


Die Qualifikation für das US-Ryder-Cup-Team wird 2027 grundlegend anders funktionieren. Die PGA of America setzt auf ein Punktesystem, das ausschließlich Ergebnisse aus dem Kalenderjahr des Ryder Cups berücksichtigt. Frühere Erfolge, die nach dem bisherigen Modell noch in die Wertung eingeflossen wären, spielen damit keine Rolle mehr.
Die ersten Punkte werden beim Turnier The American Express im Januar 2027 auf der PGA Tour vergeben. Die Qualifikation endet mit der BMW Championship im August. Insgesamt werden 31 Turniere berücksichtigt. Anschließend stehen sechs Spieler über die Punkteliste fest; sechs weitere Plätze vergibt Kapitän Jim Furyk per Captain’s Pick.
Der deutlichste Einschnitt betrifft den Zeitraum der Wertung. Für die US-Auswahl zum Ryder Cup 2027 zählen ausschließlich Turniere, die im Jahr 2027 stattfinden. Punkte aus den Majors oder aus The Players Championship 2026 werden nicht übertragen.
Damit reagiert die PGA of America auf eine Schwäche des bisherigen Systems: Spieler konnten sich mit starken Leistungen im Vorjahr einen Vorsprung verschaffen, selbst wenn ihre Form im Ryder-Cup-Jahr nachließ. Das neue Verfahren soll dagegen stärker abbilden, wer zwischen Januar und August 2027 tatsächlich auf hohem Niveau spielt.
Betroffen sind unter anderem Cameron Young und Wyndham Clark. Young gewann 2026 The Players Championship, Clark die U.S. Open. Nach den bisherigen Regeln hätten diese Erfolge für die Ryder-Cup-Qualifikation eine Rolle spielen können. Im neuen System beginnen beide – wie alle anderen US-Spieler – ohne Punkte aus der Saison 2026.
So wurde Jim Furyk zum Kapitän der USA für den Ryder Cup 2027.
Auch bei der Berechnung der Punkte gibt es einen grundlegenden Wechsel. Bislang orientierte sich die US-Qualifikation am offiziellen Preisgeld. Das wurde zunehmend problematisch, weil sich die finanziellen Rahmenbedingungen auf der PGA Tour stark auseinanderentwickelt haben.
Die acht Signature Events sind mit besonders hohen Preisgeldern und starken Teilnehmerfeldern ausgestattet. Ihre Preisgeldsummen können mehr als 20 Millionen US-Dollar erreichen, während reguläre Turniere deutlich niedriger dotiert sind. Eine Rangliste, die direkt auf dem verdienten Geld basiert, bevorzugt dadurch automatisch die lukrativsten Wettbewerbe.
Jim Furyk hatte die Problematik bereits im Mai angesprochen. „Uns ist bewusst, dass wir ein Problem haben. Derzeit basiert alles auf Geld. Die Preisgeldstrukturen sind völlig aus dem Gleichgewicht geraten“, sagte der US-Kapitän laut Golfweek bei der PGA Championship. Statt des Preisgeldes gilt künftig eine feste Punkteskala. Sie ordnet die verschiedenen Turnierkategorien nach ihrer Bedeutung ein und schafft eine einheitliche Grundlage für die Rangliste.
Die größten Punktgewinne gibt es bei den vier Major Championships. Ein Sieg beim Masters, bei der PGA Championship, bei der U.S. Open oder bei der Open Championship bringt 3.000 Punkte. Damit liegt ein Major-Sieg über dem Erfolg bei allen anderen Turnieren.
The Players Championship wird mit 2.850 Punkten für den Sieger bewertet. Die Sieger der Signature Events und der beiden Playoff-Turniere FedEx St. Jude Championship und BMW Championship erhalten jeweils 2.250 Punkte. Bei einem regulären Full-Field-Event gibt es 1.500 Punkte für den Turniersieg.
Die Siegerpunktzahl ist dabei nur der Höchstwert. Auch andere Spieler erhalten Punkte, sofern sie den Cut schaffen und das Turnier beenden. Die genaue Zahl richtet sich nach der Platzierung und sinkt entsprechend der festgelegten Verteilung.
Zu den gewerteten Signature Events gehören unter anderem das AT&T Pebble Beach Pro-Am, The Genesis Invitational, das Arnold Palmer Invitational, das Memorial Tournament und die Travelers Championship. Nicht berücksichtigt werden dagegen Opposite-Field-Events, die parallel zu höher eingestuften Turnieren stattfinden. Eine Sonderregel gilt für die Zurich Classic of New Orleans. Bei dem Teamturnier können nur Mannschaften Punkte sammeln, deren beide Spieler für das US-Ryder-Cup-Team spielberechtigt sind.
Am Ende der BMW Championship erhalten die sechs bestplatzierten spielberechtigten US-Spieler der Punkteliste ein automatisches Ticket für das Team. Danach bleibt Jim Furyk ein erheblicher Entscheidungsspielraum: Der Kapitän darf sechs weitere Spieler auswählen. Diese Captain’s Picks sollen in der Woche ab dem 30. August 2027 nach der Tour Championship bekannt gegeben werden.
Das Verhältnis von sechs automatischen Qualifikationen und sechs Picks ist nicht neu. Es gilt für das US-Team seit dem Ryder Cup 2021. Neu ist vor allem, wie die sechs automatischen Plätze ermittelt werden.
Eine gute Platzierung in der Punkteliste bedeutet allerdings nicht automatisch die Teilnahme. Die Spieler müssen zusätzlich alle geltenden Eligibility-Anforderungen erfüllen, so zum Beispiel eine Mindestanzahl an Turnieren spielen.
Sportlich verschiebt sich das Gewicht damit deutlich in Richtung Gegenwart. Ein Spieler, der bei einem Major im Frühjahr 2027 gewinnt oder bei mehreren hochrangigen Turnieren konstant weit vorne landet, kann sich einen entscheidenden Vorsprung erarbeiten. Gleichzeitig reicht ein großer Erfolg aus dem Vorjahr nicht mehr aus, um die Ausgangslage zu verbessern.
Das neue Verfahren belohnt somit vor allem zwei Eigenschaften: Leistung bei den höchstbewerteten Turnieren und Konstanz über den gesamten Qualifikationszeitraum. Da die Punktesammlung bereits im Januar beginnt und nach der BMW Championship endet, wird auch ein guter Saisonstart wichtig sein.
Für Spieler aus dem LIV-Golf-Umfeld dürfte der Weg über die Punkteliste schwieriger werden. LIV-Turniere gehören nicht zu den 31 Veranstaltungen, bei denen Ryder-Cup-Punkte vergeben werden. Entscheidend ist jedoch nicht die Zugehörigkeit zu einer Tour allein, sondern ob ein Spieler an den gewerteten Turnieren teilnehmen darf und die offiziellen Teilnahmebedingungen erfüllt. Eine automatische Sperre lässt sich aus dem neuen Punktesystem daher nicht ableiten.
Das US-System ähnelt in einigen Grundzügen der europäischen Auswahl. Auch Europa setzt auf eine Punkteliste und sechs Captain’s Picks. Der Zeitraum ist jedoch nicht identisch: Die europäische Qualifikation berücksichtigt bereits Turniere aus dem späten Jahr 2026, während die US-Wertung erst mit der Saison 2027 beginnt.
Die amerikanische Auswahl fällt damit konzentrierter aus. Für die zwölf Plätze zählt entweder die Leistung in den 31 gewerteten Turnieren des Ryder-Cup-Jahres oder die Einschätzung des Kapitäns.
Furyk begründet die Reform mit dem Ziel, die sportlich stärkste US-Auswahl zu finden. „Ich habe intensiv mit unserem Team an diesem Prozess gearbeitet und freue mich, ein neues Qualifikationssystem für das US-Ryder-Cup-Team 2027 umzusetzen. Wir verfügen über eine außergewöhnliche Mischung aus erfahrenen Spielern und aufstrebenden Talenten. Dieses System wird uns dabei helfen, im September 2027 die stärksten Spieler zu identifizieren“, sagte Furyk in einer Mitteilung der PGA of America.
Für den Kapitän ist die Aufgabe auch deshalb besonders anspruchsvoll, weil die USA eine lange Auswärtsserie beenden wollen. Der Ryder Cup 2027 findet vom 17. bis 19. September im irischen Adare Manor statt. Seit 1993 hat das US-Team nicht mehr auf europäischem Boden gewonnen. Europa entschied zudem die vergangenen beiden Austragungen für sich.
Die neue Qualifikation schafft deshalb frühzeitig eine klare sportliche Dramaturgie: Ab Januar 2027 zählt jeder relevante Auftritt, bis nach der BMW Championship die ersten sechs Plätze vergeben sind. Danach beginnt Furyks Teil der Auswahl. Ob das neue System tatsächlich die stärkste Mannschaft hervorbringt, wird sich allerdings erst auf dem Platz zeigen.
10 Sep 2026
Jim Furyk, hier als Assitent Captain beim Ryder Cup 2025, hat die Qualifikationskriterien für das Kontinentalduell 2027 neu definiert. (Foto: Imago / Shutterstock)