


Mehr als 40 Prozent aller Schläge einer Golfrunde werden mit einem einzigen Schläger ausgeführt. Der Par-Standard geht von zwei Putts pro Loch aus – das sind 36 Schläge allein auf dem Grün, bevor überhaupt ein einziger Fehlputt eingerechnet ist. Kein Driver, kein Eisen, kein Wedge wird auf einer Runde auch nur annähernd so häufig eingesetzt. Und trotzdem ist der Putter der am wenigsten verstandene Schläger im Bag.
Dieser Artikel erklärt, was ein Putter ist, wie er funktioniert, welche Typen es gibt – und warum die richtige Wahl des Putters einen direkten Einfluss auf Ihre Scorekarte hat.
Ein Putter ist ein Golfschläger, der speziell für Schläge auf dem Grün entwickelt wurde. Anders als Driver, Eisen oder Wedges hat der Putter nicht die Aufgabe, den Ball in die Luft zu befördern – er soll den Ball kontrolliert über die Grasoberfläche rollen lassen, möglichst präzise in Richtung des Lochs.
Dieser Vorgang wird im Golf als Putten bezeichnet. Das Ergebnis eines erfolgreichen Putts ist der Ball im Loch – oder zumindest so nah daran, dass der nächste Putt zur Formsache wird.
Der Putter ist der einzige Schläger im Bag, der nahezu ausschließlich auf kurzen Distanzen eingesetzt wird. Eine Ausnahme kennt die Golfersprache beim Begriff Texas Wedge: Wird der Putter nicht vom Grün, sondern vom Vorgrün oder sogar vom Fairway eingesetzt, spricht man von einem Texas Wedge – eine Technik, die besonders auf trockenen, festen Plätzen sinnvoll sein kann.
Laut offiziellem Regelwerk dürfen bis zu 14 Schläger in das Golfbag – der Putter ist in nahezu jedem Bag dabei, denn er ist mit Abstand der am häufigsten gespielte Schläger.
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Putter gibt es in einer enormen Vielfalt an Formen und Designs – aber alle lassen sich auf vier grundlegende Kopfformen zurückführen. Die Wahl der richtigen Kopfform ist eine der wichtigsten Entscheidungen beim Putter-Kauf.
Blade-Putter sind die älteste und traditionellste Kopfform im Golfsport. Ihr Design ist schlank, kompakt und klar – ein schmaler Kopf, oft mit etwas mehr Gewicht an der Zehenpartie (Toe-Hang-gewichtet). Blade-Putter bieten erfahrenen Golferinnen und Golfern ein direktes Schlagbild und feines Distanzgefühl – fordern aber eine präzisere Technik als größere Modelle.
Ein Meilenstein in der Entwicklung des Blade-Putters war der Ping Anser, der in den 1960er Jahren von Ping-Gründer Karsten Solheim entwickelt wurde. Er revolutionierte die Putter-Technologie durch Perimeter Weighting (Randgewichtung), ein Offset-Hosel und einen niedrigeren Schwerpunkt – Prinzipien, die noch heute in modernen Puttern wirken.
Blade-Putter eignen sich besonders für Golferinnen und Golfer mit einem bogenförmigen Stroke (Arc), bei dem die Schlägerface während des Schwungs natürlich öffnet und schließt.

Der Half-Mallet verbindet die Vorzüge beider Welten: kompakter als ein Mallet, stabiler als ein Blade. Durch den etwas größeren Kopf steht mehr Platz für eine optimierte Gewichtsverteilung zur Verfügung, was das Massenträgheitsmoment (MOI) gegenüber dem Blade erhöht. Half-Mallet-Putter sind sowohl mit Toe-Hang als auch Face-Balanced erhältlich und damit für verschiedene Stroke-Typen geeignet.
Wer mit einem Blade-Putter nicht ganz zurechtkommt, aber den großen Kopf eines Mallets als zu dominant empfindet, findet im Half-Mallet häufig den passenden Kompromiss.
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Mallet-Putter haben einen großen, breiten Kopf – oft mit einem charakteristischen offenen Rahmen oder Flügeldesign hinter dem Schlägerblatt. Das Bauprinzip dahinter ist physikalisch klar: Wird Masse gezielt weit außen im Kopf platziert, steigt das Massenträgheitsmoment (MOI). Ein hoher MOI stabilisiert den Putterkopf beim Treffmoment – auch dann, wenn der Ball nicht exakt aus der Mitte getroffen wird, bleibt das Rollverhalten deutlich konsistenter als bei einem Blade.
Mallet-Putter bieten zudem mehr Platz für Ausrichtungshilfen auf der Oberseite, was vielen Golferinnen und Golfern die Ausrichtung auf die Ziellinie erleichtert. Sie sind meist Face-Balanced und eignen sich daher besonders für einen geraden Stroke.
Die bekannteste Mallet-Familie ist der TaylorMade Spider Putter – seit über 15 Jahren einer der meistgespielten Putter auf der PGA Tour.
Viele Mallet-Putter sind mit einem Face Insert ausgestattet: einem eingefügten Element aus Polymer, Urethan oder Aluminium, das das Schlagbild weicher und die Ballgeschwindigkeit über die gesamte Fläche konsistenter macht. Mehr dazu im Abschnitt Schlagflächen-Technologien weiter unten.
High-MOI-Putter treiben das Konzept der Randgewichtung auf die Spitze. Ihre oft unkonventionellen, nahezu futuristisch wirkenden Formen dienen einem einzigen Zweck: das Massenträgheitsmoment maximal zu erhöhen und Verdrehungen beim Treffmoment praktisch auszuschalten. Diese Kategorie überschneidet sich stark mit der Zero-Torque-Technologie – alles Wissenswerte dazu finden Sie in unserem Zero-Torque-Putter-Artikel.
Viele Golferinnen und Golfer gehen davon aus, dass der Ball beim Putten sofort rollt. Tatsächlich durchläuft er drei klar unterscheidbare Phasen:
Diese drei Phasen erklären, warum der Loft des Putters kein Konstruktionsfehler ist, sondern eine physikalische Notwendigkeit. Ein Putter ohne Loft würde den Ball direkt ins Gras drücken und einen unkontrollierten Start erzeugen.
Warum Kippen des Putterkopfes schadet: Wer den Putterkopf beim Treffmoment nach oben kippt, erhöht den effektiven Loft – der Ball bekommt ungewollten Backspin, fliegt zu weit und rutscht zu lange, bevor er rollt. Die Folge: schlechtere Richtungskontrolle und ungleichmäßige Distanzen.
Die richtige Position im Treffmoment: Der Schaft sollte im Treffmoment leicht nach vorne geneigt sein (1–2 Grad), der Putterkopf dabei leicht nach oben bewegt werden. So bleibt der effektive Loft kontrolliert und der Ball startet in eine frühere, sauberere Rollbewegung.
Der Griff als Stabilisator: Der Griff eines Putters ist vorne flach und hinten breiter – das ist kein zufälliges Design. Die flache Vorderseite sorgt dafür, dass sich die Hände von außen anlegen, die Unterarme leicht gegeneinander drehen und die Handgelenke automatisch stabilisiert werden. Der Griff erzwingt eine ruhigere, kontrollierte Bewegung – ganz ohne bewusstes Zutun.

Der Hosel – die Verbindung zwischen Schaft und Schlägerkopf – ist einer der wichtigsten, aber am häufigsten übersehenen Parameter bei der Putterwahl. Die Hosel-Geometrie bestimmt, wo der Schaft in den Schlägerkopf eintritt, und hat direkten Einfluss auf den Toe-Hang sowie die optimale Puttbewegung.
Wie messe ich den Toe-Hang selbst? Balancieren Sie den Putter-Schaft waagerecht auf einem Finger. Zeigt die Schlagfläche nach oben – der Putter ist Face-Balanced. Kippt die Schlägerspitze (Toe) nach unten – das ist Toe-Hang. Je stärker das Abkippen, desto mehr Arc-Unterstützung bietet der Putter.
Die Wahl zwischen Face-Balanced und Toe-Hang ist keine Frage des Geschmacks, sondern des Stroke-Typs. Es gibt grundsätzlich zwei Schwungmuster beim Putten:
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Scotty Cameron beschreibt dieses Prinzip als Toe-Flow: das fließende Öffnen und Schließen der Schlägerspitze auf dem Schwungbogen, bei dem die Schlagfläche stets neutral (square) zum Schwungpfad bleibt. Ein Putter, der zur natürlichen Bewegung passt, muss nicht aktiv kontrolliert werden – er läuft von allein.
Selbsttest: Schlagen Sie einige Putts aus sieben Metern auf gerader Strecke und beobachten Sie, womit Ihnen die gerade Ausführung leichter fällt – mit einem Face-Balanced Modell oder mit einem Putter mit mehr Toe-Hang. Die Antwort zeigt Ihnen Ihren natürlichen Stroke-Typ.
Wer sich nicht sicher ist, sollte ein professionelles Putter-Fitting in Betracht ziehen – moderne Systeme wie SAM PuttLab oder Hochgeschwindigkeitskameras analysieren Ihren Stroke präzise und liefern eine datenbasierte Empfehlung.
Die Standardlänge für Herren-Putter liegt bei 33–34 Zoll, für Damen bei 33 Zoll. Die richtige Länge ist jedoch keine Frage der Konfektionsgröße, sondern der Körperhaltung: Ein zu langer Putter zwingt in eine zu aufrechte Position, die Augen sind zu weit innen von der Ziellinie. Ein zu kurzer Putter führt zu einer gebeugten, angespannten Haltung, die Augen wandern zu weit nach außen.
Als Richtwert gilt: Die Augen sollten beim Anvisieren 2,5 bis 5 cm innen von der Ziellinie positioniert sein – das ermöglicht eine optimale Wahrnehmung der Putt-Linie und eine kontrollierte Bewegungsausführung.
Der Standard-Loft eines Putters liegt bei 3 bis 4 Grad – Scotty Cameron empfiehlt 3,5 Grad als idealen Ausgangspunkt. Dieser scheinbar geringe Neigungswinkel ist entscheidend: Er hebt den Ball aus der kleinen Einsenkung, die durch sein Eigengewicht im Gras entsteht, und initiiert eine saubere Rollbewegung.
Zu viel Loft (durch Kippen des Putterkopfs) erzeugt Backspin – der Ball springt und gleitet statt zu rollen. Zu wenig Loft drückt den Ball ins Gras. Der richtige Loft ist ein präziser Mittelweg.
Der Lie-Winkel eines Putters beträgt standardmäßig rund 70 Grad. Er beschreibt den Winkel zwischen Schaft und Sohle und beeinflusst direkt die Handposition im Ansprechmoment. Ein falscher Lie-Winkel führt dazu, dass entweder die Ferse oder die Zehenpartie des Putterkopfs angehoben ist – beides verändert die Schlagflächenausrichtung und beeinträchtigt die Genauigkeit.
Alle drei Parameter lassen sich im Rahmen eines professionellen Putter-Fittings präzise bestimmen und anpassen.
Das muss man wissen: Lernen Sie hier die wichtigsten Golfregeln kennen.
Armlock-Putter sind länger als Standard-Putter und werden mit dem Griff gegen den Unterarm gepresst – nicht am Körper verankert. Diese Technik ist nach den aktuellen Golfregeln vollständig regelkonform. Bekannte Nutzer sind Will Zalatoris und Bryson DeChambeau. Armlock-Putter haben mehr Loft als Standard-Modelle, damit die Schaftvorlage beim Anlegen ausgeglichen wird.
Belly-Putter wurden am Bauchnabel stabilisiert und boten dadurch eine ruhigere, pendelartige Bewegung. Diese Technik ist seit 2016 verboten – Regel 10.1b der USGA und des R&A untersagt das Ankern eines Schlägers am Körper während des Schlags.
Broomstick-Putter sind deutlich länger als Standard-Putter. Das Ankern an Brust oder Kinn ist ebenfalls seit 2016 verboten. Der Schläger selbst ist jedoch nach wie vor erlaubt – solange er nicht am Körper verankert wird. Diese Grauzone sorgt bis heute für Diskussionen, etwa im Fall von Bernhard Langer auf der Champions Tour.
Wichtig: Die Regel G-10 der USGA/R&A begrenzt die maximale Schlägerlänge auf 46 Zoll – diese Regel gilt jedoch ausdrücklich nicht für Putter. Broomstick-Putter mit 48–52 Zoll sind daher weiterhin regelkonform verwendbar, sofern kein Ankern stattfindet.

Selbststehende Putter haben durch ihren schweren, tiefliegenden Schwerpunkt die Eigenschaft, aufrecht stehen zu bleiben. Seit 1. Januar 2025 ist die vorgesehene Nutzung dieser Eigenschaft verboten: Wer den Putter abstellt, loslässt und sich zur Ausrichtung nutzt, verstößt gegen Regel 10.2b/3. Der Schläger darf weiterhin verwendet werden – solange er nicht losgelassen wird.
Die Schlagfläche des Putters – ob gefräster Stahl oder Insert – hat direkten Einfluss auf Schlaggefühl, Ballgeschwindigkeit und Rollverhalten:
Was ist ein Putter beim Golf?
Ein Putter ist ein Golfschläger, der speziell für Schläge auf dem Grün entwickelt wurde. Er hat einen sehr geringen Loft (3–4°) und soll den Ball kontrolliert über das Gras rollen lassen – nicht fliegen.
Was ist ein Mallet-Putter?
Ein Mallet-Putter hat einen großen, breiten Kopf mit viel Gewicht an den Rändern. Das erhöht das Massenträgheitsmoment (MOI) und macht den Putter stabiler bei Off-Center-Treffern. Er ist meist Face-Balanced und eignet sich besonders für einen geraden Stroke.
Was bedeutet „putten"?
Putten bezeichnet das Spielen mit dem Putter – also das kontrollierte Rollen des Balls über das Grün in Richtung des Lochs.
Was ist ein Lag Putt?
Ein Lag Putt ist ein langer Putt, bei dem das primäre Ziel nicht das Einlochen, sondern das möglichst genaue Annähern des Balls an das Loch ist – um einen einfachen zweiten Putt zu ermöglichen.
Was ist ein Texas Wedge?
Als Texas Wedge bezeichnet man den Einsatz des Putters vom Vorgrün oder Fairway – also außerhalb des Grüns. Diese Technik eignet sich besonders bei trockenem, festem Untergrund oder niedrigem Gras.
Was bedeutet Face-Balanced?
Face-Balanced bedeutet, dass die Schlagfläche beim waagerechten Balancieren des Schafts nach oben zeigt. Dies ist ein Zeichen, dass der Schwerpunkt des Putters direkt in der Verlängerung des Schafts liegt – ideal für einen geraden Stroke.
Wie lang sollte ein Putter sein?
Standard-Putter für Herren haben eine Länge von 33–34 Zoll, für Damen 33 Zoll. Die optimale Länge hängt von Körpergröße, Haltung und Armlänge ab – am genauesten lässt sie sich im Rahmen eines Putter-Fittings bestimmen.
Sind Broomstick-Putter verboten?
Der Schläger selbst ist nicht verboten. Verboten ist seit 2016 das Ankern des Putters am Körper (Regel 10.1b). Broomstick-Putter dürfen weiterhin eingesetzt werden, solange der obere Teil des Schlägers nicht gegen Brust oder Kinn gedrückt wird.
04 Aug 2026
Der Putter wird im Golfsport vor allem zum Einlochen des Balles verwendet. (Foto: Adobe Stock)