


Die WTGL geht mit einem vollständigen Teilnehmerfeld in ihre Premierensaison. Die neue Frauen-Teamgolf-Liga hat am Montag, 31. August 2026, die Kader ihrer fünf Gründungsteams bekannt gegeben. Insgesamt stehen 25 Spielerinnen für die erste Saison fest. Gespielt werden soll ab November im SoFi Center in Palm Beach Gardens im US-Bundesstaat Florida; die erste Spielzeit soll bis Dezember laufen.
Im Feld treffen große Namen aus unterschiedlichen Generationen aufeinander. Die LPGA-Hall-of-Famerin Lydia Ko, die Major-Siegerinnen Brooke Henderson, Lexi Thompson, Minjee Lee und Yuka Saso sowie die ehemalige U.S.-Women’s-Open-Siegerin Michelle Wie West gehören ebenso zum Aufgebot wie aufstrebende Spielerinnen wie Lottie Woad, Rose Zhang, Kiara Romero und Yana Wilson. Eine der wichtigsten Personalien steht allerdings außerhalb der Kader: Nelly Korda, die aktuelle Nummer eins der Welt, wird bei der WTGL-Premiere nicht antreten.
Der Solheim Cup 2026: Das Highlight vor dem WTGL-Start.
Jede Franchise geht mit fünf Spielerinnen in die Premierensaison. Die vollständigen Kader lauten:
Die Liga bringt nach eigenen Angaben 112 LPGA-Tour-Siege, 48 Solheim-Cup-Nominierungen, 15 Major-Titel und 28 Olympiateilnahmen zusammen. Die Spielerinnen repräsentieren 13 Länder; hinzu kommt eine Spielerin ohne Länderzuordnung. Damit setzt die WTGL auf eine Mischung aus sportlicher Erfahrung, internationaler Vielfalt und Nachwuchs.
Atlanta Drive GC verfügt über einen international erfahrenen Kader. Minjee Lee kommt auf elf LPGA-Tour-Siege und drei Major-Titel, während Yuka Saso die U.S. Women’s Open bereits zweimal gewinnen konnte. Auch Charley Hull bringt drei LPGA-Tour-Siege mit. Andrea Lee und Nataliya Guseva ergänzen das Team mit den Perspektiven zweier Spielerinnen, die über unterschiedliche Stationen den Weg in den Spitzensport genommen haben.
Boston Common Golf setzt auf eine Kombination aus etablierten LPGA-Spielerinnen und jungen Talenten. Céline Boutier gewann 2023 die Amundi Evian Championship und hat sieben LPGA-Tour-Siege vorzuweisen. Megan Khang ist vierfache Solheim-Cup-Spielerin. Mit Lottie Woad und Ina Yoon stehen zudem zwei Spielerinnen im Aufgebot, die für die nächste Generation stehen. Chizzy Iwai bringt neben ihrem eigenen LPGA-Erfolg eine besondere Verbindung nach Los Angeles mit: Ihre Zwillingsschwester Aki spielt dort im WTGL-Team.
Der Los Angeles Golf Club verbindet eine bekannte Rückkehrerin mit etablierten Kräften und einer jungen Profispielerin. Michelle Wie West gewann 2014 die U.S. Women’s Open und kehrt für die WTGL in den Wettkampfsport zurück. Kiara Romero wechselte 2026 ins Profilager, nachdem sie während ihrer College-Zeit an der University of Oregon auf sich aufmerksam gemacht und bei der U.S. Women’s Open den Titel der besten Amateurin gewonnen hatte. Gaby López, Aki Iwai und Alison Lee komplettieren einen Kader mit Erfahrung auf mehreren Kontinenten.
Motor City Golf Club ist die neue Detroit-Franchise im WTGL-Feld. Der Kader wird von Brooke Henderson angeführt, Kanadas erfolgreichster Golferin mit 14 LPGA-Tour-Siegen und zwei Major-Titeln. Jeeno Thitikul beendete die Saison 2025 als Nummer eins der Welt und als Rolex Player of the Year. Lexi Thompson gewann elfmal auf der LPGA Tour und trat sechsmal im Solheim Cup an. Mit Ruoning „Ronni“ Yin und Albane Valenzuela kommen eine Major-Siegerin und eine mehrfach für die Schweiz bei Olympia gestartete Spielerin hinzu.
New York Golf Club stellt mit Lydia Ko die erfahrenste Spielerin des Feldes. Die Neuseeländerin ist Mitglied der LPGA Hall of Fame, gewann 23-mal auf der LPGA Tour, holte drei Major-Titel und gewann drei olympische Medaillen. Danielle Kang bringt ebenfalls einen Major-Sieg und sechs LPGA-Titel mit. Linn Grant, Rose Zhang und Yana Wilson stehen für die jüngere Generation: Grant schrieb 2022 als erste Frau mit einem Sieg bei einem DP-World-Tour-Turnier Geschichte, Zhang gewann bei ihrem LPGA-Debüt und Wilson feierte 2026 ihren ersten Tour-Sieg.
Die WTGL wurde von TMRW Sports in Partnerschaft mit der LPGA ins Leben gerufen. Das Unternehmen knüpft damit an die TGL an, die von Tiger Woods, Rory McIlroy und Mike McCarley gegründet wurde. Anders als bei klassischen LPGA-Turnieren treten die Spielerinnen in kurzen Team-Matches in einer Indoor-Arena an. Austragungsort ist das speziell entwickelte SoFi Center in Palm Beach Gardens, das auch die Heimat der TGL ist.
Pro Begegnung werden drei Spielerinnen aus jedem Fünferkader eingesetzt. Die reguläre Saison soll im Round-Robin-Modus ausgetragen werden, sodass jedes Team gegen die übrigen Mannschaften antritt. Anschließend folgen K.-o.-Halbfinals und ein Finale über maximal drei Begegnungen. Ein Match soll ungefähr zwei Stunden dauern.
Zum Konzept gehören mehrere Elemente, die das Spiel schneller und für das Publikum leichter zugänglich machen sollen. Dazu zählen eine Shot Clock, taktische Risikoentscheidungen, die sogenannte „Hammer“-Option, Echtzeitdaten und die Möglichkeit, die Kommunikation der Spielerinnen über Mikrofone unmittelbar mitzuerleben. Die Liga will zudem Schlagweiten und Bahnen anhand von Leistungsdaten aus dem Frauengolf kalibrieren.
Die prominenteste Lücke im Teilnehmerfeld ist Nelly Korda. Die Weltranglistenerste und vierfache Major-Siegerin steht auf keinem der fünf Kader. Nach Angaben von Golfweek teilte Kordas Team mit, dass die WTGL zeitlich nicht in ihren Kalender passe. Die Liga selbst nannte in der Kaderbekanntgabe keinen zusätzlichen Grund für ihre Abwesenheit.
Korda hatte sich bereits im Januar zur geplanten Frauenliga geäußert. Ihre Haltung war dabei ausdrücklich ambivalent. „Wenn ich ganz ehrlich bin, habe ich gemischte Gefühle dabei“, sagte sie gegenüber Golfweek. Ihre Kritik richtete sich vor allem gegen die Entscheidung, Frauen und Männer zunächst nicht in einer gemeinsamen Liga antreten zu lassen.
„Ich glaube, es ist ein riesiges und kaum nachvollziehbares Versäumnis, dass wir nicht gemeinsam mit den Männern spielen. Es gibt wohl keinen besseren Weg, den Sport wachsen zu lassen, und es wäre revolutionär gewesen. Es wäre, glaube ich, das erste Mal gewesen, dass Männer und Frauen auf demselben Spielfeld um exakt dasselbe Preisgeld spielen.“
– Nelly Korda gegenüber Golfweek, Januar 2026.
Gleichzeitig stellte Korda klar, dass sie die WTGL nicht grundsätzlich ablehnt. „Ich sehe darin keinen Nachteil. Ich glaube nur, dass es noch größer gewesen wäre, beide zusammenzubringen“, sagte sie. Zu diesem Zeitpunkt verwies sie außerdem auf den möglichen Zeitaufwand und noch offene organisatorische Fragen. Deshalb sollte ihre Nichtteilnahme nicht pauschal als Boykott gegen das getrennte Format bezeichnet werden. Belegt ist vielmehr: Korda kritisierte das Konzept öffentlich, während ihr Team als aktuellen Grund für ihr Fehlen den Terminkalender nennt.
Auch Mike McCarley ließ die Möglichkeit eines späteren gemeinsamen Formats grundsätzlich offen. „Ich glaube, das ist für uns interessant, für die LPGA und für viele Spielerinnen und Spieler, mit denen wir sprechen“, sagte der TMRW-Sports-Mitgründer gegenüber Golfweek. Zunächst liege der Fokus jedoch darauf, der Frauenliga eine eigene Bühne zu geben und die Spielerinnen sowie ihre Persönlichkeiten zu präsentieren.
Mit den nun veröffentlichten Kadern ist die sportliche Grundlage der Premierensaison gelegt. Noch nicht bekannt sind jedoch die exakten Spieltermine, das Preisgeld und der Übertragungspartner. Auch Informationen zu Tickets und zur konkreten medialen Umsetzung sollen zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
Die WTGL startet damit mit einem international besetzten Feld, das Erfahrung und Nachwuchs eng miteinander verbindet. Lydia Ko, Lexi Thompson, Brooke Henderson, Jeeno Thitikul und Michelle Wie West verleihen der Liga bekannte Gesichter. Spielerinnen wie Lottie Woad, Rose Zhang, Kiara Romero und Yana Wilson eröffnen zugleich die Perspektive auf eine neue Generation im Teamgolf. Der erste Abschlag im SoFi Center wird allerdings ohne Nelly Korda erfolgen – und damit auch ohne die Spielerin, die die Debatte über das Format der WTGL bislang am deutlichsten geprägt hat.
02 Sep 2026
Nelly Korda, Weltranglistenerste, wird nicht an der ersten Saison der WTGL teilnehmen. (Foto: Imago / Zuma Press)