


Aldrich Potgieter schlug den Ball weiter als jeder Spieler vor ihm, Scottie Scheffler verdiente mehr Geld als jeder PGA-Tour-Spieler in einer Saison zuvor. Doch die Statistiken der Saison 2026 erzählen mehr als eine Geschichte über extreme Schlagweite und hohe Preisgelder. Sie zeigen vor allem, dass am Ende nicht die einzelne spektakuläre Stärke entscheidet, sondern das Zusammenspiel aus Länge, Präzision, Annäherungsspiel, Putten und Konstanz.
Die 330-Yard-Marke galt in der Driving-Distance-Statistik der PGA Tour lange als unerreicht. 2026 fiel diese Grenze gleich doppelt: Aldrich Potgieter führte die Wertung mit durchschnittlich 331,1 Yards an, Rory McIlroy folgte mit 330,3 Yards.
Damit waren erstmals zwei Spieler in derselben Saison im Schnitt mehr als 330 Yards weit. Potgieter übertraf zugleich seinen eigenen Bestwert aus dem Vorjahr um 6,1 Yards. Gegenüber Bryson DeChambeaus bisherigem Rekord von 323,7 Yards aus dem Jahr 2021 lag der Südafrikaner 7,4 Yards vorn.
Die Entwicklung wird besonders deutlich, wenn man einige historische Meilensteine betrachtet:
Als John Daly 1997 erstmals den Durchschnitt von 300 Yards übertraf, war das eine historische Ausnahme. Knapp drei Jahrzehnte später liegen zwei Spieler über 330 Yards. Seit Beginn der offiziellen Aufzeichnungen 1980 hat sich die Bestmarke damit um 56,8 Yards erhöht.
Wichtig ist dabei: Die PGA Tour misst nicht den längsten einzelnen Abschlag, sondern den Durchschnitt gemessener Drives. Pro Runde werden die Abschläge an zwei ausgewählten Löchern erfasst. Die Löcher sollen möglichst in entgegengesetzte Richtungen verlaufen, damit der Windeinfluss ausgeglichen wird. Gemessen wird bis zu dem Punkt, an dem der Ball zur Ruhe kommt – unabhängig davon, ob er im Fairway liegt.
Die Zahlen von Aldrich Potgieter machen zugleich deutlich, warum Driving Distance und die Qualität eines Abschlags nicht dasselbe sind. Der 21-Jährige schlug weiter als alle anderen, traf aber nur 51,83 Prozent der Fairways. In der Driving Accuracy belegte er damit Rang 147.
Zum Vergleich: Russell Henley führte die Fairwayquote mit 72,59 Prozent an. Zwischen dem längsten und dem präzisesten Spieler der Saison lagen also mehr als 20 Prozentpunkte.
Auch die Statistik Strokes Gained: Off the Tee relativiert Potgieters Rekord. Diese Kennzahl bewertet nicht nur, wie weit ein Ball fliegt. Sie berücksichtigt auch, wo er landet und welchen Vorteil oder Nachteil die Position für den nächsten Schlag bringt. Potgieter kam in dieser Kategorie auf Rang 16. McIlroy schlug den Ball zwar 0,8 Yards kürzer, war bei der Gesamtwirkung seiner Abschläge laut der vorliegenden Auswertung aber deutlich besser und landete in den Top Ten.
Das ist eine der wichtigsten Erkenntnisse der Saison: Ein weiter Abschlag ist nicht automatisch ein guter Abschlag. Die zusätzliche Länge wird erst dann zum echten Vorteil, wenn sie mit Kontrolle und einer günstigen Ausgangslage für den zweiten Schlag verbunden ist.
Während Potgieter und McIlroy die Distanzwertung prägten, war Scottie Scheffler der Maßstab für die Gesamtleistung. Der Weltranglistenerste gewann die Tour Championship in East Lake mit drei Schlägen Vorsprung und kam in der Saison auf drei Siege.
Noch außergewöhnlicher fällt sein Ergebnis beim Preisgeld aus. Scheffler nahm rund 30,94 Millionen US-Dollar mit nach Hause. Damit überschritt er als erster Spieler in der Geschichte der PGA Tour die Marke von 30 Millionen US-Dollar in einer Saison. Er lag mehr als doppelt so hoch wie Cameron Young, der mit rund 15,07 Millionen US-Dollar Zweiter wurde.
Die fünf Spitzenplätze der Preisgeldrangliste:
Neun Spieler verdienten mehr als zehn Millionen US-Dollar, 33 kamen auf mehr als fünf Millionen. Scheffler spielte jedoch nicht nur finanziell in einer eigenen Kategorie. Auch beim offiziellen, an die Platzschwierigkeit angepassten Scoring Average stand er an der Spitze.
Schefflers Vorsprung auf McIlroy betrug 0,723 Schläge pro Runde. Über vier Runden summiert sich das rechnerisch auf fast drei Schläge – ein deutlicher Abstand auf diesem Leistungsniveau.
Schefflers Saison war deshalb so stark, weil sie nicht von einer einzigen spektakulären Kategorie abhing. Seine Zahlen zeigen vielmehr, welchen Wert Konstanz auf der PGA Tour besitzt: niedrige Scores, regelmäßige Spitzenplatzierungen und die Fähigkeit, die entscheidenden Turniere zu gewinnen.
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Die Siegstatistik zeichnet ein etwas anderes Bild als die Preisgeld- und Scoring-Rangliste. Vier Spieler kamen 2026 auf jeweils drei Turniersiege: Matt Fitzpatrick, Scottie Scheffler, Wyndham Clark und Chris Gotterup. Cameron Young gewann zwei Turniere. 24 weitere Spieler trugen sich jeweils einmal in die Siegerliste ein.
Insgesamt weist die vorliegende Übersicht 29 unterschiedliche Sieger aus. Die Saison war damit keineswegs von einem einzigen Spieler bei den Turniersiegen beherrscht. Schefflers besondere Stellung entstand durch die Verbindung von Siegen und außergewöhnlicher Konstanz.
Auch einige andere Namen stechen hervor. Fitzpatrick gewann drei Turniere, belegte Rang drei beim Preisgeld und Rang vier im Scoring. Gotterup kam ebenfalls auf drei Siege und überschritt die Marke von zehn Millionen US-Dollar. Young gewann zweimal und wurde Zweiter in der Geldrangliste. McIlroy wiederum gewann nur ein Turnier, gehörte aber beim Scoring, bei der Distanz und beim Preisgeld jeweils zur Spitzengruppe.
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Die auffälligste Spezialstatistik ging an einen Spieler, der nicht zu den etablierten Superstars gehört. Jacob Bridgeman führte die Wertung Strokes Gained: Putting mit einem Plus von 0,693 Schlägen pro Runde an. Vereinfacht gesagt gewann er auf den Grüns im Schnitt fast sieben Zehntel eines Schlags gegenüber dem Feld – und das in jeder Runde.
Bridgeman war außerdem Erster in der Kategorie Total Putting. Bei Putts pro getroffenen Grün lag er auf Rang drei, bei Putts pro Runde auf Rang fünf. Auch bei der One-Putt-Quote und der Vermeidung von Drei-Putts gehörte er zu den besten Spielern.
Sein Putting war die Grundlage für eine bemerkenswerte Saison. Im Februar gewann Bridgeman das Genesis Invitational und setzte sich dabei unter anderem gegen Rory McIlroy durch. Nach Angaben der vorliegenden Quelle war es erst sein erster Sieg im 84. PGA-Tour-Start. In der FedEx-Cup-Wertung beendete er die Saison auf Rang vier.
Strokes Gained: Putting ist dabei aussagekräftiger als reine Zählstatistiken. Wer beispielsweise häufig lange Putts spielen muss, hat automatisch ein höheres Drei-Putt-Risiko. Das kann an schwächeren Annäherungen liegen und muss nicht zwingend ein reines Putting-Problem sein. Strokes Gained versucht, die Leistung auf dem Grün unabhängiger von den übrigen Schlägen zu bewerten.
Bridgemans Gesamtprofil zeigt aber auch, wo sein nächster Entwicklungsschritt liegt. Beim Strokes Gained: Off the Tee belegte er Rang 77, beim Strokes Gained: Approach Rang 50. Wenn er seine herausragende Leistung auf den Grüns mit besseren Abschlägen und Annäherungen verbindet, könnte aus dem Überraschungssieger ein regelmäßiger Titelkandidat werden.
Nicht nur die besten absoluten Werte sind interessant. Die Saison 2026 brachte auch bemerkenswerte Entwicklungen beim Putten.
Erik van Rooyen verbesserte sich bei Strokes Gained: Putting um 0,846 Schläge pro Runde. Über 36 Löcher entspricht das einem Vorteil von rund 1,7 Schlägen gegenüber seinem Vorjahresniveau, wie Golfweek ausgerechnet hat. Aus einer großen Schwäche wurde laut der Analyse eine elitäre Stärke. Für eine erfolgreiche Saison reichte das allein jedoch nicht: Van Rooyen verpasste 11 seiner 20 Cuts.
Bei Ryan Gerard fiel die Verbesserung mit besseren Gesamtergebnissen zusammen. Er steigerte sich um 0,67 Schläge pro Runde und kletterte in der Putting-Rangliste von Platz 154 auf Platz 27. Gerard schaffte 22 von 26 Cuts, wurde unter anderem beim Sony Open, der American Express und dem Memorial Tournament Zweiter und beendete die Tour Championship auf Rang drei. Sein Saisonverdienst lag bei mehr als zehn Millionen US-Dollar.
Gerards Saison illustriert damit besonders gut, wie eine Verbesserung in einer einzelnen Kategorie einen Durchbruch unterstützen kann – vorausgesetzt, sie kommt mit Stabilität im übrigen Spiel zusammen.
Die Saison 2026 hat die Power-Ära des modernen Golfsports eindrucksvoll bestätigt. 331,1 Yards von Aldrich Potgieter und 330,3 Yards von Rory McIlroy markieren eine neue Dimension. Die Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass die PGA Tour immer länger wird.
Gleichzeitig liefern die Zahlen ein wichtiges Gegengewicht zum reinen Weiten-Wettbewerb. Potgieters Rang bei der Fairwayquote zeigt, dass Länge ohne Kontrolle an Wirkung verliert. Jacob Bridgeman beweist, wie viel ein außergewöhnlicher Putter erreichen kann. Ryan Gerard zeigt, dass eine gezielte Verbesserung statistisch und sportlich den nächsten Schritt auslösen kann.
Der vollständigste Beleg ist Scottie Scheffler: drei Siege, der beste adjustierte Scoring Average und ein Saisonverdienst von rund 30,94 Millionen US-Dollar. Er war nicht in jeder Einzelstatistik die Nummer eins. Er war aber in den Bereichen stark, die sich über eine ganze Saison hinweg am deutlichsten auszahlen.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr allein, wer am weitesten schlägt. Sie lautet: Wer macht aus der Länge, der Präzision, dem Annäherungsspiel und dem Putten den größten gemeinsamen Vorteil? In dieser Disziplin war Scottie Scheffler 2026 der Maßstab.
06 Sep 2026
Aldrich Potgieter aus Südafrika schlug die längsten Drives in der PGA Tour Saison 2026. (Foto: Imago / Icon Sportsiwre)