


Die Fronten im Profigolf scheinen sich leicht zu lockern – zumindest für einen Teil der europäischen Elite. Während Tyrrell Hatton und sieben weitere Spieler der LIV-Tour einen kostspieligen Kompromiss mit der DP World Tour eingegangen sind, bleibt Superstar Jon Rahm bei seinem „Nein“. Damit setzt der Spanier alles auf eine Karte und riskiert seine Zukunft im Ryder Cup Team Europas.
Es ist eine Einigung, die wie ein Befreiungsschlag für das europäische Golf wirkt, aber gleichzeitig eine prominente Lücke lässt. Die DP World Tour hat am Wochenende offiziell bestätigt, dass acht ihrer Mitglieder, die zum saudi-arabischen LIV-Circuit gewechselt waren, für die Saison 2026 eine bedingte Freigabe erhalten haben. Unter den Namen finden sich Ryder-Cup-Größen wie Tyrrell Hatton und Adrian Meronk sowie aufstrebende Talente wie Tom McKibbin. Doch ein Name fehlt demonstrativ: Jon Rahm.
Die Rückkehr an den Verhandlungstisch war für die acht Profis kein billiges Unterfangen. Um die Freigabe für die kommende Saison zu erhalten und ihre Spielberechtigung in Europa zu sichern, mussten sie drei harte Bedingungen akzeptieren:
Die Tour betonte dabei, dass es sich um individuelle Einzelfallentscheidungen für das Jahr 2026 handelt und kein dauerhafter Präzedenzfall geschaffen wurde. Folgende Spieler nahmen den Deal an: Tyrrell Hatton (England), Adrian Meronk (Polen), Thomas Detry (Belgien), Victor Perez (Frankreich), Tom McKibbin (Nordirland), David Puig (Spanien), Laurie Canter (England), Elvis Smylie (Australien).
Dass ausgerechnet Jon Rahm, ein Gesicht des europäischen Golfsports der letzten Jahre, nicht auf der Liste steht, sorgt für Unruhe. Während sein Ryder-Cup-Teamkollege Tyrrell Hatton den pragmatischen Weg wählte, scheint Rahm auf seinem bisherigen Standpunkt zu beharren. Der zweifache Major-Sieger hatte in der Vergangenheit wiederholt betont, dass er nicht einsehe, horrende Strafen für Turniere zu zahlen, die er ohnehin nicht bestritten hätte.
Hinter Rahms Verweigerung steckt Kalkül: Er setzt weiterhin auf sein laufendes Berufungsverfahren vor einem Schiedsgericht. Ein Erfolg dort würde ihn rehabilitieren, ohne dass er die Millionenstrafen aus eigener Tasche zahlen müsste – eine Notwendigkeit, seit LIV Golf die Übernahme solcher Bußgelder im vergangenen Sommer eingestellt hat.
Doch Rahms Strategie ist hochriskant. Sollte er das Gerichtsverfahren verlieren, droht ihm die Suspendierung und damit der Verlust der Tour-Mitgliedschaft. Die Konsequenz wäre fatal: Er wäre für den Ryder Cup 2027 im irischen Adare Manor nicht spielberechtigt. Besonders irritierend wirkt Rahms Widerstand vor dem Hintergrund, dass der Spanier für seinen Wechsel zu LIV Golf rund eine halbe Milliarde Dollar erhalten haben soll. An finanziellen Bedenken kann sein Verzicht auf den Deal also nicht liegen.
Schon jetzt wächst der moralische Druck aus den eigenen Reihen. Rory McIlroy erinnerte erst kürzlich daran, dass das Team Europa stolz darauf sei, „für die Ehre“ zu spielen und nicht für Geld – und dass mancher Spieler nun eben beweisen müsse, dass ihm die Teilnahme am Ryder Cup auch ein persönliches finanzielles Opfer wert ist.
Die DP World Tour hat mit diesem Kompromiss bewiesen, dass sie bereit ist, Brücken zu bauen, sofern die Spieler sich den Regeln unterwerfen. Dass acht Profis diesen Weg gehen, stärkt die Felder der kommenden Turniersaison und sichert die Stabilität des europäischen Kaders. Doch solange der wichtigste Spieler des Kontinents im Abseits steht, bleibt der Frieden im Golfsport ein fragiles Konstrukt.
23 Feb 2026
Die DP World Tour hat sich mit acht LIV-Golf-Spielern über ihre Freistellung geeinigt - nur mit Jon Rahm nicht. (Foto Imago / AAP)