Der Ryder Cup ist für viele Golferinnen und Golfer der Höhepunkt des Sportkalenders. Es ist das Duell der Kontinente, bei dem die besten Spieler Europas und der USA nicht um Preisgeld, sondern um Ehre, Ruhm und den ikonischen Pokal kämpfen. Genau diese einzigartige Atmosphäre macht das Turnier so emotional und packend. Doch hinter den leidenschaftlichen Jubelstürmen und dramatischen Putts verbirgt sich ein perfekt organisiertes, hochprofitables Unternehmen. Wie kann ein Turnier, bei dem die Spieler scheinbar "um nichts" spielen, ein so gigantisches Geschäft sein? Wer zieht dabei eigentlich die Fäden?
Wer zieht die Fäden? Die Organisatoren
Hinter der Bühne des Ryder Cups stehen zwei Hauptakteure, die sich die Rechte und die Verantwortung teilen. Für die Austragungen auf amerikanischem Boden ist die PGA of America zuständig. Wenn das Turnier in Europa stattfindet, übernimmt die Ryder Cup Europe LLP das Kommando. Die Eigentumsrechte sind dabei zu gleichen Teilen (50/50) aufgeteilt.
Die europäische Seite ist eine Partnerschaft aus drei Organisationen:
- Die European Tour Group (mit 60 % Anteil)
- Die PGA of Great Britain and Ireland (mit 20 % Anteil)
- Die Confederation of Professional Golf (mit 20 % Anteil)
Diese Konstellation stellt sicher, dass das Turnier, unabhängig vom Austragungsort, nach festen Richtlinien und mit einem globalen Vermarktungskonzept durchgeführt wird.
Das Fundament des Erfolgs: Die Säulen des Geschäftsmodells
Das Geschäftsmodell des Ryder Cups ruht auf drei enorm lukrativen Säulen: Sponsoring, Ticketing und Merchandising sowie Medienrechte.
- Sponsoring: Der Ryder Cup hat sich als eine der attraktivsten Plattformen für globale Marken etabliert. Seit 2018 gibt es eine Reihe von globalen Hauptsponsoren, darunter Unternehmen wie Aon, BMW und Rolex, die unabhängig vom Austragungsort dabei sind. Berichten zufolge zahlen diese Partner jeweils zwischen 5 und 8 Millionen Pfund, um ihr Logo und ihre Marke bei diesem Spitzenevent zu präsentieren.
- Tickets und Fans: Die Nachfrage nach Tickets ist gigantisch. Für den Ryder Cup 2023 in Rom bewarben sich 750.000 Menschen für rund 250.000 verfügbare Tickets. Das Turnier in Rom verzeichnete mit 272.000 Fans aus 40 Ländern einen Besucherrekord für eine europäische Austragung. Die Ticketpreise können dabei stark variieren und reichen von erschwinglichen Tagestickets bis zu Hospitality-Paketen, die mehrere Tausend Euro kosten können. Das Video unter diesem Abschnitt gibt Ihnen einen guten Eindruck von der Fan-Kulisse und Lautstärke der Zuschauerinnen und Zuschauer.
- Medienrechte: Die größten Einnahmen werden durch den Verkauf der Übertragungsrechte an Fernsehsender erzielt. Die globalen Einnahmen aus diesem Bereich haben sich seit dem Jahr 2000 vervierfacht. In den USA hat NBC beispielsweise einen TV-Vertrag über 440 Millionen US-Dollar für 15 Austragungen bis 2030 abgeschlossen. Das entspricht einer Summe von 55 Millionen US-Dollar pro Turnier. Auch in Europa sind die Übertragungsrechte, die in Großbritannien seit 1995 bei Sky Sports liegen, ein Millionen-Geschäft.
Die Zahlen sprechen für sich: Der Ryder Cup als Wirtschaftsmotor
Die Ausrichtung eines Ryder Cups ist ein großer Gewinn für die Gastgeberregionen. Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind nicht nur massiv, sondern steigen auch stetig an.
- Der Ryder Cup 2023 in Rom erzielte einen Wirtschaftsschub von 262 Millionen Euro für die italienische Wirtschaft – ein Rekord für eine europäische Austragung. Zum Vergleich: Beim Turnier 2018 in Paris waren es 235 Millionen Euro.
- Die Zuschauer sorgten in Rom für 318.000 Übernachtungen und generierten so allein 34 Millionen Euro Umsatz im Beherbergungssektor.
- Die Einnahmen in einem Ryder-Cup-Jahr sind für die Veranstalter enorm. Die PGA of America verzeichnete im Jahr 2021 Einnahmen von 192 Millionen US-Dollar, wovon 143 Millionen direkt auf das Turnier zurückzuführen waren. In einem Jahr ohne Ryder Cup waren die Einnahmen der PGA of America deutlich geringer.
Das Erbe: Auswirkungen auf die Region
Der Ryder Cup ist kein kurzfristiges Event. Er hinterlässt ein nachhaltiges Erbe. Die Austragungsorte investieren massiv in die Infrastruktur ihrer Plätze, die dann der lokalen Golf-Community zugutekommen. Zudem hat die Veranstaltung einen langfristigen touristischen Effekt: Fast zwei Drittel der internationalen Besucher in Rom gaben an, dass sie aufgrund ihrer Ryder-Cup-Erfahrung gerne für einen längeren Urlaub nach Italien zurückkehren würden. Der Ryder Cup ist also ein sportliches Spektakel, welches das Potenzial hat, die Regionen nachhaltig zu fördern und wirtschaftlich zu beflügeln.