


Die Tür zur PGA Tour ist für ehemalige LIV-Golfer nicht vollständig geschlossen. Einen roten Teppich will die US-Tour nach aktuellem Stand aber ebenfalls nicht ausrollen. PGA-Tour-CEO Brian Rolapp stellte am 15. September klar, dass es kein neues Returning Member Program wie bei Brooks Koepkas Rückkehr Anfang 2026 geben soll.
Die Aussage kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Zukunft von LIV Golf ungewisser ist denn je. Die von Saudi-Arabiens Public Investment Fund finanzierte Liga hat ein Chapter-11-Insolvenzverfahren eingeleitet. Ob LIV in veränderter Form fortbesteht, wie viele Spieler an Bord bleiben und was mit ihren Verträgen geschieht, ist noch nicht geklärt.
Für die betroffenen Profis bedeutet das: Die Unsicherheit bei LIV schafft nicht automatisch einen Weg zurück zur PGA Tour. Wer künftig wieder auf der US-Tour spielen möchte, muss sich grundsätzlich an den bestehenden Regeln und den neuen Zugangskriterien orientieren.
Brooks Koepka hatte Anfang 2026 die Möglichkeit erhalten, vorzeitig zur PGA Tour zurückzukehren. Das dafür geschaffene Returning Member Program war auch Jon Rahm, Bryson DeChambeau und Cameron Smith angeboten worden. Koepka nahm die Möglichkeit an; die anderen drei Spieler entschieden sich dagegen.
Das Programm war mit erheblichen Einschränkungen verbunden. Nach den vorliegenden Berichten musste Koepka unter anderem fünf Millionen US-Dollar an eine wohltätige Organisation zahlen. Außerdem war er für fünf Jahre von bestimmten Beteiligungen und Zugangsrechten ausgeschlossen. An den lukrativen Signature Events konnte er nur teilnehmen, wenn er sich sportlich dafür qualifizierte.
Ein vergleichbares Angebot soll es künftig nicht erneut geben. Rolapp sagte in der virtuellen Pressekonferenz: „Nach aktuellem Stand ziehen wir kein Returning Member Program wie jenes in Betracht, das es im Januar gab.“ Damit ist eine wichtige Unterscheidung verbunden: Die PGA Tour schließt derzeit einen beschleunigten Sonderweg aus – nicht zwangsläufig jeden regulären Zugang. Ein ehemaliger LIV-Spieler kann also möglicherweise zurückkehren, erhält dafür aber nach aktuellem Stand keine eigens geschaffene Abkürzung.
Lesen Sie hier alle Fakten zur konkreten Planung der PGA Tour 2028.
Rolapp begründete die Haltung der PGA Tour mit drei Grundsätzen: Leistung, Regeln und Verantwortlichkeit. Jeder Spieler müsse sich seinen Platz verdienen; die Regeln der Mitgliederorganisation müssten für alle gelten; Verstöße müssten Konsequenzen haben „Die PGA Tour basiert auf Meritokratie. Jeder Spieler – unabhängig davon, ob er Mitglied ist oder Mitglied werden möchte – muss sich seinen Platz verdienen.“
Die Aussage ist zunächst die Position der PGA Tour und keine unabhängige Bewertung des neuen Systems. Sie zeigt aber, mit welcher Argumentation die Tour die Rückkehrfrage behandelt: Nicht der Name eines Spielers oder sein früherer Status soll entscheidend sein, sondern ein Weg, der sich aus den Regeln und sportlichen Leistungen ableitet.
Rolapp betonte zugleich, dass sich das Future Competition Committee bei der Reform nicht gezielt mit einzelnen LIV-Spielern beschäftigt habe. Das Gremium habe vielmehr ein möglichst starkes Wettbewerbsmodell für die Zukunft entwickeln wollen.
Der wahrscheinlich wichtigste reguläre Weg zurück führt über die DP World Tour. Die PGA Tour und die europäische Tour verhandeln derzeit über die Zukunft ihrer Strategic Alliance. Bisher erhielten die besten Spieler der Race to Dubai Zugang zur PGA Tour. Ob und in welcher Form diese Regel in das neue Zwei-Serien-Modell übertragen wird, ist allerdings noch offen.
Fest steht bisher nur: Die PGA Tour will weiterhin eine Zugangsmöglichkeit für starke Spieler der DP World Tour vorsehen. Rolapp sagte, er sehe kein Szenario, in dem europäische Spitzenspieler künftig überhaupt keine Plätze erhalten würden. Die Zahl der Karten und die Ebene, auf der diese Spieler einsteigen, stehen jedoch noch nicht fest: „Wir haben noch nicht festgelegt, wie viele Karten der DP World Tour künftig zur Verfügung stehen werden. Das wird derzeit verhandelt. Ich sehe kein Szenario, in dem es überhaupt keine Plätze in der Championship Series gibt.“
Für ehemalige LIV-Spieler ist diese Frage besonders wichtig. Ein Zugang zur Challenger Series wäre zwar ein Weg in das neue PGA-Tour-System, aber noch kein Platz in der Eliteebene. Rory McIlroy hält einen solchen Einstieg für wenig attraktiv: „Ich sehe keinen Grund, warum ein Spieler der DP World Tour in die Challenger Series wechseln sollte. Ich sehe darin keinen Aufstieg in seiner Karriere, sondern eher einen Schritt zur Seite.“
Seine Aussage macht den sportpolitischen Konflikt deutlich. Die PGA Tour möchte die Challenger Series als ernsthafte Aufstiegsplattform etablieren. Für etablierte Spitzenspieler der DP World Tour wäre ein Einstieg dort aber nur dann interessant, wenn er realistisch zur Championship Series führen kann.
Patrick Reed gilt als einer der Spieler, die über die europäische Tour zurückkehren könnten. Er führt derzeit das Race to Dubai an und ist seit mehr als einem Jahr nicht mehr bei einem LIV-Turnier angetreten. Auch Eugenio Chacarra und Bernd Wiesberger sind ehemalige LIV-Spieler, die sich in der europäischen Rangliste in eine günstige Position gebracht haben.
Ob daraus tatsächlich PGA-Tour-Mitgliedschaften entstehen, hängt jedoch von zwei offenen Faktoren ab: der endgültigen Vereinbarung zwischen PGA Tour und DP World Tour sowie dem Zeitpunkt, zu dem die jeweiligen Spieler die geltenden Voraussetzungen erfüllen. Die Beispiele zeigen deshalb einen möglichen Weg – keine bereits gesicherte Qualifikation.

Die Q-School bleibt Bestandteil des neuen PGA-Tour-Systems. Sie soll künftig vor allem Zugang zur Challenger Series eröffnen. Im dauerhaft geplanten Modell erhalten die fünf besten Spieler der Qualifying School einen entsprechenden Status. Für die Übergangssaison 2028 sollen die besten zehn Spieler der Final Stage aus dem Jahr 2027 in die Challenger Series gelangen.
Für ehemalige LIV-Spieler ist die Q-School deshalb grundsätzlich interessant, aber kein eigens geschaffener Rückkehrweg. Sie müssten zunächst die geltenden Teilnahmebedingungen erfüllen und sich anschließend sportlich qualifizieren.
Dazu gehört auch die Frage möglicher Sperren. Spieler, die seit 2022 an LIV-Turnieren teilnahmen, wurden von der PGA Tour wegen des Verstoßes gegen die Regeln zu nicht genehmigten Turnieren suspendiert. Nach den beschriebenen Bestimmungen läuft eine solche Sperre grundsätzlich ein Jahr seit dem letzten Auftritt in einem nicht genehmigten Turnier. Ob diese Frist im konkreten Fall abgelaufen ist und welche weiteren Bedingungen gelten, muss für jeden Spieler einzeln geprüft werden.
Entscheidend ist außerdem, wohin der Weg über die Q-School führt: zunächst in die Challenger Series, nicht automatisch in die Championship Series. Dort müssten sich ehemalige LIV-Spieler über die Saisonwertung, Siege oder andere festgelegte Qualifikationswege nach oben arbeiten.
Ein Major-Sieg kann grundsätzlich einen direkten Zugang zur Championship Series ermöglichen. Die neuen Regeln sehen vor, dass auch ein Nichtmitglied durch den Gewinn eines Majors Mitgliedschaft in der höchsten Ebene erhalten kann. Die Punkte zählen für diesen Spieler allerdings erst ab dem Zeitpunkt, an dem der neue Status erworben wurde.
Für ehemalige LIV-Spieler ist dieser Weg mit einer entscheidenden Einschränkung verbunden: Sie müssen zunächst für das jeweilige Major startberechtigt sein. Die vier Majors legen ihre eigenen Teilnahmebedingungen fest. Eine frühere PGA-Tour-Mitgliedschaft oder ein LIV-Vertrag garantiert daher nicht automatisch den Start bei jedem Major.
Ein Major-Sieg ist somit ein sportlicher Zugang zur PGA Tour, aber kein verlässlicher Rückkehrplan. Für Spieler mit noch gültigen Major-Ausnahmen kann er dennoch eine wichtige Rolle spielen. Wie lange diese Ausnahmen jeweils gelten, hängt vom gewonnenen Turnier und dem individuellen Status des Spielers ab.
Eine weitere mögliche Tür ist die einmalige Career-Money-List-Ausnahme für die Übergangssaison 2028. Sie richtet sich an Spieler mit herausragenden PGA-Tour-Karrieren und soll unter bestimmten Bedingungen einen einmaligen Status für die Championship Series ermöglichen.
Die veröffentlichte Übergangsregel knüpft diese Möglichkeit unter anderem an:
Wichtig ist vor allem ein weiterer Punkt: Die Regel spricht von Mitgliedern beziehungsweise Spielern mit dem entsprechenden Status. Eine hohe Platzierung auf der Career Money List allein ist daher kein sicherer Rückfahrtschein für ehemalige LIV-Spieler. Das gilt auch für prominente Namen wie Dustin Johnson oder Jon Rahm. Ihre Karriereeinnahmen können relevant sein, ersetzen aber nicht automatisch die weiteren Voraussetzungen.
Sollte ein ehemaliger LIV-Spieler einen Status in der Challenger Series erhalten, eröffnet das neue System einen weiteren, wenn auch langen Weg nach oben.
Die besten 20 Spieler der Challenger-Series-Punkteliste steigen in der folgenden Saison in die Championship Series auf. Wer während einer Saison zweimal auf der Challenger Series gewinnt, kann sogar bereits innerhalb der laufenden Spielzeit aufsteigen. Drei weitere Plätze werden über die Last-Chance-Serie vergeben, die aus mindestens vier Herbstturnieren bestehen soll.
Für die Last-Chance-Serie müssen Spieler bereits Challenger-Series-Status für die folgende Saison besitzen. Zudem ist die Teilnahme an allen Turnieren der Serie vorgeschrieben. Für einen ehemaligen LIV-Spieler wäre dieser Weg sportlich eindeutig, aber keineswegs einfach: Zunächst müsste er Zugang zur Challenger Series erhalten, anschließend dort konstant punkten oder mehrfach gewinnen.
Die Challenger Series ist damit eher eine langfristige Rückkehrplattform als eine schnelle Lösung für Spieler, die bereits zur Weltspitze gehört haben.
Jon Rahm, Bryson DeChambeau und Cameron Smith sind die prominentesten Namen in der Rückkehrdebatte. Alle drei sind Major-Sieger und gehörten vor ihrem Wechsel zur LIV Golf League zu den prägenden Spielern der PGA Tour.
Ihre bisherigen Erfolge verschaffen ihnen jedoch keinen automatischen Zugang zum neuen Modell. Das frühere Returning Member Program stand ihnen offen, wurde aber nicht angenommen. Ein vergleichbares Programm ist aktuell nicht vorgesehen. Für sie werden daher vor allem die DP World Tour, bestehende Major-Teilnahmeberechtigungen und die allgemeine Entwicklung der LIV-Verträge entscheidend sein.
Rahm äußerte sich bei der BMW PGA Championship zurückhaltend zu seiner Zukunft: „Es ist ein langer juristischer Prozess, den sie erst durchlaufen müssen, bevor sich viele Dinge klären.“ Der Satz beschreibt die Lage präzise. Die Spieler können ihre nächsten Schritte möglicherweise erst planen, wenn das Insolvenzverfahren und die vertraglichen Fragen bei LIV weiter geklärt sind.
Patrick Reed nimmt eine Sonderrolle ein, weil er bereits seit mehr als einem Jahr nicht mehr bei LIV antritt. Bei ihm könnte die DP World Tour deshalb ein konkreterer Weg sein. Dustin Johnson wiederum liegt weit oben in der Career Money List, muss aber ebenfalls die Voraussetzungen für eine entsprechende Ausnahme erfüllen. Bei keinem dieser Spieler sollte derzeit von einer sicheren Rückkehr gesprochen werden.
Das Insolvenzverfahren erhöht den Druck auf alle Beteiligten. Die Spieler müssen mit einer unklaren Vertragslage umgehen, während die PGA Tour entscheiden muss, wie sie mit möglichen Rückkehrern und den Folgen der LIV-Jahre verfährt.
Aus der Insolvenz folgt jedoch nicht automatisch eine neue Mitgliedschaft. Auch ein Ende der LIV Golf League würde die bisherigen PGA-Tour-Regeln nicht ohne Weiteres außer Kraft setzen. Sperrfristen, Mitgliedschaftsbedingungen und sportliche Qualifikationswege bleiben eigenständige Fragen.
Hinzu kommt die sportpolitische Dimension. Die PGA Tour will ehemalige Mitglieder nicht pauschal von jeder Zukunft ausschließen, aber sie möchte auch nicht den Eindruck erwecken, ein Wechsel zu LIV könne später ohne Konsequenzen rückgängig gemacht werden. Rolapp verwies deshalb neben der Meritokratie ausdrücklich auf Regeln sowie auf Verantwortlichkeit und Disziplin.
Für die Rückkehr ehemaliger LIV-Spieler könnte am Ende weniger die Frage entscheidend sein, ob die PGA Tour eine Sonderregel beschließt. Im Mittelpunkt steht vielmehr, wie die neue Partnerschaft mit der DP World Tour ausgestaltet wird.
Drei Varianten sind denkbar:
Keine dieser Varianten ist bisher beschlossen. Sicher ist nur, dass die PGA Tour die europäische Tour in ihre Zukunftsplanung einbezieht und die Gespräche über die Strategic Alliance fortsetzt.
Vor einer verlässlichen Bewertung der Rückkehrchancen müssen mehrere Fragen beantwortet werden:
Diese Fragen machen deutlich, warum eine endgültige Liste der „Rückkehrer“ derzeit nicht seriös wäre. Die Zugangskriterien der PGA Tour sind zwar veröffentlicht, aber ihre Verbindung mit dem internationalen Toursystem und der rechtlichen Zukunft von LIV ist noch nicht abgeschlossen.
Die aktuelle Lage lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Die PGA Tour plant keinen neuen Sonderweg für LIV-Spieler, schließt reguläre Rückkehrmöglichkeiten aber nicht grundsätzlich aus.
Für einige Spieler könnte die DP World Tour zur wichtigsten Zwischenstation werden. Andere müssten sich über die allgemeinen Qualifikationswege, einen Major-Sieg oder die Challenger Series zurückarbeiten. Die Career-Money-List-Regel kann für einzelne verdiente Profis relevant sein, ist aber kein automatischer Anspruch allein aufgrund früherer Erfolge.
Die Folgen der LIV-Jahre werden damit nicht einfach gelöscht. Wer die PGA Tour verlassen hat, muss sich den Weg zurück nach aktuellem Stand erneut erschließen – über Regeln, sportliche Leistung und möglicherweise über die europäische Tour.
16 Sep 2026
Bryson DeChambeau und weitere LIV-Golf-Stars werden nicht direkt auf die PGA Tour zurückkehren können. (Foto: Imago / Icon Sportswire)