


Die Golfwelt steht vor einer neuen Zerreißprobe. Mit der Einführung des „Returning Member Program“ hat die PGA Tour versucht, die verlorenen Söhne von LIV Golf zurückzuholen. Doch während Schwergewicht Brooks Koepka seine PGA Tour Rückkehr bereits offiziell gemacht hat, prallt die Charme-Offensive bei anderen Superstars ab. Ein Blick auf eine gespaltene Sportart, in der Loyalität, Geld und sportliche Heimat neu verhandelt werden.
Es war die Nachricht, die das ohnehin fragile Gleichgewicht im Profigolf erneut erschütterte: Brooks Koepka, fünffacher Major-Sieger und eines der prominentesten Gesichter von LIV Golf, kehrt der jungen Konkurrenzserie den Rücken. Ab Ende Januar wird er bei der Farmers Insurance Open wieder offiziell als Mitglied der PGA Tour aufteen.
Doch die Rückkehr in den Schoß der US-Tour ist kein kostenloser Gnadenakt. Um wieder spielberechtigt zu sein, akzeptierte Koepka drakonische Bedingungen. Neben einer Zahlung von 5 Millionen US-Dollar für wohltätige Zwecke verzichtet er für die nächsten fünf Jahre auf Anteile am lukrativen Equity-Programm der Tour sowie auf Bonusgelder aus dem FedEx-Cup für das Jahr 2026. Es ist ein hoher Preis für die PGA Tour Rückkehr – ein Preis, den Koepka offenbar bereit ist zu zahlen, um sich wieder dauerhaft mit der Weltspitze zu messen.
Hinter dem Wechsel steht das neu geschaffene „Returning Member Program“. Die Verantwortlichen der PGA Tour haben damit ein Nadelöhr geschaffen, das nur für einen extrem exklusiven Kreis gedacht ist: Spieler, die zwischen 2022 und 2025 ein Major oder die Players Championship gewonnen haben.
Die Botschaft der Tour ist dabei so klar wie kompromisslos: Es handelt sich um ein einmaliges Angebot. Wer die Frist bis zum 2. Februar 2026 verstreichen lässt, steht vor verschlossenen Türen. Brian Rolapp, CEO der PGA Tour, betonte unmissverständlich, dass dieses Fenster keinen Präzedenzfall schaffe und es keine Garantie gebe, dass dieser Pfad zur PGA Tour Rückkehr jemals wieder geöffnet werde.
Trotz des verlockenden (wenn auch teuren) Angebots erntete die Tour bei den anderen drei Kandidaten – Bryson DeChambeau, Jon Rahm und Cameron Smith – eine Absage. Während einer Pressekonferenz von LIV Golf in Florida machten die Stars deutlich, dass sie ihre Zukunft weiterhin in der Team-Liga sehen.
Besonders deutlich positionierte sich der Australier Cameron Smith. Er verwies auf seine Lebensqualität und die Bedeutung der Events in seiner Heimat: „Ich habe meine Entscheidung getroffen, hierher zu kommen, und dazu stehe ich. Ich habe mein Bett gemacht und werde darin schlafen. Ich bin glücklich, wo ich bin“, so Smith gegenüber Golf Digest.
Auch der amtierende LIV-Champion Jon Rahm erteilte den Spekulationen eine Absage: „Ich habe nicht vor, irgendwohin zu gehen. Ich wünsche Brooks das Beste. Was mich betrifft, konzentriere ich mich dieses Jahr auf die Liga und mein Team.“
Interessant bleibt die Personalie Bryson DeChambeau. Er gab sich offiziell pflichtbewusst, ließ aber durchblicken, dass seine Entscheidung vor allem an seinen noch bis Ende 2026 laufenden Vertrag gekoppelt ist. „Ich bin bis 2026 unter Vertrag, also freue ich mich auf dieses Jahr“, erklärte DeChambeau.
In den sozialen Medien befeuerte er die Gerüchteküche zusätzlich, indem er seine Follower mit einem Bild vor einem Notausgang fragte: „Was würdet ihr tun?“. Branchenkenner vermuten dahinter ein geschicktes Kalkül: DeChambeau weiß um seinen Wert für LIV Golf – insbesondere durch seine enorme Reichweite auf YouTube. Gerüchte über Nachverhandlungen im Bereich von einer halben Milliarde Dollar stehen laut eines Berichts des englischen Telegraph im Raum. Für ihn könnte die theoretische Option einer PGA Tour Rückkehr vor allem ein Hebel sein, um seinen Marktwert bei den saudischen Geldgebern in astronomische Höhen zu treiben.
Abseits der großen Major-Sieger gibt es eine weitere Personalie: Pat Perez. Der 49-Jährige, der bei LIV sportlich zuletzt kaum noch eine Rolle spielte, wurde auf eigenen Wunsch wieder als Mitglied der PGA Tour aufgenommen.
Perez ist jedoch ein mahnendes Beispiel dafür, dass nicht jeder Rückkehrer mit offenen Armen empfangen wird. Da er nicht unter das privilegierte Programm für Major-Sieger fällt, unterliegt er regulären Disziplinarstrafen. Er ist zwar wieder Mitglied, darf aber vorerst an keinem Turnier teilnehmen. Sein eigentliches Ziel dürfte ohnehin die PGA Tour Champions sein. Sobald er im März 50 Jahre alt wird, könnte er dort über seine Karrieregewinne startberechtigt sein – sofern die Tour seine Sperre rechtzeitig aufhebt.
Die Golfwelt bleibt ein gespaltenes Haus. Die PGA Tour hat mit dem neuen Programm zwar Flexibilität bewiesen und mit Koepka einen ihrer verloren gegangenen Stars zurückgewonnen, doch der große „Exodus“ von LIV Golf zurück zur Traditions-Tour ist ausgeblieben. Bis zum 2. Februar bleibt die Tür einen Spalt weit offen. Danach wird sich zeigen, ob die Gräben zwischen den Touren tiefer sind als je zuvor – oder ob die PGA Tour Rückkehr von Koepka lediglich der erste Dominostein war, der eine verzögerte Kettenreaktion ausgelöst hat.
14 Jan 2026
Jon Rahm (links) und Brooks Koepka verzichten vorerst auf eine Rückkehr zur PGA Tour und bleiben bei LIV Golf. (Foto: Imago / Icon Sportswire)