


Royal Birkdale, 19. Juli 2026. Zwölf Fuß Gras zwischen einem Mann und der Ewigkeit. Ryan Fox stand über dem Ball, die Stille des Platzes drückte schwer auf seine Schultern – und ließ trotzdem los. Der Putt rollte, fiel, verschwand im Loch. Was folgte, war kein Jubel, sondern Staunen. Das eines Mannes, der 39 Jahre gebraucht hatte, um genau hier anzukommen.
Die Open Championship 2026 in Royal Birkdale war ein Major voller dramatischer Wendungen, historischer Zahlen und menschlicher Geschichten. Am Ende stand ein Name auf der Claret Jug, den vor vier Tagen kaum jemand auf dem Zettel hatte: Ryan Fox aus Neuseeland.
Hier finden Sie das finale Leaderboard der Open Championship 2026.
Wer die Karriere von Ryan Fox kennt, weiß: Er ist kein Unbekannter. Fünf Titel auf der DP World Tour, zuletzt Siege in Myrtle Beach und bei der RBC Canadian Open 2025 auf der PGA Tour – der Neuseeländer hatte auf den großen Bühnen des Welttours-Golfs längst seine Qualität bewiesen. Nur bei den Majors wollte es nie klappen. In 28 Starts hatte Fox noch keine einzige Top-10 verbucht. Mit 39 Jahren und Weltranglistenplatz 56 reiste er nach Southport – ohne den Anspruch eines Favoriten, aber mit der Ruhe eines Veteranen.
Was am dritten Turniertag geschah, lässt sich mit Zahlen kaum angemessen beschreiben. Fox spielte eine Runde von 62 Schlägen – acht unter Par – und stellte damit den Major-Rekord für die niedrigste 18-Loch-Runde ein. Es war die erste 62 überhaupt, die ein Spieler in der Open geschossen hat und anschließend den Titel geholt hat. Drei Spieler erreichten in dieser Woche diese Marke – Burns und Herbert am Freitag, Fox am Samstag –, doch nur einer davon sollte den Claret Jug in Händen halten.
Mit einem Sprung von Startposition T-85 nach Runde eins in die finale Paarung am Sonntag setzte Fox gleich zwei historische Marken: Kein Spieler war jemals weiter hinten auf dem Leaderboard nach dem ersten Spieltag und gewann danach die Open. Der bisherige Rekord stammte von Mark O'Meara – ausgerechnet ebenfalls in Royal Birkdale, 1998.
Der Finaltag hätte Fox aus der Spur bringen können. Als letzter Starter, neben dem Favoriten Burns, mit dem Druck einer ganzen Nation im Rücken – stattdessen spielte der Neuseeländer eine Runde, die von Kontrolle und Klasse geprägt war. Vier Birdies auf den letzten sechs Löchern, darunter das entscheidende auf der 18 – dem schwierigsten Loch der Woche mit einem Schlagschnitt von 4,345.
„Ich habe meinem Caddie Dean schon nach den ersten acht Löchern gesagt, dass ich mich viel besser fühle als erwartet", erzählte Fox nach dem Sieg. Die Nervenstärke kam nicht von ungefähr. Jahrelange Erfahrung, Siege in unterschiedlichen Formaten, das Wissen um die eigene Stärke – all das zahlte sich im entscheidenden Moment aus. Den letzten Putt beschrieb Fox so: „Meine Hände zitterten. Ich habe tief durchgeatmet und einfach versucht, eine Linie zu spielen." Der Ball fand das Loch.
Lesen Sie hier alles zum Finale der Open Championship 2026 und dem Sieger, Ryan Fox.
Ryan Fox' Triumph in Royal Birkdale ist weit mehr als ein Sieg – es ist ein historisches Ereignis, das in den Annalen des Golfsports verewigt bleibt:
„Meinen Namen in der Geschichte des Golfsports verewigt zu sehen, bedeutet mir alles", sagte Fox – und wirkte dabei, als könne er es selbst noch nicht ganz glauben.
Wie viel Preisgeld gab es bei der Open Championship 2026? Hier erfahren Sie es.
Sieben Schläge Rückstand auf den Führenden, Startposition T-20 im Finalfeld: Für Cameron Young schien die Open Championship 2026 am Sonntagmorgen bereits Geschichte zu sein. Was der 31-jährige Amerikaner danach lieferte, gehörte zu den bemerkenswertesten Schlussrunden in der jüngeren Major-Geschichte.
Fünf aufeinanderfolgende Dreien auf den vorderen Neun, vier Birdies – Young spielte eine 29er-Runde nach außen und arbeitete sich Loch für Loch nach oben. Als er auf der 17 sein siebtes Birdie des Tages eintüdelte, lag er bei zehn unter Par – gleichauf mit Fox, der sich da noch auf dem Platz befand.
Loch 18 zeigte sich von seiner härtesten Seite. Youngs Drive fand den Fairway-Bunker; der anschließende Rettungsversuch blieb im Fescue liegen. Bogey. Das war die Entscheidung. Mit einer abschließenden 64 – der niedrigsten Runde des Tages – blieb Young ein Schlag hinter Fox und beendete das Turnier auf Rang zwei.
Es ist das zweite Mal, dass Young als Zweiter von der Open-Bühne geht: Bereits 2022 in St. Andrews musste er sich geschlagen geben. Als mentale Stütze für den nervenaufreibenden Finaltag hatte er sich einer ungewöhnlichen Methode bedient: „Ich habe heute Atemzüge gezählt. Ich musste einfach etwas haben, woran ich mich festhalten konnte." Eine Aussage, die zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Sieg und Niederlage auf diesem Niveau ist.
Als Sam Burns den Sonntag mit zehn unter Par und zwei Schlägen Vorsprung auf das Feld in Angriff nahm, sprach vieles für den dritten amerikanischen Open-Champion in Folge. Doch die Löcher 4 bis 6 schrieben eine andere Geschichte: Drei Bogeys in Folge, darunter ein unspielbar gelegter Ball nach einem Drive in den Graben auf der 6, raubten dem Texaner Rhythmus und Momentum. Ein weiteres Birdie gelang Burns nicht mehr. Rang drei mit 272 Schlägen (-8) ist sein bestes Open-Ergebnis in bislang sechs Starts – aber an diesem Tag musste es sich wie eine verpasste Chance anfühlen.
Wenige Geschichten dieser Woche berührten so sehr wie die von Tommy Fleetwood. Der Engländer ist in Southport aufgewachsen, Royal Birkdale kennt er seit Kindheitstagen. Als er am Sonntag über das 18. Grün lief und der Jubel der Zuschauer seine Heimkehr feierte, ließ sich selbst ein harter Wettbewerber kurz fallen.
Spielerisch lieferte Fleetwood eine der konstantesten Wochen im Feld: Als einziger Spieler beendete er alle vier Runden unter 70 – 69, 67, 69, 68. Damit egalisierte er den Rekord von Ernie Els für die meisten aufeinanderfolgenden Open-Runden unter 70 (sieben). Dass Bogeys auf den Löchern 9, 10 und 11 seinen Angriff auf den Titel abbrachen, schmälert die Leistung kaum. Platz vier (-7) und eine emotionale Erinnerung, die bleibt.
„Mein Traum, die Open zu gewinnen, geht weiter. Aber was diese Woche war – das werde ich nie vergessen", sagte Fleetwood auf dem 18. Grün.
Die Nummer eins der Welt spielte solide, brillante Momente eingeschlossen: Birdies auf den Löchern 16 und 17 brachten Scheffler am Finaltag noch einmal in Schlagdistanz. Doch auf der 18 rollte sein Chip am Loch vorbei – Bogey, Platz vier. „Es war einfach nicht meine Woche", sagte Scheffler nüchtern. Immerhin: 14 seiner 24 Open-Runden seit seinem Debüt 2021 beendete der Weltranglistenerste unter 70 – die Konsistenz auf diesem Niveau ist beeindruckend.
Die 154. Open Championship in Royal Birkdale war nicht nur sportlich außergewöhnlich – sie schrieb auch abseits des Leaderboards Geschichte:
Für unerwünschten Gesprächsstoff sorgte Bryson DeChambeau am zweiten Spieltag. Auf Loch 5 verbesserte er unbeabsichtigt den Schwungbereich im Rough – eine Regelverletzung, die mit zwei Strafschlägen geahndet wurde. Was folgte, war ungewöhnlich: DeChambeau verweigerte bis zum Ende der Woche jedes Medieninterview. Vier Tage Schweigen. Auf dem Leaderboard schloss er auf dem geteilten 14. Rang ab – ein Turnier, das er selbst am liebsten schnell hinter sich lassen dürfte.
Lesen Sie hier alles zum Eklat um Bryson DeChambeau bei der Open Championship 2026.
Die nächste Station des ältesten Majors der Welt ist zugleich die mythischste: Die 155. Open Championship 2027 findet in St. Andrews statt, auf dem Old Course, dem Ursprung des Golfsports. Ryan Fox wird dort als amtierender Champion antreten – ein Gedanke, der noch vor einer Woche kaum denkbar schien.
Für Cameron Young, der nun zweimal als Zweiter von der Open-Bühne gegangen ist, dürfte St. Andrews zur nächsten Mission werden. Tommy Fleetwood, der den Claret Jug mehr als jeden anderen Titel ersehnt, wird ebenfalls zurückkehren. Und Scottie Scheffler, die beste Nummer eins der Welt seit Jahren, wird einen weiteren Anlauf nehmen.
Die Open Championship 2026 wird als Turnier in Erinnerung bleiben, das fast alles hatte: einen Favoriten, der strauchelte, einen Außenseiter, der Geschichte schrieb, einen Verfolger, der alles gab und trotzdem verlor – und einen Gastgeber in Royal Birkdale, der mit 306.000 Zuschauern und einem dramatischen Abschlussloch seinem Ruf als einer der großen Links-Plätze der Welt einmal mehr gerecht wurde.
Ryan Fox hat in Southport nicht einfach ein Turnier gewonnen. Er hat bewiesen, dass im Golf kein Rückstand zu groß, kein Ranking zu niedrig und kein Alter zu fortgeschritten ist, um einen der ganz großen Träume zu verwirklichen. „Meinen Namen in der Geschichte des Golfsports verewigt zu sehen, bedeutet mir alles" – ein Satz, der auch für die Bücher bleibt.
20 Jul 2026
Ryan Fox aus Neuseeland war nicht der einzige, der bei der Open Championship 2026 Rekorde brach. (Foto: Imago / Aflosport)