Tour sichert. Spaun hatte zuletzt erst mit Srixon-Eisen und Cleveland-Wedges die US Open in Oakmont gewonnen.
Was Koepka als Nächstes aus seinem Bag zieht, wird zeigen, wohin die Reise geht.
08 May 2026
Brooks Koepka wird ab sofort nicht mehr mit dem Srixon-Logo auf seinem Golfbag an Turnieren teilnehmen. (Foto: Imago)