


Kurz vor dem Memorial in diesem Monat suchte Adam Scott Jack Nicklaus für ein gemeinsames Foto. „Hundert“, sagte Scott zu Nicklaus, „das fühlt sich an wie eine Ewigkeit. Und du hast noch 46 mehr! Ich glaube nicht, dass ich das schaffe.“ Nicklaus lachte, als er die Anekdote später erzählte — und würdigte dann die Langlebigkeit des Australiers.
Bei der 126. US Open in Shinnecock Hills bestreitet der 45-Jährige sein 100. Major-Turnier in Folge. Damit erreicht erst der zweite Spieler der Golfgeschichte diese Marke — vor ihm gelang das nur Nicklaus, der von 1962 bis 1998 in 146 Majors nacheinander antrat. Unter den aktiven Profis folgt Jordan Spieth mit deutlichem Abstand — und ist damit noch rund zwölf Jahre von Scotts Wert entfernt.
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Scotts Serie startete drei Tage nach seinem 21. Geburtstag bei der Open Championship 2001 in Royal Lytham & St Annes, wo er als 47, abschnitt. Seither hat er kein einziges Major ausgelassen. Die einzige Lücke wäre die Open Championship 2020 gewesen — die aber fiel, wie der gesamte Spielbetrieb jener Wochen, der Pandemie zum Opfer.
Als seine Serie begann, hatte Apple gerade den ersten iPod vorgestellt und Tiger Woods hielt alle vier Major-Trophäen gleichzeitig. Es ist eine Zeitspanne, die die Dimension der Leistung greifbar macht.
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Scott ist in diesen 100 Starts nicht bloß mitgelaufen. Er sammelte 20 Top-10-Platzierungen, darunter siebenmal einen Rang unter den besten drei und den Major-Sieg seines Lebens: das Masters 2013. Auch zuletzt war er nah dran. Bei der Open Championship 2024 wurde er T10, und bei der US Open 2025 in Oakmont ging er nur einen Schlag hinter der Führung in den Schlusstag.
Seine Bilanz nach Turnier:
Dass die Serie hielt, war nicht immer selbstverständlich. Vor der US Open 2008 in Torrey Pines klemmte sich Scott die rechte Hand in einer Autotür ein, spielte verletzt — und wurde geteilter 26. 2018 musste er sich über die Qualifikation ins US-Open-Feld kämpfen.
Am knappsten wurde es 2024: Als 61. der Weltrangliste verpasste Scott die automatische Qualifikation über die Top 60, scheiterte im Final-Qualifying-Playoff und war nur erster Nachrücker. Ins Feld rückte er erst, nachdem die USGA den einen Monat zuvor verstorbenen Grayson Murray aus den Top 60 strich.
Dazu kommt der Kontext der Qualifikation: Außerhalb des Masters, für das ihn der Sieg 2013 dauerhaft startberechtigt, hat Scott keine feste Freistellung. Er muss sich Woche für Woche über die Weltrangliste (meist Top 50 bis 60) in die übrigen drei Majors spielen. Die LIV-Abgänge zahlreicher Spieler haben ihm diesen Weg erleichtert. Aktuell steht er auf Rang 49 der Welt, im Vormonat war er bis auf Platz 43 vorgerückt.
Während Scott seine Beständigkeit eher herunterspielt, zollten ihm die Kollegen Respekt.
„Es ist absolut unglaublich. Einfach 100 Majors in einer Karriere zu spielen, ist schon eine großartige Leistung — aber 100 in Folge … ich denke nur an das Niveau, das man dafür halten muss, und keine Verletzungen.“ — Rory McIlroy, dessen eigene Serie bei 43 steht
„Gesund zu bleiben, ist riesig. Aber wie wäre es damit, dass er seit 25 Jahren richtig gut ist? Das ist extrem beeindruckend. Es ist verrückt. Ich finde, das verdient mehr Anerkennung, als er bekommt.“ — Justin Thomas
Scott selbst bleibt nüchtern: „Ein Teil von mir möchte noch nicht der Typ sein, der nur all diese Dinge hat, die nichts mit Siegen zu tun haben. Ich würde lieber etwas gewinnen — lasst uns einen US-Open-Sieg feiern statt nur die Teilnahme.“ Den Erfolg führt er auch auf Glück und gutes Umfeld zurück: „Ich hatte generell großartige Beratung im physischen und im Trainingsbereich, die mich gesund und nahezu verletzungsfrei gehalten hat.“
Die Marke dürfte weiter wachsen. Die Open Championship im kommenden Monat wäre Scotts 101. Major in Folge und seine 26. Open-Teilnahme nacheinander — qualifiziert über Platz fünf bei der Crown Australian Open in Royal Melbourne im Dezember. Das Masters 2027 ist ihm durch den Sieg 2013 sicher und brächte die Serie auf mindestens 102.
Nicklaus' Rekord von 146 würde Scott rechnerisch erst beim Masters 2038 einholen — ein Szenario, an dem er nach eigenem Bekunden kein Interesse hat. Unabhängig vom Abschneiden in Shinnecock verschiebt die Serie ohnehin den Blick auf Scotts späte Karriere: weg vom einzelnen Ergebnis, hin zu einer Konstanz, die im Profigolf selten geworden ist.
18 Jun 2026
Adam Scott startet bei der US Open 2026 in sein 100. Golf-Major in Folge. (Foto: Imago / NurPhoto)