


Die PGA Tour macht ihre Reform für die Saison 2028 konkreter. Nachdem sie im Juni das neue Zwei-Serien-Modell vorgestellt hatte, hat sie nun die wichtigsten Mitgliedschafts- und Zugangskriterien veröffentlicht. Damit steht fest, auf welchen Wegen Spieler künftig in die höchste Ebene gelangen, ihren Status behalten oder aus ihr absteigen können.
Das Grundprinzip ist einfach: Die Championship Series bildet die Spitze, die Challenger Series ist die Aufstiegsspur. Beide Serien laufen parallel, werden aber getrennt gewertet. Die Saison 2027 dient als Übergangsjahr und bestimmt zu großen Teilen, wer 2028 in welcher Serie startet.
Die PGA Tour begründet den neuen Regelrahmen mit einem stärkeren Leistungsprinzip. „Von Anfang an wollten wir die Meritokratie bewahren, die unseren Sport einzigartig macht, indem wir ein System schaffen, in dem Leistung über Chancen entscheidet“, sagte PGA-Tour-CEO Brian Rolapp. Das neue Modell solle herausragende Leistungen belohnen und in jeder Karrierephase einen klaren Weg nach oben bieten.
Die Championship Series ist die neue Eliteebene der PGA Tour. Sie soll im Durchschnitt Felder von etwa 120 Spielern umfassen. Zum Programm gehören The Players Championship, die vier Major Championships, nationale Teamwettbewerbe und weitere hochklassige Turniere. Der vollständige Kalender wird zu einem späteren Zeitpunkt bekanntgegeben.
Wer Mitglied der Championship Series ist, soll grundsätzlich bei allen regulären Turnieren dieser Serie startberechtigt sein. Eine Alternate List ist nicht vorgesehen. Auch Designated Exemptions – also vom Veranstalter oder der Tour vergebene Sonderplätze – soll es in dieser Ebene nicht geben. Die Majors und The Players können allerdings weiterhin eigene Teilnahmebedingungen anwenden.
Die Challenger Series ist nicht einfach eine kleinere Ausgabe der Championship Series. Sie soll zwei Aufgaben erfüllen: Sie bietet jungen Spielern einen Weg nach oben und dient etablierten Profis als Plattform, um nach einem Abstieg zurückzukehren.
Die Turniere sollen grundsätzlich mit Feldern von 144 Spielern ausgetragen werden. Die Zahl kann etwa wegen begrenzter Tageslichtzeiten reduziert werden. Anders als in der Championship Series soll es eine Alternate List geben. Außerdem sind bis zu zwei Designated Exemptions vorgesehen.
Geplant sind mindestens 20 Turniere pro Saison. Mehrere davon sollen in Wochen stattfinden, in denen die Championship Series pausiert. Die beiden Serien werden mit eigenen Punktelisten gewertet. Spieler der Championship Series dürfen nicht gleichzeitig an Turnieren der Challenger Series teilnehmen.
Das sportliche Zentrum der Reform ist ein echtes Auf- und Abstiegssystem. Die besten 90 Spieler der Championship-Series-Punkteliste behalten ihren Status für die nächste Saison. Wer diese Marke verpasst, verliert seinen Platz in der höchsten Ebene grundsätzlich – kann sich aber über weitere Wege noch retten. Aus der Challenger Series steigen die besten 20 Spieler der Saisonwertung auf. Sie erhalten für die folgende Saison Zugang zur Championship Series. Darüber hinaus soll es einen beschleunigten Weg geben: Wer während einer Saison zweimal auf der Challenger Series gewinnt, kann bereits innerhalb derselben Spielzeit aufsteigen.
Auch ein Major-Sieg kann einen unmittelbaren Zugang eröffnen. Die Teilnahmebedingungen für die einzelnen Majors legen weiterhin deren Veranstalter fest. Sollte ein Spieler ohne Championship-Series-Mitgliedschaft ein Major gewinnen, soll er anschließend in die höchste Ebene aufsteigen und dort Punkte sammeln können. Die neue Ordnung verändert damit die Bedeutung nahezu jedes Turniers. Ein Spieler kämpft nicht nur um Preisgeld und den Sieg, sondern auch um seinen Platz in der jeweiligen Serie. Für die Challenger-Spieler ist der Aufstieg klar definiert. Für die Spieler der Championship Series steht dagegen der Erhalt ihres Status auf dem Spiel.
Die Championship Series erhält eine einheitliche Punkteverteilung. Sie gilt für alle Turniere dieser Ebene, einschließlich The Players Championship und der vier Majors. Damit entfällt der bisherige Unterschied zwischen verschiedenen Turnierkategorien innerhalb der Saisonwertung.
Die vollständige Skala reicht bis Platz 65. Wer den Cut verpasst, erhält keine Punkte. Die Kurve ist im Vergleich zum bisherigen FedExCup-System flacher: Der Sieg bleibt besonders wertvoll, zugleich werden konstante Leistungen und das Überstehen des Cuts stärker berücksichtigt.
Ein wichtiger Sonderfall betrifft Nichtmitglieder. Wer als Nichtmitglied in einem Championship-Series-Turnier gut platziert ist, erhält zunächst keine Punkte. Ein Nichtmitglied, das ein Major gewinnt, erhält zwar die Mitgliedschaft, kann Punkte aber erst nach diesem Erfolg sammeln. Die Punkteverteilung der Challenger Series ist noch nicht endgültig festgelegt. Nach Angaben der PGA Tour soll sie beim Board Meeting am 16. November 2026 beschlossen werden.
Das neue Modell beginnt zwar erst 2028, für die Spieler beginnt die entscheidende Qualifikationsphase schon vorher. Die Saison 2027 ist als Übergangsjahr angelegt. Ihre Ergebnisse bestimmen, wer beim Start des Zwei-Serien-Modells in welcher Kategorie geführt wird.
Bereits erworbene Rechte werden dabei geschützt. Turniersieger, die bis zum Ende der Saison 2026 eine gültige Ausnahme erhalten haben, behalten diese für die ursprünglich vorgesehene Dauer (Major-Sieger sind beispielsweise für fünf Jahre auf der PGA Tour spielberechtigt). Auch Spieler, die 2026 unter die Top 30 des FedExCup kamen und dadurch einen zweijährigen Status erworben haben, sollen 2028 in der Championship Series antreten dürfen.
Für die erste Besetzung der Championship Series gibt es außerdem mehrere sportliche Wege:
Für die Challenger Series sind unter anderem die Plätze 96 bis 175 der FedExCup-Fall-Punkteliste, weitere Spieler der Korn Ferry Tour, Q-School-Qualifikanten und Nachwuchsspieler vorgesehen. Die Übergangsregelungen sind damit komplexer als das dauerhaft geplante Modell. Das liegt daran, dass die PGA Tour bestehende Ausnahmen, die aktuelle FedExCup-Struktur und die neuen Serien miteinander verbinden muss.
Auch die Dauer der Ausnahmen wird neu geordnet. Wer 2027 The Players, ein Major oder ein Signature Event gewinnt, erhält Championship-Series-Status bis einschließlich 2029. Sollte der Spieler später absteigen, bleibt ihm zusätzlich Challenger-Series-Status bis einschließlich 2031 erhalten.
Sieger regulärer Full-Field-Turniere erhalten für 2028 Championship-Series-Status. Für den Fall eines späteren Abstiegs ist Challenger-Series-Status bis einschließlich 2029 vorgesehen. Die Sieger von FedExCup-Fall- und Opposite-Field-Turnieren erhalten dagegen Challenger-Series-Status bis einschließlich 2029.
Ab 2028 gilt für die Championship Series grundsätzlich: Ein Sieg bringt Mitgliedschaft für die laufende Saison und die beiden folgenden Spielzeiten. Mehrere Siege in derselben Saison verlängern diesen Zeitraum nicht unbegrenzt. Damit wird die bisherige Logik, nach der einzelne Erfolge zusätzliche Jahre anhäufen konnten, deutlich vereinfacht.
In der Challenger Series treffen künftig sehr unterschiedliche Spielertypen aufeinander. Dort werden relegierte Spieler aus der Championship Series neben den besten Aufsteigern der Korn Ferry Tour, College-Spielern, Q-School-Qualifikanten und erfolgreichen Challenger-Series-Spielern antreten.
Vorgesehen sind unter anderem:
Die Challenger Series soll damit nicht nur als Sprungbrett für Nachwuchsspieler funktionieren. Sie ist ebenso eine Rückkehrplattform für Profis, die ihren Platz in der höchsten Ebene verloren haben. Wie attraktiv diese Mischung in der Praxis wird, hängt allerdings stark von den Feldern, den Austragungsorten, den Preisgeldern und der medialen Aufmerksamkeit ab.
Für Spieler, die ihren Championship-Series-Status verlieren oder den direkten Aufstieg knapp verpassen, führt die PGA Tour eine Last-Chance-Serie ein. Sie soll im Herbst aus mindestens vier Turnieren bestehen und nach der Q-School ausgetragen werden.
Drei Plätze für die Championship Series der folgenden Saison werden dort vergeben. Die Teilnahme ist an eine wichtige Bedingung geknüpft: Wer um einen Platz kämpfen will, muss an allen Turnieren der Serie teilnehmen. Eine Ausnahme ist nur aus medizinischen Gründen möglich. Eine Alternate List ist nicht vorgesehen.
Startberechtigt sind unter anderem:
Die Last-Chance-Serie ist damit kein offenes Qualifikationsturnier für jedermann. Sie bildet vielmehr das letzte Auffangnetz innerhalb des neuen Systems. Für die Fans könnte sie im Herbst zusätzliche Spannung schaffen; für die betroffenen Spieler wird sie zu einer kompakten Serie von Entscheidungsturnieren.
Auch das Ende der Saison wird neu gestaltet. Vor der eigentlichen Tour Championship steht künftig ein 72-Loch-Finale der Championship Series. Die besten 90 Spieler der Saisonwertung nehmen daran teil. Wer den Saisonranglisten-Titel gewinnen will, muss dieses Turnier bestreiten. Nach dem Strokeplay qualifizieren sich die besten 32 Spieler für die Tour Championship. Die erste Woche des Saisonfinales beginnt mit einer Gruppenphase: Acht Gruppen mit jeweils vier Spielern treten im direkten Match Play gegeneinander an. Jeder Spieler bestreitet drei Gruppenspiele, die beiden Besten jeder Gruppe kommen weiter.
In der zweiten Woche bleiben 16 Spieler übrig. Sie spielen im K.-o.-Format um den Titel des Tour Champions. Die beiden Wochen sollen an unterschiedlichen, wechselnden Austragungsorten stattfinden. Der Sieger der Tour Championship wird damit in einem direkten Duellformat ermittelt, während der Saisonbeste über die gesamte Punktesaison bestimmt wird. Die Tour schafft dadurch zwei unterschiedliche sportliche Erzählungen: Konstanz über die gesamte Saison und die Fähigkeit, in einer kurzen Match-Play-Endrunde direkte Duelle zu gewinnen.
Lesen Sie hier mehr zum neuen Format des Saisonfinals der PGA Tour.
Die PGA Tour verspricht sich von der neuen Struktur mehr Übersichtlichkeit und Konsequenz. Für Fans soll leichter erkennbar sein, welchen Wert ein Turnier besitzt und wer in der Saisonwertung unter Druck steht. Die einheitliche Punkteverteilung und das Auf- und Abstiegssystem können tatsächlich dazu beitragen, die Bedeutung einzelner Platzierungen verständlicher zu machen.
Für die Spieler bringt das Modell zugleich mehr Klarheit und mehr Risiko. Ein Aufstieg aus der Challenger Series ist eindeutig geregelt. Gleichzeitig reicht ein schwaches Jahr in der Championship Series künftig grundsätzlich aus, um den Status zu verlieren. Der Druck wird besonders für jene Spieler steigen, die sich am unteren Ende der Top 90 bewegen.
Ob die Challenger Series den Anspruch einer echten zweiten Wettbewerbsebene erfüllt, muss sich erst zeigen. Sie wird nur dann attraktiv sein, wenn dort regelmäßig bekannte Namen, starke Nachwuchsspieler und ausreichend bedeutende Turniere zusammenkommen. Rory McIlroy hat bereits darauf hingewiesen, dass ein Platz in der zweiten Ebene für Spitzenspieler der DP World Tour nicht automatisch ein Karriereschritt nach vorn wäre: „Ich sehe keinen Grund, warum ein Spieler der DP World Tour in die Challenger Series wechseln sollte. Ich sehe darin keinen Aufstieg in seiner Karriere, sondern eher einen Schritt zur Seite", so der Nordire.
Die Aussage verweist auf eine der entscheidenden offenen Fragen der Reform: Wie wird die Verbindung zwischen der PGA Tour und der europäischen DP World Tour künftig aussehen?
Trotz der nun veröffentlichten Kriterien ist das neue Modell noch nicht in allen Einzelheiten fertig.
Die PGA Tour und die DP World Tour verhandeln weiterhin über ihre Strategic Alliance. Unklar ist insbesondere, wie viele europäische Spieler künftig Zugang erhalten und ob sie direkt in die Championship Series aufgenommen werden. Brian Rolapp sagte, er sehe kein Szenario, in dem es überhaupt keine Plätze für Spieler der DP World Tour geben werde. Die konkrete Zahl und der genaue Weg stehen aber noch nicht fest.
Während die Verteilung in der Championship Series veröffentlicht wurde, soll die entsprechende Regelung für die Challenger Series erst im November beschlossen werden. Dabei dürfte eine Rolle spielen, dass Turniere in den Wochen ohne Championship-Series-Veranstaltung möglicherweise höher gewichtet werden sollen.
Auch die genaue Zusammensetzung des Kalenders ist noch nicht abgeschlossen. Die PGA Tour will die Termine und Austragungsorte für die Championship Series 2028 am 22. Februar 2027 vorstellen.
Die neue Ordnung enthält keinen eigenen Sonderweg für Spieler, die zur LIV Golf League gewechselt sind. Ein neues Returning Member Program wie bei Brooks Koepkas Rückkehr plant die PGA Tour nach Aussage von Brian Rolapp derzeit nicht. Für ehemalige LIV-Spieler könnten damit reguläre Wege über die DP World Tour, die Q-School oder sportliche Erfolge relevant werden. Wie diese Möglichkeiten im Einzelnen aussehen, hängt allerdings von den noch offenen Regeln und der weiteren Entwicklung von LIV Golf ab.
Lesen Sie hier mehr über die Möglichkeiten der LIV-Golfer, auf die PGA Tour zurückzukehren.
Die PGA Tour hat den Rahmen für ihr neues Zwei-Serien-Modell deutlich konkreter gemacht. Championship Series und Challenger Series sollen Leistung sichtbarer belohnen, den Zugang zur Spitze ordnen und den Abstieg zu einem festen Bestandteil des Wettbewerbs machen.
Ob das gelingt, entscheidet sich aber nicht allein in den Regelbüchern. Die Saison 2027 muss zeigen, ob die Übergangsregeln fair funktionieren. Danach wird sich herausstellen, ob die Challenger Series tatsächlich als attraktive Aufstiegsebene wahrgenommen wird und ob das neue Saisonfinale die gewünschte Aufmerksamkeit erzeugt.
Die neue PGA Tour beginnt 2028. Für die Spieler beginnt der Kampf um ihren Platz bereits jetzt.
16 Sep 2026
Brian Rolapp, CEO der PGA Tour, hat die Pläne für das zweigleisige Liga-System ab 2028 konkretisiert. (Foto: Imago / Icon Sportswire)