


Acht Jahre nach einem lebensbedrohlichen Autounfall, nach unzähligen Operationen und mehr als drei verlorenen Saisons hat Bud Cauley auf der PGA Tour endlich seinen ersten Titel gewonnen. Der 36-jährige US-Amerikaner setzte sich beim RBC Canadian Open in Caledon, Ontario, mit einer abgeklärten Finalrunde durch – und weinte dabei die vielleicht verdienstesten Tränen der Golfsaison.
Hier finden Sie das komplette Leaderboard der Canadian Open 2026 der PGA Tour.
Es gibt Siege auf der PGA Tour, die Karrieren krönen. Und es gibt Siege, die ein ganzes Leben zusammenfassen. Der Triumph von Bud Cauley beim RBC Canadian Open 2026 auf dem North Course des TPC Toronto at Osprey Valley gehört eindeutig zur zweiten Kategorie.
Mit einer Finalrunde von 65 Schlägen (5 unter Par) bei Regen und böigem Wind setzte sich Cauley am Sonntag mit zwei Schlägen Vorsprung vor Matt Fitzpatrick durch und erreichte ein Gesamtergebnis von 17 unter Par (263). Es war sein 239. Start auf der PGA Tour – und gleichzeitig sein erster Sieg. Nur vier aktive Spieler hatten zuvor länger auf ihren ersten Tourtitel warten müssen.
In die letzte Runde war Cauley als Verfolger gegangen, einen Schlag hinter dem 54-Loch-Führenden Jackson Suber. Doch während Suber auf der Schlussrunde ins Straucheln geriet, zog Cauley mit einer beeindruckenden Birdie-Serie auf der zweiten Neun das Feld davon.
Den entscheidenden Impuls lieferte Loch 12: Aus 93 Fuß chippte Cauley den Ball aus dem tiefen Rough direkt in die Fahne – ein Moment, den CBS-Kommentator Jim Nantz als „the shot of his life" bezeichnete. Zuvor hatte er auf Loch 11 per Teeshot auf 3,5 Fuß die Führung egalisiert. Auf Loch 13 folgte ein weiterer Birdie-Putt aus 14 Fuß, auf Loch 15 aus 16 Fuß – und Cauley führte plötzlich mit vier Schlägen.
Auch das Glück spielte eine Rolle: Auf Loch 16 prallte ein abgeweichter Abschlag von einem fahrenden Golfcart ab und verhinderte so, dass der Ball im Wald verschwand. Ein Bogey auf Loch 17 und ein nervenstarketes Par auf der 18 besiegelten schließlich den Sieg. Auf dem 18. Grün warteten seine Frau Kristi sowie seine Söhne Cooper (3 Jahre) und Miles (1 Jahr) – und sein 3-jähriger Cooper war der Erste, der ihn in die Arme schloss.
Um zu verstehen, was dieser Titel bedeutet, muss man acht Jahre zurückblicken. Am Abend des 1. Juni 2018 saß Bud Cauley als Beifahrer in einem Auto nahe dem Muirfield Village Golf Club, als es zu einem schweren Unfall kam. Die Diagnose: sechs gebrochene Rippen, eine kollabierte Lunge, ein Bruch im linken Bein und eine Gehirnerschütterung. Auf Instagram schrieb er damals, er fühle sich „lucky to be alive".
Cauley kehrte im Herbst 2018 auf die Tour zurück und qualifizierte sich in den folgenden Saisons mehrfach für die FedExCup Playoffs. Doch dann meldete sich das alte Trauma zurück: Die nie vollständig verheilten Rippen machten weitere Eingriffe notwendig. Bei einer Operation 2021 stellte sich heraus, dass die Knochenplatten im Brustkorb nicht mehr entfernt werden konnten, weil der Knochen über sie hinausgewachsen war. Weitere Komplikationen – darunter ein Serom sowie eine durch Antibiotika ausgelöste Darminfektion – kosteten ihn insgesamt mehr als drei Saisons. Im April 2026 wurde Cauley mit dem Ben Hogan Award der Golf Writers Association of America ausgezeichnet, der jährlich an Sportler vergeben wird, die trotz schwerer körperlicher Einschränkungen weiter aktiv Golf spielen.
„Es gab Zeiten, in denen ich verletzt war und wir uns wirklich nicht sicher waren, ob ich jemals wieder spielen können würde", berichtete Cauley nach seinem Sieg auf der Pressekonferenz. Mit fast aufgebrauchtem Optimismus diskutierte er mit seiner Frau, welche Alternativen es außerhalb des Golfsports geben könnte. Doch Cauley blieb – und wurde belohnt. Ein 6. Platz bei The Players Championship 2025 sicherte ihm die Tourkarte für die aktuelle Saison. Nun, bei der RBC Canadian Open 2026, schloss sich der Kreis.
„So viele Turniere ohne Sieg – aber angesichts allem, was unsere Familie durchgemacht hat, und dann meinen ersten Sieg mit allen hier zu erleben: Es fühlt sich an wie der perfekte Zeitpunkt."
Emotional wurde es nicht erst auf dem 18. Grün. Cauley hatte die ganze Woche über versucht, die Gedanken an einen möglichen Siegesmoment zu verdrängen – zu viele Male war er zuvor in Schlagdistanz gewesen, ohne den Durchbruch zu schaffen. 29 Top-10-Platzierungen auf der PGA Tour, aber kein Sieg. Als der entscheidende Par-Putt fiel, kamen die Gefühle ungefiltert. Und sein Sohn Cooper übernahm kurzerhand das Mikrofon bei der Siegerehrung auf dem Grün.
„Einfach wie schwer das war. So viele Menschen haben mir geholfen, hierher zu kommen, und ich bin einfach wirklich dankbar für die gesamte Unterstützung, die ich erhalten habe. Meine Frau hat in diesen dunklen Zeiten so viel mitgemacht – und es ist einfach schön, ihr mit einem kleinen Erfolg gewissermaßen Danke sagen zu können", so Cauley
Während Cauley im Rampenlicht stand, lieferte Matt Fitzpatrick im Hintergrund eine beeindruckende Vorstellung ab. Der Engländer, bereits dreifacher Turniersieger in dieser PGA Tour-Saison, spielte die beste Runde des Tages: eine 64 mit sechs Birdies und einem Eagle auf der 18. Ein perfekter 4-Eisen-Approach aus 221 Yards auf 12 Fuß ebnete den Weg für den abschließenden Eagle-Putt und katapultierte ihn auf den alleinigen zweiten Platz.
Mit seiner starken Schlussrunde übernahm Fitzpatrick auch die Spitze der FedExCup-Wertung von Scottie Scheffler – mit einem Vorsprung von knapp sechs Punkten. Der Zeitpunkt hätte kaum besser sein können: In der kommenden Woche steht mit der US Open das dritte Major der Saison an. Fitzpatrick gewann die US Open bereits 2022 in Brookline.
„Ich hätte dieses Ergebnis am Anfang der Woche genommen. Ich hatte das Gefühl, dass sehr viel Gutes in meinem Spiel steckt – es musste nur ans Licht kommen." Komplettiert wurde das Podium von Viktor Hovland, der mit einer 65 auf -14 Gesamtergebnis den dritten Platz belegte.
Eine der überraschenden Nachrichten des Wochenendes kam vor dem Abschlag der Finalrunde: Brooks Koepka zog sich mit einer Handverletzung zurück. Der zweifache US-Open-Champion hatte die ersten beiden Runden noch stark gespielt (64-68), war nach einer 72 am Moving Day aber auf Platz 32 zurückgefallen. Im Anschluss an Runde 3 erhielt er Behandlung an linkem Arm und Ellenbogen.
„Ich kann den Schläger mit Ring- und kleinem Finger nicht greifen. Die Finger wurden lose, es war irgendwie taub", so Koepka gegenüber Golf Digest. Ob Koepka kommende Woche bei der US Open in Shinnecock Hills an den Start gehen kann, ist derzeit ungewiss.
Cauleys Sieg hat weitreichende Konsequenzen für seinen Terminkalender. Er sicherte sich damit einen Startplatz bei der US Open nächste Woche in Shinnecock Hills – es wird sein vierter Major-Start. Darüber hinaus qualifizierte er sich über die Open Qualifying Series für The Open Championship in Royal Birkdale im nächsten Monat.
Ebenfalls für Royal Birkdale qualifiziert haben sich Jackson Suber und Jesper Svensson, die auf Basis ihrer höheren Weltranglistenpositionen die verbleibenden Open-Plätze gegenüber Brice Garnett und Jimmy Stanger erhielten, obwohl alle vier Spieler T4 belegten.
Für Bud Cauley beginnt damit ein neues Kapitel – nicht nur als Turniersieger, sondern als Spieler, dessen Geschichte weit über Statistiken hinausgeht. 239 Starts. Ein Sieg. Und eine Geschichte, die man sich merken wird.
15 Jun 2026
Bud Cauley gewinnt nach über 230 Starts auf der PGA Tour seinen ersten Titel bei der Canadian Open. (Foto: Imago / Zuma Press)