


Jim Furyk wird das amerikanische Ryder-Cup-Team erneut in den Kampf gegen Europa führen. Die PGA of America bestätigte am 24. April 2026, dass der 55-jährige Pennsylvanier die USA beim 46. Ryder Cup im irischen Adare Manor anführen wird – neun Jahre nachdem er denselben Job schon einmal hatte und dabei eine der schmerzhaftesten Niederlagen der amerikanischen Ryder-Cup-Geschichte erlebte. Es ist eine Entscheidung, die nicht ohne Kontroversen ist – und eine, die vor allem deshalb zustande kam, weil der eigentliche Wunschkandidat sich selbst aus dem Rennen nahm.
Eigentlich sollte es Tiger Woods werden. Die PGA of America hatte monatelang hinter den Kulissen mit dem 15-fachen Major-Champion über die Kapitänschaft verhandelt und ihm bis Ende März 2026 Zeit gegeben, eine Entscheidung zu treffen. Woods galt als der mit Abstand prominenteste Kandidat – ein Name, der allein schon Strahlkraft in jeden Teamraum gebracht hätte.
Dann, am 27. März 2026, passierte das, was niemand kommen sah: Woods wurde in Florida unter dem Verdacht des Fahrens unter Alkohol- oder Drogeneinfluss verhaftet, sein SUV kippte dabei auf die Seite. Nur wenige Tage später erklärte der einstige Weltranglistenerste, er ziehe sich aus dem Golfsport zurück, um sich auf seine Gesundheit zu konzentrieren. Die Kapitänschaft war damit vom Tisch.
Die PGA of America aktivierte ihren Backup-Plan. Laut der Nachrichtenagentur Associated Press, die Furyks Nominierung noch vor der offiziellen Bestätigung meldete, hatten drei mit dem Auswahlprozess vertraute Personen bestätigt, dass der Ryder-Cup-Ausschuss sich nach Woods' Absage für Furyk entschied. Am Abend des 24. April 2026 machte die PGA of America es offiziell.
Jim Furyk ist kein glamouröser Name. Kein Spieler, der die Massen elektrisiert. Aber er ist, in vielerlei Hinsicht, der Inbegriff amerikanischer Ryder-Cup-Kontinuität.
Der gebürtige Pennsylvanier spielte neun aufeinanderfolgende Ryder Cups zwischen 1997 und 2014 – nur einer in der US-Geschichte hat öfter teilgenommen. In 34 Matches sammelte er 12 Punkte bei einer persönlichen Bilanz von 10 Siegen, 20 Niederlagen und 4 Unentschieden. Für acht seiner neun Teilnahmen qualifizierte er sich automatisch über die Weltrangliste – ein stiller Beleg für seine jahrelange Weltklasse im Schatten von Tiger Woods' Dominanz.
Als Spieler war sein Stil stets unorthodox: ein Schwung, der Lehrbücher ignoriert, aber funktioniert. Dasselbe gilt für seine Karriere. 17 Siege auf der PGA Tour, darunter die US Open 2003 in Olympia Fields. Dazu eine Besonderheit, die ihn in die Golf-Geschichtsbücher eingetragen hat: Als einziger Spieler der PGA-Tour-Geschichte schoss er 2016 beim Travelers Championship eine Runde mit 58 Schlägen.
Seit seinem Debüt 1997 war Furyk bei jedem einzelnen Ryder Cup der vergangenen drei Jahrzehnte dabei – als Spieler, als Vice-Captain (2016, 2021, 2023, 2025) und nun zum zweiten Mal als Kapitän. Er wird damit der neunte Amerikaner überhaupt und erst der vierte in der modernen Ära seit 1979, dem ein zweites Kapitänsmandat anvertraut wird.
Wer Furyks Kandidatur beurteilen will, kommt an Le Golf National nicht vorbei. Die Ryder-Cup-Ausgabe 2018 außerhalb von Paris endete für die Amerikaner mit einem 10,5–17,5-Debakel – die drittgrößte Niederlage der US-Geschichte in diesem Wettbewerb.
Dabei hatte der Start noch Hoffnung geweckt: Die Amerikaner gewannen drei der vier Vormittags-Fourball-Matches am ersten Tag und führten 3–1. Doch dann folgte Europas erste vollständige Session-Dominanz in der Ryder-Cup-Geschichte: Im Nachmittags-Foursomes-Format gewann Europa alle vier Matches. Was folgte, war ein schleichendes Auseinanderfallen. Europa führte nach Tag zwei mit 10–6, und obwohl die USA im abschließenden Einzel kurzzeitig auf einen Punkt herankamen, sicherte Europa mit vier aufeinanderfolgenden Siegen den Titel.
Besonders schmerzhaft: Furyks vier Captain's Picks – Tiger Woods, Phil Mickelson, Bryson DeChambeau und Tony Finau – erzielten zusammen gerade einmal 2 Punkte aus 12 Matches. Woods verlor alle vier seiner Partien. Hinter den Kulissen brodelte es: Patrick Reed kritisierte Furyk öffentlich für Aufstellungsentscheidungen, und laut Medienberichten kam es im Teamraum zu einem Konflikt zwischen Brooks Koepka und Dustin Johnson.
Doch Furyks Geschichte endet nicht in Paris. Als Kapitän der US-Mannschaft beim Presidents Cup 2024 in Montreal führte er sein Team zu einem klaren 18,5–11,5-Sieg gegen die Internationals – und das, nachdem seine Mannschaft im zweiten Tag einen Foursomes-Sweep der Gegenseite wegstecken musste und am dritten Tag sechs von acht Matches gewann.
Furyk selbst zieht die Lehren aus seinen Erfahrungen bewusst. Gegenüber Golfweek sagte er nach dem Sieg: „Ich glaube, ich war dieses Mal deutlich besser vorbereitet als 2018. Die Erfahrung von damals und das Wissen, dass ich einige Dinge hätte besser machen können, haben mir wirklich geholfen."

Was Furyks Aufgabe so außergewöhnlich schwierig macht, ist nicht nur der Gegner – es ist der Ort. Die Amerikaner haben seit 1993 keinen Ryder Cup auf europäischem Boden gewonnen. Damals führte Tom Watson sein Team zu einem 15–13-Erfolg in The Belfry. Seitdem: sieben Auswärtsniederlagen in Folge.
Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache:
Insgesamt hat Europa seit 1995 elf von fünfzehn Ryder-Cup-Begegnungen gewonnen – und die letzten drei in Folge, darunter 2025 in Bethpage Black, wo Keegan Bradley das Heimrecht hatte und trotzdem mit 13–15 verlor.
Auf der anderen Seite des Tisches sitzt Luke Donald – zum dritten Mal in Folge als europäischer Kapitän bestätigt. Der Engländer gilt als einer der taktisch versiertesten Kapitäne in der Geschichte des Wettbewerbs. Sollte er 2027 erneut gewinnen, wäre er der erste Kapitän überhaupt, der drei aufeinanderfolgende Ryder Cups für sich entscheidet.
Die offizielle Reaktion der PGA of America fiel erwartungsgemäß enthusiastisch aus. Nathan Charnes, Vizepräsident der Organisation, erklärte in der offiziellen Mitteilung des Verbandes: „Jim Furyk ist seit fast drei Jahrzehnten eine prägende Persönlichkeit im Teamraum der Vereinigten Staaten. Er ist eine vertrauenswürdige, weithin respektierte Führungspersönlichkeit und verfügt über einen reichen Erfahrungsschatz beim Ryder Cup."
Furyk selbst gab sich in seinem Statement kämpferisch und dankbar zugleich: „Die Möglichkeit, das US-Ryder-Cup-Team ein zweites Mal zu kapitänieren, ist eine außerordentliche Ehre. Meine Leidenschaft für den Ryder Cup und meine Hingabe an das US-Team waren nie stärker. Ich bin entschlossen, unsere Spieler in die bestmögliche Position zu bringen, damit wir den Cup auf europäischem Boden zurückgewinnen können."
Kritischer fiel die Einschätzung von BBC-Sport-Korrespondent Iain Carter aus, der Furyks Ernennung als „erfahren, aber wenig inspirierend" bezeichnete und ergänzte: „Bezeichnenderweise war er noch nie an einem Auswärtssieg beteiligt." Carter verwies zudem darauf, dass die PGA of America mit ihrer Wahl Kandidaten wie Stewart Cink, Webb Simpson oder Justin Leonard übergangen habe.
Furyks Aufgabe ist klar definiert – und historisch: Er soll die USA zu ihrem ersten Auswärtssieg seit über drei Jahrzehnten führen. Dafür braucht er vor allem drei Dinge.
Erstens eine kluge Teamchemie. 2018 bewies Paris, dass individuelle Klasse allein nicht ausreicht, wenn der Zusammenhalt im Teamraum fehlt. Zweitens bessere Captain's-Pick-Entscheidungen – der schmerzhafteste Teil seines ersten Kapitänsamts. Und drittens: eine Antwort auf Luke Donald, der mit drei Jahren Vorbereitung und dem Rückenwind von zwei aufeinanderfolgenden Titeln nach Irland kommt.
Furyks stärkstes Argument ist seine eigene Lernkurve. Kein amerikanischer Kapitän kennt den Ryder Cup besser aus allen Perspektiven – als Spieler, Assistent und Chef. Ob das 2027 auf irischem Boden reicht, wird sich zeigen.
Der Ryder Cup 2027 findet vom 13. bis 19. September in Adare Manor, County Limerick, Irland statt.
27 Apr 2026
Jim Furyk wird nach 2018 zum zweiten Mal Kapitän des US-Teams beim Ryder Cup. (Foto: Imago / UPI Photo)