


Wer ihn zum ersten Mal sieht, denkt unwillkürlich an einen Besen. Der Broomstick-Putter – auf Deutsch wörtlich „Besenstiel-Putter" – ist mit 48 bis 52 Zoll fast doppelt so lang wie ein normaler Putter. Und trotzdem haben damit Golfer Majors gewonnen, Tour-Karrieren gerettet und über Jahrzehnte auf den härtesten Grüns der Welt eingelocht.
Der lange Putter ist kein Kuriosum. Er ist eine Antwort auf ein sehr reales Problem – und gleichzeitig einer der meistdiskutierten Regelgegenstände im modernen Golf.
Ein Standard-Putter für Herren misst 33 bis 34 Zoll. Er wird mit beiden Händen geführt, die Bewegung kommt aus Schultern und Armen – ein kontrolliertes Pendel, das präzise und wiederholbar ist. So zumindest die Theorie.
In der Praxis kämpfen viele Golferinnen und Golfer mit dem sogenannten Yips: einem unwillkürlichen Zucken oder Verkrampfen der Handgelenke im entscheidenden Moment des Putts. Betroffen sind nicht nur Amateure. Bernhard Langer, zweifacher Masters-Champion, verlor zwischenzeitlich fast die Kontrolle über sein Putting – bevor er auf einen langen Putter umstieg und zur dominanten Kraft auf der PGA Tour Champions, der amerikanischen Ü-50-Tour, wurde.
Das Prinzip hinter langen Puttern ist physikalisch einfach: Je mehr der Schläger über einen festen Punkt oder einen verlängerten Hebel geführt wird, desto weniger Einfluss haben die Feinmotorik der Handgelenke und die Nervosität des Moments auf den Stroke. Der Putter wird zur Verlängerung des Körpers – er pendelt, statt zu schwingen.

Nicht jeder lange Putter funktioniert gleich. Es gibt drei grundlegende Bauformen – mit unterschiedlichen Längen, Haltungen und, entscheidend, unterschiedlichem Regelstatus.
Der Armlock-Putter ist die kürzeste und heute einzig vollständig regelkonforme Variante unter den langen Puttern. Er wird nicht an den Körper gedrückt, sondern mit dem Griff gegen den Unterarm gepresst – der Unterarm dient als Führungsschiene, nicht als Ankerpunkt.
Da der Schaft beim Anlegen leicht nach vorne geneigt ist, braucht ein Armlock-Putter mehr Loft als ein Standard-Modell, um diesen Winkel im Treffmoment auszugleichen. Viele Armlock-Modelle kommen mit 5 bis 7 Grad Loft, wo ein konventioneller Putter bei 3 bis 4 Grad liegt.
Bekannte Nutzer: Will Zalatoris – einer der präzisesten Putter auf der PGA Tour – sowie Bryson DeChambeau haben den Armlock-Stil populär gemacht. Auch auf dem europäischen Amateurgolf erlebt der Armlock seit dem Ankern-Verbot 2016 ein deutliches Comeback.
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Der Belly-Putter war über zwei Jahrzehnte eine der meistgenutzten Alternativen für Golfer mit Handgelenksproblemen. Das obere Ende des Schlägers wird am Bauchnabel stabilisiert – das erzeugt einen dritten Auflagepunkt und macht die Pendelbewegung deutlich ruhiger und reproduzierbarer.
Seit dem 1. Januar 2016 ist diese Technik verboten. Regel 10.1b der USGA und des R&A untersagt das Ankern eines Schlägers am Körper während des Schlags. Der Belly-Putter als Schläger existiert noch – die typische Haltung, für die er konstruiert wurde, ist nicht mehr regelkonform.
Der Broomstick-Putter ist die längste und spektakulärste Variante. Das obere Ende des Schlägers wird traditionell an Brust oder Kinn gehalten und dient als fester Drehpunkt, um den die untere Hand den Schläger pendelnd führt.
Auch diese Ankertechnik ist seit 2016 verboten – mit einer entscheidenden Einschränkung: Der Schläger selbst ist nicht verboten. Broomstick-Putter dürfen weiterhin gespielt werden, solange das obere Ende nicht aktiv gegen den Körper gedrückt wird. Was das in der Praxis bedeutet, ist bis heute Gegenstand von Diskussionen.
Ein wichtiger technischer Hinweis: Die Regel G-10 der USGA und des R&A begrenzt die maximale Schlägerlänge auf 46 Zoll – diese Regel gilt jedoch ausdrücklich nicht für Putter. Broomstick-Putter mit 48 bis 52 Zoll sind damit grundsätzlich erlaubt, sofern kein Ankern stattfindet.
Das Ankern-Verbot von 2016 ist einer der meistdiskutierten Regeleingriffe der jüngeren Golfgeschichte. Viele Spieler, Verbände und Kommentatoren stritten über Sinn und Umsetzung – und tun es bis heute.
Was verboten ist: Das direkte Ankern des Schlägers am Körper sowie das Erzeugen eines sogenannten Ankerpunkts, bei dem die Griffhand oder der Unterarm fest gegen den Körper gepresst wird, um den Stroke zu stabilisieren.
Was erlaubt bleibt: Belly- und Broomstick-Putter als Schläger. Spielerinnen und Spieler dürfen diese Modelle weiterhin ins Bag nehmen und einsetzen – solange sie die beschriebene Ankertechnik nicht anwenden.
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Bernhard Langer ist das bekannteste Beispiel für die Grauzone dieser Regel. Der zweifache Masters-Champion hatte nach einem langen Kampf mit den Yips in den späten 1990er Jahren auf einen Broomstick-Putter umgestellt – und damit die Champions Tour dominiert wie kaum ein Spieler vor ihm.
Nach dem Ankern-Verbot passte Langer seine Technik minimal an: Er hob die Hand leicht von der Brust – soweit, dass kein direkter Kontakt mehr besteht. Die USGA prüfte seine Technik und gab offiziell grünes Licht. Dennoch hält die Debatte an: Für viele Beobachter sieht Langers Stroke bis heute wie Ankern aus. Für die Regelhüter ist er es nicht.
Langer nutzt seinen Broomstick-Putter bis heute – und gewinnt damit weiterhin auf der PGA Tour Champions.

Während Belly- und Broomstick-Putter nach dem Ankern-Verbot nahezu von der PGA Tour verschwunden sind, erlebt der Armlock-Putter eine echte Renaissance. Der Grund: Er bietet viele der biomechanischen Vorteile langer Putter – ruhigere Handgelenke, kontrolliertere Pendelbewegung – ohne die Regelproblematik.
Das Prinzip ist elegant: Der Griff liegt entlang des Unterarms an, der Arm selbst wird zur festen Führungsschiene. Die Bewegung kommt aus der Schulter, nicht aus dem Handgelenk. Das reduziert das Risiko von Yips-bedingten Ausreißern erheblich. Der wohl bekannteste Armlock-Putter derzeit ist Bryson DeChambeau. Der Major-Sieger spielt derzeit bei LIV Golf und unterhält seine Fans unter anderem auf seinem YouTube-Kanal mit Golf-Videos.
Moderne Armlock-Modelle – etwa die Spider ZT Black CB von TaylorMade mit Längen bis 38 Zoll und einem speziell abgestimmten Graphitschaft – zeigen, wie ernst die Industrie diese Kategorie inzwischen nimmt. Der Counterbalance-Gedanke, bei dem ein schwererer Griff den Schwerpunkt des Putters in Richtung Hände verlagert, ist eng mit dem Armlock-Prinzip verwandt: In beiden Fällen geht es darum, die Handgelenke aus der Gleichung zu nehmen.
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Für viele Menschen außerhalb der Golfszene ist der Broomstick-Putter untrennbar mit einem Namen verbunden: Happy Gilmore.
In der gleichnamigen Kultkomödie von 1996 spielt Adam Sandler einen gescheiterten Eishockeyspieler, der auf dem Golfplatz landet – und dort mit einem Hockeyschläger-Putter einlocht. Der Schläger, den Happy am Ende des Films verwendet, erinnert optisch an einen langen Putter und wurde seither zum ikonischen Symbol für den Außenseiter-Golfer mit unorthodoxem Stil.
2025 kehrte Adam Sandler mit Happy Gilmore 2 auf Netflix zurück – und mit ihm das Interesse an diesem besonderen Schläger. Odyssey, Teil der Callaway-Gruppe, produzierte eigens einen limitierten Hockey Stick Putter zur Promotion des Films: 44 Zoll lang, 57 Grad Lie-Winkel, ausgestattet mit Odysseys berühmtem White Hot Insert. Kein Turnierputter, aber ein eindrucksvoller Beweis dafür, wie viel kulturelle Strahlkraft ein einzelner Filmmoment haben kann.
Zur Klarheit: Der Happy Gilmore Putter ist eine Popkultur-Referenz, kein echtes Putter-Konzept. Broomstick-Putter im Golfsport sind technisch präzise entwickelte Werkzeuge für ein sehr spezifisches Problem – mit einer langen, ernsthaften Geschichte auf Profi-Touren weltweit.
Ein langer Putter ist kein Allheilmittel – und kein Einstiegsprodukt. Er löst ein spezifisches Problem, und nur wer dieses Problem hat, sollte ihn ernsthaft in Betracht ziehen.
Langer Putter können sinnvoll sein für:
Wann ein langer Putter nicht die Lösung ist:
Ein schlechtes Putting-Ergebnis liegt häufig nicht am Schläger, sondern an der Linie (Grünlesen), der Distanzkontrolle oder der grundsätzlichen Schwungtechnik. Wer einfach öfter danebenputtert, braucht in der Regel kein anderes Equipment – sondern mehr Training mit dem richtigen Feedback.
Empfehlung: Wer ernsthaft über einen langen Putter nachdenkt, sollte zuerst ein professionelles Putter-Fitting in Betracht ziehen. Moderne Systeme wie SAM PuttLab analysieren den Stroke präzise und zeigen, ob das Problem tatsächlich mechanischer Natur ist – oder ob andere Faktoren überwiegen.
Sind Broomstick-Putter verboten?
Der Schläger selbst ist nicht verboten. Verboten ist seit dem 1. Januar 2016 das Ankern des Putters am Körper (Regel 10.1b). Broomstick-Putter dürfen weiterhin eingesetzt werden – solange das obere Ende nicht aktiv gegen Brust oder Kinn gedrückt wird.
Was ist der Unterschied zwischen Belly-Putter und Armlock-Putter?
Der Belly-Putter (ca. 43 Zoll) wurde am Bauchnabel stabilisiert – diese Technik ist seit 2016 nicht mehr erlaubt. Der Armlock-Putter (40–42 Zoll) wird mit dem Griff gegen den Unterarm gepresst, ohne Körperkontakt im Sinne des Ankerns. Er ist vollständig regelkonform.
Brauchen Armlock-Putter mehr Loft?
Ja. Da der Schaft beim Anlegen gegen den Unterarm leicht nach vorne geneigt ist, ist im Treffmoment mehr Loft notwendig, um den effektiven Loft zu normalisieren. Die meisten Armlock-Modelle kommen mit 5 bis 7 Grad Loft.
Was hat Happy Gilmore mit langen Puttern zu tun?
Im Film „Happy Gilmore" (1996) spielt Hauptfigur Happy Gilmore mit einem Hockeyschläger-Putter. Zur Fortsetzung „Happy Gilmore 2" (2025, Netflix) produzierte Odyssey einen limitierten Hockey Stick Putter im Filmstil. Der Begriff „Happy Gilmore Putter" meint in der Regel diesen Film-Schläger – keinen echten Broomstick-Putter im sportlichen Sinne.
Spielt noch jemand auf der Tour mit einem Broomstick-Putter?
Ja. Bernhard Langer ist das bekannteste Beispiel: Er nutzt seinen langen Putter weiterhin auf der PGA Tour Champions – mit einer angepassten Technik, die nach dem Ankern-Verbot von der USGA offiziell für regelkonform erklärt wurde.
10 Aug 2026
Bernhard Langer ist der wohl bekannteste Golfer, der einen Broomstick-Putter benutzt. (Foto: Imago / EPA)