


Zwanzig Startplätze. Rund 285 Aspiranten. Vier Golfplätze in England und Schottland. Und 36 Löcher, die über Teilnahme oder Zuschauen entscheiden. Das Final Qualifying zur 154. Open Championship war einmal mehr ein langer, gnadenloser Tag – und er lieferte alles, was dieses Format so besonders macht: große Namen, die stolpern, und unbekannte Geschichten, die einen den Atem anhalten lassen. Am 16. Juli öffnet Royal Birkdale in Southport seine Tore für das älteste Majorturnier des Golfsports. Wer dabei sein darf, entschied sich am heutigen Dienstag.
An vier Standorten kämpften die Spieler um je fünf Plätze im Feld von Royal Birkdale. Das Tagesbestresultat kam von den Qualifikationskurs Royal Cinque Ports in Deal, wo gleich zwei Spieler auf beeindruckende zwölf unter Par kamen:
Burnham & Berrow Golf Club, Somerset (England)
West Lancashire Golf Club, Blundellsands (England)
*Nach Playoff (3-für-1) gegen Sam Easterbrook (Am.) und Joe Dean
Royal Cinque Ports Golf Club, Deal (England)
Dundonald Links, Troon (Schottland)
Manchmal verdichtet sich eine ganze Saison in wenigen Wochen. James Nicholas erlebt gerade genau das. Der 29-jährige Amerikaner aus Scarsdale, New York, hatte erst vor drei Wochen beim Final Qualifying zur US Open 36 Löcher in seiner Heimat absolviert und sich damit einen Startplatz in Shinnecock Hills erkämpft. Für seine Leistung dort – er überstand den Cut und belegte Platz 65 – durfte er sogar den allerersten Abschlag des Turniers schlagen. Und nun das: Medalist beim Final Qualifying zur Open Championship, ebenfalls nach 36 Löchern, diesmal in Somerset. Runden von 65 und 67 brachten ihn auf zehn unter Par, das beste Ergebnis in Burnham & Berrow.
Nicholas ist damit der erste Spieler seit Brandon Wu im Jahr 2019, dem es gelungen ist, sich im selben Sommer für beide Opens zu qualifizieren. Auf der Korn Ferry Tour steht er aktuell auf Rang 16 der Geldliste – ein PGA-Tour-Kartenkandidat, der sich nebenbei in den Majors festbeißt. Nach einem fulminanten Start kämpfte er sich durch eine schwierige Schlussphase in Burnham & Berrow.
„Heute war eine echte Schlacht", sagte Nicholas nach seiner Runde. „Ich bin super stark gestartet, und dann hieß es auf der zweiten Neun irgendwie: Festhalten. Aber ich liebe Links Golf. Ich sage diese Woche immer wieder – es ist fast wie eine religiöse Erfahrung", erklärte er gegenüber dem Golf Channel.
Es gibt Tage, an denen man eigentlich gar nicht spielen sollte. Für Matthew Jordan war der 1. Juli einer davon – und trotzdem endete er mit einem Startplatz bei der Open Championship. Der 30-jährige Engländer aus dem Feld von West Lancashire wachte in der Nacht zuvor mit schweren Beschwerden auf, die er auf eine Lebensmittelvergiftung zurückführt. 36 Löcher Golf unter diesen Bedingungen zu absolvieren war alles andere als selbstverständlich.
Jordan hielt durch. Er spielte Runden von 69 und 67, und als sich nach 36 Löchern ein dreiseitiger Playoff um den fünften und letzten Qualifikationsplatz abzeichnete – gegen den Amateur Sam Easterbrook und den Engländer Joe Dean – war er dabei. Auf dem zweiten Extraloch, Loch 18, traf Jordan seinen Annäherungsschlag auf wenige Zentimeter ans Loch und versenkte das Birdie-Putt zur Qualifikation. Dean hatte zuvor seinen Birdie-Versuch gelieft, Easterbrook war mit Par bereits fertig.
Jordan ist kein Unbekannter beim ältesten Majorturnier der Welt: 2023 und 2024 schloss er die Open jeweils auf dem geteilten zehnten Platz ab. Er kennt Royal Birkdale. Und er weiß, was dieser Tag wert ist. „Solche Tage sind lang", sagte Jordan nach dem Playoff. „Aber genau das macht es so wertvoll."
Wenn man die Geschichte von Marcus Plunkett hört, klingt sie fast zu außergewöhnlich, um wahr zu sein. Der Amerikaner absolvierte die Militärakademie West Point, schloss sein Studium 2016 ab und trat danach fünf Jahre lang seinen Dienst als Transportoffizier in der US-Armee an. Er verbrachte sein erstes Dienstjahr in Südkorea, wurde später nach Fort Carson in Colorado Springs versetzt und absolvierte einen sechsmonatigen Einsatz in Afghanistan.
In den letzten Monaten seiner Militärzeit begann Plunkett wieder Golf zu spielen – und brach prompt den Platzrekord auf dem Armeegolfkurs Cheyenne Shadows. Als er im Mai 2021 aus dem aktiven Dienst entlassen wurde, traf er eine Entscheidung: Er würde Profigolfer werden. 2024 gewann er die Geldliste der Dakotas Tour und sicherte sich damit seinen KFT-Status. In dieser Saison spielte er überwiegend auf der Asian Tour.
Heute, in Dundonald Links, schoss Plunkett Runden von 69 und 72 für drei unter Par – und qualifizierte sich gemeinsam auf dem vierten Platz für Royal Birkdale. Es wird sein erstes Major Championship überhaupt sein. Besser hätte man sich eine solche Premieren-Geschichte kaum ausdenken können.
Wer die Open Championship so liebt wie Sergio Garcia, dem tut ein erneutes Scheitern besonders weh. Der 46-jährige Spanier, 2017 Masters-Champion, zweifacher Vize-Open-Champion und 2007 im Playoff gegen Pádraig Harrington in Carnoustie knapp am Claret Jug vorbei – er wird auch in diesem Jahr nicht dabei sein. Zum dritten Mal in vier Jahren verpasste Garcia das Qualifying für die Open.
Die Morgenrunde in West Lancashire lief noch vielversprechend: vier unter Par, 68 Schläge, gute Position im Feld. Dann aß Garcia in der Pause zwischen den Runden in der Spielerlounge – und entschied sich für Lasagne. Was folgte, war nach seinen eigenen Schilderungen eine Nachmittagsrunde unter extremer Übelkeit.
„Ich habe nur die Lasagne gegessen", sagte Garcia nach seiner Runde vor dem Clubhaus. „Ich dachte mir, ein bisschen Pasta – warum nicht? Aber aus irgendeinem Grund hat sie mir gar nicht bekommen, und ich war die gesamte erste Neun am Nachmittag extrem übel. Ich hatte das Gefühl, auf so gut wie jedem Loch erbrechen zu müssen." (Quelle: The Telegraph / R&A)
Garcia schoss eine 75 in der zweiten Runde und verpasste die Qualifikation deutlich. Ob die Lasagne wirklich schuld war? Die anderen Spieler, die in derselben Clubhausschlange standen, berichteten jedenfalls von keinerlei Beschwerden. Seit seinem Wechsel zur LIV Golf League im Jahr 2022 hat Garcia sieben Majors verpasst – die fehlenden Weltranglistenpunkte in den vergangenen vier Jahren machen eine direkte Exemption zunehmend schwieriger. Für die Masters-Einladung ist er durch seinen Titel von 2017 auf Lebenszeit gesetzt. Der Rest bleibt eine Herausforderung.
Vielleicht war es die Geschichte des Tages, die am häufigsten diskutiert wurde – auch wenn sie am Ende ohne Happy End blieb. Wesley Bryan, ehemaliger PGA-Tour-Sieger (RBC Heritage 2017) und gemeinsam mit seinem Bruder George Gesicht hinter dem millionenfach abonnierten YouTube-Kanal Bryan Bros, spielte in West Lancashire um einen der fünf Startplätze.
Bryan hatte als direkt gesetzter Spieler keine Vorqualifikation absolvieren müssen. Sein Bruder George hingegen hatte sich über das Regional Qualifying in Hesketh durchgekämpft – mit einer 68, die ihn ganz oben auf dem Leaderboard landete. Auf der Caddie-Bag von Wesley: kein Geringerer als Peter Finch, selbst YouTube-Persönlichkeit und 2025 noch Final-Qualifier.
Wesley spielte eine starke zweite Runde: Birdies auf Loch 16 und 17 brachten ihn auf acht unter Par – genau auf dem Playoff-Platz. Dann das letzte Loch, Loch 18, Par 4. Ein verpasstes Par-Putt aus rund zwei Metern. Bogey. Sieben unter Par. Playoff verpasst.
Am Rande: Hätte Wesley Bryan qualifiziert, wäre seine laufende PGA-Tour-Suspendierung – er wurde nach einem Auftritt in einem von LIV unterstützten Creator-Event gesperrt und konnte bisher nicht zurückkehren – ohne Belang gewesen. Die Open Championship wird vom R&A ausgerichtet, der PGA Tour steht keinerlei Einfluss auf das Feld in Royal Birkdale zu.
George Bryan beendete das Turnier bei zwei über Par und blieb damit ebenfalls weit zurück.
Josele Ballester lieferte an West Lancashire vielleicht das dramatischste Finish des gesamten Tages ab: Auf Loch 16 spielte er Eagle, ehe er auf Loch 18 seinen Abschlag beinahe hinter einen internen OB-Pfahl setzte – ohne von dessen Existenz zu wissen. Der Ball rollte gerade eben auf der richtigen Seite, und Ballester schloss mit Birdie ab. Nach einem schwachen Monat mit verpassten Cuts und einem letzten Platz beim LIV-Event in seiner spanischen Heimat war es eine Rückkehr in die Spur zur rechten Zeit. „So funktioniert dieses Spiel manchmal einfach", sagte er. (Quelle: Golf Channel)
Matthew Southgate ist 37 Jahre alt und spielt in Birkdale seine siebte Open Championship. Sein bestes Ergebnis dort: ein gemeinsamer sechster Platz im Jahr 2017, als Jordan Spieth das Claret Jug holte. Nach seiner Qualifikation in Royal Cinque Ports ließ er sich zu keiner langen Rede hinreißen. Er sagte nur: „Bis bald in Birkdale." (Quelle: Golf Channel)
Matthew Baldwin aus England wird in Southport praktisch ein Heimspiel erleben. Der Dundonald-Qualifier hatte bereits Opens in Hoylake und Lytham gespielt – nun also die Rückkehr in die Nordwest-Ecke Englands, diesmal vor der eigenen Familie. Baldwin sagte: „Ich werde emotional, wenn ich nur daran denke. Es wird unglaublich sein." (Quelle: AP)
Auf der LIV-Seite war der Tag gemischt: Mit Caleb Surratt, Peter Uihlein und Josele Ballester qualifizierten sich drei LIV-Profis, während Garcia, Marc Leishman, Anirban Lahiri und Thomas Detry den Sprung nicht schafften.
Eine historische Premiere gab es auch abseits der Fairways: Erstmals in der Geschichte des Turniers streamte der R&A das Final Qualifying live auf seinem YouTube-Kanal und sendete zusätzlich eine Radioübertragung – beide Plattformen starteten um 16:30 Uhr britischer Zeit.
Nach dem Final Qualifying stehen 134 Spieler im Feld von Royal Birkdale. Bis zur Endzahl von 156 Teilnehmern fehlen noch einige Plätze, die auf zwei Wegen vergeben werden: Beim Genesis Scottish Open in der Woche vor der Open erhalten die drei besten nicht bereits qualifizierten Spieler, die den Cut überstehen, einen Startplatz. Neu in diesem Jahr ist außerdem ein sogenannter Last-Chance Qualifier des R&A in der Woche der Open Championship selbst.
Royal Birkdale öffnet am 16. Juli seine Tore – zum elften Mal als Open-Gastgeber. Zum letzten Mal war das Turnier 2017 hier zu Gast, als Jordan Spieth unter dramatischen Umständen das Claret Jug gewann. Wir werden ausführlich von Royal Birkdale berichten.
01 Jul 2026
Sergio Garcia hat die Qualifikation für die Open Championship 2026 verpasst. (Foto: Imago / Steve Flynn)