


Tiger Woods darf in den kommenden fünf Jahren kein Auto fahren. Das hat der Martin County Court in Florida am Mittwoch, 2. September 2026, im Rahmen einer Vereinbarung entschieden. Der 50-Jährige legte ein sogenanntes No-Contest-Plädoyer zu einer herabgestuften Anklage wegen rücksichtslosen Fahrens ein. Zusätzlich wurde die Verweigerung eines rechtmäßigen Tests im Verfahren berücksichtigt.
Woods muss insgesamt 1.500 US-Dollar an Geldstrafen zahlen. Die ursprünglich erhobene DUI-Anklage – also der Vorwurf, ein Fahrzeug unter dem Einfluss von Alkohol, Medikamenten oder anderen Substanzen geführt zu haben – wurde nicht durch eine entsprechende Verurteilung abgeschlossen. Eine Gefängnisstrafe erhielt Woods im Rahmen der Vereinbarung nicht.
Richter Darren Steele machte im Gericht deutlich, dass die Aussetzung der Fahrerlaubnis strikt gilt. „Es gibt keine Ausnahmen. Wenn Sie aus irgendeinem Grund fahren würden, würden Sie sofort wieder ins Gefängnis kommen“, sagte Steele laut ABC News in deutscher Übersetzung. Die Maßnahme diene der Sicherheit der Öffentlichkeit.
Nach den vorliegenden Berichten laufen die im Zusammenhang mit den einzelnen Vorwürfen verhängten fünfjährigen Aussetzungen gleichzeitig und nicht nacheinander. Woods stimmte zudem zu, während dieses Zeitraums keine Härtefallausnahme zu beantragen.
Die Geldstrafe setzt sich nach der detaillierten Darstellung des lokalen Senders WFLX aus 1.000 US-Dollar wegen des rücksichtslosen Fahrens und 500 US-Dollar wegen der Verweigerung des Tests zusammen. Hinzu kommen weitere gerichtliche Kosten beziehungsweise Gebühren.
Woods hatte sich nach seiner Festnahme zunächst nicht schuldig bekannt. Beim Gerichtstermin am Mittwoch widersprach er den herabgestuften Vorwürfen jedoch nicht mehr. Ein No-Contest-Plädoyer – auch nolo contendere genannt – ist im US-Recht kein ausdrückliches Schuldeingeständnis. Der Angeklagte bietet aber keine Verteidigung mehr gegen den Vorwurf an und akzeptiert die daraus folgenden rechtlichen Konsequenzen. Das Plädoyer wird im US-Strafrecht grundsätzlich wie eine Verurteilung behandelt.
Der Fall geht auf einen Unfall vom 27. März 2026 zurück. Woods war auf der South Beach Road bei Jupiter Island unterwegs, nicht weit von seinem Haus entfernt. Nach Darstellung der Ermittler versuchte er, an einem Pickup mit angehängtem Arbeits- beziehungsweise Reinigungsanhänger vorbeizufahren. Sein SUV berührte den Anhänger, kam von der Straße ab und kippte auf die Seite.
Woods war allein im Fahrzeug. Er konnte das Wrack über die Beifahrerseite verlassen. Nach Angaben der Behörden wurden weder er noch die Person im anderen Fahrzeug verletzt. Der Sachschaden am Pickup beziehungsweise am Anhänger wurde in den vorliegenden Berichten mit rund 5.000 US-Dollar angegeben.
Woods erklärte einem Beamten, er habe kurz vor dem Zusammenstoß auf sein Mobiltelefon geschaut und den Radiosender gewechselt. Deshalb habe er nicht bemerkt, dass das Fahrzeug vor ihm langsamer geworden sei. Diese Schilderung gibt Woods’ eigene Sicht auf den Unfall wieder und stellt keine abschließende Feststellung zum Hergang dar.
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Nach dem Unfall vermuteten die Ermittler, dass Woods beeinträchtigt sein könnte. In den Berichten ist von langsamen und lethargischen Bewegungen, starkem Schwitzen sowie glasigen beziehungsweise geröteten Augen die Rede. Außerdem soll Woods während der Überprüfung seiner Fahrtüchtigkeit wiederholt Schluckauf gehabt haben.
Bei Woods wurden nach Angaben der Ermittler zwei Hydrocodon-Tabletten gefunden. Das verschreibungspflichtige Opioid wird zur Behandlung von Schmerzen eingesetzt. Woods sagte dem Beamten, er nehme mehrere verschreibungspflichtige Medikamente und habe diese am Morgen des Unfalls eingenommen.
Ein Atemalkoholtest ergab 0,00. Einen Urintest, mit dem andere Substanzen oder Medikamente hätten untersucht werden können, verweigerte Woods. Genau diese Testverweigerung wurde im Rahmen der nun getroffenen Vereinbarung ebenfalls geahndet.
Ein Nachweis dafür, dass Woods zum Zeitpunkt des Unfalls durch Hydrocodon beeinträchtigt war, ließ sich nach Angaben von State Attorney Thomas Bakkedahl jedoch nicht ausreichend führen. Zwei Toxikologen seien zu dem Schluss gekommen, dass die Beweislage für eine entsprechende Beeinträchtigung nicht ausreiche. Zudem hätten die von der Staatsanwaltschaft eingesehenen Rezeptunterlagen ein rechtmäßiges Rezept belegt. Bakkedahl verwies außerdem auf eine über längere Zeit entwickelte pharmakologische Toleranz gegenüber Schmerzmitteln.
Die Staatsanwaltschaft verteidigte deshalb die Vereinbarung. „Ich habe getan, was ich für richtig halte“, sagte Bakkedahl laut mehreren US-Berichten. Aus dem Umstand, dass die DUI-Anklage herabgestuft wurde, folgt somit nicht, dass die Ermittler keine Anzeichen für eine mögliche Beeinträchtigung gesehen hätten. Umgekehrt ist eine Beeinträchtigung durch Hydrocodon nicht als erwiesen festgestellt worden.
Eine besondere Frage betrifft die Nutzung eines Golfcarts. Direkt nach der Verhandlung war zunächst unklar, ob die gerichtliche Anordnung auch Golfcarts erfasst. Bakkedahl erklärte zunächst, die Rechtslage prüfen zu müssen.
Später teilte das Büro des zuständigen State Attorney nach Angaben der Associated Press mit, dass Erwachsene in Florida grundsätzlich auch ohne Führerschein einen Golfcart fahren dürfen. Das gelte auf privatem und öffentlichem Grund. Die Regelung für Golfcarts ist jedoch von der Aussetzung der Fahrerlaubnis für Autos und andere führerscheinpflichtige Fahrzeuge zu unterscheiden. Zudem können für einzelne Golfplätze oder bestimmte Straßen zusätzliche Vorgaben gelten.
Woods reagierte wenige Tage nach seiner Festnahme mit einer persönlichen Erklärung. „Ich ziehe mich für eine gewisse Zeit zurück, um mich in Behandlung zu begeben und mich auf meine Gesundheit zu konzentrieren“, teilte er am 31. März mit. Er erklärte außerdem, er wolle an einer langfristigen Genesung arbeiten und bitte seine Familie und sein Umfeld um Privatsphäre.
Ein Gericht genehmigte Woods anschließend, die USA für eine stationäre Behandlung zu verlassen. Mehrere Berichte verorten die Einrichtung in der Schweiz. Nach seiner Rückkehr trat Woods am 23. Juni bei der Travelers Championship erstmals wieder öffentlich auf. Er stellte dort PGA-Tour-Chef Brian Rolapp vor und äußerte sich nicht zu dem Unfall oder dem laufenden Verfahren.
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Der aktuelle Fall ist der jüngste größere Vorfall in Woods’ Fahrhistorie. Seit 2009 kam es zu vier bekannten schweren beziehungsweise rechtlich relevanten Unfällen oder Vorfällen hinter dem Steuer.
Die Vorfälle stehen auch im Zusammenhang mit Woods’ langer Krankengeschichte. Der Golfstar hat zahlreiche Operationen am Rücken und an den Beinen hinter sich. Eine medizinische Vorgeschichte allein erlaubt jedoch keine Aussage darüber, ob er bei dem Unfall im März durch Medikamente beeinträchtigt war.
Woods hat seit Juli 2024 kein offizielles Turnier der PGA Tour mehr bestritten. Nach dem Unfall arbeitete er vor allem abseits des Platzes weiter. Er blieb Vorsitzender des Future Competition Committee der PGA Tour und war an der Planung der für 2028 vorgesehenen Veränderungen der Tour-Struktur beteiligt.
Ob und wann Woods wieder regelmäßig an Turnieren teilnehmen kann, ist offen. Im Dezember soll er den Hero World Challenge auf den Bahamas ausrichten. Eine solche Funktion ist jedoch nicht gleichbedeutend mit einer Rückkehr in den Turnierbetrieb.
Mit der Vereinbarung vor dem Martin County Court ist das Verfahren nach dem Unfall vom März juristisch beendet. Woods muss fünf Jahre auf seine Fahrerlaubnis verzichten, darf während dieser Zeit kein Auto fahren und zahlt 1.500 US-Dollar an Geldstrafen. Wie sich seine Behandlung und seine sportliche Zukunft entwickeln, bleibt dagegen offen.
03 Sep 2026
Tiger Woods hat nach einem Gerichtsentscheid für fünf Jahre seinen Führerschein verloren. (Foto: Imago / EPA)