


Tiger Woods wird in diesem Jahr an keinem der vier Major-Turniere teilnehmen. Nachdem der 50-jährige Amerikaner bereits die ersten beiden Saisonstationen – das Masters in Augusta und die PGA Championship – versäumt hatte, steht nun fest: Er ist weder für die U.S. Open in Shinnecock Hills startberechtigt noch hat er sich vor Ablauf der Meldefrist für die Open Championship in Royal Birkdale eingetragen. Es ist das zweite Jahr in Folge, in dem Woods bei keinem der bedeutendsten Turniere im Golfsport vertreten ist.
Für die U.S. Open verfügt Woods über keine Startberechtigung; eine Ausnahmeregelung wurde nicht gewährt. Die Meldefrist für die Open Championship in Royal Birkdale ließ er ungenutzt verstreichen. Damit ist das Major-Jahr 2026 für den Rekordsieger sportlich beendet, bevor es für ihn überhaupt begonnen hat. Seit Wochen hält er sich zur medizinischen Behandlung in Zürich auf – eine Reha, die Berichten zufolge auf rund drei Monate angelegt ist. Zwischenzeitlich kehrte er kurz nach Florida zurück, reiste dann jedoch erneut in die Schweiz, um die Behandlung fortzusetzen.
Der Wendepunkt des Jahres ereignete sich am 27. März nahe seinem Wohnort Jupiter im US-Bundesstaat Florida. Woods war in einen Autounfall verwickelt und wurde noch am Unfallort festgenommen. Der Vorwurf: Fahren unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Laut Behördenangaben versagte er einen Nüchternheitstest und verweigerte einen Urintest. Bei der Kontrolle wurden zudem zwei Hydrocodon-Tabletten bei ihm gefunden.
Vier Tage nach dem Vorfall meldete sich Woods erstmals öffentlich zu Wort. In einem schriftlichen Statement vom 31. März erklärte er:
„Ich kenne und verstehe den Ernst der Lage, in der ich mich heute befinde. Ich ziehe mich für eine gewisse Zeit zurück, um eine Behandlung zu suchen und mich auf meine Gesundheit zu konzentrieren. Dies ist notwendig, um mein Wohlbefinden in den Vordergrund zu stellen und an einer dauerhaften Genesung zu arbeiten. Ich bin entschlossen, mir die Zeit zu nehmen, die ich brauche, um an einen gesünderen, stärkeren und fokussierteren Ort zurückzukehren – persönlich wie professionell. Ich schätze Ihr Verständnis und Ihre Unterstützung und bitte um Privatsphäre für meine Familie, meine Lieben und mich." (Tiger Woods, Statement vom 31. März 2026)
Am darauffolgenden Tag genehmigte ein Richter in Martin County, Florida, seinen Antrag auf Auslandsreise. Woods reiste in der Folge nach Zürich.

Woods hat auf nicht schuldig plädiert. Die Anklagepunkte umfassen Fahren unter Einfluss mit Sachschaden sowie die Verweigerung eines gesetzlich vorgeschriebenen Tests. Am 12. Mai entschied ein Richter, dass die Staatsanwaltschaft Zugang zu Woods' Medikamentenakten erhalten darf. Das Gericht genehmigte jedoch gleichzeitig eine Schutzverfügung, die verhindert, dass die entsprechenden Unterlagen öffentlich zugänglich gemacht werden. Woods' Anwälte hatten sich für eine solche Regelung eingesetzt.
Berichten zufolge unterbrach Woods seinen Schweizer Aufenthalt zeitweise, um nach Florida zurückzukehren – aus privaten Gründen: Seine Partnerin Vanessa Trump, Ex-Schwiegertochter von US-Präsident Donald Trump, erhielt demnach eine Brustkrebsdiagnose. Kurz darauf wurde sein Privatjet wieder in Richtung Schweiz geortet.
Die Ereignisse dieses Frühjahrs sind der vorläufige Tiefpunkt einer langen Leidensgeschichte. Seit einem schweren Autounfall im Februar 2021, bei dem Woods sich das rechte Bein schwer verletzte, ist seine sportliche Laufbahn von Verletzungen, Operationen und Rückschlägen geprägt.
Im Oktober 2025 unterzog er sich erneut einem Eingriff – einer Bandscheiben-Operation an der Lendenwirbelsäule, seiner bereits siebten Rückenoperation. Danach schien eine Rückkehr beim Masters 2026 zumindest denkbar. Doch die Verhaftung im März beendete diese Pläne abrupt.
Schon 2025 hatte Woods das gesamte Jahr pausiert – damals wegen eines Achillessehnenrisses, den er sich im März 2025 zugezogen hatte. Seit dem Unfall 2021 bestritt er lediglich acht Major-Teilnahmen: Bei zweien gab er auf, bei vier weiteren verpasste er den Cut – darunter bei seinen letzten drei Major-Starts im Jahr 2024. Das Tief dieser Phase war die Auftaktrunde beim Masters 2024, als er mit einer 82 die schlechteste Major-Runde seiner Profikarriere spielte und das Turnier mit zehn Schlägen über Par abschloss. Sein letzter Auftritt auf einem Turnierplatz datiert auf die Open Championship 2024 in Troon – auch dort verpasste er den Cut.
Die anhaltende Abwesenheit hat auch eine historische Dimension. Woods hält 15 Major-Titel – mehr als jeder andere Golfer in der Geschichte des Sports, mit Ausnahme von Jack Nicklaus, der 18 Majors gewann. Zuletzt triumphierte Woods beim Masters 2019, als er im Alter von 43 Jahren in einem der bemerkenswertesten sportlichen Comebacks aller Zeiten seinen fünften Augusta-Titel holte. Seitdem ist er ohne Major-Sieg.
Mit nun acht aufeinanderfolgend verpassten Majors erreicht Woods eine Negativmarke, die er zuletzt zwischen 2016 und 2017 aufgestellt hatte – damals ebenfalls bedingt durch eine Serie von Rückenoperationen. Der Rückstand auf Nicklaus' Rekord von 18 Majors wird sich in diesem Jahr definitiv nicht verringern.
Immerhin: Für die Open Championship ist Woods kraft seiner drei Siege bis zum 60. Lebensjahr startberechtigt. Das Masters gewährt seinen Siegern eine lebenslange Einladung – solange sie nach eigener Einschätzung wettbewerbsfähig sind.
Eine Rückkehr in den Turnierbetrieb ist derzeit nicht absehbar. Woods selbst hat sich seit seinem Statement Ende März nicht mehr öffentlich geäußert. Einen konkreten Zeitplan für ein Comeback nennt sein Umfeld nicht.
USGA-Präsident Mike Whan äußerte sich zuletzt skeptisch: Er rechne nicht damit, dass Woods 2026 bei einer Meisterschaft der USGA an den Start gehen werde – das schließt auch die U.S. Senior Open Anfang Juli ein, für die Woods seit seinem 50. Geburtstag erstmals spielberechtigt wäre.
Spekulationen um einen möglichen Herbst-Auftritt nährte kurzzeitig ein Werbeplakat des Baycurrent Classic in Yokohama (8.–11. Oktober), auf dem Woods abgebildet war. Der Veranstalter ruderte jedoch rasch zurück und stellte klar, dass das Bild lediglich frühere Turniersieger zeige. Woods hatte das Turnier 2019 – damals noch unter dem Namen Zozo Championship – gewonnen und dabei mit seinem 82. PGA-Tour-Sieg den Rekord von Sam Snead eingestellt. Es war bis heute sein letzter Turniersieg überhaupt.
Ob und wann Tiger Woods auf die große Bühne des Profi-Golfs zurückkehrt, bleibt damit offen. Die Frage, ob er noch einmal in der Lage sein wird, auf dem Niveau früherer Jahre zu spielen, stellt sich mit jedem weiteren Monat seiner Abwesenheit drängender.
28 May 2026
Tiger Woods wird 2026 an keinem der vier Golf-Majors teilnehmen. (Foto: Imago / Zuma Press Wire)