


Tiger Woods ist längst mehr als der erfolgreichste Golfer seiner Generation. Seit er 2022 als erster Golfer überhaupt die Milliarden-Dollar-Marke überschritt, ist klar: Der 50-Jährige denkt weit über den Abschlag hinaus. Neben Sponsorenverträgen mit Partnern wie Rolex und TaylorMade hat Woods in den vergangenen Jahren ein beachtliches Portfolio an Unternehmensbeteiligungen aufgebaut – und eine davon zahlt sich nun besonders aus.
Versant Media Group, ein börsennotiertes Medienunternehmen das und Ableger des Kommunikationskonzerns Comcast, hat sich mit dem bisherigen Mehrheitseigentümer Bruin Capital auf den Kauf des Golf-Technologieunternehmens Full Swing geeinigt. Der Kaufpreis beläuft sich auf rund 530 Millionen US-Dollar – und wird vollständig in bar beglichen. Der Abschluss des Deals wird für Ende 2026 erwartet, vorbehaltlich der regulatorischen Genehmigungen.
Für Bruin Capital ist es ein glänzendes Geschäft: Das Investmentunternehmen hatte Full Swing erst 2021 für rund 160 Millionen Dollar erworben – und erzielt nun, nur fünf Jahre später, den dreifachen Verkaufspreis.
Woods ist seit 2015 an Full Swing beteiligt. Damals investierte er erstmals in das Unternehmen und übernahm gleichzeitig die Rolle als Markenbotschafter – eine Funktion, die er bis heute innehat. Um seinen aktuellen Anteil zu erreichen, tätigte er im Laufe der Jahre mindestens eine weitere Investitionsrunde.
Sein Anteil an Full Swing wird auf ein bis zwei Prozent geschätzt – eine Minderheitsbeteiligung, die sich beim aktuellen Verkaufspreis dennoch mit rund elf Millionen US-Dollar auszahlt. Dabei war Woods' Einfluss auf das Unternehmen stets größer als sein formaler Anteil vermuten lässt: Laut übereinstimmenden Berichten hatte der 15-fache Major-Champion maßgeblichen Einfluss auf die strategische Ausrichtung und Produktentwicklung des Unternehmens.
Full Swing wurde 1986 gegründet und hat sich in den vergangenen Jahrzehnten vom Nischenanbieter zum Marktführer im Bereich Golf-Simulatoren entwickelt. Das in Carlsbad, Kalifornien ansässige Unternehmen ist offizieller lizenzierter Simulator-Partner der PGA Tour. Zu den prominenten Nutzern zählen neben Woods selbst auch Topspieler wie Jordan Spieth, Xander Schauffele, Jon Rahm und Dustin Johnson – aber auch Athleten aus anderen Sportarten wie NFL-Stars Patrick Mahomes und Josh Allen sowie NBA-Legende Steph Curry.
Die Produktpalette reicht von kommerziellen Anlagen bis hin zu Heimsimulatoren, deren vollständige Studio-Kits zwischen 11.500 und 15.000 US-Dollar kosten. Launch Monitors sind ab rund 5.000 US-Dollar erhältlich. Zuletzt hatte Full Swing seine Technologie auch auf Baseball und weitere Sportarten ausgeweitet.
Besonders bemerkenswert ist die enge Verbindung zwischen Full Swing und der TGL – der Indoor-Golfliga, die Woods gemeinsam mit Rory McIlroy über ihr gemeinsames Unternehmen TMRW Sports ins Leben gerufen hat. Full Swings Technologie bildet das technologische Rückgrat der Liga, die ihre Spiele in einer 1.500 Menschen fassenden Arena im südlichen Florida austrägt – auf einem 53 Fuß hohen Hightech-Bildschirm, der virtuelle Golfkurse in beeindruckender Detailtreue darstellt. Die zweite Saison der TGL endete im März 2026.
Mit dem Kauf von Full Swing rückt Versant in unmittelbare Nähe zur TGL – und das in einem entscheidenden Moment: Die Liga verhandelt derzeit einen neuen Übertragungsvertrag, nachdem das zweijährige Abkommen mit ESPN ausgelaufen ist. Golf Channel, das zu Versants Portfolio gehört, gilt als ernsthafter Interessent für die Übertragungsrechte – sowohl für die TGL als auch für die neu geplante Damenliga WTGL. Durch den Full Swing-Deal sind die Interessen aller Beteiligten nun enger miteinander verknüpft als je zuvor.
Versant-Chef Mark Lazarus umriss die Strategie hinter dem Kauf in einem Unternehmens-Statement: „Full Swing ist genau die Art von strategischer Plattform, die widerspiegelt, wie wir Versant aufbauen: indem wir in unsere Kernmärkte investieren, die Reichweite unserer ikonischen Marken ausbauen und neue Wege finden, leidenschaftliche Zielgruppen anzusprechen. Sport wird interaktiver, datengetriebener und vernetzter – und Full Swing ermöglicht es uns, diesen Schwung zu nutzen."
Full Swing-CEO Ryan Dotters ergänzte in derselben Mitteilung: „Durch den Beitritt zu Versant erhalten wir die Größe und Reichweite, um unsere Technologie noch mehr Golferinnen und Golfern, Athletinnen und Athleten sowie Fans zugänglich zu machen."
Das Investment in Full Swing steht exemplarisch für Woods' Wandel vom reinen Sportstar zum strategisch denkenden Unternehmer. Während viele Athletinnen und Athleten ihre Bekanntheit für kurzfristige Sponsoringdeals nutzen, setzt Woods seit Jahren auf langfristige Beteiligungen im Ökosystem des Golfsports. Neben Full Swing zählen dazu TMRW Sports, Restaurantbeteiligungen sowie Projekte im Golfkursdesign.
Damit steht Woods nicht allein: Eine wachsende Zahl von Spitzensportlerinnen und -sportlern – darunter auch McIlroy – tauscht den bloßen Namensauftritt gegen echte Eigentumsanteile an den Unternehmen, die den Sport der Zukunft gestalten.
Nach Abschluss des Deals wird Full Swing als eigenständige Einheit in Versants Portfolio für digitale Plattformen und Ventures integriert. CEO Ryan Dotters bleibt an Bord und berichtet künftig an Will McIntosh, Versants President of Digital Platforms and Ventures. Versant plant, Full Swing zu einer Multi-Sport-Technologieplattform auszubauen – für Athletinnen und Athleten, Trainerinnen und Trainer sowie Fans verschiedenster Sportarten.
08 Jul 2026
Auch Tiger Woods profitiert vom Verkauf des Golf-Simulator-Unternehmens Full Swing. (Foto: Imago / Zuma Press Wire)